12.06.2019

Die Horticontacttour zu Besuch bei Marjoland Rozen

Monika Skomorok-Blacha in einem mehr von Rosen
Foto: Jacobsen

Wenn in den Niederlanden ein Rosenproduzent gesucht wird, sei es, um wie bei den Technical Trials den Gipfel des technisch Möglichen vorzuführen oder sei es auch nur, um ausländischen Besuchern zu zeigen, dass der Schnittrosenanbau auch in Höchstlohnländern wie den Niederlanden nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft hat, dann kommt auffallend häufig das zentral im Gartenbaumekka positionierte Marjoland Rozen ins Spiel. Und auch wenn es durchaus Parallelen gibt, sollte man Marjoland keinesfalls mit dem wenige Kilometer entfernt liegenden, ähnlich klingenden und mit Sicherheit auch beeindruckenden Madurodam verwechseln. Zwar gibt auch Madurodam, das auf einer Fläche von nur 5 ha mit vielen Miniaturen, Aktivitäten und Attraktionen prunken kann, Antworten auf die Frage: Worin sind die kleinen Niederlande groß? Allerdings gibt Marjoland, mit nicht weniger als 20 ha der größte Rosenproduzent der Niederlande, ebenfalls Antworten auf dieselbe Frage, und dies deutlich fachbezogener. Auf den 20 ha werden fast schon quadratisch, praktisch, je nach Zählart fünf oder auch sieben Rosensorten produziert, das ganze Jahr hindurch in gleichbleibender Qualität, wie Roy van den Nouweland, die gegenwärtige Nummer zehn in der Erbfolge des Familienbetriebs, erklärt. Auch aus dem Erfolgsrezept macht van den Nouweland keinen Hehl: „Unserem Familienunternehmen gelingt es seit vielen Jahren, Erfahrung und Innovation optimal zu kombinieren. Und dank der engagierten Mitarbeiter sowie einer Vielzahl logistischer Möglichkeiten ist Marjoland in der Lage, die im südholländischen Waddinxveen jährlich produzierten 65 Mio. Stiele nach Kundenwunsch aufbereiten zu können.“

Eigene Arbeitsvermittlung

Während die meisten Gartenbaubetriebe in Spitzenperioden Leiharbeiter einsetzen, gründete Marjoland kurzerhand eine eigene Zeitarbeitsagentur: Marjo Job. Van den Nouweland erläutert: „Auch damit wir unsere Ressourcen immer vor Ort haben, sind wir zusätzlich zum Gartenbaubetrieb mit einer eigenen Zeitarbeitsagentur, mit Leiharbeitern für Gartenbau- und Installationsbetriebe, gestartet. Über dieses Büro organisieren wir auch unsere eigenen Arbeitskräfte während der Spitzenzeiten. Dies funktioniert sehr gut, weil die Leiharbeiter Teil des Betriebes sind.“ Auffällig ist auch, dass die sonst übliche Führungspyramide bei Marjoland umgedreht ist: die Geschäftsführung definiert sich als Dienstleister für das Management, das wiederum die Mitarbeiter unterstützen soll und bei denen dann Pflanzen sowie Kunden ganz obenan stehen. „Mit 20 ha Anbaufläche sind wir der größte Rosenproduzent in den Niederlanden. Und auch, wenn man denken würde, dass dadurch der Service und die Kundenbetreuung unpersönlicher werden, wäre das bei uns nicht der Fall. Seit weit mehr als 40 Jahren pflegen wir den persönlichen Kontakt mit unseren Abnehmern. Wir haben angefangen mit nichts außer roten Rosen. Jetzt haben wir neben einer weißen und zwei pinken auch zwei leicht unterschiedlich gelbe Sorten sowie eine zweifarbige Rose im Angebot. Durch diese Auswahl haben wir für jeden die passende Rose und unterscheiden uns schon durch unser Angebot von unseren Mitbewerbern.“

Absatzwege

Produziert werden neben `Sweet Dolomiti´ auf 2,7 ha, gepflanzt im Jahr 2011, `White Naomi!´ auf 2,8 ha, ebenfalls aus dem Jahr 2011, `Red Naomi!´ auf 10,8 ha aus den Jahren 2012 und 2015 sowie `Lovely Dolomiti´ auf 0,8 ha, ebenfalls aus dem Jahr 2011, `Penny Lane´ auf 0,9 ha aus dem Jahr 2015 und `Penny Lane Prime´ auf 2,0 ha, gepflanzt im Jahr 2018. Van den Nouweland skizziert die Absatzwege: „Marjoland strebt nach einer optimalen Zusammenarbeit mit Kunden und Abnehmern und versteigert seine Produkte täglich an der Versteigerungsuhr auf allen Flora Holland-Standorten in den Niederlanden, in Deutschland auf der Rhein-Maas-Versteigerung sowie auf dem Plantion Ede. Auch über Connect werden diese Versteigerungen beliefert. Außerdem gibt es den Tagestransport nach Aalsmeer, Naalswijk und Rijnsburg.“ Jeden Werktag werden Rosen von Marjoland zudem direkt an Exportunternehmen und inländische Händler verkauft. Der größte Teil der Marjoland-Rosen geht nach Westeuropa. Große Absatzmärkte sind hierbei neben Deutschland auch England, Frankreich und Italien. Bei Marjoland stehen verschiedene Bestellmöglichkeiten zur Verfügung, darunter neben den Klassikern Telefon, E-Mail und Versteigerungsuhr auch die sog. VMP-Verknüpfung, die dazu dient, die digitale Kommunikation zwischen Marjoland und den Exportunternehmen zu vereinfachen. Das hat verschiedene Vorteile: Es vereinfacht die Betriebsprozesse auf beiden Seiten, manuelle Eingabefehler werden verhindert und der Einkauf erfolgt entsprechend des Bedarfs.

Wie Van den Nouweland betonte, kann Marjoland seine prächtigen Rosen dank seiner engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und einer Vielzahl an logistischen Möglichkeiten auf nahezu jede Art und Weise verpacken und liefern. Unterschiedliche Stückzahlen pro Blumenstrauß und Eimer oder auch ganz andere Verpackungsarten sind jederzeit möglich. Somit geht Service bei Marjoland Hand in Hand mit einem einzigartigen Sortiment in guter Qualität und das Ganze in fast Bioqualität oder wie van den Nouweland erklärt: „Wir haben für jeden etwas im Angebot. Die Qualitäten unserer Majordelux-Rosen entsprechen in etwa der Qualität der besten Rosen aus Ecuador. Unsere Marjogold-Rosen sind in etwa das, was gute Produzenten in den Niederlanden erreichen können. Unsere Marjosilver-Rosen entsprechen dem Standard der Rosenimporte aus Afrika.“ Die Verteilung über die drei Klassifizierungen hinweg ist in etwa 20 – 70 - 10. Sortenwahl

Bei den Sorten gerät Van den Nouweland ins Schwärmen: „Während `Sweet Dolomiti´ eine exklusive großblütige rosafarbige Rose mit einer großen, langen, punktförmigen Blütenknospe ist, hat `White Naomi!´ eine nahezu einzigartige großblütige weiße Rosenblüte mit subtilem Duft, die sich wunderschön öffnet und ein langes Vasenleben garantiert. Ihr Namensvetter `Red Naomi!´ ist eine samtige, großblütige rote Rose mit viele Blütenblättchen, ebenfalls langem Vasenleben und guten Transporteigenschaften. `Lovely Dolomiti´ dagegen ist eine exklusive großblütige, hellrosa Rose mit einer helleren Farbe als ihre Schwester `Sweet Dolomiti´ und ebenfalls großen, langen, punktförmigen Blütenknospen. `Penny Lane´ komplettiert als großblütige, gelbe Rose das Farbspektrum genauso wie die etwas großknosprigere `Penny Lane Prime´.“ Seit April diesen Jahres komplettiert die weißpinke `Jumilia´ das Farbspektrum.

Von der Jungpflanze zum Rosenstrauch

Van den Nouweland erläutert den Produktionszyklus: „Die Pflanzen verbleiben etwa acht Jahre, manchmal auch länger, bei Marjoland. Nicht zuletzt wegen der langen Standzeiten sind Kontrolle und Versorgung der Kulturen von wesentlicher Bedeutung für eine gute Qualität. Daher wird diesen Aspekten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Mehrere Kulturexperten arbeiten Tag und Nacht an der Optimierung des Klimas für die Pflanzen. CO2-Gehalt, Licht und Temperatur können pro Gewächshaus so geregelt werden, dass für die Pflanzen stets optimale Bedingungen herrschen.“

Die Kulturflächen sind in kleine Einheiten unterteilt, für die jeweils ein Mitarbeiter zuständig ist. Sieben kleine Einheiten sind dann wiederum einem sog. Chef unterstellt, und über diesen Chefs steht dann wiederum ein sog. Manager, der für die ganze Gewächshausabteilung gerade stehen muss. So können die Probleme dann immer auf der Ebene angegangen werden, auf der sie akut geworden sind. Van den Nouweland erinnert sich an Zeiten, die noch gar nicht so lange her sind, in denen beim Auftreten von Schädlingen fast schon automatisch das gesamte Gewächshaus behandelt wurde, gegenwärtig werden nur die Befallsherde selbst behandelt und „wer weiß, wie das in Zukunft aussehen wird?“ Van den Nouweland sieht Drohnen durch die Gewächshäuser fliegen, die selbständig Kulturarbeiten verrichten können. Und überhaupt steht über allem die Selbstverpflichtung, bis 2022 komplett auf chemischen Pflanzenschutz verzichten zu wollen.

Zweimal pro Tag werden die Rosen bei Marjoland geschnitten, um die verschiedenen Reifegrade so gut wie möglich sortieren zu können. Danach werden die Rosen auf 4 °C heruntergekühlt, um die Geschwindigkeit des weiteren Entwicklungsprozesses zu reduzieren. Jede Rose wird manuell geprüft und von der Sortiermaschine auf Länge, Dicke und Reife in letztendlich vier verschiedene Reifestadien sortiert. Anschließend werden die Rosen mit einer Hülle versehen und in Wasser gestellt. Mit einem Kartonkragen, der die Rosen so gut wie möglich schützen soll, gehen sie dann auf die Reise. An normalen Tagen sorgen insgesamt rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Marjoland dafür, dass alles den gewünschten Gang geht, in Spitzenzeiten sind bis zu 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort.

Wie alles begann

Roy van den Nouweland kramt in der Familiengeschichte: „Mein Onkel, Joop van den Nouweland, wusste bereits als kleiner Junge, dass er ein eigenes Unternehmen aufbauen wollte. Dessen Vater wiederum war ihm ein Vorbild. Koos van den Nouweland besaß eine 1,6 ha große Gurkenzucht in Leidschendam. Als vierjähriger Junge begleitete Joop seinen Vater jeden Morgen. So erfuhr er bereits als Kind, was es bedeutet, Gärtner zu sein. 1978 startete Joop sein eigenes Unternehmen und ließ dafür 14 500 m² Hochglas errichten. Für die damalige Zeit war das ziemlich viel.

Nach sieben Jahren Gurken stieg er 1985 auf Rosen um, im Vertrauen darauf, dass sich eine Rose mit Liebe und Fachwissen so verschönern lässt, dass sie sich von denen der anderen Produzenten abhebt.“ 1989 kauften Joop und Mariola van den Nouweland die Gärtnerei ihrer Nachbarn. 1997 verdoppelte sich die Größe des Unternehmens, als am Abraham Kroesweg in Waddinxveen ein Gewächshaus mit einer Größe von 3,4 ha hinzukam. Marjoland entstand Anfang 2000 als neuer Standort am Bredeweg in Waddinxveen. 2005 kam schließlich Marjoland 2 hinzu mit einem auch heute noch äußerst beeindruckenden mobilen Zuchtsystem auf einer Fläche von 2,7 ha. Im gleichen Jahr übernahm Marjoland auch das angrenzende Unternehmen mit 4,8 ha Unterglas.

Die Jahre 2007 und 2008 dienten in gewisser Weise der zumindest räumlichen Konsolidierung des Unternehmens. Da Familie van den Nouweland sich fortan auf einen Standort konzentrieren wollte, wurden der Betrieb in Bleiswijk und ein Gewächshaus in Waddinxveen verkauft und dafür wiederum andere Betriebe hinzugekauft. So entstand letztendlich ein großes, rechtwinkliges Grundstück mit 20 ha Unterglas, wovon 0,8 ha gewissermaßen im zweiten Stock oberhalb des zentralen Sortier- und Verpackungsraums zu finden sind.

„Auch heutzutage steht hinter Marjoland noch die Familie van den Nouweland: Vater, Mutter, zwei Söhne, Tochter und Schwiegertochter. Gemeinsam arbeiten sie kontinuierlich an der Entwicklung des Unternehmens. Und gemeinsam mit den Mitarbeitern von Marjoland strebt Familie van den Nouweland nach einer guten Arbeitsatmosphäre, in der die starken Normen und Werte der Familie im Mittelpunkt stehen.“ Eigener Auskunft zufolge bieten sie mit ihrer offenen Kultur jedermann und -frau die Chance auf Entwicklung: „Marjoland will ein soziales und transparentes Unternehmen sein, in dem Wissen weitergegeben wird. Gleichzeitig werden Mitarbeiter motiviert, selbst Lösungen zu finden, um dadurch mehr Engagement zu kreieren. Auf diese Weise können sich die Mitarbeiter bei Marjoland entwickeln. Die Mitarbeiter von Marjoland arbeiten mit Liebe an und mit den Produkten und teilen eine enorme Passion für die Rosen. Das sieht man auch am Produkt. Rosen brauchen sieben Tage in der Woche Zuwendung. Es ist ein lebendes Produkt, das Tag und Nacht Versorgung braucht. Wir streben gemeinsam danach, täglich das Beste aus dem Produkt herauszuholen.“

Am Zahn der Zeit

Und da Marjoland ja nun einmal immer an erster Stelle steht, wenn es um Effizienzsteigerung, Energiesparen und Qualitätsverbesserung geht, liegen die ersten gemeinsamen Gehversuche mit Philipps in der LED-Beleuchtung mittlerweile schon wieder einige Jahre zurück. Am Ende ausgiebiger Testreihen blieben die so genannten GreenPower LED über. Am Lichtrezept wurde permanent weiter getüftelt. Insbesondere die Beleuchtung der Wurzelstöcke schien sich vorteilhaft auf die Bildung neuer Sprosse auszuwirken, sowohl Positionierung als auch Lichtspektrum spielen hier eine entscheidende Rolle. Marjoland war zudem einer der ersten Betriebe überhaupt, in dem sogenannte Luftmischkästen zum Einsatz kamen. Aufgewärmte Außenluft gemischt mit Gewächshausluft wird in Plastikschläuchen unter den Kulturrinnen eingeblasen. Das Feuchtigkeitsdefizit kann auf diese Weise tagein tagaus aufrecht erhalten bleiben und jederzeit ausreichend Feuchtigkeit abgeführt werden - ein Vorteil, insbesondere in den Zeiten, in denen die Schirme geschlossen sind, um Lichtemissionen zu verhindern und gleichzeitig Kunstlicht für ein besonders großes Temperaturdelta zwischen der Oberfläche der Bestände und dem Wurzelbereich führt. Marjoland ist als eines der wenigen Rosenzuchtunternehmen in den Niederlanden komplett MPS-zertifiziert und darf deswegen das Fair Flower Fair Plants-Label benutzen. Zudem setzt sich Marjoland bereits seit vielen Jahren für den „Ride for the Roses“ ein, eine Fahrradveranstaltung, deren Ertrag der Krebsbekämpfung zugutekommt.

Und so hat sich in den letzten elf Jahren wahrscheinlich nur wenig geändert, seit sich der ehemalige Nationaltorwart Hans van Breukelen während der sog. Passion Experience bei Marjoland Gedanken um die Vergleichbarkeit von Spitzensport und Rosenanzucht machte: Er verglich den Sektor seinerzeit mit einer Fußballmannschaft: der Züchter im Tor, der Produzent in der Verteidigung, der Handel im Mittelfeld, der Einzel- oder Blumenhändler im Angriff; und die Verbraucher sind die Zuschauer: Alles dreht sich letztendlich um die Verbraucher, und die anderen Glieder in der Produktionskette müssen gemeinsam dafür sorgen, dass der Verbraucher bestmöglich bedient wird - eine bessere Zusammenarbeit in der Versorgungskette führe zu größerer Zufriedenheit beim Verbraucher, was ein besseres Ergebnis für die gesamte Kette nach sich ziehe. Und so gelte auch heute noch: „Jeder Tag ist anders, du weißt nie vorher was passieren wird. Man kann nur versuchen, jeden Tag etwas zu verbessern, jemanden etwas beizubringen und auch selbst etwas zu lernen!“

Tim Jacobsen


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