16.05.2018

Der Gartenbau rüstet auf

"AutoStix" ist ein neues automatisches Pikiersystem von Visser
Foto: Springer

Die letzte IPM zeigte es wieder einmal deutlich: der Gartenbau investiert in technische Systeme, um die Pflanzenproduktion zu automatisieren. Die arbeits- und kostenintensiven Tätigkeiten Topfen und Pikieren stehen dabei derzeit im Vordergrund.

Visser ist in dem Bereich besonders aktiv und zeigte mit dem "AutoStix", wie ein automatisches Pikiersystem funktionieren kann. Die Maschine ist in der Lage, bis zu 12000 Stecklinge pro Stunde zu verarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei das "Open-Source-Streifensystem" zur Verbesserung von Qualität und Effizienz des Pikiervorgangs. Dabei werden die Stecklinge direkt vor Ort nach dem Schneiden in vorgefertigte Kunststoffstreifen eingeklemmt. Diese gibt es je nach Stecklingsgröße mit 34 oder 51 Plätzen. Mit diesem System lassen sich die Stecklinge dicht packen und ohne Schäden auch über weite Strecken transportieren - eine Transport- und Steckhilfe in einem. Zum Pikieren und Stecken löst der Pikierautomat die einzelnen Elemente voneinander und drückt die Stecklinge - geschützt durch den Stützschuh – in das Substrat. Damit werden sie alle exakt gleich tief gesetzt und erreichen so ein uniformes Wachstum. Das Streifensystem besteht aus biologisch abbaubarem Kunststoff und verrottet mit der Zeit im Substrat.

Bei den Pikierautomaten konzentriert sich Visser derzeit auf die Kombination mit Topfmaschinen. „Die Zukunft geht in Richtung Produktionsstraße, bei der alle Bausteine von der Aussaat oder dem Steckling bis zum Transport der fertigen Töpfe in die Kulturräume perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen“, heißt es hier. Speziell hierfür ist die PF-Serie entwickelt worden. Sie vereint vier Modelle mit einer Ausstattung von zwei bis zwölf Greiffingern und einer Leistung von 4000 bis 10000 Pflanzen je Stunde. Der Pflanzroboter wird dabei direkt an den Drehkranz der Topfmaschine angebaut und optimiert durch die Kombination der beiden synchronisierten Maschinen den Produktionsprozess und die Effektivität beim Topfen und Pikieren. Mit der PF-Reihe lassen sich Trays mit 72 bis 600 Zellen verarbeiten, ohne die Greifer auswechseln zu müssen. Um die Verarbeitung zu optimieren, rät Visser allerdings zu kleinen Greifern für Plugs zwischen 10 und 30 mm und zu großen Greifern für Plugs von 20 bis 70 mm. Die PF-Serie wurde in Zusammenarbeit mit dem Topfmaschinenspezialisten Mayer entwickelt. Speziell derPic-o-mat PFS-8, so heißt es von Visser, ist ideal angepasst an die Topfmaschine TM 2700 von Mayer. In der Kombination lassen sich mit acht Greifern und einer Pflanze je Topf stündlich bis zu 10000 Pflanzen verarbeiten.

Für tea Project müssen sich Pikierautomaten einfach bedienen lassen und Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Maschinen bieten. In Zukunft werden Topfpflanzen nur noch maschinell verarbeitet, heißt es vom Unternehmen. Dafür müssen alle Stationen in ihrer Bauart und Leistung aufeinander abgestimmt sein. Das bieten die Modellreihen N und J, die inzwischen fast alles abdecken, was es zu pikieren oder einzutopfen gilt. Im Mittelpunkt stehen einzeln motorisierte und frei bewegliche Greifer, die je nach Modell über eine Verarbeitungsleistung von 1 000 bis 1 500 Pflanzen in der Stunde verfügen. Bei allen Modellen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, bis zu sieben Pflanzen in einen Topf zu setzen.Bereits erfolgreich im Markt eingeführt ist das Modell 600 N, bislang die kleinste Version innerhalb der Reihe, ausgestattet mit maximal zehn Greifern. Das Gerät dient hauptsächlich dem Umpflanzen von Tray zu Tray. Dabei ist die Beladung der Trays sowohl längs als auch quer möglich, was die Umpflanzmöglichkeiten erweitert. Zur Änderung von Tray, Topf oder Packs sind keine Werkzeuge oder Hilfsmittel notwendig. Darüber hinaus ist die Pflanzenentnahme von oben oder von der Seite frei einstellbar.

Topfmaschinen – vielseitig und kompakt

Als "Baumschulmaschine der Zukunft" bezeichnet Mayer sein neues Modell TM 2040. Es ist eine von Grund auf neu konzipierte Maschine, die speziell auf die Bedürfnisse von Baumschulen ausgerichtet ist. Sie verarbeitet Topfgrößen von 12 bis 40 cm bei einer Spitzenleistung von bis zu 2000 Töpfe pro Stunde. Ihr Erdbehälter fasst bis zu 3 m³ (mit Verlängerung 5 m³) und verfügt über einen speziellen Elevator, der eine Tunnelbildung im Substratvorrat verhindert. Ein auf der Mitte des Drehkranzes platzierter Kegel soll verhindern, dass überschüssiges Substrat liegen bleibt.

"Vielseitig und kompakt" – so beschreibt Mayer die Topfmaschine TM 1610. Das Gerät verfügt über einen Drehkranz im ruckfreien Rundsystem T12 sowie eine taktgenaue Topfposition für Erdbohrer. Mit dabei zudem eine zentrale Topfgrößeneinstellung für Rund- und Vierkanttöpfe, ein mechanischer Antrieb für Drehkranz und Elevator sowie eine flexible Anordnung des Topfauslaufs. Die Maschine verfügt über einen Erdbehälter von einem Kubikmeter sowie einer strukturerhaltende Substratförderung. Erwähnenswert ist die große Bandbreite verwendbarer Topfgrößen von 5 bis 21 cm. Das garantiert einen universellen Einsatz. Die TM 1610 ist zudem kompatibel mit den gängigsten Systemen der Automatisierung. Die Leistung wird mit bis zu 2800 Töpfen je Stunde angegeben.

Flaggschiff bei Leidolt ist die Topfmaschine TC5. Das Besondere daran ist auch hier die große Bandbreite zu verarbeitender Töpfe mit Durchmessern von 8 bis 40 cm. Der Trick ist die automatische Umstellung vom 16er-Takt für Töpfe bis zu 25 cm Durchmesser auf einen 8er Takt für Töpfe bis zu 40 cm Durchmesser. Der Multifunktions-Topfkranz lässt sich dafür elektrisch einstellen. Es sind keine weiteren Vorrichtungen notwendig. Die Leistungen: Töpfe von 8 bis 14 cm doppelreihig im 16er Takt mit bis zu 7000 Töpfen je Stunde, Töpfe von 14 bis 25 cm einreihig im 16er-Takt mit bis zu 3000 Töpfen je Stunde und Töpfe von 25 bis 40 cm einreihig im 8erTakt mit bis zu 1000 Töpfen je Stunde. Der Hub am Bohrantrieb läuft synchron mit der Topfgeschwindigkeitsregelung. Er lässt sich aber jederzeit per Knopfdruck ausschalten, wenn die Töpfe nur gefüllt werden sollen. Der Multifunktions-Topfkranz kann außerdem leicht gegen einen Sondertopfkranz ausgetauscht werden. Damit lässt sich beispielsweise in der 8er-Takt-Einstellung mit nur vier Töpfen je Takt bei wesentlich ruhigerem Lauf der Maschine die Förderzeit verkürzen und die Leistung erhöhen. Derzeit wird die TC5 mit neuen Topfgreifern ausgestattet. Diese können sicher zugreifen, auch wenn die Töpfe verschmutzt oder die Topfwände sehr dünn sind. Gedacht sind die Greifer vor allem für Standardgrößen von 9 bis 14 cm.

Bei Langen-Hax stehen die "Profi"-Topfmaschinen im Mittelpunkt. Die Reihe gibt es in drei Ausführungen. Das Funktionsprinzip eines sich kontinuierlich drehenden Topfkranzes ist bei allen gleich. Vom Eintauchen des Bohrkegels in den Topf bis zum Herausheben läuft der Schlegel synchron mit dem Topf. So wird eine hohe Stundenleistung mit sauberen Bohrlöchern bei ruhigem Lauf und geringem Verschleiß erreicht. Eine automatische Erdsteuerung sorgt darüber hinaus für ein gleichmäßiges Erdvolumen im Elevatorbereich. Das Modell "Profi Universal" verfügt zudem über eine dreidimensionale Zentralverstellung, um Höhe, Breite und Tiefe der Halterung für Topfgrößen von 8 bis 28 cm Durchmesser einzustellen. Das Gerät ist mit einem Erdvorrat von 1,8 m³ ausgestattet. Mit Verlängerungen und Trichter lässt sich der Vorrat bis auf 5 m³ erweitern. Drei Motoren, zwei davon über Frequenzumrichter regelbar, treiben die Maschine über einen 2,8 KW 230/400-V-Elektroanschluss an. Möglich ist der Anbau sämtlicher Zusatzgeräte wie Düngerdosierer, Pflanz- und Absetz-  oder Etikettierautomaten.

Topfmaschinen aus Italien

Einige Topfmaschinen-Hersteller aus Italien haben inzwischen ganz Europa als Areal für sich entdeckt und bieten eine Vielzahl an Modellen an. Meist handelt es sich dabei um eher einfachere und mobile Geräte, die auch für kleinere Betriebe geeignet und erschwinglich sind. Erst in den letzten Jahren verstärkt auch auf Fachmessen vertreten ist der Anbieter Calzavara aus der Nähe von Padua. Das Unternehmen wurde 1979 gegründet und beschäftigt sich seitdem mit dem Bau von Maschinen für den Gartenbau. Schwerpunkt sind die Topfmaschinen und deren Zusatzgeräte. Diese laufen unter der "Linea Green" und sind alle an den charakteristischen Farben Grün und Orange zu erkennen. Das Sortiment beginnt beim Typ C3/1 für Töpfe von 7 bis 24 cm, einem Erdvorrat von einem Kubikmeter und einer Stundenleistung von 900 bis 2800 Töpfen. Getopft wird an einem Fließband und nicht am Topfkarussell. Daneben bietet das Unternehmen diverse Füllautomaten zum Topfen von großen Töpfen und Containern. Kombinierte Versionen sind darüber hinaus in der Lage, auf der einen Seite Trays und Töpfe mit Substrat zu füllen und auf der anderen Seite als Topfmaschinen zu arbeiten.

Zusatzgeräte rüsten auf

Zahlreiche Neuheiten bei den Zusatzgeräten zeigen, dass der Wunsch nach Perfektion groß ist. Jede Maschine kommt in die Jahre und genügt dann den Anforderungen nicht mehr. Kompatible Komponenten sorgen dafür, dass nicht gleich eine neue Maschine her muss und sich die Investition im Rahmen hält.

So ist in Kooperation mit der Balster Maschinenbau GbR von der PhytoweltGreenTechnologies GmbH der Topfmaschinen-Aufsatz "Ablator" zum maschinellen Erstellen von Pflanzlöchern entwickelt worden. Das Produkt greift nicht direkt in die Funktion der Topfmaschine ein, sondern fungiert lediglich als Aufsatz. Bei jeder Bohrung werden etwa 10 bis 20 % Substrat abgetragen, sodass insgesamt weniger Substrat benötigt und Kosten eingespart werden. Zudem entsteht ein breiter Gießrand, der auch zum Aufbringen von Mulchmaterial genutzt werden kann. Letztendlich begünstigt das Gerät die Wurzelbildung, da das Substrat beim Bohrvorgang nicht verdichtet wird. Der Einbau des "Ablators" ist einfach und kann mühelos vorgenommen werden. Allein durch die Materialeinsparung, so heißt es, soll sich das Gerät innerhalb eines Jahres amortisieren.

Für die Topfvereinzelung hat Mayer nun mit dem "Potjet" ein neues Zeitalter eingeläutet. Im Gegensatz zu den rein mechanischen Geräten, die mit Hilfe der Schwerkraft Töpfe zuführen, arbeitet der "Potjet" mit elektrisch angetriebenen Förderschnecken. Diese zwingen damit den einzelnen Topf aus dem Stapel, auch wenn er verkantet oder elektrostatisch aufgeladen ist. Das Gerät verarbeitet runde magazinfähige Plastiktöpfe von 12 bis 40 cm. Der Clou ist aber die einfache und schnelle Umstellung auf unterschiedliche Topfgrößen, was keinen Wechsel der Topfeingabe benötigt. Der "Potjet" ist nicht nur mit allen Mayer-Topfmaschinen sondern auch mit Fremdfabrikaten kompatibel.

"Die Evolution des Erdmischens" heißt es bei Mayer. Der Erdmischer EM 6016 der neuesten Generation verspricht extrem hohe Geschwindigkeiten und eine Mischdauer von lediglich drei Minuten. Gleichzeitig sorgt er für eine schonende Substrataufbereitung und ein homogenes Endprodukt – eine genau nach den Bedürfnissen des Anwenders hergestellte Substratmischung. Der EM 6016 mit einem Volumen von 1600 l ist für das Mischen von Torf und Erde mit Perlit, Wasser und anderen Materialien geeignet. Auch die Verarbeitung von Kokosfasern (Cocopeat) ist problemlos möglich. In eine Produktionslinie integriert sorgt der EM 6016 für die Substratzufuhr der nachgelagerten Maschinen wie Topfmaschinen, Substratpressmaschinen oder anderen Füllmaschinen. Über die eingebaute SPS-Steuerung lassen sich bis zu drei Erdmischer miteinander kombinieren.

Peter Springer

 


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