08.10.2021

Abundant Apfelernte-Roboter Konkurs - Rückschlag für Robotik

„Staubsaugerarm“ bei Abundant Robotics - erkennbar sind die frei hängenden Äpfel bzw. Bäume mit wenigen Blättern ohne verdeckte Früchte
Foto: ©Abundant Robotics

Die erst 2016 gegründete Fa. Abundant Robotics mit Sitz in Hayward, Kalifornien leitete am 29. Juni ein Konkursverfahren ein und steht mit seinen bis zu fünf Prototypen, Erkennungs-Software und Patenten zum Verkauf - dies ist gerade die Firma, auf die so viele Projekte, Obstbaufachleute und Zukunftsforscher als Stern am Firmament gesetzt hatten und ihre Anbausysteme als „robot ready“ ausgerichtet hatten.

Die Fa. Abundant Robotics bestand im Kern aus Spezialisten für Bilderkennung mit Michael Eriksen, Curt Salisbury und Dan Steere (CEO) als Firmengründer. Nach nur zwei Jahren Entwicklungszeit ging der erste, noch namenlose Prototyp des Ernte-Roboters August bis November 2018 in Washington State an der pazifischen Nordwestküste der USA in die Erprobung bei der Apfelernte, gefolgt von Februar bis Mai 2019 bei Turners & Growers (BayWa) in Hawkes Bay Neuseeland. Dies wiederholte sich mit Prototypen bis zum Frühling 2021, soweit es die Corona-Restriktionen zuließen.     

Pflücktechnik bei Abundant Robotics

Die selbstfahrende, LIDAR (mit Lizenz der Universität Carnegie Mellon) gesteuerte Pflückeinrichtung besteht aus einer Zentraleinheit mit zwei Roboterarmen auf jeder Seite und ist vor allem für flache Fruchtwände bzw. Heckenpflanzung (Le Mur Fruitier) geeignet.

Wie ein Staubsauger saugt ein Roboterarm die reifen Äpfel und legt sich auf ein Förderband, das hinter dem Fahrzeug in eine Großkiste mündet. Im Staubsaugerarm sind die Sensoren, die die Früchte und ihren Reifegrad aufgrund der Deckfarbe erkennen.

Geometrie der Obstbäume zu kompliziert?

Herausforderung ist die Fruchterkennung, die sich auf eine schmale Fruchtwand oder junge Bäume bezieht; verdeckte Früchte oder solche in Büscheln oder in Spindelbäumen entziehen sich der Erkennung, sodass die Pflückrate zwischen nur 50 % und 90 % der Äpfel am Baum schwanken kann, auch wenn die Firma von 85 % packout spricht.

Was kostet der Pflückroboter?

Während ARCO noch als Verkaufsmodell geplant war, ist der Pflückroboter von Abundant Robotics als Serviceangebot RaaS (‚robot as a service‘) für jeweils 90 Tage (August bis November für die Nord- und Februar bis Mai für die Südhalbkugel) mit einem Operator für die Obstbauern entwickelt worden, d.h. nicht als Verkaufsobjekt.

Wer sind die Investoren und was führte zum Konkurs?

Die Investoren des 12 Mio. US $ schweren Unternehmens Abundant Robotics sind mit 2 Mio. US $ SRI (Stanford Research Institute), eine wissenschaftliche, unabhängige Non.-Profit-Organisation in Silicon Valley zum Wissenstransfer mit über 1 500 Mitarbeitern, sowie 10 Mio. US $ von den drei Firmen GV (Google Ventures), Kubota und Yamaha Motors, unterstützt von der WTFRC (Washington Tree Fruit Research Commission).  

Als Grund für den Konkurs wird die zu geringe Pflückleistung und fehlende Weiterentwicklung während der Corona-Pandemie angesehen, sodass die Investoren ihre Finanzierung im Juni 2021 einstellten. Das muss aber nicht das Aus für die Firma sein, wenn sich ein neuer Investor findet. Dieser Geschäftsbereich ist in starkem Umbruch - im April 2021 kaufte bzw. übernahm AppHarvest für 60 Mio. US $ die Firma Root AI (AI-künstliche Intelligenz), die den Virgo Ernteroboter für Tomaten, Paprika, Gurken und Erdbeeren im Gewächshaus entwickelt hat.

Teveltechnik in Zukunft - Drohnen am Kabel mit Greifarmen und Beleuchtung

Neben Abundant arbeiten noch Vision Robotics, Ripe Robotics (Australien), FFRobotics (Israel) und Tevel ebenfalls aus Israel auf diesem Gebiet; Tevel besteht aus Aeronautikern, aber bisher ohne Expertise im Obstbau.

Im Gegensatz zu Abundant Robotics mit einer Basiseinheit setzt die Fa. Tevel aus Israel auf je zwei Drohnen, die mit einer Großkiste bzw. Steuereinheit verkabelt sind und beleuchtet werden können.

Die Greifarme der Drohnen pflücken die Äpfel – nach bestandener Reifeprüfung - und legen sie direkt in die Großkiste ab, wobei das Ablegen bisher ein – bei leeren Kisten - bis zu 50 cm freier Fall ist und noch – ähnlich nach dem Prinzip eines Kistenfüllers - verbessert werden muss, um Druckstellen zu vermeiden.

Mehrere Pflückdurchgänge

Die Teveldrohnen können – genauso wie die Abundant Robotics - rote von grünen Früchten unterscheiden und damit mehrere Pflückdurchgänge ermöglichen oder auch den Einsatz von Entlaubungsmaschinen und Reflexionsfolien. Da sie die Fruchtreife bisher an der Fruchtfarbe ausmachen, ist ein vorheriger Streif- bzw. Reifetest unerlässlich. Das Tevel-Konzept mit vielen Drohnen erfordert in jedem Fall eine hohe Investition – egal ob als Miet- oder Verkaufsmodell.

Ein Dank gilt den Obstbaukollegen in Washington State und Neuseeland für ihre Informationen. 

Dr. Michael Blanke


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