08.06.2018

125 Jahren Gerbera in Erfurt

50 Jahre in Marbach

So üppig blühten die Gerbera in edlen Sorten in der Gärtnerei von Peter Ambrosius in Marbach
Foto: Gugenhan

Schnittblumen spielen im gärtnerischen Anbau und Absatz eine große Rolle. Sie sind, so Britta Tröster von der AMI GmbH, das größte Marktsegment und erlösen immerhin einen Gesamtpreis von rund 3,0 Mrd. €. Schon seit weit über zehn Jahren steht die Rose als Schnittblume an der Spitze des Absatzes, gefolgt von Tulpen und Chrysanthemen. Immerhin gab es einmal eine Zeit, wo die Gerbera an dritter Stelle lag (2007). 2016 nahm sie aber immerhin noch den 5. Platz ein und zählt so auch heute noch zu den beliebtesten Schnittblumen.

In ihrer Geschichte hat sie aber viel erlebt, denn sie wurde schon 1737 als Afrikanische bzw. Äthiopische Aster bekannt. Beschrieben wurde sie damals von dem holländischen Botaniker Jan Frederik Gronovius, der ihr auch zum damaligen Zeitpunkt den Gattungsnamen Gerbera, nach Traugott Gerber, verlieh. Der Namenspatron Traugott Gerber wurde bereits am 16. Januar 1710 in Zodel, nahe Görlitz, geboren, studierte ab 1730 an der Universität Leipzig Medizin und war von 1735 bis 1742 Arzt in Russland und Direktor des ältesten botanischen Gartens in Moskau. 1742 folgte er der russischen Armee als Arzt nach Finnland und starb bereits mit 33 Jahren am 8. Februar 1743, also vor 275 Jahren, in Wyborg, nördlich von St. Petersburg.

Interessant ist auch, dass schon 1738 Carl von Linné die Gattung in seine Systematik der Pflanzen aufnahm. Rund 150 Jahre später, 1884, findet Robert James, der in Durban (Südafrika) mit Pflanzen handelte, auf den Feldern von Barberton in Transvaal auch diese Blume und nannte sie damals "Barberton Daisy", das Barberton-Gänseblümchen. Er schenkte sie damals dem Botanischen Garten in Durban, dessen Leiter er kannte, dass es sich um Gerbera handelte. Schon zwei Jahre später gelangten die ersten Exemplare in den Botanischen Garten nach Kew bei London, wobei etwa zur selben Zeit Harry Bolus, ein Botaniker aus dem Kap, vorschlug, dieser Pflanze den Artname nach Robert Jamson, Gerbera jamesonii zu verleihen.

Bereits 1890 wurden durch Irvin Wynch am Botanischen Garten von Cambridge die ersten Kreuzungsversuche durchgeführt und drei Jahre später gelangten Gerbera auch nach Deutschland. Die ersten Gerberapflanzen, so die Überlieferung, wurden von Ferdinand Friedrich Haage in Erfurt kultiviert, wo sie sich dann in der bekannten und sehr großen Gärtnerei Haage & Schmidt weiter ausbreiten konnte. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde die Gerbera weltweit zu einer der beliebtesten Schnittblumen. Durch intensive Züchtungsmaßnahmen sind im Laufe der Jahrzehnte tausende von Sorten und Hybriden entstanden, die heute eine bedeutende Rolle spielen.

Auch in Süddeutschland hat sich vor genau 50 Jahren, 1968, Peter Ambrosius mit der Kultivierung von Gerbera befasst und sich vor allen Dingen in seinem Gartenbaubetrieb in Marbach, nahe Stuttgart, für die Züchtung wertvoller Sorten in besten Formen und Farben, hoher Stabilität und Haltbarkeit eingesetzt. So sind ihm viele Neuzüchtungen gelungen,  die das gesamte Sortiment deutlich verbessert haben. Es muss aber außerdem noch darauf hingewiesen werden, dass Gerbera heute auch als blühende Topfpflanzen eine gewisse Rolle spielen und der Trend zur Freilandkultur als winterharte Stauden im Blickpunkt steht.

Gerber mit Museum geehrt

Peter Ambrosius ist aber auch noch etwas anderes gelungen. Vor 20 Jahren, 1998, wurde er durch die Anfrage einer japanischen Gärtnergruppe angeregt, sich mit dem Leben von Traugott Gerber zu befassen. Dabei stieß er auf die Ortschaft Zodel, in der Traugott Gerber 1710 geboren und getauft wurde. Zodel ist heute mit rund 600 Einwohnern der größte Ortsteil der Gemeinde Neißeaue, einem Ort im Landkreis Görlitz im Osten von Sachsen.  Durch seine Initiative wurde vier Jahre später, 2002 die Gründung der Traugott-Gerber-Gesellschaft in Zodel initiiert. Sie hat vielfältige Tätigkeitsfelder übernommen und hilft zum Beispiel Menschen in besonderen Situationen, fördert Kultur, Musik und den Sport und sorgt für Hilfe zur Erhaltung der Umwelt und Natur sowie der Denkmalpflege. Tätig ist sie in einem größeren Bereich im Umfeld von Görlitz. Das Besondere ist aber auch, dass zur etwa gleichen Zeit im ehemaligen Gemeindeamt von Neißeaue das Traugott-Gerber-Museum gegründet wurde. Dort ist die evangelische Kirchengemeinde Zodel aktiv tätig und informiert vor allen Dingen über die Geschichte von Traugott Gerber und die Entwicklung der Gerberapflanzen.

Noch eine Besonderheit gibt es im Ortsteil Zodel. In Erinnerung an den vor 275 Jahren verstorbenen Botaniker und Mediziner erhielt auch eine Schule den Namen Traugott-Gerber-Schule.

Ausgelöst wurden diese imposanten Erinnerungsstücke von dem in Marbach ansässigen Peter Ambrosius, der bis vor wenigen Jahren in seiner Gärtnerei mit mehr als 30 000 Gerberapflanzen nicht nur Schnittblumen produzierte, sondern beachtliche Kreuzungen durchführte. Barbara Jäckel, die Vorsitzende der Traugott-Gerber-Gesellschaft, hat bei einem Telefongespräch sofort darauf hingewiesen, dass eigentlich alle heutigen Aktivitäten in Zodel von Traugott Gerber ausgelöst wurden.

Aufgrund dieser vielen Besonderheiten rund um die Gerbera, vom Namensgeber bis zur bedeutenden Schnittblume im heutigen Sortiment, ist es sicher angebracht, wenn man sich 2018 an die Geschichte dieser wunderschönen Schnittblume erinnert.

Edgar Gugenhan


Industrie-News



Informatives



Ausgabe 08/2018

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

Service

Quicklinks