12.02.2019

Alle Jahre wieder: IPM in Essen

Die 37. IPM Essen öffnete am 22.01.2019 ihre Pforten. Rund 1 600 Aussteller aus knapp 50 Ländern unterstrichen einmal mehr den Anspruch der Messegesellschaft in Essen, die Weltleitmesse des Gartenbaus zu beheimaten. Wie in den 36 Auflagen zuvor gab es auch dieses Mal Produktinnovationen und Bewährtes entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Gartenbaus zu sehen. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen standen dabei unter einem guten Stern. Der deutsche Gartenbau verzeichnete 2018 ein Umsatzplus von 0,5 % bei einem Marktvolumen von 8,7 Mrd. €, wie der Zentralverband Gartenbau (ZVG) im Rahmen der Messe bekannt gab.

Nur noch einen Scherenschnitt von der feierlichen Eröffnung der Weltleitmesse des Gartenbaus entfernt: Preis- und Würdenträger sowie dem Gartenbau verbundene Amtsinhaber gehen ihrer Arbeit nach
Foto: Jacobsen

ZVG-Präsident Jürgen Mertz sieht die IPM dann auch als Spiegel der Leistungskraft des Gartenbaus: „Auch 2019 haben sich Fachbesucher aus aller Welt auf der IPM ESSEN über neueste Entwicklungen und Trends informieren können. Sie nehmen Impulse für ein erfolgreiches Unternehmerjahr mit nach Hause. Denn die Weltleitmesse des Gartenbaus ist ein Schaufenster in die Branche und spiegelt unsere Leistungsstärke und Innovationskraft wider.“

Partnerland war in diesem Jahr Belgien. Der belgische Botschafter S. E. Baron Willem van de Voorde zählte zu den Ehrengästen der feierlichen Eröffnungsfeier, im Rahmen des Festaktes wurden zudem die Gewinner des Neuheitenschaufensters bekannt gegeben. Begrüßt wurden die rund 300 Eröffnungsgäste von Oberbürgermeister Thomas Kufen, der in seiner Rede die hohe Internationalität der IPM unterstrich. In einer Art Talkrunde diskutierte anschließend Präsident Mertz, tatkräftig unterstützt durch die Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau Nordrhein-Westfalen, Eva Kähler-Theuerkauf mit Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, und dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Hans-Joachim Fuchtel, über aktuelle gartenbaupolitische Themen. Zur Sprache kamen dabei neben Innovationskraft, Nachhaltigkeit und Risikomanagement im Gartenbau auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, auch die Dauerbrenner Digitalisierung, Zulassungssituation im Pflanzenschutz und Klimawandel.

„Ohne Innovationen hat unsere Branche keine Zukunft. Im Fokus stehen dabei Automatisierung, Sensorik, Big Data, Züchtung und Energieeinsparung. Mit Beispielen wie dem Bundesprogramm Energieeffizienz sind wir auf einem guten Weg. Wir benötigen aber auch die Unterstützung der Politik“, so Mertz zum Thema Forschung und Innovation. Anlässlich der langen Trockenperiode in 2018 tauschten sich die Teilnehmer zum Thema Risikomanagement und der zunehmenden Gefahr von Quarantäneschaderregern aus. „Getreu dem Leitsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ können wir seit Anfang des Jahres eine Versicherungslösung für Quarantäneschaderreger anbieten. Wir benötigen jetzt die zugesagte Unterstützung seitens der Politik bei der Abmilderung von Wettbewerbsunterschieden in der EU“, betonte Mertz. Darüber hinaus fordert der Verband die Mitwirkung der Politik bei der Umsetzung des steuerpolitischen Instruments der Risikoausgleichsrücklage ein.

Neuheiten ausgezeichnet

Im IPM-Neuheitenschaufenster, das vom ZVG ausgerichtet wird, wurden neue Pflanzensorten ausgezeichnet. Dazu gehörten in der Kategorie Gehölze die Pyracantha coccinea `Red Star´ der Firma Plantipp BV aus den Niederlanden, die besonders trockenen Sommern wie zuletzt 2018 standhält. Darüber hinaus erhielten die Auszeichnung „IPM Neuheit 2019“: die Xerochrysum bracteatum Granvia® Gold der Firma MNP flowers in der Kategorie Beet- und Balkonpflanze, die Primula Hybride Belarina `Candy Frost´ der Firma Kientzler aus Gensingen in der Kategorie Frühjahrsblüher, die Euphorbia pulcherrima Christmas Mouse® der Firma Selecta Klemm aus Stuttgart in der Kategorie Blühende Zimmerpflanze, die Blechnum brasiliense `Copper Crisp´ der Firma Cultivaris in der Kategorie Grüne Zimmerpflanze, die Sempervivum Chick Charms® `Gold Nugget´ der Firma Plantipp BV in der Kategorie Stauden sowie die Vitex trifolia `Purpurea´ x Vitex agnus-astus First Editions® `Flip Side´ der Firma Bailey Nurseries in der Kategorie Kübelpflanzen. Die Mandevilla Sundaville® MiMi Yello der Firma MNP flowers erhielt in diesem Jahr einen Sonderpreis.

Neues aus der Halle 1A

Torfersatzstoffe und unterschiedliche Substrate standen im Fokus der Versuchsansteller, die im Essener Untergeschoss traditionell ihre Ergebnisse präsentieren. Und auch wenn aufgrund seiner herausragenden physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften Torf nach wie vor wichtigster Substratausgangsstoff ist, wird immer wieder nach Ersatzstoffen gesucht, um die Verwendung von Torf zu reduzieren. Nicht zuletzt soll laut Klimaschutzplan 2050 die Verwendung von Torf als Kultursubstrat deutlich zurückgeführt werden.

Derzeit scheint jedoch nur eines sicher: Da qualitativ gleichwertige Ersatzstoffe bisher nicht genügend hinsichtlich Praxistauglichkeit und Kultursicherheit untersucht wurden oder nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, wird Torf in Kultursubstraten für die Gartenbauunternehmen auch in naher Zukunft benötigt.

Gediflora ausgezeichnet

Der von der International Association of Horticultural Producers (AIPH) in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal ausgelobte „International Grower of the Year 2019“-Award für den besten Zierpflanzen-Produzenten wurde im Rahmen der IPM von Royal FloraHolland-Geschäftsführer Steven van Schilfgaarde an die belgische Gediflora verliehen. Das in Oostnieuwkerke ansässige Unternehmen ist auf die Züchtung und Vermehrung von Chrysanthemen spezialisiert. Unter dem Markennamen „Belgian Mums“ beliefert Gediflora den Angaben zufolge Gärtner in mehr als 30 Nationen mit sowohl bewurzelten, als auch unbewurzelten Stecklingen aus Brasilien und Afrika.

Darüber hinaus sieht sich der in dritter Generation geführte Familienbetrieb in der Pflicht, „als Züchter nur die besten Zuchtsorten auf den Markt zu bringen“, wie Gediflora betont. Als vollwertige Produktionssorte auf den Markt gebracht werden dabei nur diejenigen Chrysanthemen, die auf den firmeneigenen Testfeldern mehrere Jahre problemlos überstanden haben. Nach Angaben der AIPH besitzt Gediflora mit seinen Chrysanthemen in Europa inzwischen einen Marktanteil von über 50 %, weltweit sind es rund 40 %.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen sein Portfolio zudem um das sogenannte „Mum Beer“ erweitert: ein reichhaltiges Bier aus Wasser, Hopfen, Bierhefe, Malz und einem feinen, aus Blütenblättern gewonnenen Chrysanthemen-Extrakt, dessen Alkoholgehalt bei 6,5 % liegt. „Als weltweit führender Chrysanthemen-Spezialist ist Gediflora in den Bereichen Innovationskraft und Produktion herausragend und für Züchter ein ebenso verlässlicher wie inspirierender Partner“, resümierte der Vorsitzende der Fachjury, Tim Edwards.

Nachhaltigkeit und Klimawandel

Beim Blick in die Messehallen fiel eines besonders auf: Die Aussteller präsentierten vermehrt Produkte, die nachhaltig und klimawandelgeeignet sind. Dazu gehörten stress- sowie hitzetolerante Pflanzen- und Gehölzsorten, umweltfreundliche Verpackungslösungen, Bio-Dünger und -Substrate, Fair-Trade-Weihnachtssterne, luftreinigende Zimmerpflanzen oder insektenfreundliche Gewächse. Kähler-Theuerkauf fasst zusammen: „Gärtnerische Produkte fördern die Biodiversität. Bäume spenden im Sommer wohltuenden Schatten und verbessern die Luftqualität. Wie leistungsstark unsere Branche in diesem Bereich ist, konnten wir auf der IPM eindrucksvoll unter Beweis stellen. Eines steht fest: Wir Gärtner können Klima.“

Auch im Rahmenprogramm fand sich das omnipräsente Thema Klimawandel wieder. Der Bund deutscher Baumschulen und die European Nurserystock Association ENA luden zum Workshop der EU-Kampagne „Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa“ ein. BdB-Präsident Helmut Selders zeigte sich begeistert von der Resonanz: „Die IPM spiegelte die gute Stimmung in der Branche wider. Die Herbstsaison ist vielerorts zufriedenstellend verlaufen und die Erwartungen für das neue Jahr sind positiv: gute Auftragslage und in Teilen steigende Preise. Entsprechend verlief der europäische Baumschulempfang, den wir gemeinsam mit der Messe Essen und der ENA veranstalten, in bester Laune. Inhaltlich haben wir als Verband ein tolles Ausrufezeichen mit unserem Workshop „Stadtgrün im Klimawandel“ gesetzt. Mehr als 100 Entscheider aus der Gartenbaubranche, der Landschaftsarchitektur und den Kommunen diskutierten mit unseren Referenten die neuesten Entwicklungen auf diesem Sektor.“

And the winner is …

Echte Highlights setzte das internationale Bühnenprogramm. Es startete mit einer großen belgischen Eröffnungsshow und würdigte damit das IPM-Partnerland Belgien. Meisterliche Floristik zeigten Deutschlands beste Floristen bei den DMF-Shows mit inspirierenden Ideen für Frühjahr und Sommer 2019. Internationale Top-Designer aus der Floral-Fundamental-Family entzündeten ein wahres Blüten-Festival zum Thema „Passion of Flowers“ in der FDF-Arena. Bei den rasanten Flower-Battles zur Messehalbzeit siegte Marco Kriechmus. Beim großen Finale am letzten Messetag gewann Katharina Huber aus Ravensburg. Den IPM-Messecup konnte Betuhan Pektas vom Floraldesign Store in Bad Neuenahr in der Kombination „Strauß“ und „Gefäßbepflanzung“ für sich entscheiden. Der Wettbewerb stand unter dem Motto: „Wildes Ding - natürlich, ursprünglich, frech und frei“. Die nächste Gelegenheit zum Gewinn des Messecups wird die 38. Ausgabe bieten, die vom 28. bis zum 31. Januar 2020 in der Messe Essen stattfindet.

Tim Jacobsen


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