02.10.2019

Apfeltag in Klein-Altendorf - Technik für den Apfelanbau

Ressourcenschonende Verpackung, Nützlinge, Drehsitzschlepper oder Sortentests – das Programm des Apfeltages war in diesem Jahr so vielfältig wie der Obstbau selbst.

Wie immer gut besucht und perfekt organisiert – der Apfeltag in Klein-Altendorf
Foto: Valenta

Zum Thema ressourcenschonende Verpackung stellte Dr. Markus Nöthen, Redpack Maschinen, verschiedene Varianten vor, wie Plastik eingespart werden kann. Zum einen ist es möglich, die Äpfel ohne zusätzliche Kunststoffschale in Folienbeutel zu verpacken. Dies wird vor allem in Großbritannien und Australien praktiziert. Um noch mehr Plastik einzusparen, kämen auch hierzulande beschichtete Papiertüten mit eingeklebtem Kunststoffnetz als Sichtfenster in Frage. Ein Papierprodukt, das ohne Weiteres über die Papiertonne entsorgt werden könne, sind die Papiertüten mit kleinen eingestanzten Löchern der Firma Cartomat, Willich. Das sogenannte CartoPaper besteht zu 100 % aus Papier und ist laut Cartomat auf allen horizontalen und vertikalen Schlauchbeutelmaschinen einsetzbar. Papiere anderer Art stellte in Klein-Altendorf Niklas Frase von der Uni Bonn vor. Es handelt sich dabei um Papier aus nachwachsenden Rohstoffen wie Heu, Miscanthus oder Tomatenstängeln. Bis zu 50 % des üblichen Papierrohstoffs Zellstoff kann dadurch ersetzt werden. Neu ist dabei, so Frase, die rein mechanische Herstellung durch klein häckseln, mahlen, sieben und pressen. Niklas Frase wies noch auf die Firma Creapaper hin, die bereits erfolgreich Graspapier herstelle, das bereits im Handel zu finden ist. Aus Miscanthus, Paulownia oder durchwachsender Silphie kann außerdem Lignin gewonnen werden, das in Zukunft evtl. für die Herstellung von Folien zum Einsatz kommen könnte. Dazu gibt es ein Forschungsprojekt an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. DrehsitzschlepperUm das Anbaugerät im Heck eines Schleppers besser im Blick zu haben, bieten sich Schlepper mit Drehsitzfunktion an. Hier kann der komplette Fahrersitz mit wenigen Handgriffen um 180 Grad gedreht werden. Solche Drehsitzschlepper wurden auf dem Apfeltag von drei verschiedenen Herstellern gezeigt. Einen Kompakttraktor von Valpadana hatte Schmidt Landtechnik, Erfurt, mit nach Klein-Altendorf gebracht. Die Geräte der 9000er-Serie zeichnen sich durch ihr Getriebe mit vier synchronisierten Gängen und vier Kriechganggruppen aus. Mit der mechanischen Wendeschaltung stehen so je 16 Vorwärts- und Rückwärtsgänge zur Verfügung. Allradantrieb und Differentialsperre werden elektrohydraulisch gesteuert. Der umkehrbare Fahrersitz ist auf einer gefederten Plattform aufgebaut.Ebenfalls aus Italien stammen die Schlepper der Firma Carraro. Moerschen Landtechnik, Tönisvorst, stellte verschiedene Modelle vor. Der Tony 10900 SR zum Beispiel ist ein kompakter Wendesitzschlepper mit stufenlosem hydrostatischem Getriebe. Der Yanmar-Motor liefert 87 PS und der Knickrahmen macht den 10900 SR besonders wendig. Der dritte Italiener im Bunde ist die Firma Pasquali, vertreten durch Braun Technik, Meckenheim. Vorgestellt wurde der isodiametrische Schlepper Orion L80, der über einen 75 PS starken Kohler-Motor mit vier Zylindern verfügt. Der Fahrer kann zwischen 16 Vorwärts- und 16 Rückwärtsgängen (Synchronwendegetriebe) wählen. Das Fahrermodul ist um 180 Grad drehbar. Laub von Bäumen pustenAdolf Betz, Inhaber der Firma Fruit Tec, stellte auf dem Apfeltag sein neues Entblätterungsgerät Red Pulse für Apfelbäume vor. Die Idee hinter dem Gerät: Für eine bessere Fruchtausfärbung die Langtriebe z.B. im unteren Baumbereich zu entlauben – statt eines Sommerschnitts. Das soll Zeit und damit Kosten sparen. Neben der besseren Ausfärbung sollen die Früchte gleichmäßiger abreifen, was eine Reduktion der Pflückdurchgänge zur Folge hat. Außerdem sind die Früchte laut Betz für die Pflücker besser sichtbar und die Gefahr von Pilzinfektionen kann durch die geringere Blattmasse – und damit weniger Feuchtigkeit  in Fruchtnähe - reduziert werden. Die Entlaubung erfolgt dabei rein pneumatisch, mit pulsierender Druckluft. Pro Umdrehung der beiden Rotoren auf jeder Seite wird die Luft zweimal kurz unterbrochen – dadurch entsteht der gepulste Luftstrom, der laut Adolf Betz besonders effektiv entlaubt. Die Intensität der Entlaubung ist dabei von der Fahrgeschwindigkeit und der Distanz zwischen Laubwand und Gerät abhängig. Die verbliebenen Blätter bzw. deren Reste können weiter assimilieren und die Früchte versorgen. Optimal arbeitet das Gerät entlang einer schmalen Fruchtwand. Der Druckluftkopf kann waagerecht oder senkrecht verwendet werden, die Arbeitshöhe variiert. Angebaut wird Red Pulse im Frontanbau, entweder als Komplettgerät oder als Ergänzung zum Edward-Grundgerät. Die Fahrgeschwindigkeit wird mit 1,8 bis 2,5 km/h angegeben. Boden entseuchen„Zur Überraschung aller wurde Basamid zur Bodenentseuchung in diesem Jahr wieder zugelassen – in fast allen Kulturen“, erläuterte Gerhard Baab zum Thema „Bekämpfung der Nachbaukrankheit“. Das Granulat mit dem Wirkstoff Dazomet wird von Certis vertrieben. Es wird in den Boden eingefräst und anschließend mit Folie abgedeckt. Das Produkt gast dort aus und die Wirksubstanz Methylisothiocyanat (MITC) steigt im Boden auf. Damit sich der Wirkstoff nicht verflüchtigt, ist die Abdeckung mit einer gasdichten Folie notwendig. Im Boden wird MITC von Mikroorganismen abgebaut, es wirkt zuvor insektizid, nematizid, fungizid und herbizid. Für eine optimale Wirkung müssen Bodentemperatur und –feuchte genau passen und der Boden muss zuvor in einen saatfertigen Zustand (feinkrümelig, gut belüftet) gebracht werden. Nach der Folienliegezeit, die im Frühjahr sieben und im Herbst 13 Wochen beträgt, muss ein Kressetest durchgeführt werden. Dieser zeigt an, ob noch Rückstände des Produkts vorhanden sind oder schon wieder gepflanzt werden kann. Im Moment besteht noch die Anwendungsauflage, dass nur 0,22 ha am Stück mit Basamid behandelt werden dürfen. Laut Certis soll dies aber durch aktuelle Studienergebnissen bald ausgeweitet werden. Ebenfalls mit MITC erfolgt die Bodenentseuchung mit Hilfe von Sareptasenfsamenmehl. Benedikt Klein von der Hochschule Geisenheim stellte dazu erste Ergebnisse vor. Bei der Umsetzung von Glucosinolaten, die im Sareptesenf enthalten sind, entsteht MITC. In einem Versuch auf einer Nachbauparzelle in Klein-Altendorf wurden 2018 zwei Varianten angelegt: Zum einen wurden blühende Senfpflanzen, zum anderen das Sareptasenfsamenmehl im Herbst untergemulcht und mit Silofolie abgedeckt. Im Frühjahr 2019 wurde dort `Snap Dragon´ (auf M9) gepflanzt und seitdem der Triebzuwachs gemessen.

Marion Valenta


Industrie-News



Informatives



Ausgabe 08/2019

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

Service

Quicklinks