02.10.2019

Bauern sind keine Sündenböcke

Birgit Scheel

In dem vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachten Agrarpaket könnte der Eindruck entstehen, alle wichtigen Fragen der Zukunft in der Landwirtschaft seien gelöst. Das Aktionsprogramm Insektenschutz, die Einführung eines Tierwohl-Labels sowie Agrarumweltprogramme zählen zu dem Maßnahmenpaket, das das Bundeskabinett Anfang September beschlossen hat. Die Agrarbranche reagiert größtenteils fassungslos und befürchtet, dass das neue Gesetzespaket des Bundes die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte noch weiter schwächt und langfristig nur dafür sorgt, dass auf die Landwirtschaft in Deutschland immer höhere Kosten zukommen.

Kritik kommt aber nicht nur von Bauern- und Industrieverbandsvertretern, auch im Bundestag bricht ein offener Streit über das Agrarpaket der Bundesregierung aus und stößt auf erheblichen Widerstand der Parlamentarier. In der Debatte zur Landwirtschaft am 10. September 2019 wirken alle Redner als wären sie in der Opposition. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner musste sich viel Kritik anhören – auch aus den eigenen Reihen.

Insbesondere die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende, Gitta Connemann, bekannte sich als „Bauernkind“ und sprach manch einem Landwirt aus der Seele. In ihrer Rede betonte sie, dass Bauern nicht in Zehnjahresplänen, sondern in Generationen denken und ein Recht auf Respekt und auch Achtung ihres Eigentums hätten. Seit 1990 sei jeder zweite Bauernhof aufgegeben worden. Der Bauer werde dennoch von den Medien und der Öffentlichkeit zum Sündenbock der Nation abgestempelt und als Klimakiller, Wasservergifter und Insektentöter verschrien. Aber kein Bauer tritt die Natur und Schöpfung mit Füßen! Häufig wird in der Debatte über Insekten übersehen, dass nicht nur die Bienen, sondern auch die Kirschessigfliege, der Borkenkäfer und der Eichenprozessionsspinner zu den Insekten zählen, die die Weinberge, Obstplantagen und auch Wälder zerstören oder krank machen.

Die Stoßrichtung des Insektenschutzplanes lassen die Gärtner und Landwirte verzweifeln. Der aus dem Netz vielfach bekannte Bauer Willi sieht für die Landwirtschaft nur zwei Alternativen: entweder Abwicklung – sozialverträglich wie beim Kohleausstieg – oder Überlebenskampf. Er hat sich mit anderen Landwirten dafür entschieden zu kämpfen. Als Zeichen gegen den maßlosen Aktionismus gegen die Landwirtschaft und als Mahnung an uns alle stellen sie grüne Kreuze auf ihre Flächen.

Insgesamt ist das Agrarpaket alles andere als ein Durchbruch. Wichtige Sachverhalte des Natur- und Umweltschutzes sind darin verankert, während der Nutzen für die Landwirtschaft fraglich ist. Eine wirklich gute Lösung wäre gewesen, Landwirtschaft und Verbraucher einander näherzubringen. Doch wieder stehen Bauern und Umweltschützer auf verschiedenen Seiten - damit kommt niemand weiter. Es wird Zeit, aufeinander zuzugehen und Bienen und Bauern zu retten.

„Unsere Bauern brauchen keinen staatlichen Vormund, sie brauchen einen fairen Rahmen.“
Zitat: Gitta Connemann, CDU/CSU


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Ausgabe 08/2019

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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