13.04.2017

Bewässerung: Weniger ist mehr!

Das Sprinkler-System ist flexibler und kostengünstiger als die Rohrberegnung und eignet sich zum Anregnen der Saaten

Die Beregnung ist auf vielen niedersächsischen Standorten ein wichtiges Betriebsmittel zur Absicherung der Erträge im Ackerbau. Vielfach ermöglicht auch erst die Beregnung den Anbau von Kulturen mit höherer Wertschöpfung. Der Anbau von Gemüse im Freiland wäre daher in weiten Teilen Niedersachsens ohne eine zusätzliche Bewässerung nicht möglich. Um den effizienten Umgang mit Wasser und Energie zu fördern, hat sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Zeitraum 2013 bis 2016 an dem Modellvorhaben „Demonstrationsbetriebe zur Effizienzsteigerung der Bewässerungstechnik und des Bewässerungsmanagements im Freilandgemüsebau“ beteiligt.

Die Wasserentnahme zu Bewässerungszwecken aus dem Grundwasser ist in der Regel durch die wasserrechtlichen Erlaubnisse begrenzt. Die benötigte Wassermenge wird jedoch, bedingt durch die prognostizierte Ausdehnung der Flächen mit Bewässerungsbedarf und eine Erhöhung der benötigten Zusatzwassermenge auf den bereits bewässerten Flächen, tendenziell ansteigen. Vor diesem Hintergrund muss das eingesetzte Zusatzwasser den Pflanzen möglichst verlustfrei zur Verfügung gestellt werden. Ziel des Modellvorhabens war es daher, wasser- und energieeffiziente Bewässerungssysteme zu entwickeln und in der Praxis zu etablieren. Im Rahmen der Beratung wurden zunächst die Bewässerungsverfahren der teilnehmenden Demonstrationsbetriebe analysiert, um Ansatzpunkte für mögliche Verbesserungen zu erarbeiten. Betriebliche Besonderheiten wie die Wasserbereitstellung, das Anbauverfahren und Flächenzuschnitte wurden bei der Auswahl eines neuen oder der Verbesserung eines bestehenden Bewässerungssystems besonders berücksichtigt.

So haben beispielsweise die energiesparenden Niederdruckbewässerungstechniken auf dem Betrieb von Henning Holste in Martfeld mittlerweile die mobile Beregnungsmaschine abgelöst: Die in Dammkultur angebauten Bundmöhren werden durch einen 3-5 cm tief in der Dammkrone verlegten Tropfschlauch mit Wasser versorgt. Die Verlegung des Schlauches erfolgt hierbei in einem Arbeitsgang mit dem Dammaufbau. Dammformung und Aussaat erfolgen GPS-gesteuert, sodass der Tropfschlauch genau zwischen zwei Doppelreihen platziert ist. Neben den Möhren werden auch Kartoffeln und Spargel ab Stechende mit Tropfschläuchen bewässert. In den Kartoffeln genügte dabei bisher auch auf den leichten Sandböden des Betriebes ein oberirdisch verlegter Tropfschlauch in jeder zweiten Dammfurche. Weiterhin wird auch ein Sprinkler-System, bestehend aus Flachschläuchen und aufsteckbaren Zweistrahlregnern, eingesetzt. Das System ähnelt der Rohrberegnung, ist jedoch flexibler, leichter aufzubauen und lässt sich mit geringerem Wasserdruck betreiben.

Neue Wege in der Bewässerung geht auch Jürgen Kramer aus Hassel, der als ökologisch wirtschaftender Betrieb Tropfschläuche in Zwiebeln einsetzt. Weil das Unkraut mechanisch reguliert wird, erfolgt die Verlegung der Tropfschläuche unter einer Doppelreihe in 5–8 cm Tiefe. Dadurch können die Schläuche bereits zehn Tage vor der Saat verlegt werden, sodass eine erste Unkrautwelle noch vor dem Auflaufen der Zwiebeln abgeflammt werden kann. Die Wasserbereitstellung erfolgt in diesem System sehr energieeffizient mit 0,5-1 bar Druck. Um die Tropfschläuche nach Kulturende zu bergen, erfolgt das Roden der Zwiebeln etwas tiefer, sodass der Tropfschlauch mit dem Erntegut über den Roder läuft und gemeinsam mit den Zwiebeln im Schwad abgelegt wird. Da mechanische Beschädigungen des Tropfschlauches durch das Roden nicht ausgeschlossen werden können, empfiehlt es sich, in diesem Anbauverfahren preisgünstige einjährig nutzbare Schläuche einzusetzen.

Erfahrungen mit dem Einsatz von Tropfschläuchen in Zwiebeln hat auch Henning Meyer aus Immensen gesammelt: Auch hier gestaltete sich das maschinelle Verlegen der Tropfschläuche in einer Überfahrt mit der Saat und die Ernte mit einem Siebkettenroder relativ problemlos. Da die Flächen jedoch an ein Hochdruck-Beregnungsnetz angeschlossen sind, konnte die gewünschte Energieeinsparung nicht erzielt werden. Zudem müssen in dem Anbausystem mit sechs Saatreihen pro Beet drei Tropfschläuche verlegt werden, was zu deutlich höheren Materialkosten führt. Insgesamt konnte sich die Tropfbewässerung in diesem Betrieb nicht durchsetzen. Hier wird besonders deutlich, dass bei der Auswahl des Bewässerungssystems das Augenmerk nicht nur auf die zu bewässernde Kultur, sondern in gleichem Maße auch auf das Anbausystem gelegt werden muss.

Da in Niedersachsen größtenteils Ackerkulturen beregnet werden, stellt die mobile Beregnungsmaschine mit Großregner das mit weitem Abstand am häufigsten eingesetzte Bewässerungsverfahren dar. Techniken wie Rohr- oder Schlauchberegnung, Tropfbewässerung und Kreisberegnungsanlagen werden vergleichsweise selten eingesetzt. Um Energieeinsparungen durch eine Reduktion des benötigten Betriebsdruckes beim Einsatz der Beregnungsmaschine zu erzielen, war auf den Betrieben von Ulrich Elbers, Nettelkamp, und Ulrich Dörrheide, Altendorf, der Einsatz von Düsenwagen an mobilen Beregnungsmaschinen vorgesehen. Beide Betriebsleiter entschieden sich jedoch gegen das System, da die am Markt angebotene Technik relativ teuer und nur wenig praktikabel erschien. Zudem wird der Einsatz von Düsenwagen durch die teilweise kleinen Anbausätze und Hindernisse wie Strommasten und Bäume an oder in den Flächen erschwert. Auf dem Betrieb Elbers wurde daher eine Teilfläche mit Kleinregner ausgestattet und eine portable Zuleitung durch eine PVC-Erdleitung ersetzt. Auch im Betrieb von Ulrich Dörrheide konnte der Energieeinsatz im bestehenden Beregnungssystem durch die Verlegung einer groß dimensionierten Erdleitung deutlich reduziert werden. Zusätzlich wurde ein Smartphone basiertes Dokumentations- und Überwachungssystem für mobile Beregnungsmaschinen installiert. Hierbei sind auf den Regnern GPS-Sender und Drucksensoren installiert, welche Standort und Betriebsdaten an einen Webserver senden. Bei Störungen im Einzug oder Druckabfall im System wird eine Mitteilung an den Betriebsleiter gesendet, sodass der Aufwand für Kontrollfahrten zu den Maschinen erheblich reduziert werden kann.

In großflächig strukturierten Gebieten sind neben der Tropfbewässerung auch die Kreis- und Linearberegnungstechnik geeignet, um den Energieverbrauch durch die Bewässerung zu reduzieren. Im Rahmen des Projektes wurde daher die Errichtung einer Kreisberegnungsanlage begleitet, welche für 40 ha Beregnungsfläche ausgelegt ist. Die Anlage ersetzt die dort bisher eingesetzte mobile Beregnungsmaschine. Um die angestrebte Energieeinsparung erzielen zu können, wurde ein separater Brunnen am Zentralturm der Anlage errichtet. Dadurch kann die Kreisberegnung mit rund 3 bar Wasserdruck betrieben werden, während das bestehende Hochdrucknetz zur Versorgung der mobilen Beregnungsmaschinen gut 9 bar benötigt. Neben der deutlichen Energieeinsparung kann auch die Wasserverteilung gegenüber der mobilen Beregnungsmaschine mit Starkregner deutlich verbessert werden. Der bedeutendste Vorteil der Großflächenberegnungstechniken ist jedoch der geringe Arbeitsaufwand während der Beregnungssaison: Im Projektbetrieb können durch den Einsatz der Kreisberegnung im Vergleich zur herkömmlichen Beregnungstechnik in der Saison rund 10 Arbeitsstunden pro Woche eingespart werden. Die Investitionskosten der Kreisberegnungsanlage (ohne Kosten für separaten Brunnen und Stromanschluss) sind vergleichbar mit den Kosten für die Erschließung mit mobilen Beregnungsmaschinen.

Abschließend betrachtet konnte die Arbeit im Projekt zeigen, dass in vielen Betrieben Möglichkeiten der Optimierung in den Bewässerungssystemen bestehen. Ein vollständiger Systemwechsel ist aber nicht immer notwendig und sollte bei Bedarf genau geplant sein.

Andreas Meyer, Landwirtschaftskammer Niedersachsen


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Ausgabe 04/2017

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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