12.03.2019

Bio für Alle?!

Marion Valenta

Als Discounter Lidl und der Bioanbauverband Bioland vor kurzem ihre strategische Partnerschaft bekannt gaben, ging ein Aufschrei durch die Biobranche. Von Zustimmung und Lob bis zu völliger Ablehnung war an Reaktionen alles dabei. Hauptkritikpunkt ist der mögliche Preisverfall für alle biologisch produzierten Lebensmittel, wenn Bio im großen Maßstab beim Discounter zu dessen scharf kalkulierten VK-Preisen zu haben ist.
 

Aber Bioproduktion stelle nun mal höhere Anforderungen - sowohl was den Anbau pflanzlicher Lebens- und Futtermittel als auch die Produktion tierischer Erzeugnisse bis hin zum geschlachteten Tier angeht. Und das muss auch entsprechend bezahlt werden. Nur von der Ideologie und dem guten Gewissen, den Tieren etwas mehr Platz und Würde entgegengebracht zu haben, kann auch kein Biolandwirt leben. 

Die Frage ist, ob es überhaupt zu einem Abwärtstrend bei den VK-Preisen der Bioprodukte kommen wird. Die klassischen Discountkunden sind doch in der Regel eher Bio-Neukunden und wechseln jetzt nicht ihre Einkaufsstätte vom klassischen Bioladen zu Lidl oder Aldi. Es sollte für Bioprodukte eher ein Gewinn sein, wenn damit ein noch größerer Kundenkreis als bisher erreicht werden kann. 

Genauso wenig kann ich mir vorstellen, dass Kunden, die bisher ganz bewusst ihre Lebensmittel in Bioqualität eingekauft haben, jetzt scharenweise zum Discounter pilgern und Biosupermärkte reihenweise pleite machen. Wenn über die Discounterschiene – und in Deutschland werden nun mal die meisten Lebensmittel bei Aldi & Co. eingekauft – nun mehr Bioprodukte an den Mann oder die Frau gebracht werden können, sollten sich eigentlich alle Bioerzeuger freuen. 

Vor was haben diese also Angst? Wirklich vor dem Preisverfall oder eher davor, „vom Thron gestoßen“ zu werden, wenn auf einmal viel mehr Landwirte biologisch erzeugen? 

Vor allem die Biobauern müssten doch über so einen Vermarktungsdeal jubeln, da die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln dadurch weiter steigen sollte. Für umstellungswillige Landwirte doch ein Grund mehr, auf Bio umzustellen. Und wäre es nicht im Sinne aller Verfechter des Bioanbaus, wenn Bio in Zukunft der neue Standard wäre und nicht die Ausnahme – wenn auch mit steigender Tendenz – wie jetzt im Moment?

Aber Bio ist eben auch nicht gleich Bio. Da gibt es das „normale“ EU-Bio auf der einen und das „Verbands-Bio“ auf der anderen Seite. Den Verbänden ist es wichtig, weiterhin zu betonen, dass ihre Standards um einiges höher sind als beim EU-Bio. Und wenn man etwas besser macht als andere, dann sollte man das gewinnbringend in Szene setzen – nach dem Motto „Tu Gutes und rede darüber!“. 

Aber werden dann dadurch die Anbauer, die nach den EU-Bioregeln produzieren und vermarkten, degradiert? Und was ist mit den Direktvermarktern, die nach bestem Wissen und Gewissen und guter fachlicher Praxis mit so wenig Chemie und so viel Nützlingseinsatz wie möglich produzieren? Welchen Platz finden die im Ranking der besten Anbaumethoden? Entscheidend wird sein, dem Konsumenten zu vermitteln, was Landwirte überhaupt machen. 

Und da hat Bioland mit seiner Imagekampagne über die Lidl-Prospekte und Fernsehwerbung momentan eine riesige Reichweite. Zumindest die Verbands-Bioerzeuger sollten davon profitieren, ob sie an den Discounter liefern oder nicht. Und die anderen, die nicht bio produzieren? Nicht alle können und wollen umstellen – die Biomärkte würden zusammenbrechen. Aber eins ist sicher: Egal wie man produziert, man muss wirklich mit fester Überzeugung dahinterstehen!

Zitat:

„Bio und Discount – das kann zusammenpassen.“


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