06.08.2015

Einlegegurken im Fokus

Der Gemüsezüchter Rijk Zwaan ist in der Sortenzüchtung

Weltweit werden auf einer Fläche von gut 111 000 ha Einlegegurken angebaut. Zu den Hauptverbraucherländern zählen Mittel- und Osteuropa, USA und Kanada sowie Südamerika und Südeuropa. Ein Teil dieser internationalen Gurkenwelt führte das Saatgutunternehmen Rijk Zwaan Anfang Juli bei den „Global Gherkin Days 2015“ zusammen. Über 200 Teilnehmer aus 22 Ländern versammelten sich in Deutschland, um Wissen und Ideen über Einlegegurken auszutauschen.

„Die Einlegegurke wird zunehmend zum Globalplayer“, betonte Dr. Gerald Krischke, Crop Coordinator bei Rijk Zwaan, bei seiner Begrüßung am 6. Juli. Im Hinblick darauf, dass der Gurkenhandel immer internationaler und Marketing-orientierter wird, organisierte der Gemüsezüchter diese international ausgerichtete Veranstaltung. Neben einem Besuch des Demofeldes und einer umfangreichen Maschinenvorführung rund um die Gurkenproduktion wurden auch Praxisbetriebe in Niederbayern, eine Sortieranlage sowie Verarbeitungsbetriebe besichtigt. Ein Vortragsteil mit Referaten zu den Themen Züchtung, Anbau, Verarbeitung und Marketing rundeten das Programm ab.

Sorten für alle Ansprüche

Traditionell wird der überwiegende Teil der Einlegegurken in Gläsern konserviert. Aber auch die Fast Food-Industrie benötigt Gurken als wichtigen Geschmacksträger der verschiedenen Burger. Je nachdem, wie die Gurken weiter verarbeitet werden, variieren die Sortenanforderungen in Bezug auf Fruchtgröße, Geschmack und Struktur. Daneben stellen Produktions- und Ernteverfahren besondere Ansprüche an eine Sorte. Rijk Zwaan ist im Sortenangebot für Einlegegurken breit aufgestellt und hat Sorten für alle Anbau- und Erntesysteme der verschiedenen Anbauzonen entwickelt.

„Zurzeit arbeiten wir verstärkt an Gurkensorten mit einer Resistenz gegen Falschen Mehltau. Dabei legen wir in der Züchtung großen Wert darauf, dass die Sorten keine Einbußen bei den Erträgen haben“, erläuterte die Züchterin von Rijk Zwaan, Lenaig Adam, auf dem Demofeld. Allerdings wird es noch mindestens fünf Jahre dauern, bis die ersten Sorten vorgestellt werden können.

Zurzeit ist `Liszt´ RZ F1 die wichtigste Sorte für den deutschen Markt. Diese gestachelte, parthenokarpe Sorte hat einen offenen Wuchs mit sehr guter Regeneration und höchsten Erträgen in der feinen Sortierung. Die sehr uniforme Gurke eignet sich für alle Verwendungszwecke und zeigt eine optimale Verarbeitungsqualität durch Knackigkeit und kleines Kerngehäuse. Weiterhin ist `Liszt´ stark gegen Bakteriose.

Die Neuzüchtung 12-305 RZ ist in ihren Eigenschaften denen von `Liszt´ sehr ähnlich, bildet aber stärkere Pflanzen. Wenn dieser Sorte ausreichend Wasser zur Verfügung steht, produziert sie immer weiter Früchte und sorgt somit für eine längere Saison.

Eine weitere Neuheit stellte Rijk Zwaan mit der Nummernsorte 12-308 RZ vor. Sie ist früh und liefert hohe Erträge. Die offene Pflanze lässt sich gut von Hand ernten. Sie bildet kleinere Blätter und liefert vermehrt 1A-Früchte. 12-308 zählt zu einem neuen Konzept von Rijk Zwaan, bei dem die Sorte viele kleinere Früchte und einen höheren Ertrag, aber auch große Früchte für die Industrie liefert.

Ernte für die Zukunft?

Im Austausch mit den internationalen Teilnehmern der Gherkin Days wurde schnell deutlich, dass sich die Produktionstechnik in den unterschiedlichen Anbauregionen sehr ähnelt. Die Handernte mit dem so genannten Flieger ist vielerorts zu finden. Zur Optimierung der Erntekosten wird zunehmend über die Ernte mit einem Gurkenvollernter diskutiert. Dafür sind allerdings geeignete Sorten von Nöten. Rijk Zwaan züchtet derzeit auch neue Sorten mit guten Erträgen, die sich für eine mechanische Ernte eignen. Dabei stellte Gregor Biermann von Rijk Zwaan Ergebnisse eines Versuchs vor, bei dem die Maschinenernte in Kombination mit der Handernte im Jahr 2014 untersucht wurde. Als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche mechanische Ernte nannte Biermann optimale Witterungsvoraussetzungen und einen guten Fruchtansatz. „Die reine Maschinenernte kann zurzeit noch nicht kostendeckend durchgeführt werden“, unterstrich Biermann. Ohne eine Vorpflücke deckt der Ertrag die anfallenden Kosten nicht. Die Versuchsergebnisse zeigen, dass die Ernte der Zukunft eine Kombination aus ein oder zwei Handernten mit anschließender Maschinenernte ist und die Kosten deckt. Die Handernte bewirkt, dass die Pflanze mehr Früchte produziert und anschließend die Maschine einen höheren Ertrag erntet.

Neue Vergärungstechnologie

Beim traditionellen Vergärungsverfahren der Verarbeitungsindustrie wird ein hoher Anteil an Salz verwendet. Dieses Verfahren verursacht auch hohe Mengen an Salzabfall und lässt die Verarbeitungskosten ansteigen. Eine Methode zum salzfreien Vergärungsverfahren in industriellen Maßstab stellten Lisa Moeller und Bill Scott, von der Fermenting Solutions International (FSI), USA, bei den Gherkin Days vor. Während das traditionelle Verfahren sehr viel Zeit in Anspruch nimmt – drei bis fünf Wochen je nach Außentemperatur – können mit dem so genannten A-Ferm® Gurken innerhalb von 48 Stunden kostengünstig vergoren werden. Bei der neuen Methode besteht die Lake ausschließlich aus Calciumchlorid und Kaliumsorbat. Im November 2010 vergor die FSI erfolgreich die ersten Gurken mit der salzfreien Lösung. Zwei Jahre später folgten ausgedehnte sensorische Tests. Im Jahre 2013 wurden schließlich mit der Calcium-Vergärung Gurken im größeren Umfang vergoren, erläuterte Moeller.

Die Welt des Handels

Wie wichtig ist das Produkt Einlegegurke für die Welt des Handels? Antworten auf diese Frage erläuterte Hubert Kössler, Berater für den Fruchthandel, bei dem Gherkin-Event. „Der Markt der frischen Einlegegurken wird nicht weiter wachsen“, so Kösslers Einschätzung. In den meisten Ländern werde dieser Markt eher stagnieren oder sogar schrumpfen. „Wir müssen den Verbrauch von frischen Einlegegurken aktiv forcieren, damit der Konsum ansteigt“, betonte der langjährige Einkäufer von Obst und Gemüse. Ein Ziel wäre der Wechsel von der Gurke zur Einlegegurke, die einen besseren Geschmack und gleichen Preis habe. Die große Frage ist nur, wie man den Konsum steigern kann. Neue Rezepte in TV-Kochshows oder Frauenmagazinen bieten eine Möglichkeit, erläuterte Kössler. Ganz neue Agrarprodukte konnten auch in den Markt erfolgreich eingeführt werden, sagte Kössler und nannte den Apfel `Pink Lady´ als Beispiel. Als direkte Anregung für die Einlegegurke präsentierte Kössler die Snack-Gurke „Schmacki“ aus Gillmaiers Garten. Mit diesem Produkt will der Anbauer frische Cornichons in einer gedeckelten Kunststoffschale für den direkten Mini-Snack vermarkten.

Weitere Berichte von den Gherkin Days über Verarbeitung und Marketing, Produktions- und Erntetechnik bei Einlegegurken sowie Reportagen über Praxisbetriebe in Niederbayern lesen Sie in den nächsten Ausgaben des Gartenbau-Profis.

Birgit Scheel


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