13.09.2018

Delphy Soft Fruit Event 2018

Pralle Rispen mit großen Beeren der Sorte `Rovada´ brachten bei den Berrybrothers einige internationale Gäste zum Staunen
Foto: Aldenhoff

Die Karawane zieht weiter! – So schien das Motto an den zwei Tagen Ende Juni, an denen der niederländische Beratungsdienst Delphy zu seinem Soft Fruit Event in die Provinz Limburg eingeladen hatte. Eine gute Hundertschaft Interessierter aus 14 Nationen zog im Autokorso von Betrieb zu Betrieb, um Kulturen zu sichten, Versuche vorgestellt zu bekommen, ein paar Aussteller zu besuchen, Fachvorträgen zu lauschen und vor allem zu fachsimpeln. Trends und Entwicklungen im Beerenobstanbau gab es zu bestaunen und zu diskutieren.

Auf der Route lagen die Unternehmen Thwan van Gennip, Lierop, mit Himbeeren; Genson Soft Fruit Plants, St. Oedenrode, mit Him- und Brombeeren; Verkuijlen, Heeswijk-Dinther, mit Erdbeeren; Berrybrothers, Roggel-Heibloem, mit Johannis- und Heidelbeeren sowie Driesvenplant, Meterik, und Blueberry Giant, D-Weeze, mit Heidelbeeren. Unter der fachlichen Leitung von Delphy-Berater Willem van Eldik, unterstützt von seiner Kollegin Gondy Heijerman, wurden die Betriebe und ausgewählte Kulturen besichtigt und jede Menge Fragen der Teilnehmer beantwortet.

Trends im Beerenobstanbau

Es tut sich was im Beerensektor! Willem van Eldik schilderte seine Beobachtungen und betonte, dass es europaweit eine große Motivation für Beerenkulturen gebe. Egal um welche Kultur es sich handle, wer am Markt mitmischen wolle, müsse beste Qualitäten anstreben: „Size, Shape und Shelf Life!“ wiederholte der Experte immer wieder. Ach ja, und der Geschmack spiele natürlich auch noch eine Rolle. Die Kulturen werden zunehmend aus dem Boden in Substrat verlagert, selbst Johannis- und Stachelbeeren werden zum Teil schon im Container kultiviert. Bei Heidelbeeren kommt es auf den vorhandenen Boden an, ob sie dort kultiviert werden können oder Containerkulturen mehr Sinn machen. Außerdem werden immer mehr Kulturen überdacht, sei es mit Regenkappen, Folientunneln oder unter Glas. Verfrühungseffekte sind dabei ebenso erwünscht wie der Schutz vor Hagel, Regen oder zu starker Sonneneinstrahlung. Auch Aspekte der Arbeitswirtschaft spielen eine Rolle, wenn es darum geht, dass die Saisonarbeitskräfte auch bei Regenwetter ernten können sollen, damit sie nicht vorzeitig abreisen, weil es witterungsbedingt gerade nichts zu tun gibt.

Arbeitskosten sind das Thema der nächsten Jahre, prophezeite van Eldik. Es geht darum, diese möglichst gering zu halten. Auch deshalb müssen die Fruchtgrößen wachsen, damit die Pflückleistungen steigen. Als Ziel nannte er für Himbeeren 7-9 g/Frucht, für Brombeeren 10-15 g sowie für Heidelbeeren 2-4 g. Gute Pflückbarkeit muss auch beim Pflanzenschnitt und bei der Aufleitung im Vordergrund stehen. So wird bei Himbeeren mit Schnüren statt mit Netzen experimentiert, damit die Pflückerinnen besser an die Früchte dran kommen. Auch bei Heidelbeeren werden schon Drähte gespannt, damit die Triebe von der Last der Früchte nicht zu weit Richtung Boden überhängen.

Ein hohes Ziel steckte der Delphy-Berater mit anzustrebenden Pflückleistungen von 8-10 kg/h bei Himbeeren. Im Betrieb Driesvenplant wurde die Pflanzdichte in Heidelbeeren auf 5 400 Pfl./ha erhöht und die Pflanzenhöhe auf maximal 1,3 m begrenzt, was Spritzungen erleichtert und Erträge sowie die Pflückleistung erhöht. 15-16 t erwartet man sich pro Hektar, gepflückt mit einer Geschwindigkeit von 10-12 kg/h.

Willem von Eldik wurde nicht müde zu betonten, dass Qualitätsproduktion das einzige Ziel sein kann. Große Früchte, hohe Erträge, ansprechendes Äußeres und natürlich Geschmack! Danach seien Sorten auszuwählen und die gesamte Kulturführung auszurichten. Der Trend gehe hin zu Long Canes, auch bei den Brombeeren. Kulturen ein zweites Jahr zu beernten, lohne sich nicht, wenn dann bereits die Früchte kleiner bleiben oder der Ertrag zurückgeht (dies gilt natürlich nicht für Johannis- oder Heidelbeeren). Für eine gute, vollständige Befruchtung müsse das Klima stimmen (nicht zu trocken) und Hummeln durch Honigbienen ergänzt werden. Und selbstverständlich endet die Qualitätsproduktion nicht am Tor der Gärtnerei, sondern das gesamte Kettenmanagement über Lagerung, Handel, Verkauf bis hin zum Konsumenten muss einwandfrei und qualitätsbewusst sein.

Vermehrungsmaterial beeinflusst Ertrag

Ein guter Start ins Leben ist das A & O, auch bei Beerensträuchern. Das fängt bei der Gesundheit und Reinheit der Mutterpflanzen an und sollte im Vermehrungsbetrieb mit großer Sorgfalt fortgeführt werden. Virusfreiheit ist dabei selbstverständlich. Dem Anbauer sollte eine vitale Pflanze übergeben werden, die keinen Stress erlitten hat. Bei der Kühllagerung von Long Canes ist unbedingt auf die Vermeidung von Pilzkrankheiten zu achten.

Das Beerenobstteam von Delphy wollte es wissen und hat Primo Canes der Himbeersorte `Kwanza´ von sechs verschiedenen Vermehrern bestellt. Diese wurden von Delphy kühl gelagert und dann als Long Canes im Betrieb Thwan van Gennip im Himbeerbestand mit ausgepflanzt. Die Besucher des Delphy Soft Fruit Events konnten sich nur wundern über die krassen Unterschiede im Wachstum der Pflanzen, die nur auf ihre Herkünfte zurückzuführen sind. Dementsprechend groß werden die Unterschiede in den zu erzielenden Erträgen sein. Willem van Eldik betonte, wie groß der Einfluss der Qualität des Vermehrungsmaterials auf den Ertrag sein könne!

Jahrrundproduktion mit Licht

Ein weiterer Trend ist die kontinuierliche Belieferung der Abnehmer, insbesondere wenn dies der Lebensmitteleinzelhandel ist, über einen möglichst langen Zeitraum mit gleichmäßigen Mengen. Dafür werden beispielsweise bei Thwan van Gennip bis zu sieben Sätze Himbeer-Long Canes gepflanzt.

Die natürliche Einstrahlung reicht in unseren Breiten nicht für eine Ganzjahresproduktion aus. Im Winter fehlt Licht, dafür ist es im Sommer oft zu stark, sodass Früchte Sonnenbrand bekommen. Deshalb sollten diffuse Folien für die Überdachung ausgewählt werden, die zwar eine gute Lichtausbeute garantieren aber Verbrennungen verhindern. Glashäuser sollten im Hochsommer gekalkt werden. Zu viel oder die falsche Schattierung könne Kilos kosten, warnte van Eldik.

Delphy experimentierte diesen Winter mit der Belichtung von Him- und Brombeeren mit dem Fernziel einer ganzjährigen Ernte. Im konkreten Versuch ging es erst mal nur um eine Ernteverfrühung, die von März bis Mai Früchte bringen sollte. Gepflanzt wurde am 20. November: Brombeeren der Sorten `Loch Ness´ und `Asternia´ hatten zuvor 500 Kältestunden erhalten; Himbeeren der Sorten `Kwanza´ und `Enrosadira´ kamen aus sechs Wochen Kühllagerung. Belichtet wurde sowohl mit LEDs (120 µmol/m²/s) als auch mit herkömmlichen Hochdrucknatriumdampflampen (SON-T, 88 µmol/m²/s). Anders als anvisiert, konnten die ersten Himbeeren bereits Ende Januar geerntet werden und die Pflanzen hatten sich nach vier bis fünf Wochen schon verausgabt. Fazit: das war zu viel Licht. In weiteren Versuchen wird man sich an die ideale Lichtmenge herantasten. Bei den Brombeeren hingegen passte die Lichtmenge, sodass sie Ende Februar die ersten Früchte lieferten. Honigbienen sorgten für eine gute Befruchtung, auch unter LED-Licht.

Abgeguckt hat man sich das Belichten bei Produzenten von Rosen, Tomaten und Paprika. Auch in Erdbeeren gibt es schon Erfahrungen mit der Belichtung. Demnächst soll in Heidelbeeren mit Belichtung experimentiert werden. Künftig würden auch in Nordwesteuropa Beeren über Winter produziert, prophezeite van Eldik. Als Faustformel gelte: 1 % mehr Licht ergibt 0,5 – 1 % mehr Ertrag. Während herkömmliche Lampen zusätzlich Wärme abgeben, was beim Beheizen der Kulturen berücksichtigt werden kann, liefern LEDs keine Wärme.

Pflanzenstärkungsmittel und Biostimulanzien

Willem van Eldik wies mehrfach darauf hin, dass Umweltauflagen in Zukunft immer wichtiger sein werden. Dabei geht es um geschlossene Systeme, um Abdriftvermeidung oder um die Senkung von Rückständen. Der Verbraucher möchte einfach nicht mehr so viel Chemie an seinen Nahrungsmitteln. Deshalb wird nach Alternativen zu herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln gesucht. Damit man gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, Pflanzen gegen Krankheiten oder Schädlinge behandeln zu müssen, ist die Strategie, sie so robust und stark zu machen, dass sie gesund und wehrhaft bleiben. Delphy testet deshalb aktuell in allen Beerenobstarten Pflanzenstärkungsmittel und Biostimulanzien verschiedener Hersteller. Die gerade erst aufgesetzten Versuche konnten beim Soft Fruit Event besichtigt werden, allerdings waren noch nicht einmal Tendenzen erkennbar, geschweige denn Ergebnisse verfügbar. Über die Saison werden die Pflanzen beobachtet, Blätter und Früchte analysiert sowie Erträge erfasst werden. Mit ersten Veröffentlichungen von Ergebnissen wird auf den Winterveranstaltungen gerechnet. Zum Teil sind die Versuche auch auf mehrere Jahre angelegt.

Im Test sind in mehreren Kulturarten drei Produkte der Fa. Biolchim, eines gegen Bodenpilze (noch ohne Name) sowie Beegreen und Triamino; von Fa. Biobest das Produkt Bluestim (ehemals Greenstim); von Fa. Koppert Trianum und Vidi Parva; von Fa. Yara Frutrel und Actisil; von Fa. Bionur Europe das Produkt Bionur; von Fa. Syngenta das Produkt Isabion.

Im Betrieb Blueberry Giant wurden bei der Neupflanzung von Heidelbeeren verschiedene Produkte in den Boden eingearbeitet oder dem Substrat beigemischt: Zwei verschiedene Substrate mit jeweils u.a. 30 % Weißtorf und organischen Zusätzen von Fa. Jiffy; die Produkte Bacteriosol und Algen von Fa. Crehumus; eine Flüssigkeit zur Pflanzenstimulation aus dem Hause Campag; fünf verschiedene Substratmischungen der Fa. BVB; die Produkte Biovin, Compete plus und OPF von Fa. PHC Plant Health Care; gecoatete Dünger mit verschiedenen Laufzeiten der Fa. Ekompany; ein gecoateter Dünger der Fa. Mivena.

Sabine Aldenhoff


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Ausgabe 11/2018

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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