11.05.2017

Größter Gewächshauskomplex Deutschlands erweitert

Wittenberg Gemüse GmbH

Dr. Helmut Rehhahn ist seit 2004 Geschäftsführer der Unternehmensberatung UBM in Altenweddingen bei Magdeburg. Er betreut vor allem Neubauprojekte in der Agrar-Branche

Das Jahr 2017 ist das Finale der Luther-Dekade, mit der das 500-jährige Jubiläum der Reformation gefeiert wird. Die Lutherstadt Wittenberg erwartet einen Gästeansturm aus aller Welt. Was das mit dem Gemüsebau zu tun hat? Es gibt die Luther-Tomate, eine rechtzeitig geschützte Marke für ein Premium-Produkt, gewachsen bei der Wittenberg Gemüse GmbH. Auch Verbraucher in gar nicht protestantischen Gegenden haben auf diesem Wege genüsslichen Kontakt mit dem „Ketzer“.

Im Jahr 2013 gingen bei der Lutherstadt Wittenberg die ersten zwei Gewächshäuser mit insgesamt 15 ha in Betrieb. Im März 2016 war Baubeginn für weitere 7 ha unter Glas, Ende 2017 soll dann dieser Neubau in Produktion gehen. Die Genehmigung für weitere zwei Gewächshäuser mit je 8,5 und 9,5 ha liegt vor, wodurch 2020/21 rund 40 ha möglich sind. Da das Gelände an einem Hang liegt, wird die Fläche in drei Terrassenebenen ausgebaut.

Neben den Gewächshäusern gehört zum Projekt ein sich direkt anschließendes Logistikzentrum. Mit den beiden ersten Gewächshäusern waren schon 2013 zugleich alle Infrastrukturmaßnahmen für das Gesamtobjekt abgeschlossen. So werden die Gewächshäuser über Wärmetauscher durch die Abwärme der Stickstoffwerke Piesteritz (SKW) beheizt. Diese Leitung lag ebenso von Anbeginn für alle 40 ha wie die Gasleitung für gereinigtes CO2 aus dem Chemiebetrieb in der unmittelbaren Nachbarschaft. Besonders sauberes Wasser bietet ein Grundwasserbrunnen, der in der Elbe-Aue nie versiegen dürfte.

Infrastruktur von Beginn an komplett

Die Verantwortung für den Neubau trägt Dr. Helmut Rehhahn, Geschäftsführer der auf Neubauprojekte in der Agrar-Branche spezialisierten Unternehmensberatung UBM in Altenweddingen bei Magdeburg. Für das Projekt gründeten niederländische Investoren um die Van-Gog-Gruppe die Wittenberg Gemüse GmbH. Mit dem Bauabschluss des Gesamtprojektes haben diese Investoren rund 40 Mio. € in die Hand genommen, davon den Großteil während der ersten, die Infrastruktur schaffenden Bauphasen. Die aktuell entstehenden Gewächshäuser werden jeweils zwischen 5,5 bis 7 Mio. € kosten.  

Auf den 15 ha der ersten beiden Gewächshäuser wurden im Dezember 2013 rund 600 000 Tomatenpflanzen gesetzt. Alle technischen Vorgänge laufen seitdem unverändert: Am Jahresende wird gepflanzt, von Ende März – dieses Jahr ab der 11. oder 12. KW – bis 20. November geerntet und nach einer Reinigungspause wieder gepflanzt. „Eine Rund-ums-Jahr-Ernte“, so Rehhahn, „haben wir derzeit nicht ins Auge gefasst, da der Energieverbrauch für die Beleuchtung unter jetzigen Umständen wirtschaftlich nicht vernünftig wäre.“ Insgesamt laufe alles wie geplant, alle Partnerschaften funktionieren. Rückblickend auf 2016 spricht Rehhahn von Stabilität und „einem Jahr, das besser verlief als das vorangegangene“.

Das Sorten-Spektrum umfasst nach wie vor vier bis fünf Sorten Rispentomaten, wovon jedes Jahr welche ausgetauscht wurden; 2017 gegenüber dem Vorjahr wurden zwei Sorten angepasst. „Gleichzeitig“, so Rehhahn, „lassen wir parallel zur Produktion immer auch in geringem Umfang einen Probeanbau sowohl mit alten Sorten als auch mit Neuzüchtungen laufen. Dabei ist der Hofverkauf ein wichtiger Indikator für den Verbrauchergeschmack“. Wenn Ende 2017 die Häuser stehen, wachsen auf 15 ha Tomaten und auf 7 ha Paprika.

Eigenvermarktung funktioniert

Der größte Teil der Ernte kommt inzwischen als Premium-Marke „Luther-Tomate“ in die Regale des Lebensmitteleinzelhandels. Die Vermarktung hat die Wittenberg Gemüse GmbH von Anfang an  komplett selbst in die Hand genommen. Im mitteldeutschen Raum sind die Hersteller von der ersten Saison an mit mehreren großen Ketten im Geschäft. „Das Jugendcamp des Jubiläumsjahres“, so Rehhahn, „werden wir mit Gemüselieferungen zu Vorzugsbedingungen unterstützen.“

Ein geringer Teil der Ernte geht über den Hof-Verkauf. „Das begann sehr schleppend und hat sich aber deutlich gesteigert“, erzählt der Geschäftsführer. „Da wir nur zweimal pro Woche für zwei bis drei Stunden verkaufen, findet die übrige Zeit auch unser Tomaten-Automat Anklang. Dort können  unterschiedliche Packungen mit einem Preis zwischen 2 und 6 € entnommen werden. Unsere Tomaten schmecken so gut, dass in Wittenberg und Umgebung kaum noch jemand eigene Tomaten anbaut.“

Marlis Heinz


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