03.05.2019

Die Horticontact-Tour zu Besuch bei

Anthura im Lansingerland

Anthura liefert junges Pflanzenmaterial in über 70 Länder auf der ganzen Welt
Foto: Jacobsen

Am Anthuriumsweg in Bleiswijk gab es viel zu feiern in der letzten Zeit: Erst rückte Anthura Ende 2017 auf Platz 5 im Hillenraad100 vor. Dazu muss man wissen, dass nur ungefähr 1 % der Unternehmen im niederländischen Gartenbausektor überhaupt die Top 100 erreichen, eine Platzierung in den Top 5 also bedeutet, zu den 0,5 Promille der besten Gartenbauunternehmen der gerade in diesem Bereich durchaus wettbewerbsgeprägten Niederlande zu zählen. In der Laudatio wurden besonders die strategische Stärke, Professionalität und das Wachstumspotenzial des in über 70 Ländern tätigen Zierpflanzentausendsassas hervorgehoben.

Danach ging es Schlag auf Schlag weiter, schließlich stand 2018 das 80-jährige Gründungsjubiläum an. Anfang Juni macht niemand geringerer als Seine Majestät der König der Niederlande dem Marktführer bei Orchideen und Anthurien seine Aufwartung. Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten war der Auftritt von Victor Mids an einem Freitagabend Anfang September, der Kollegen, Geschäftspartner, Familie, Freunde und Nachbarn zusammenbrachte und dessen Showprogramm vollständig auf die farbenfrohen Produkte sowie das Thema des Abends abgestimmt war: "Add a little confetti to each day“. Am darauffolgenden Samstag hatten dann alle Mitarbeiter von Anthura die Gelegenheit, mit Familie und Freunden einen Blick hinter die Kulissen werfen und dabei in gewisser Weise auf königlichen Spuren wandeln zu können.

Anfang Januar diesen Jahres war dann erneut die Freude groß, als Anthura in Keukenhof den Horticultural Entrepreneur Award erhielt. Iwan van der Knaap in seiner Dankesrede: „Wir sind sehr stolz und geehrt, dass wir diesen Preis erhalten können. 2018 war für uns ein besonderes Jahr, in dem wir unser 80-jähriges Jubiläum feierten. Der Preis ist eine Auszeichnung und inspiriert und motiviert uns, gemeinsam mit all unseren Kollegen, Kunden und Kettenpartnern weiterhin zu einer bunten Welt beizutragen! Wir freuen uns darauf, das ganze Jahr über Botschafter unseres florierenden Sektors zu sein."

Die Meinung der Jury

Die Jury zeigte sich insbesondere davon beeindruckt, wie sich Anthura im Laufe der Jahre entwickelt hat und lobte das sehr kompetente und engagierte Management, die aus einer langfristigen Vision entstandene Verteilung der Produktionsstandorte auf die Niederlande, Deutschland, Mazedonien und China sowie die erfolgreiche Umsetzung von Nachhaltigkeitsbestrebungen. Beweis dafür sei auch das FSI-Chain-Transparency-Projekt, das dazu führen soll, mindestens 90 % nachhaltig produzierte Blumen und Pflanzen im Jahr 2020 zu erreichen.

Darüber hinaus investiere das Unternehmen viel in Forschung und Entwicklung: Dies zeige sich nicht nur an der tatkräftigen Kartierung der DNA von sowohl Phalaenopsis als auch Anthurium, sondern auch an den Investitionen in ein neues Innovations- und Züchtungszentrum sowie dem Eingehen von  strategischen Partnerschaften mit anderen Züchtern unter dem Namen GenNovation. Mehr als ein Drittel aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe zudem eine höhere Berufsausbildung, somit verfüge dieses Unternehmen über ein überdurchschnittliches internes Know-how und Fachwissen, das es zur Weiterentwicklung und Entwicklung der Branche nutzt.

Accountmanagerin Marieke Nijs-van der Hilst ergänzt, was ihrer Meinung nach Anthura ausmacht: „Anthura ist Experte in der Züchtung und Produktion von Orchideen und Anthurien. Dank jahrelanger Fokussierung auf innovative und nachhaltige Produktentwicklung ist eine unbegrenzte Vielfalt an bunten Sorten entstanden. Jeden Tag fordern wir uns heraus, neue Sorten, neue Farben und neue Formen zu entwickeln. Auf diese Weise schaffen wir eine enorme Vielfalt an Anthura-Sorten, die endlose Möglichkeiten bieten“ und blickt auf die Geschichte der letzten 80 Jahre zurück: 

Firmengeschichte

„1938 gründete die erste Generation der Familie van der Knaap einen Gartenbaubetrieb. Jan van der Knaap begann in Wateringen damit, Gemüse anzubauen. 1974 übernimmt Nic van der Knaap zusammen mit seiner Frau Jeannette den Betrieb von seinem Vater. Das Gartenbauunternehmen stellt auf den Anbau von Anthurium-Schnittblumen um. Nic van der Knaap züchtet erste eigene Sorten und profiliert sich zunehmend als Züchter und Lieferant von Ausgangsmaterial. Die Aktivitäten finden unter dem Namen `Nic van der Knaap Anthurium Selections´ statt. Gunter Arndt Jungplantzen wird 1995 in Deutschland übernommen. Dadurch kommt die Phalaenopsis-Genetik in das Sortiment. Gleichzeitig mit dieser Übernahme wird der Firmenname in Anthura B.V. umgewandelt. Nach 40 Jahren überträgt Nic van der Knaap schließlich im Jahr 2004 die Geschäftsführung an Mark van der Knaap, Marco van Herk und Iwan van der Knaap.

2007 baute Anthura seine Geschäftstätigkeiten auf dem chinesischen Markt mit der Gründung von Anthura Horticulture Co. Ltd. weiter aus. 2009 wird ein moderner Gewächshauskomplex für die Produktion von Anthurium-Jungpflanzen am Cyclamenweg in Bleiswijk eröffnet. 2015 wird in Mazedonien ein eigenes In-vitro-Labor für die Vermehrung von Orchideen eröffnet; gleichzeitig wird der Standort von Arndt weiter ausgebaut. 2017 schließlich wird in Bleiswijk eine neue Forschungs- und Entwicklungsabteilung eröffnet.“ Angesichts dieser nicht enden wollenden Erfolgsgeschichte räumt Nijs-van der Hilst ein, dass auch die Unternehmensgeschichte von Anthura durchaus ihre Auf und Abs hat, die in der auf Meilensteine fokussierten Erzählung vielleicht ein wenig kurz kommen – nichtsdestotrotz ist Nijs-van der Hilst überzeugt: „Durch die Aufrechterhaltung einer langfristigen Vision, eines klaren Fokus auf Fachwissen, Unternehmergeist und Flexibilität sind wir heute ein Weltklasse-Player bei Orchideen und Anthurien.“ 

Sortiment

Prunkstück des den Gewächshäusern der Zeit von Kew Gardens nachempfundenen Neubaus ist der Showroom, in dem mit Sicherheit auch Menschen, die keinen grünen Daumen oder sonst etwas mit Pflanzen am Hut haben, der Mund offen stehen bleibt und in dem sich Nijs-van der Hilsts Versprechen „Wir schmücken die Welt mit bunten Blumen und Pflanzen“ mit Leben füllt. Besonderes Augenmerk wird im Showroom auf vielversprechende Neuheiten gelegt, die quasi direkt aus der Züchtungsabteilung stammen und im Showroom zur Beurteilung freigegeben werden und einmal mehr den Anthuraclaim „Unlimited in Varieties“ unterstreichen.

Die Anzucht der Anthuriumjungpflanzen findet in einem im Laufabstand dazu gelegenen 12 ha großen und ultramodernen Gewächshaus statt: „Unsere Anbaumethode ist innovativ und energiebewusst. Der Gewächshauskomplex in Bleiswijk ist mit einem vollautomatisierten Logistiksystem, einer Assimilationsbeleuchtung und Luftbefeuchtung ausgestattet, um optimale Klimabedingungen zu gewährleisten.“ Die Phalaenopsis-Jungpflanzen werden am Produktionsstandort von Anthura Arndt in Deutschland produziert. Auch hier werden die Klimabedingungen mit Computern perfekt auf jede Wachstumsphase der Anlage angepasst.

Phalaenopsis-Jungpflanzen können direkt noch in Gewebekultur oder als Plugs ausgeliefert werden. Der Vorteil der größeren Pflanzen in Plugs ist, dass sie ein geringeres Ausfallrisiko bei der Kultivierung mit sich bringen. Darüber hinaus bieten sie eine Verkürzung der Kultivierungszeit um fünf bis sieben Monate im Vergleich zu den Gewebekulturpflanzen. 

Anthurienjungpflanzen für die Topfpflanzenproduktion liefert Anthura Plugs. Dank der geringen Größe sind die Transportkosten gering. Die Plugs müssen dann vier Monate lang in einem 7-cm-Topf kultiviert werden, bevor sie dann in Töpfen größer als 14 cm ihr endgültiges Zuhause finden. Bei kleineren Topfgrößen kann der Plug direkt in den Endtopf gesetzt werden. Alternativ hat Anthura alle Anthurium-Plugs auch mit zwei Pflanzen in einem Plug als 7-cm-Topf im Angebot. Der große Vorteil dabei ist, dass daraus schnell eine volle, buschige Pflanze mit vielen Blüten wächst.

Anthura liefert zudem Ausgangsmaterial in zwei Pflanzengrößen für die Anthurium-Schnittblumenproduktion. Auch hier sind Plugs mit dem Vorteil geringer Transportkosten erhältlich. Diese Pflanzen müssen jedoch mindestens vier Monate in einem 9-cm-Topf kultiviert werden, bevor sie mit einer Größe von ca. 20-25 cm stark genug sind, um gepflanzt zu werden. Erhältlich sind aber auch 20-25 cm große Pflanzen für diejenigen, die innerhalb von vier bis fünf Monaten Blumen produzieren möchten. 

Wer nun Lust bekommen hat, Anthura selbst einmal in Augenschein zu nehmen sollte sich Mitte Juni die Zeit nehmen, während der FlowerTrials den Anthuriumweg 14 in 2665 KV Bleiswijk anzusteuern. Wer Mitte Juni keine Zeit hat, kann sich auch auf eine sehr sehenswerte 3D-Tour begeben: anthura.woow.io .

Tim Jacobsen


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Ausgabe 05/2019

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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