10.11.2017

Applikationstechnik im Zierpflanzenbau

Ein gerne unterschätztes Thema

Beim Auweiler Applikationstag wurden neue und bewährte Techniken diskutiert

Gerade im Zierpflanzenbau hat die Praxis damit zu kämpfen, dass oft nur wenige Pflanzenschutzmittel zugelassen sind. Um aber den Vorgaben des integrierten Pflanzenschutzes gerecht zu werden, dürfen nicht nur die verfügbaren Mittel betrachtet werden, sondern auch die Applikationstechnik spielt eine große Rolle. Doch gibt es da überhaupt etwas Neues? Dieser Frage hat sich die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zusammen mit der Firma Syngenta angenommen und am 5. Oktober 2017 am Standort Köln-Auweiler einen Applikationstechnik-Tag für Praktiker angeboten. Viele Facetten des integrierten Anbaus und der Pflanzenschutztechnik wurden diskutiert und im praktischen Einsatz demonstriert.

Für viele Praktiker stellt sich aktuell die Technik sehr problembehaftet dar. Gibt es doch seit dem 01. Juli 2016 die Pflichtkontrolle für Applikationsgeräte auch im Zierpflanzenbau, was nur als eine weitere Auflage, die Geld kostet, empfunden wird. Jeder Gärtner kann in seinem Betrieb einfach überprüfen, welche Geräte prüfpflichtig sind. Als Faustformel kann gelten: Alles, was nicht komplett von einer Person während der Anwendung getragen werden kann, ist prüfpflichtig.

Keine Angst vor der Kontrolle: es werden keine unnützen Dinge überprüft. Das Wichtigste ist, dass das komplette System im Einsatz dicht ist und nirgends tropfende Stellen sind. Vor allem bei Karrenspritzen mit Spritzlanze finden sich häufig Flickwerk oder Undichtigkeiten an der Schlauchhaspel. Dies ist nicht nur lästig, sondern kann auch gefährlich werden, da häufig mit sehr hohen Drücken gearbeitet wird. Doch der Gärtner sollte seine Karrenspritzen, Gießwagen und Co. nicht nur wegen der anstehenden Pflichtkontrolle (Spritzen-TÜV) bei einer anerkannten Fachwerkstatt vorstellen, sondern auch den betriebswirtschaftlichen Nutzen darin sehen. Denn ein Sachverhalt lässt sich nicht verleugnen: Nur wenn die Technik zuverlässig arbeitet und dosiert, kann die Pflanzenschutzmaßnahme von Erfolg gekrönt sein.

Rührwerk und Manometer

Häufig fällt das Argument: „Bisher hat auch ohne diese Kontrolle alles funktioniert.“ Doch bei vielen Karrenspritzen fiel beispielsweise auf, dass unter anderem kein ausreichendes Rührwerk vorhanden war. Aber gerade hier ist ein entscheidender Faktor in der Resistenzdiskussion gegeben, vor allem wenn mit solch einer Karrenspritze ein Spritzgestänge beschickt wird. Denn wenn die Spritzbrühe während der Ausbringung nicht ständig homogenisiert wird, kann es im Extremfall zu einer mehrfachen Überdosierung am Anfang bis hin zu einer drastischen Unterdosierung gegen Ende der Spritzung kommen, wenn das sich absetzende Pflanzenschutzmittel schon während der ersten Hälfte der Spritzung ausgebracht worden ist. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich, wenn ein Gießwagen mittels Dosatron das Pflanzenschutzmittel zudosiert. Wird hier lediglich der Ansaugschlauch in einen Eimer ohne Rührwerk gehängt, kann stark sedimentierendes Mittel diesen auch regelrecht verstopfen und so eine Minderwirkung schon fast garantieren. Einfache Abhilfe kann ein mechanisches Rührwerk schaffen, das mittels Motor oder Akkuschrauber angetrieben wird.

Auch fehlende oder nicht richtlinienkonforme Manometer sind bei Kontrollen immer wieder aufgefallen. Doch gerade die genaue Kenntnis, wie hoch der Spritzdruck an der Düse und nicht an der Pumpe an der Düngestation ist, ist zwingend notwendig, um eine entsprechende Aufwandmenge zu kalkulieren. Die Wassermenge, die verwendet wird, ist oft entscheidend für Erfolg oder Misserfolg einer Maßnahme. Aussagen zur verwendeten Wassermenge wie „tropfnass“ oder bei starkem Befall „ein bisschen mehr als tropfnass“ müssen der Vergangenheit angehören. Denn das bedeutet auf keinen Fall, dass die Pflanzenschutzmittel besser angelagert werden oder gar auf die Blattunterseite gelangen.

Wasseraufwandmenge und Spritzgestänge

Die Wasseraufwandmenge richtet sich zu allererst nach der Größe der Kultur. Die Zulassung unterscheidet aktuell Pflanzengrößen bis 50 cm, 50 cm bis 125 cm und über 125 cm. Ist diese Frage geklärt, wird die Mittelmenge in l/ha oder kg/ha angegeben. Das bedeutet im ersten Moment ein wenig Rechnerei. Denn ist die Mittelmenge in 0,6 l/ha angegeben, entspricht das 0,06 ml/m². Wie viel Wasser dafür benötigt wird, um diese Menge auszubringen, ist abhängig von der Pflanze und Sorte. Denn je dichter die Pflanzen sind, desto eher kann man über leicht erhöhte Wassermengen nachdenken. Doch man muss sich auch daran gewöhnen, dass Wasseraufwandmengen jenseits der 1 000 l/ha (= 10 l/100 m²) nicht immer eine bessere Wirkung zeigen. Denn die Mittelmenge bleibt gleich, egal wie viel Wasser verwendet wird. Das heißt, der Praktiker muss sich keine Gedanken mehr machen, die Aufwandmengen in Prozent umzurechnen, es sei denn, es ist explizit auf Mittelebene so angegeben wie zum Beispiel bei Gießanwendungen.

Vor diesem Hintergrund wird schnell klar, dass es mit einer Spritzpistole bzw. –lanze schwierig ist, einen ganzen Tisch oder ein ganzes Beet gleichmäßig zu behandeln. Denn die Gleichmäßigkeit ist von der Tagesform des Anwenders oder der Funktionsweise des Mittels abhängig. Am einfachsten löst man dieses Problem, indem man ein horizontal geführtes Gestänge einsetzt. Einige Betriebe verwenden solche Systeme schon beim Stauchen und wenn es hier funktioniert, warum nicht auch bei anderen Anwendungsbereichen. Oft wird für die Spritzlanze das Argument ins Feld geführt, dass die Blattunterseiten besser belegt werden. Das mag vielleicht für die erste Reihe direkt beim Anwender möglich sein, aber die Pflanzen die in 2 m Entfernung stehen, kommen meist nicht in diesen Genuss. Viele Praxisversuche in den unterschiedlichsten Unterglaskulturen haben gezeigt, dass die 1 000 l/ha handgeführte Variante der 600 l/ha Spritzgestänge-Variante hinsichtlich der Gleichmäßigkeit der Blattbeläge deutlich unterlegen war.

Düsen und Spritzdruck

Entscheidend ist neben der Wassermenge die Verwendung der richtigen Düsen. Die besten Erfahrungen haben sich mit den sogenannten kurzen Injektordüsen ergeben. Doch warum gerade diese Düsen? Der entscheidende Punkt ist der notwendige Druckbereich dieser Düsen, in dem sie optimal arbeiten. Hier kann man als Gedankenstütze die Baulänge betrachten: Ist die Düse gut 2 cm lang, so kann der Spritzdruck bei gut 2 bar und mehr gesehen werden. In der Vergangenheit wurden auch lange Injektordüsen am Gießwagen eingesetzt, obwohl der Druck am Gestänge bei knapp 2 bar lag. Doch diese Düsen sind gut 4 cm lang und benötigen auch 4 bar Spritzdruck oder mehr. Wenn der Spritzdruck jedoch zu niedrig ist, sind die „Langen“ so grobtropfig, dass die biologische Leistung sehr stark leidet, was oft zur Ablehnung in der Praxis geführt hat, obwohl die Düse „nur“ falsch eingesetzt worden ist.

Die Injektordüsen bieten vor allem auch im Freiland viele Vorteile, da sie sehr abdriftstabil sind. Das bedeutet zum einen, dass Abstandsauflagen eingehalten werden können, und zum anderen gelangt der Tropfen auch auf die Zielfläche. Er erreicht meine Kulturpflanze, die ich ja schützen will, und wird eben nicht vom Wind weggetragen. Auch hier ist der Gärtner in der glücklichen Situation, mit den Injektordüsen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Nützliche Tipps im Internet

Hilfestellungen, wie und was an einem Gerät, egal ob Karrenspritze oder Gießwagen, dran sein muss, so dass es zuverlässig funktioniert und auch ohne Probleme durch die Gerätekontrolle kommt, können beim Pflanzenschutzdienst NRW Sachbereich Pflanzenschutztechnik auf der Internetseite nachgeschlagen werden: http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/technik/geraetekontrolle.htm

Harald Kramer, LWK NRW, Pflanzenschutzdienst

 


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