09.11.2018

70 Jahre Forschung am Institut für Biologischen Pflanzenschutz in Darmstadt

Gemeinsam mit einem Schwesterinstitut erforschten die Wissenschaftler das Apfelwickler-Granulovirus CpGV, sodass 1989 das erste Viruspräparat zugelassen werden konnte. Als erste Resistenzen gegen das Präparat auftraten, reagierte das Institut sofort und erforscht seither erfolgreich an resistenzbrechenden CpGV-Isolaten.
Foto: JKI

Klein, aber fein, innovativ, forschungsintensiv und praxisnah: so kann die Arbeit des JKI-Fachinstituts für Biologischen Pflanzenschutz bezeichnet werden, das nunmehr seit 70 Jahren daran forscht, Schädlinge und Krankheiten an Kulturpflanzen wie Kartoffeln, Gemüse oder Obst in Schach zu halten. Die Mittel der Wahl sind dabei Pilze, Viren oder Bakterien, natürliche Gegenspieler wie Florfliegen oder Schlupfwespen, Pflanzenextrakte oder andere nicht-chemische Verfahren.

„Es ist das einzige Forschungsinstitut in Deutschland, das sich ausschließlich dem biologischen Pflanzenschutz mit allen seinen Facetten widmet. Vor dem Hintergrund der kritischen Bewertung des Pflanzenschutzes in der Gesellschaft wird es auch in Zukunft sicher einen besonderen Stellenwert einnehmen“, so JKI-Präsident Dr. Georg F. Backhaus über das in Darmstadt angesiedelte Fachinstitut unter dem Dach des JKI. Das Institut ist eines von 17 Fachinstituten des Julius Kühn-Instituts (JKI), das als Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zugeordnet ist.

Prof. Dr. Johannes Jehle, der jetzige Leiter des Fachinstituts, macht rückblickend auf 70 Jahre Forschung klar, dass ein langer Atem nötig ist, wenn man Kulturpflanzen gezielt ohne Chemie vor Krankheiten und Schädlingen schützen will. Wir sind stolz darauf, dass unser Institut bis heute wissenschaftliche Pionierleistungen erbringt. Viele Erfolge bei der Entwicklung biologischer Mittel und Verfahren sind maßgeblich auf Forschungen des Instituts zurückzuführen bzw. wurden konzeptionell von unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern begleitet“, sagt Jehle. Viele Arbeitsgebiete sind geblieben, weitere Fragestellungen hinzugekommen. So zum Beispiel, welche Wirkmechanismen und Interaktionen den biologischen Verfahren zugrunde liegen oder aktuell Untersuchungen zur funktionellen Biodiversität natürlich vorkommender Gegenspieler.

Jehle schaut positiv in die Zukunft, ist aber auch selbstkritisch: „Biologische Mittel wirken anders. Oft sind sie nur selektiv und kurz wirksam. Dieser Vorteil für Mensch und Umwelt ist leider der Grund dafür, dass Firmen, die sich auf solche Mittel spezialisieren, nur kleine Märkte erschließen können. Das birgt das Risiko, das aufgrund der sehr hohen Kosten für eine Zulassung viele Verfahren oder Mittel nicht bis zur Marktreife geführt werden. Einige biologische Substanzen wirken außerdem nur indirekt bzw. mehrere Mechanismen wirken zusammen, ein Umstand, der eine Zulassung nicht leichter macht.“

Quelle: JKJI


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Ausgabe 12/2018

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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