06.01.2016

Agritechnica: Technik für Gemüseprofis

Technik und Pflanzen verbinden - Diskussion am Messestand

Einmal mehr hat sich die Agritechnica in diesem Jahr als die internationale Leitmesse für Landtechnik gezeigt. Am Ende der Ausstellung konnten die Veranstalter ein positives Fazit ziehen: 450 000 Besucher fanden den Weg nach Hannover. Die Stimmung an den Ständen der über 2 900 Aussteller war deutlich besser als zunächst erwartet worden war. Gemüseanbauer fanden ein einzigartiges Informationsangebot vor, gerade auch weil Hersteller aus manchen Ländern vertreten waren, die sonst auf den kleineren Fachmessen nicht zu finden sind.

Allerdings waren weite Wege zurückzulegen, denn die Aussteller wurden in diesem Jahr in den Hallen neu sortiert. So war der Schwerpunkt des Gemüseanbaus und der Beregnungstechnik zwar in der Halle 21 und den angrenzenden Messehallen zu finden, doch viele Technik für die Spezialisten fand sich auch in den anderen Bereichen. Mit einem Besuchstag dürften daher nur die wenigsten ausgekommen sein. Aufschlussreich ist das Ergebnis der vom Veranstalter, der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) durchgeführten Besucherumfrage: Aus den Schwerpunkten des Gemüseanbaus Süd- und Südwestdeutschland kamen 39 %, aus Nord- und Westdeutschland 50 % der Besucher.

Digitalisierung und Vernetzung

Ein großes Thema auf der Messe war Digitalisierung und Vernetzung. Wie tief dieser Trend die Landwirtschaft und den Anbau von Spezialkulturen verändern wird, ist noch gar nicht abzusehen. Ansätze waren in diesem Jahr sehr wohl schon zu erkennen. Satellitengesteuerte Maschinen und Geräte gibt es schon, Drohnen für die Überwachung der Kulturen waren an vielen Ständen der Anbieter von Agrarelektronik und Informationstechnologie zu sehen. Einige Lösungen wurden auf dem Agritechnica-Special „Digital Cropping“ präsentiert.

Die Digitalisierung der Landwirtschaft, auch als „Smart farming“ oder „Landwirtschaft 4.0“ bezeichnet, verspricht Produktivitätsvorteile auch für die Produzenten von Sonderkulturen. Informationen, etwa über eingesetzte Betriebsmittel und Messdaten beispielsweise von Wetterstationen sollen mit dem Betriebsleiter digital vernetzt werden. Entscheidungsprozesse, etwa über Fungizidapplikationen und den Erntestart, sollen so vereinfacht werden. Eine Entwicklung, die früher oder später auch die mittleren und kleinen Betriebe mit Sonderkulturen erreichen wird und dabei helfen kann, effizienter und ressourcenschonender zu wirtschaften.

Agrarroboter mit digitaler Bilderkennung

Einen wichtigen Beitrag dabei leistet der Einsatz von Sensoren, Algorithmen und Bilderkennung. Pflanzenzüchter sind zwar in der Lage, das Erbgut neuer Gemüsesorten im Labor zu analysieren. Wie gut die Pflanzen aber tatsächlich wachsen, wie anfällig sie gegen Schädlinge sind, ob sie viel oder wenig Dünger und Wasser brauchen, zeigt sich erst auf dem Feld. Bei der Züchtung entscheiden dann die Pflanzenforscher, mit welchen Pflanzen sie weiterarbeiten möchten. Dieser Vorgang heißt Bonitur und war Namensgeber für den „Bonirob“. Das ist ein Agrarroboter mit einer automatischen Bilderkennung.

Kameras nehmen Fotos auf, die für die weitere Verarbeitung gescannt werden. Bei der Bilderkennung helfen Algorithmen, Pflanzenmerkmale zu durchmustern und zu bestimmen. Durch die genaue Positionsbestimmung navigiert der Roboter zentimetergenau über den Acker – bei Bedarf auch 24 Stunden am Tag. Der von Bosch entwickelte Agrarroboter lässt sich gut für den umweltfreundlichen Pflanzenschutz einsetzen. Durch Selbstlernen ist der Roboter in der Lage, anhand von Größe, Farbe und Form der Blätter erwünschte von unerwünschten Pflanzen zu unterscheiden. Mit Blick auf die vielfältigen Sonderkulturen und die hohe Anzahl unterschiedlicher Pflanzen ist das eine Herausforderung für die automatische Bilderkennung.

Ein zweiter Agrarroboter war auf dem Stand von K.U.L.T. (Kress Umweltschonende Landtechnik) zu sehen. Er wurde von den Spezialisten der Firma zusammen mit Wissenschaftlern entwickelt. Er ist ausgerüstet mit Kameras, GPS-Signalempfängern und Laser, um autonom über den Acker zu navigieren. Aufgebaut ist er wie ein kleiner Geräteträger: In der Mitte können Aggregate zum Säen und Hacken von Gemüsekulturen in Beetbreite eingehängt werden. „Am Vorgewende dreht er automatisch und fädelt wieder in die nächste Spur“, sagte K.U.L.T.-Geschäftsführer Christian Kirchhoff. Er sieht allerdings noch rechtliche Probleme beim Einsatz, da autonomes Fahren in Deutschland noch nicht erlaubt ist. Wie auf der Messe zu hören war, setzen die Agrarfachleute hier auf die Automobilindustrie, die durch eine stärkere Lobby Vorreiter beim Klären der rechtlichen Rahmenbedingungen sein soll.

Sensoren überwachen Dammtemperatur

Sensoren helfen auch im Spargelanbau. Spargelprofis wissen um die Bedeutung der Temperatur für das Spargelwachstum. In der Praxis hat sich auf den Betrieben daher ein ausgefeiltes Management mit schwarzer und weißer Folie etabliert. Doch das Umdecken der Folie erfolgte bislang nach eher sporadischen Temperaturmessungen im Damm. Bosch bietet dafür nun eine Lösung mit mehreren Temperatursensoren. Sie werden in unterschiedlicher Tiefe in die Erde gebracht und erfassen die Temperatur im Damm. Über eine kleine Box werden die Daten via Funk in eine „Datenwolke“, eine sogenannte Cloud übertragen. Der Spargelbauer erhält die Daten dann auf seinem Smartphone. So weiß er ständig über die Temperatur in seinen Spargeldämmen Bescheid. Eine Erleichterung ist das insbesondere für größere Betriebe, die viele Spargelfelder zu kontrollieren haben. Lange Anfahrten zum Temperaturmessen können dann entfallen. In der letzten Saison wurde das System in sechs Spargel anbauenden Betrieben in der Pfalz und Nordbaden erfolgreich erprobt. Eine Übertragung auf andere Kulturen wird derzeit bei Bosch geprüft.

Bewässerungskontrolle via App

Eine regelmäßige Vor-Ort-Kontrolle war bislang auch bei der Steuerung der Beregnungsanlage erforderlich. Für den ICA-Wireless gab es auf der Agritechnica eine Silbermedaille. Dabei handelt es sich um einen intelligenten Bewässerungskontroller, der über eine App via Smartphone oder Tablet herstellerübergreifend alle Beregnungsanlagen, also auch Pivots oder Tropfbewässerungssysteme steuern und überwachen kann. Durch die Kooperation von drei Unternehmen (Pessl Instruments, Bauer und Land-Data Eurosoft) konnten vorhandene Einzellösungen zu einem Systemansatz zusammengeführt werden. Auf Basis von Echtzeitmessungen von Bodenfeuchte und Niederschlag werden unter Berücksichtigung von Pflanzen- und Bodeneigenschaften sowie der aktuellen Wettervorhersage tägliche Bewässerungsempfehlungen errechnet, die manuell oder automatisch umgesetzt werden können. Durch eine Überwachung können Störungen im Bewässerungssystem frühzeitig erkannt werden.

Das System dient gleichzeitig der lückenlosen Dokumentation der Bewässerungsmaßnahmen, die direkt in eine Schlagkartei übernommen werden kann. Bei den auf der Messe ausgestellten Regnern standen Effizienzsteigerungen sowohl beim Wasser- und Energieeinsatz als auch bei der Arbeitserleichterung im Vordergrund. Die Motoren für die Bewässerungspumpen wurden teilweise auf die nächste Abgasstufe gebracht.

Das gilt im Übrigen auch für die Traktoren auf der Agritechnica. Seit 2015 müssen auch Schlepper von 76 PS aufwärts die finale Stufe 4 erreicht haben. Für Gemüsebaubetriebe interessant ist der Rebo-Rack. Dabei handelt es sich um einen von der Fa. Rebo umgebauten John Deere-Taktor 6130 R. Auf der vorderen Ladepritsche mit einer Größe von bis zu 5 m² können ausreichend Pflanzkisten mitgeführt werden, um das Pflanzgerät im Heck zu versorgen. Alternativ lässt sich ein 2 000 l-Fronttank aus GFK aufbauen und so Pflanzenschutz und Bewässerung zu unterstützen. Damit lässt sich so mancher Transportweg einsparen.

Erntetechnik für Gemüse

Bei der Erntetechnik für Blattgemüse und Salate waren vor allem italienische Anbieter präsent. Erntemaschinen für Feldsalat gibt es auch mit elektrischem Antrieb, damit diese im Gewächshaus abgasfrei unterwegs sein können. Asa-Lift stellte den Prototyp der gezogenen Erntemaschine T-1300 B vor. Der Bunker der einreihigen Erntemaschine für Wurzelgemüse fasst 3 t. Ein großer Vorteil der Agritechnica ist es, sich einen Überblick über das komplette Angebot an Landtechnik verschaffen zu können. So sind beispielsweise Anbieter von Gemüsesämaschinen aus Serbien oder Brasilien vertreten, die auf den Fachmessen nicht zu finden sind. Die Firmen bieten zwar nicht unbedingt Innovationen, aber doch preisgünstige und bewährte Technik, die für den einen oder anderen Betrieb interessant sein dürfte.

Innovationen in der Hacktechnik

Deutlich größer ist das Angebot an Hackgeräten. Das liegt daran, dass das Interesse an mechanischer Unkrautbekämpfung steigt, nicht zuletzt weil der chemische Pflanzenschutz Wirkungslücken zeigt. Neue Anbieter kommen vor allem aus dem Bereich der Bodenbearbeitung. Ein Beispiel dafür ist der tschechische Hersteller Bednar, der in Hannover erstmals ein Hackgerät vorstellte. Ansonsten beschränken sich die Neuheiten vor allem auf Verbesserungen im Detail. So stellte Monosem an seinem neuen Hackgerät eine einfache Verstellung des Abstandes zur Pflanzenreihe mittels einer Skala vor, die statt Federsteckern komfortabler zu bedienen ist.

Einböck stellte mit dem neuen Rollstriegel Aerostar-Rotation ein effektives Werkzeug vor. Der Grundrahmen ist der gleiche wie beim bekannten Federzinken-Hackstriegel Aerostar. Auch das Prinzip, den gesamten Striegel in 1,50 m breite Striegelfelder aufzuteilen, stammt vom Aerostar. Jedes Feld trägt zehn Rollsterne mit 6,5 mm-Federstahlzinken. Die Haltearme sind so gelagert, dass sie unabhängig voneinander Bodenunebenheiten folgen können. Eine mechanische Hebelkonstruktion ermöglicht ein Beaufschlagen der Rollsterne mit einer Federvorspannung. Dadurch lässt sich die Eingriffsintensität der Zinken in den Boden erhöhen oder mittels einer zweiten Feder soweit reduzieren, dass die Rollsterne mit sehr wenig Arbeitsdruck fast schwebend arbeiten. Das Be- und Entlasten der Rollsterne geschieht hydraulisch. Dazu hat jedes Striegelfeld einen Hydraulikzylinder, vom Schlepper aus über eine Skala in fünf Schritten einstellbar. Den Aerostar-Rotation gibt es in den Arbeitsbreiten 3, 6, 9 und 12 m.

Kamera ist Standard

Bei den Profi-Geräten gehört die Kamera-Steuerung mittlerweile zum Standard. Das Ziel lautet, immer näher an die empfindlichen Kulturen heranzurücken und zu –hacken. In der Entwicklung sind Verfahren, die auch das Hacken in der Reihe möglich zu machen. Bei dem automatischen Hackgeräten IC der Fa. Steketee und dem Robocrop Inrow Weeder der Fa. Garford gelingt das bereits. Mit Hilfe von Kamerabildern wird die Position der Kulturpflanzen erfasst und genau um diese herumgehackt. Überhaupt sind bei der Steuerung professioneller Hackgeräte Kameras mittlerweile Standard. Bei K.U.L.T. erkennen bis zu vier Kameras pro Beet die Kulturreihen. Diese Daten werden von einem Computer verarbeitet, der wiederum direkt die hydraulische Lenkung steuert. Die Hacke wird am Seitenparallelogramm verschoben und so exakt über der Reihe gehalten.

Thomas Gaul


All Hentai games https://dtsmusic.top/ Foot Fetish