09.07.2019

Bodensee-Obstbau-Technik-Tag

Bereits zum 5. Mal veranstaltet der Maschinenring Tettnang am 27. Juli den Bodensee-Obstbau-Technik-Tag, kurz BOTT genannt. Veranstaltungsort ist die „Rindlewiese“ am Betrieb von Klaus Wenzler in Langenargen-Oberdorf. Rund 60 nationale und internationale Aussteller haben sich bereits angemeldet – der Erfahrung der vergangenen Jahre nach werden rund 1 000 Besucher erwartet. Das Programm richtet sich an Fachpublikum aus dem In- und Ausland.

Zum BOTT 2019 werden am 27. Juli in Langenargen-Oberdorf rund 1 000 Besucher aus dem In- und Ausland erwartet
Foto: Kühlwetter

Neben dem breiten Angebot von Obstbautechnik, Betriebsmitteln, Software und Messstellen-Betrieb beim Strombezug stehen folgende Themenschwerpunkte in diesem Jahr auf der Agenda:
•    Mechanische Unkrautbekämpfung
•    Maschineller Schnitt
•    Entlaubung
•    Vertikal-Prüfstand für Raumsprühgeräte

Mehrmals täglich finden zu diesen und vielen anderen Sonderthemen Live-Vorführungen statt. Den Besuchern wird damit die Möglichkeit geboten, sich vor Ort und direkt beraten zu lassen, Fragen zu stellen und fundierten Erfahrungsaustausch zu betreiben.

Auch die Gebrauchtmaschinenbörse erfreut sich erfahrungsgemäß großer Beliebtheit – jeder Besucher hat hier die Gelegenheit, seine gebrauchten Geräte einem interessierten Fachpublikum zu offerieren.
Erstmalig hat die BOTT-Organisation in diesem Jahr einen Innovationspreis ausgeschrieben. Findige Tüftler – egal, ob Aussteller oder Praktiker, haben die Gelegenheit, originelle und praxistaugliche Ideen aus Technik und Software einzureichen. Der Innovationspreis bietet ein gutes Forum, um mit neuen Ideen an die Öffentlichkeit zu gehen, zudem werden Preise im Wert von 1 000 € vergeben.
Schließlich sollen beim fachlich anspruchsvollen BOTT auch Spaß und leibliches Wohl nicht zu kurz kommen – es gibt Landfrauenkost von den Landfrauen aus Tettnang, die Landjugend Kressbronn zapft Bier aus der Region, Hüpfburg, Live-Musik und in diesem Jahr erstmalig eine Kräuterwanderung runden das Programm ab.

Der BOTT findet bei jeder Witterung statt. Näheres im Internet unter www.mr-bott.de.
Im Vorfeld des BOTT haben wir uns mit Hubert Hengge unterhalten. Der Geschäftsführer des Maschinenrings Tettnang schilderte uns seinen Blick auf die Branche – aus Sicht eines Dienstleisters für moderne Erzeuger.

Gartenbau-Profi: Herr Hengge, als Schwerpunkte am diesjährigen BOTT haben Sie die Themen mechanische Unkrautbekämpfung, maschineller Schnitt, Entlaubung und Vertikal-Prüfstand für Raumsprühgeräte gewählt. In wiefern spiegeln diese Themen die aktuelle Situation der Erzeuger wider?

Hubert Hengge: Die Betriebe geraten immer mehr unter Druck, was das Einsparen von Arbeitszeit angeht. Zum einen tragen Lohnkosten maßgeblich dazu bei, ob ein Produkt noch kostendeckend produziert werden kann oder nicht. Zum anderen wird es auch zunehmend schwieriger, gute Saisonkräfte zu finden.
Die maschinelle Schnitt-Technik kann im Vergleich zum Handschnitt viele Arbeitsstunden einsparen. Bei den Vorführungen beim BOTT können sich die Praktiker selbst ein Bild machen, in wieweit die Technik den detaillierten Handschnitt ersetzen oder ergänzen kann. In jedem Fall hängt der Erfolg des maschinellen Schnitts auch von der Sorte und vom Anbausystem ab.
Auch die vorgestellte Entlaubungstechnik zielt auf ein effektiveres Arbeiten. Sie arbeitet mit Druckluft. Zwei bis drei Wochen vor der Ernte wird mit komprimierter Luft, die punktuell ausgeblasen wird, quasi ein künstlicher, starker Herbststurm erzeugt – die Blätter fallen ab, was die Ernte erleichtert. Zudem bekommen die Früchte kurz vor der Ernte mehr Sonnenlicht, was sich auf die Ausfärbung und somit auf die Auszahlungspreise positiv auswirkt.
Die mechanische Unkrautbekämpfung wird zunehmend auch für konventionelle Betriebe ein Thema, denn die Auswahl an zugelassenen Mitteln für eine chemische Unkrautbekämpfung wird enger.
Am vertikalen Prüfstand kann die Funktion eines Raumsprühgerätes umfassend ausgewertet werden. Ein Sprühgerät, das auf den ersten Blick gut funktioniert, kann erheblichen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen, wenn es zum Beispiel die oberen Hälften der Bäume wunderbar erreicht, die unteren Abschnitte aber systematisch unbehandelt bleiben. Der vertikale Prüfstand ist übrigens im Besitz des Maschinenrings; wir bieten Prüfungen hier vor Ort und auch als mobilen Service an.

Gartenbau-Profi: Welche Rolle spielt die Obstbautechnik über den BOTT hinaus im Alltag des Maschinenrings Tettnang?

Hubert Hengge: Durchaus eine große, denn in der Satzung des Maschinenrings ist die technische Unterstützung der Mitglieder als Vereinsziel festgehalten. In unserer Geschäftsstelle laufen viele Fäden zusammen. Hersteller informieren uns über neue Geräte, nicht selten stellt man uns auch Protypen zur Verfügung. Wenn uns eine Innovation interessant scheint, sprechen wir gezielt unsere Mitglieder an und fragen nach, welcher Betrieb die Bereitschaft hat, sich das Gerät anzuschaffen? Wer den Mut zum Kauf hatte, wird dann wiederum durch uns unterstützt: Wir informieren die übrigen Mitglieder und tragen so dazu bei, dass sich die Investition durch den Einsatz auf mehreren Betrieben rasch amortisiert.

Gartenbau-Profi: Welche technische Ausstattung sollte jeder Betrieb selbst haben und wann macht eine überbetriebliche Nutzung Sinn?

Hubert Hengge: Eine überbetriebliche Nutzung empfiehlt sich vor allem bei Geräten, die sehr hochpreisig sind und selten gebraucht werden, aber einen großen (finanziellen) Vorteil bringen, wenn sie zur Verfügung stehen. Ein Beispiel ist der bereits erwähnte vertikale Prüfstand für Raumsprühgeräte – den braucht kein Betrieb in der eigenen Scheune, aber die Möglichkeit, die eigenen Sprühgeräte einmal jährlich durchzuchecken, bringt erhebliche Vorteile. Ein anderes Beispiel ist ein Einebnungsgerät für Obstanlagen nach Wildschweinschäden. Dass eine Wildschweinherde einen Bestand umpflügt, kommt Gott sei Dank nicht wöchentlich vor – aber wenn, lassen sich die Unebenheiten im Boden mit der entsprechenden Technik rasch beheben.
Wie umfangreich die technische Ausstattung des einzelnen Betriebs sein sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt von der Betriebsgröße und -struktur ab.

Gartenbau-Profi: Über die Technik hinaus haben Sie als Maschinenring inzwischen auch ein breiteres Dienstleistungsangebot etabliert – welche Themen sind für die Obstbaubetriebe gerade wichtig?

Hubert Hengge: Zuerst möchte ich das Personalmanagement nennen, weil dies auch mein persönliches Steckenpferd ist. Für viele Erzeuger ist die Gestaltung attraktiver Arbeitsplätze immer noch Neuland. Es wird immer schwieriger, gute Arbeitskräfte zu finden, das gilt für Erntehelfer und Fachpersonal gleichermaßen. In Folge dessen wird es für die Betriebsleiter immer essentieller, die Arbeitsbedingungen mitarbeiterfreundlich zu gestalten. Dazu gehören eine gute Organisation, effektives Arbeiten und genauso auch ein angenehmes menschliches Miteinander. Einmal jährlich biete ich ein zweitägiges Seminar zu diesem Thema an, in dem Knowhow vermittelt und Erfahrungsaustausch gepflegt wird.
Als Maschinenring rekrutieren wir selbst auch jährlich rund 150-200 Saisonkräfte aus verschiedenen Ländern, die wir im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung in den nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft entleihen. Auch vermitteln wir mit steigender Tendenz Saisonarbeitskräfte – in der Regel aus Rumänien.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Bürokratie und insbesondere die Dokumentationspflicht, die in vielen Bereichen zu erfüllen ist. Für die meisten Erzeuger gehört dieser Themenbereich weder zu den Kernkompetenzen, noch sind übermäßige Zeitreserven hierfür vorhanden. Hier versuchen wir durch unsere Dienstleistungen Entlastung zu schaffen. Beispielsweise bilden wir aktuell eine Fachkraft für Arbeitssicherheit aus, die wir ab 2020 auch unseren Mitgliedern zur Verfügung stellen werden. Ihre Aufgabe wird darin bestehen, die gesetzlich vorgeschriebenen Aspekte durchzuchecken und zu dokumentieren. Bei einer Kontrolle muss der Betriebsleiter dann nur die entsprechende Datei öffnen oder kann sogar auf uns verweisen.

Gartenbau-Profi: Und wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen – welche Herausforderungen für die Landwirtschaft sehen Sie dann?

Hubert Hengge: Ich beobachte die zunehmende Digitalisierung mit Interesse und Skepsis. Computergesteuerte Technik auf dem Feld und die immer ausgefeiltere EDV in der Verwaltung bieten den Erzeugern viele Möglichkeiten, ihre Arbeit einfacher, präziser und effektiver zu gestalten. Aber ich finde, diese Entwicklung darf nicht dazu führen, dass die Intelligenz des Betriebsleiters und die Einzigartigkeit jedes einzelnen Betriebes überflüssig werden. Das ist vielleicht noch nicht übermorgen zu erwarten, aber mittelfristig sehe ich durchaus eine Tendenz, dass auf Digitalisierung spezialisierte, weltweit agierende Unternehmen die Betriebsleiter nicht mehr nur unterstützen, sondern ersetzen können.
Als Maschinenring sehe ich unsere Aufgabe darin, so viel Kompetenz zu erwerben und an die Betriebe zu vermitteln, dass die Zielrichtung klar erhalten bleibt: Jede Computer- und Internetgestützte Technik soll dem Betriebsleiter helfen, seine individuellen unternehmerischen Ziele zu erreichen – der EDV-Einsatz soll auch in 20 Jahren nicht dazu führen, dass der Erzeuger zum Handlanger des EDV-Anbieters wird.


Gartenbau-Profi: Dann sind wir gespannt, was die Zukunft bringt! Ich bedanke mich für das interessante Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg für den BOTT.

Katja Brudermann


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Ausgabe 08/2019

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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