27.03.2015

8. Norddeutscher Gemüsebautag in Stillhorn

Der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland gelang es, mit ihrer Vortragsreihe in ungewöhnliches und interessantes Programm zusammenzustellen.

Thomas Albers, Vorsitzender der Fachgruppe, und Karl-Heinz Buchholz, von links

von Josefine von Hollen

Thomas Albers ließ in seiner Begrüßungsansprache kurz das Jahr 2014 Revue passieren, um dann umso intensiver auf die Probleme des aktuellen Produktionsjahres aufmerksam zu machen. Bei der Novellierung der Düngemittelverordnung warnte Albers vor überzogenen Forderungen. „Die Düngebedarfsermittlung muss sich auch weiterhin an den tatsächlichen Ertragserwartungen orientieren und darf nicht unverhältnismäßig stark bürokratisiert werden“, forderte der Vorsitzende.

Fünf-Punkte-Papier Pflanzenschutz

Die Verfügbarkeit von geeigneten Pflanzenschutzmitteln (PSM) sei für den Gemüsebau unverzichtbar, so Albers. Eine Harmonisierung rücke jedoch in weite Ferne. Deshalb habe der Berufsstand in einem Fünf-Punkte-Papier seine Forderungen deutlich formuliert: 1. Zulassung von PSM wirkungsvoll harmonisieren, 2. ausreichende Verfügbarkeit einer breiten PSM-Palette sicherstellen, 3. Agrar- und Umweltpolitik von der PSM-Zulassung trennen, 4. klares politisches Bekenntnis zum chemischen Pflanzenschutz, 5. Integrierten Pflanzenschutz fördern.

Der Preis steht im Vordergrund

Karl-Heinhold Buchholz, Sachverständiger der Industrie- und Handelskammer in Schwerin, stellte zu Beginn seines Vortrages fest: „Qualität von Obst und Gemüse ist abhängig von der individuellen Erwartung und vom jeweiligen Bedürfnis. Deshalb verstehen Verbraucher, Handel und Erzeuger unter Qualität nicht dasselbe.“ Durch Markt- und Konsumforschung werde der Verbraucher ständig beobachtet und sein Verhalten erfasst, so dass hier die Vorstellungen von Qualität gut bekannt seien, erklärte Buchholz. Natürlich gebe es verschiedene Verbrauchertypen, wie z.B. Ethiker, Genießer, Qualitätsbewusste usw., jedoch sei dem Handel durchaus klar, dass der Verbraucher neben der Qualität vor allem auf den Preis achte. Der Handel trägt dieser Preisorientierung des Verbrauchers Rechnung.

Der Feind des Erfolges ist der Erfolg

Torsten Bittlingmaier, Geschäftsführer der Haufe Akademie in Freiburg, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den Megatrends und den daraus resultierenden Herausforderung für die Personalarbeit. „Krisenzeiten sowie Veränderungen in einer globalen Wirtschaft und vernetzten Welt verlangen nach Führungsvielfalt und flexiblen Organisationen“, erklärte Bittlingmaier. Riesige Unternehmen wie Kodak oder Nokia hätten dies nicht beherzigt und das sei der Grund für ihr plötzliches und gänzliches Verschwinden vom Markt. Der größte Feind des Erfolges von Morgen sei der Erfolg von heute, zitierte der Experte einen Wirtschaftsmanager. Dieser mache nämlich oft genug für die Zukunft blind. Man brauche also Störgrößen und man müsse lernen, damit umzugehen.

Der Trend gehe zur Vollbeschäftigung, ist sich der Experte sicher. Das bedeute, die Machtposition des Arbeitnehmers gegenüber den Unternehmen steigt. Die Mitarbeiter werden die Arbeitsbedingungen zunehmend definieren und dies habe zur Folge, dass das Arbeitsleben, die Strukturen im Unternehmen und die Prozesse immer mehr demokratisiert würden. Heute dominieren in der Arbeitswelt noch Langzeitarbeitsverhältnisse. Im Jahr 2020, so vermutet der Manager, werden diese nur noch ca. 35 bis 40 % ausmachen, weitere 40 % der Beschäftigten werden in zeitlich begrenzter Projektarbeit gebunden und ca. 20 % selbstständig beschäftigt sein.

Y Generation flexibel und gut ausgebildet

Die sogenannte Y Generation (Teenager von 1990 bis 2010) treten zunehmend in die Arbeitswelt ein. Diese Generation habe vollkommen andere Vorstellungen von Arbeit und Leben als die Generationen vor ihnen, erklärte Bittlingmaier. Diese jungen Menschen seien mit den sozialen Netzwerken aufgewachsen und integrierten diese selbstverständlich in den Alltag. Arbeit und Freizeitgestaltung würden stärker miteinander verwoben. Diese Mitarbeiter hinterfragten ihren Arbeitgeber stärker, also „warum“ werde etwas so und nicht anders gemacht. Sie seien gut ausgebildet, wollten weiter lernen und seien bereit, den Arbeitsplatz oder Arbeitsort schnell zu wechseln. Die Unternehmen müssten sich also etwas einfallen lassen.

Bittlingmaier legte für die Zukunft zwei Strategien dar: 1. Mitarbeitermagnetismus: Das Unternehmen umsorgt seine Mitarbeiter mit einem Rundumpaket, bietet ein hohes Maß an Sicherheit, Weiterbildung, Freizeitgestaltung oder Zusatzleistungen. Die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit verschwimmen. 2. Attract and let go: Das Unternehmen hält sich einen kleinen Kern an Langzeit-Mitarbeitern und arbeitet nur mit kurzfristig benötigten Projektmitarbeitern zusammen. Für das Unternehmen bedeutet das eine hohe Flexibilität und Dynamik, flache Strukturen, aber auch keine Bindung zu den Mitarbeitern, kaum Sicherheiten, wenig Attraktivität, im Unternehmen zu verbleiben.

Wie soll ein Unternehmen aber arbeiten können, wenn es um knappe Mitarbeiter mit Wohlfühl-Angeboten, flexiblen Arbeitszeiten und Mitbestimmungsanspruch ringen muss und diese auch allzu schnell bereit sind, den Arbeitgeber zu wechseln? „Wir sollten uns nicht fragen, ob es sich lohnt, in die Mitarbeiter zu investieren. Wir müssen uns fragen, ob wir es uns leisten können, dies nicht zu tun“, erklärte der Experte. Künftig werde nicht mehr für eine bestimmte Beschäftigung ein passender Mitarbeiter gesucht, sondern das Unternehmen werde sich frage müssen, welche Aufgaben man mit dem vorhanden Mitarbeiterstab leisten könne.

Anrechnung von Unterkunft und Verpflegung

Gilt das Mindestlohngesetz, so sei eine Anrechnung der Unterkunft und Verpflegung möglich, berichtete Hoffmann.  Voraussetzungen dafür seien, dass es eine Vereinbarung geben müsse, die im Arbeitsvertrag niedergelegt sei. Die Anrechnung müsse dabei im Interesse des Arbeitnehmers sein oder der Eigenart des Arbeitsverhältnisses entsprechen. In der Regel ist bei Saisonarbeitsverhältnissen davon auszugehen.

Die Anrechnung von Verpflegungsleistungen dürfe den Betrag von monatlich 229 € nicht übersteigen, betonte die Referentin. Die gestellte Unterkunft sei bis zur Höhe von 223 € monatlich anrechenbar. Der Wert der Unterkunft vermindere sich allerdings, falls es sich um Sammelunterkünfte handele. So müssten 40 % gemindert werden, falls die Unterkünfte mit zwei Beschäftigten belegt seien, werde mit drei Personen belegt sind 50 % und mit mehr als drei Mitarbeitern 60 % abzuziehen, rechnete die Justiziarin vor.

Aufzeichnungspflicht ernst nehmen

Akkord- und Stücklohn seien grundsätzlich zulässig, führte Hoffmann weiter aus. Entscheidend sei jedoch, dass für die geleisteten Arbeitsstunden der Mindestlohn (entweder nach MiLoG oder nach Mindestentgelttarifvertrag) erreicht werde. Als Abrechnungszeitraum sei grundsätzlich der Monat zu bewerten, es sei denn, es werde ein kürzerer Abrechnungszeitraum vereinbart. Die Expertin wies daraufhin, dass die Aufzeichnungspflicht sehr genau genommen werden müsse. Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit seien spätestens mit Ablauf des siebten Tages zu dokumentieren. Die Aufzeichnungen bedürften keiner Form, müssten aber mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden und dem Zoll am Ort der Beschäftigung oder beim Steuerberater bereitgestellt werden, erläuterte Romana Hoffmann.

Opportunistische Veranstaltung

Für Bernd Biehl, Lebensmittelzeitung in Frankfurt, beruht das grüne Missverständnis auf einer völligen Fehleinschätzung der tatsächlichen Verhältnisse. Auf der einen Seite würden Chemie, Technik und Industrie verteufelt und angeklagt, aus reiner Profitgier die Menschen mit ihren Produkten zu vergiften, und auf der anderen Seite werde alles, was Bio sei, hochgejubelt. Es werde in keiner Weise anerkannt, dass unser Wohlstand und unser hohes Maß an Sicherheit – dies gelte nicht nur für den Lebensmittelbereich – gerade auf dem Fortschritt der gesamten Industrie beruhe. Biehl versicherte, dass er durch seine Arbeit sicherlich einen sehr guten Einblick in die Arbeitsweise der Großbäckereien, Schlachtbetriebe, großen Lebensmittelverarbeiter und auch der Lebensmittelkonzerne wie Unilever oder Nestlé habe. „Wir haben den Eindruck, dass diese Unternehmen alle hervorragend arbeiten“, betonte Biehl. Allerdings sei der deutsche Handel eben auch eine große „opportunistische Veranstaltung“, gab der Journalist zu. Wenn der Kunde durch niedrigere Grenzwerte, als es das Gesetz vorschreibe, zu überzeugen sei, dann tue der Handel das, ob das nun Sinn mache oder nicht.

Vor 30 bis 40 Jahren begann die Ökobewegung sich zu entwickeln. Diese habe in den folgenden Jahrzehnten einen enormen Einfluss auf die konventionelle Landwirtschaft genommen, erläuterte Biehl. So sei gegenüber 1970 der Pflanzenschutzmitteleinsatz um rund 70 % zurückgefahren worden. Heute sei der Unterschied zwischen biologischer und konventioneller Wirtschaftsweise äußerst gering, ist sich der Zeitungsmann sicher. Trotzdem propagiere die Öko-Szene immer noch biologisch erzeugte Lebensmittel als das einzig Wahre und polarisiere munter weiter. Die großen LEH und Großhändler vermarkten „Bio“ vor allem emotional. Es wird suggeriert, dass bäuerliche Kleinbetriebe mit wenigen Hühnern, Schweinen und Kühen gut, sauber und sicher sind. Biehl hält diese Einstellung für absolut naiv, da unsere Gesellschaft nur durch Großbetriebe mit Massenproduktion den Lebensstandard ermöglichen könne.

Essen wird zum Politikum

In den letzten Jahrzehnten seien immer mehr und sehr unterschiedliche Gruppierungen aus der Ökoszene enstanden, erläuterte Biehl weiter. Dazu gehörten Vegetarier, Fruktarier, Tierschützer, Organisationen wie Green Peace, Food Watch, PETA und viele mehr. Ideologisch getragen von klassischem Antikapitalismus, grüner fantastischer Utopie, Verschwörungstheorie, aber zugegeben auch von rechtschaffener ökologischer Überzeugung, hätten diese Gruppen es geschafft, Meinungsbildner zu werden und alles rund ums Essen zu einem richtigen Politikum zu machen. So müsse jeder, der heute etwas mag oder nicht mag dies philosophisch, ernährungsphysiologisch oder politisch begründen. Biehl hält das für eine Unart und warf ins Publikum: „Frage: Woran erkennt man einen Veganer? Antwort: Er erzählt es einem.“ Die ständige Angst vor dem Vergiftetwerden, schlüge mehr auf die Gesundheit als das Essen selbst, gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe oder aber Alkohol, zitierte Biehl einen anerkannten Mediziner.


All Hentai games https://dtsmusic.top/ Foot Fetish