13.04.2017

Rote Johannisbeeren - Auf Dauer im Topf?

Für Erzeugerorganisationen sind Johannisbeeren nach Erdbeeren die wichtigste Beerenkultur in Deutschland. Ungefähr 520 Betriebe produzieren auf 800 ha rund 7 000 t Früchte. Vor allem nach frühen Johannisbeeren gibt es noch Nachfrage. Wie sich der Ertrag steigern lässt, untersucht Simon Schrey am Versuchszentrum Gartenbau in Köln-Auweiler. Auf dem Beerenobsttag Mitte Februar stellte er erste Ergebnisse vor.

Vor der Pflanzung in den Damm wurden die Johannisbeeren im Container vorkultiviert

Da die Dammkultur im Vergleich zur Flachkultur deutlich mehr Ertrag (in Auweiler +28 %) und bessere Fruchtgewichte liefert, empfehlen die Profis bei traditionellem Anbau diese Methode. Zur Kultur der Roten Johannisbeeren werden verschiedene neue Varianten getestet: Direktpflanzung in den Damm, Vorkultur im Container und dauerhafte Containerkultur. Bei der ersten Variante wird ein langes, einjähriges, bewurzeltes Steckholz direkt in den Damm gepflanzt, bei der zweiten werden die Pflanzen zunächst im 3-l-Container kultiviert und anschließend (im Herbst) in den Damm gepflanzt. Ab dem zweiten Standjahr wurde jeweils geerntet. Dabei zeigte sich, dass Erträge und Rispengewichte bei jeweils eintriebiger Erziehung ähnlich ausfielen.

Ein– oder zweitriebig?

Vergleicht man eine traditionelle zweitriebige Erziehung mit einer Variante mit Vorkultur im Container und anschließend eintriebiger Erziehung kommen Ludger Linnemannstöns und Simon Schrey zu folgendem Ergebnis: Die Investitionskosten für die zweitriebige Anlage sind zwar ca. um die Hälfte geringer, aber die eintriebig erzogene Anlage (mit engerem Pflanzabstand) bringt einen schnelleren Geldrückfluss. Bereits im vierten Jahr kommt es zu einem finanziell positiven Ergebnis, in der traditionellen Anlage erst im sechsten Jahr. Der intensivere Anbau liefert bereits nach einem Jahr Erträge und erreicht insgesamt höhere Erntemengen als die traditionelle Anlage.

Wichtig bei einer Kultur im Container ist das Substrat. Es muss strukturstabil sein, eine gute Dränfähigkeit besitzen und sowohl Wasser als auch ausreichend Luft führen. Als Basis bietet sich hier Weißtorf mit Kokosfasern und evtl. weiteren Zuschlagstoffen ergänzt an. Alternativ könnte auch ein Himbeersubstrat verwendet werden. Gedüngt wird in Auweiler von Mitte März bis Mitte August mit einem Volldünger (15+8+19+4) und ca. 6 kg N/Woche.

Wenn sich die Kultur im Container als Vorkultur so positiv auswirkt – warum dann nicht einfach im Container weiterkultivieren? Auch das wird in Auweiler getestet. Seit 2014 stehen Rote Johannisbeerpflanzen im 4,7-l-Container auf Dämmen mit Bändchengewebe. Bewässerung und Düngung erfolgen über Einzeltropfer. Linnemannstöns empfiehlt für die dauerhafte Containerkultur allerdings mindestens 7,5 oder 10 l  Topfvolumen. Bei der Auswertung der Erntemengen lag die Containerkultur im dritten Standjahr mit 27 t/ha bei `Rovada´ bzw. 22,8 t/ha bei `Jonkheer van Tets´ deutlich vor der Bodenkultur (mit Vorkultur im 3-l-Container) mit 25,2 t/ha bzw. 17,1 t/ha. Die Rispengewichte betrugen bei `Rovada´ in beiden Varianten 16,5g, bei `Jonkheer van Tets´ lagen sie in der Bodenkulturvariante mit 6,4 g über der Containervariante mit 5,9 g.

Kein Vorteil ohne Nachteil

Für eine dauerhafte Containerkultur gab Schrey folgende Tipps:

  • Winterschnitt: konsequent auf einjährige Seitentriebe (Länge 20-40 cm), Zapfenschnitt (auf 2-4 cm), pro Gerüstast 6-10 einjährige Seitentreibe belassen
  • Sommerschnitt: beim Umfärben der Früchte zu steile und zu lange Triebe auf Zapfen schneiden, diesjährige Triebe am Fruchtholz auf 15-20 cm hinter der letzten Traube einkürzen für gleichmäßige Abreife
  • Unkrautmanagement: Jäten von Hand, evtl. Abdecken mit organischem Material wie Kokosscheiben
  • Frostschutz: erhöhtes Risiko von Frostschäden

Neben den Vorteilen einer verkürzten Jugendphase und damit schnellerem Ertragsbeginn sowie – zumindest in diesem Versuch – höheren Gesamterträgen steht bei der Containerkultur die erhöhte Gefahr von Frostschäden gegenüber. In Köln-Auweiler stehen die Pflanzen ohne Abdeckung und haben bislang keine Schäden erlitten – allerdings waren die letzten Winter sehr mild. Ein Austausch von einzelnen ausgefallenen Pflanzen wäre aber bei einer Containerkultur schnell und einfach möglich.

Marion Valenta


Informatives



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