08.07.2015

Ein Besuch am Großmarkt

Düsseldorf by night

Nächtliche Ein-und Ausfahrt an der Pforte des Großmarktes

Ein Besuch am Großmarkt

Nachts um vier am Großmarkt Düsseldorf sind die wichtigsten Geschäfte im Bereich Obst und Gemüse längst gelaufen, während sich die Beschicker der Blumenhallen gerade auf ihre Kunden vorbereiten. Es ist eine eigene kleine Welt mit interessanten Persönlichkeiten zwischen LKWs und Staplern, die hier im Düsseldorfer Norden von montags bis samstags ein Nachtleben der besonderen Art führen.

„Ein guter Tag beginnt tief in der Nacht.“ So das Motto der Großmarktgilde Düsseldorf, ein Zusammenschluss der Düsseldorfer Großmarkthändler und Erzeuger, der sich 2013 aus einer Interessengemeinschaft heraus gegründet hat. Ziel dieses Verbandes, der über 150 Anbieter nicht nur von Obst, Gemüse und Zierpflanzen, sondern auch von Molkereiprodukten und anderen Dienstleistungen, vertritt, ist die Sicherung des Marktplatzes, die Förderung der Mitgliedsbetriebe sowie die Anwerbung weiterer Beschicker zur Sortimentserweiterung. Gefragt sind beispielsweise Fisch und Fleisch, aber auch Obsterzeuger, besonders Beerenobstproduzenten, wären sehr willkommen.

Für den im Jahr 1936 auf dem 165 000 m² großen Gelände an der Ulmenstraße errichteten Großmarkt ist heute das Amt für Verbraucherschutz der Landeshauptstadt Düsseldorf zuständig. Die Standbeschicker sind dessen Mieter, bzw. im Fall des Blumengroßmarktes ist die Genossenschaft Mieter und untervermietet die Standflächen an ihre einzelnen Mitglieder. Städte haben früher Großmärkte eingerichtet, um die Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen. Mit der Globalisierung hat sich das längst gewandelt. Die Städte sind nicht mehr gezwungen, einen attraktiven Marktplatz anzubieten. In den letzten Jahren hatte sich das Amt für Verbraucherschutz in Düsseldorf entsprechend auf die Verwaltung beschränkt, Instandhaltung und Renovierung der in die Jahre gekommenen Hallen wurden vernachlässigt. Dies gipfelte in Überlegungen, den Großmarkt ganz abzuschaffen oder ihm einen neuen Standort zuzuweisen. Dabei sind rund 4 800 Kunden (Wochenmarkthändler, Ladeninhaber, Köche, Händler, Floristen, Hotel- und Gaststättenbetreiber, Großküchen etc.) registriert, die für einen geschätzten jährlichen Umsatz von 500 Mio. € sorgen. Gegen die Überlegungen der Stadt wehren sich die Anbieter und haben deshalb die Großmarktgilde gegründet, in der sie gemeinsam gegenüber dem Marktamt auftreten. Diese Initiative hat sich in letzter Zeit sehr positiv entwickelt und so gibt es wieder Perspektiven. Seit einigen Monaten hat das Marktamt eine neue Leiterin, mit der Probleme gemeinsam besprochen, andere Märkte besucht und Zukunftsprojekte entwickelt werden. Es ist der Großmarktgilde ein Anliegen, den Anbauern der Region einen direkten Absatz zu bieten und zugleich den vielseitigen Bedürfnissen und Wünschen der privaten und gewerblichen Verbraucher dieses Ballungsraumes gerecht zu werden.

Obst, Gemüse, Kartoffeln

Konrad Koester betreibt seit über 20 Jahren eine Fruchtgroßhandelsgesellschaft am Großmarkt und ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Großmarktgilde. Schon als Kind war er regelmäßig in Begleitung seiner Mutter am Großmarkt: „Früher war das hier jede Nacht ein Ameisenhaufen, es war wie eine große Familie.“ Der Zusammenhalt unter den Anbietern sei zwar noch zu spüren, aber es seien halt immer weniger geworden. Heute brauche der Großmarkt neue Beschicker mit kreativen Ideen; Leute mit Leidenschaft, die für ihre Produkte brennen und in ihrem Bereich Spezialisten sind, die etwas Besonderes anbieten können und den Endkunden im Auge haben. Koester beklagt, dass die Wertschätzung für die Produkte verloren gegangen sei. Begeisterte Händler oder Erzeuger müssten eine Persönlichkeit zum Produkt entwickeln, die die Kundschaft mitreißt. Als große Pluspunkte des Großmarktes bezeichnet der engagierte Unternehmer, dass hier Fachleute vor Ort ihre Ware präsentieren, jeder hier seine Nische hat und es der einzige Platz ist, wo man im Wettbewerb die Produkte aussuchen und einkaufen kann. Um den Großmarkt wieder attraktiver zu gestalten, sollte seiner Meinung nach auch über die Öffnungszeiten nachgedacht werden. Aktuell läuft der Markt für Obst und Gemüse von etwa 23 Uhr bis 7 Uhr in der Früh. Dies ist sowohl für die Beschicker, insbesondere wenn es Erzeuger mit heimischer Produktion sind, als auch für viele Einkäufer eine Herausforderung, denn das Geschäftsleben geht ja tagsüber weiter. Viele Großmarktbeschicker bieten alternativ zum Einkauf vor Ort deshalb schon einen Lieferservice. Die Öffnungszeiten stammen noch aus Zeiten als die Wochenmarkthändler direkt vor dessen Öffnung sich hier noch mit Waren eindeckten. Dies ist mit den heutigen Lagerungsmöglichkeiten nicht mehr unbedingt notwendig. Und auch die vormittäglichen Öffnungszeiten von Wochenmärkten sollten in Zeiten, wo in vielen Haushalten beide berufstätig sind, diskutiert werden, meint Koester.

Die Konrad Koester Fruchtgroßhandel GmbH beliefert vor allem Großküchen, Hotellerie und Gastronomie direkt vom Großmarkt mit einem breiten Sortiment an in- und ausländischem Obst, Gemüse und Salaten sowie Kartoffeln und sonstigem Küchenbedarf, auf Wunsch auch küchenfertig aufbereitet. Konrad Koester versichert dabei Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Frische. Bei seinen Kunden, darunter Altenheime und andere Einrichtungen im Sozialbereich, spielt Kontinuität und Nachvollziehbarkeit der Herkunft der Ware sowie eine gewisse Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit seinem langjährigen Prokuristen Sadri Limani dirigiert Koester ein 20-köpfiges Team, das an Auftragsannahme, Einkauf, Kommissionierung und Auslieferung arbeitet. Auf Leidenschaft und Spaß bei der Arbeit durch sämtliche Aufgabenbereiche „bis hin zur Reinigungskraft“ legen die beiden dabei größten Wert. Sie sind ein eingespieltes Team und kennen sich seit über 20 Jahren. „Ich kann an seinen Augen den Umsatz des Tages ablesen“, sagt Koester über „seine rechte Hand“ Sadri Limani.

Blumengroßmarkt Düsseldorf

Im Jahr 1938, zwei Jahre nach der Eröffnung des Großmarktes, gründete sich bereits die heutige Blumengroßmarkt Düsseldorf eG. Da aber mit Kriegsbeginn, die Gärtner aufgefordert wurden, zur Versorgung der Bevölkerung Obst und Gemüse statt Blumen zu produzieren, wurde die Blumenvermarktung erst im Jahr 1950 mit immerhin schon 78 Standinhabern aufgenommen. Was auf 1 600 m² begann, umfasst nach regelmäßigen Erweiterungen heute rund 12 000 m² Verkaufsfläche. Die 59 Dauerstände haben überwiegend Größen von 40-50 m², wobei der kleinste 10 m² und der größte 840 m² zählen. Die Beschicker sind überwiegend Gartenbaubetriebe aus der Umgebung bis nach Aachen, Mülheim, Straelen und Wuppertal. Außerdem sind Schnittblumengroßhändler, Topfpflanzenhändler, Schleifendrucker, Gartenbau- bzw. Floristenbedarfsartikelgroßhändler, eine Baumschule und ein Staudenstand vertreten. Auf Wunsch gibt es auch ummantelte Stände mit Kühlung. Die Einkäufer des Blumengroßmarktes sind Fachgeschäfte, Markthändler, Friedhofsgärtnereien, Endverkaufsbetriebe, Gartencenter, Galabauer und Blumengroßhändler aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf von Leverkusen bis Bottrop und von Aachen bis Essen.

Vor allem die Wochenmarkthändler wissen es zu schätzen, dass sie in Düsseldorf an einem Standort Obst, Gemüse und Blumen einkaufen können. Sie sind morgens ab halb vier die ersten, die sich am Blumengroßmarkt eindecken, wenn sie ihre Geschäfte im Obst- und Gemüse-Bereich getätigt haben, wie Peter René Hecker, Geschäftsführer der Blumengroßmarkt Düsseldorf eG und Vorstandsvorsitzender der Großmarktgilde berichtet. Gegen viertel vor fünf, wenn diese ersten Kunden durch sind, werden die Stände nachbestückt und für die ab halb sechs erwarteten Floristen und anderen Einkäufer schick präsentiert. Kreuz und quer werden die Einkaufskarren zwischen den Ständen hindurch bugsiert, auf einen kleinen Snack trifft man sich am Kaffeestand und um neun Uhr ist der ganze Rummel vorbei.

Wer sich am Blumengroßmarkt Düsseldorf eindecken möchte, muss nicht unbedingt früh aufstehen. Bereits seit 1994 bietet die Genossenschaft einen Service, besonders für größere Kunden, der sich heute „Order & Vermittlung“ nennt. Fünf Mitarbeiter sind hier damit beschäftigt, bei den Genossenschaftsmitgliedern wöchentlich das Warenangebot abzufragen und diese gebündelt dem Kundenkreis anzubieten. Per Telefon werden die Verhandlungen geführt. Die Bestellungen werden von den Gärtnern in die Kommissionshalle gebracht und dort auf LKW verteilt und ausgeliefert. Sollte gewünschte Ware im Sortiment der Mitglieder nicht erhältlich sein, wird sie bei externen Gärtnern angefordert. Diese Zulieferer kommen häufig vom Niederrhein, oft können sie nach ersten guten Erfahrungen als Mitglieder des Blumengroßmarktes gewonnen werden, freut sich Peter René Hecker.

Überhaupt zeigt sich der Geschäftsführer sehr zufrieden mit der Entwicklung seines Marktplatzes. Seit die Marktbeschicker in der Großmarktgilde, deren Vorstandsvorsitzender er ist, gemeinsam auftreten, konnte Einiges in Bewegung gebracht werden. Das Verhältnis zur neuen Leitung des Amtes für Verbraucherschutz ist fruchtbar und auch mit dem neuen Düsseldorfer Oberbürgermeister hat man sich bereits auf zukunftsorientierte Verbesserungen am Standort verständigt. „Wir sind auf Messen wie der IPM und Mein Wochenmarkt vertreten und wir sind Mitglied im GFI Deutsche Frischemärkte e.V., einer Vereinigung aller Märkte im deutschsprachigen Raum und im VDB, der Vereinigung der Blumengroßmärkte. Gemeinsam entwickeln wir Strategien und tauschen Erfahrungen aus“, so Hecker. Im letzten Jahr wurde beispielsweise die Regionalmarke „Ich bin von hier!“ erarbeitet, die für die Stärken der regionalen Produktion und Vermarktung steht.

„Wir wollen den Markt zukunftsgerecht gestalten“, erläutert der engagierte Geschäftsführer, „wir haben viele Erzeuger hier vor Ort, aber es gibt auch Kollegen, die uns darum bitten, ihre Ware für sie zu vermarkten, auch darauf sind wir mit unserer Abteilung „Order & Vermittlung“ eingerichtet. Natürlich unterliegen auch wir dem Strukturwandel: viele Betriebsinhaber sind älter als 45 Jahre und oft fehlt ein Nachfolger. Dann bemühen wir uns, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Fachschule in Essen, einen Nachfolger zu finden. Denn diese Betriebe sind ganz auf den Großmarkt ausgerichtet, sie wissen, was hier gefragt ist und haben eine unheimliche Produktkenntnis, es wäre schade, wenn das verloren ginge. Auch Quereinsteiger, die sich von anderen Vermarktungsformen abwenden und beim Großmarkt anliefern wollen, bekommen von uns eine besondere Unterstützung. Denn dieser Schritt ist häufig eine große Umstellung für sie. Hier sind vor allem Qualität, eine breite Produktpalette und Freude an Kundenkontakten gefragt. Wer einmal weiß, wie das Geschäft am Großmarkt läuft und freie Kapazitäten hat, kann auch an anderen Großmärkten anliefern. Wir begrüßen das ausdrücklich, denn dann ist unser Mitglied vielseitig und gut aufgestellt. Viele Gärtner schätzen am Großmarkt den direkten Kundenkontakt und nutzen diesen, um neue Produkte vorzustellen und zu testen. Einige sind auch ganz aktiv und laden ihre Kunden zu sich auf ihren Betrieb ein. Ein Gartenbaubetrieb muss nicht groß sein, um bei uns erfolgreich zu sein. Aktuell könnten wir noch Verstärkung brauchen im Bereich Grünpflanzen, Gerbera und Freilandschnitt. Aber natürlich sind auch andere Produzenten willkommen.“

Sabine Aldenhoff


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