10.02.2017

Feldtag Arznei- und Gewürzpflanzen - Unkraut maschinell bekämpfen

Der von Ökoplant e.V., Agrimed Hessen und der Universität Bonn veranstaltete Feldtag zur mechanischen Unkrautregulierung in Arznei– und Gewürzpflanzen fand im Rahmen der Fachexkursion „Ökologischer Arznei- und Gewürzpflanzenanbau in NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen“ statt. Anfang September kamen dazu zahlreiche Bioanbauer nach Klein-Altendorf, um sich über die aktuelle Technik zu informieren.

 

Neben der Maschinenvorführung am Nachmittag stellten am Vormittag Sabine Staub und Simon Brell von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, Veitshöchheim, ihr Projekt zur Beikrautregulierung in Gemüsekulturen vor. Die ersten Ergebnisse hatten wir Ihnen bereits in Ausgabe 09/2016 vorgestellt. Getestet wurden auf Anbauflächen in der Nähe von Würzburg die Kamera-Steuerung von Schmotzer (Kamera von Claas), die Ultraschall-Steuerung von Reichardt sowie die GPS-RTK-Steuerung von Reichardt und geo-concept in Möhren und Roter Bete.

Wo die optischen Systeme (Kamera und Ultraschall) wegen ungleichmäßigem Feldaufgang schnell an ihre Grenzen stießen und nur noch bedingt funktionierten, kann mit der RTK-Steuerung auch „blind“ gehackt werden. Bei der RTK-Technik – also dem noch genaueren GPS-Signal – wird die Lage der Kulturreihen bereits bei der Aussaat aufgezeichnet und später zum Hacken wieder aufgerufen. Das Kamerasystem kann – vor allem, wenn es mehrere Reihen „betrachtet“ – noch ganz gut Fehlstellen überbrücken. Die Kamera bleibt in ihrer Position, falls gar keine Reihe erkannt wird. Im Gegensatz dazu sucht die Ultraschall-Steuerung sofort nach der Reihe und beginnt den Rahmen zu verschieben. Setzt sich die Reihe dann nach der Fehlstelle fort, können einige Kulturpflanzen der Hacke zum Opfer fallen.

Bei der Auswertung der Versuche zeichnete sich ab, dass die Beschädigung der Knollen (Rote Bete) bei der RTK-Steuerung von Reichardt am geringsten ist. Allerdings räumte Simon Brell ein, dass auch viele Knollen wegen Aufplatzens aussortiert werden mussten. Der Arbeitszeitbedarf für das Hacken mit automatischem Lenksystem fällt laut Berechnungen von Staub und Brell um 16% geringer aus als bei der Handlenkung. Die Kamerasteuerung liegt bei der Betrachtung der Arbeitswirtschaft ab 40 ha unter den Kosten für die Handlenkung. Bei der RTK-Steuerung sind es 67 und bei der Ultraschalltechnik 79 ha. Allerdings müsse laut Brell berücksichtigt werden, dass bei Nutzung der RTK-Steuerung bereits die Aussaat präziser erfolge und somit mehr Pflanzen auf dem ha stünden.

Fazit: Laut Brell bietet sich die Ultraschallsteuerung vor allem für Dammkulturen an, da sie mit einer kontinuierlichen Leitlinie (Dammkante) optimal arbeitet. Bei Kulturen im Flachanbau könnten Kamera- oder RTK-Steuerung zum Einsatz kommen, wobei die Kameratechnik auch für weniger hoch qualifizierte Mitarbeiter gut zu handeln ist. Die RTK-Steuerung kann in allen Kulturverfahren eingesetzt werden – vorausgesetzt, die Reihen werden bereits bei der Aussaat aufgezeichnet.

Hacken in der Reihe

Das Unkraut zwischen den Reihen durch maschinelles Hacken zu regulieren, klappt mit verschiedenen Hacken und Striegeln schon sehr gut. Hier wird versucht die Technik noch näher an die Kulturpflanzen zu bekommen und so auch die letzten Zentimeter zwischen den Reihen zu bearbeiten. Aber was ist mit dem Raum zwischen den einzelnen Pflanzen innerhalb einer Reihe? Mehrere Hersteller von Hacktechnik versuchen diesen Bereich mittels ausgeklügelter Technik zu bearbeiten. Von Kress Umweltschonende Landtechnik (K.U.L.T.) und Garford wurden auf dem Feldtag entsprechenden Maschinen vorgeführt.

Der Robocrop Inrow der englischen Firma Garford wurde von Peter Vollmer, der den Vertrieb für Garford im deutschsprachigen Raum betreut, vorgestellt. Diese Hackmaschine wird fest an den Schlepper angebaut und über ein Kamerasystem geführt, das die Pflanzenreihen erfasst und über Hydraulikzylinder die Maschine seitlich verschiebt. Zwischen den Reihen jäten normale Federzinken, zwischen den Pflanzen drehen sich sichelförmige Jätscheiben. Jede dieser Scheiben wird von einem Hydraulikmotor angetrieben. Bei einem 6 m breiten Gerät und 50 cm Pflanzenabstand kann laut Garford mit bis zu 5,4 km/h gefahren werden. Das Kamerasystem kann, so Vollmer, zusätzlich mit einer GPS-RTK-Steuerung kombiniert werden.

Auch Kress bietet mit dem Robovator eine Hackmaschine mit sehr viel Technik und dem Anspruch, durch den Einsatz der Maschine bis zu 80 % Arbeitszeit für die Handhacke zu sparen. Wie Kress-Geschäftsführer Christian Kirchhoff auf dem Feldtag berichtete, sind mittlerweile 50 Exemplare des Robovators im Einsatz. „Die Kaufentscheidung für so eine Maschine wird am Taschenrechner getroffen“, ist sich Kirchhoff sicher. Allerdings müsse man schon technikbegeistert sein oder ebensolche Mitarbeiter haben, um mit so einer hochtechnisierten Maschine arbeiten zu können. Entwickelt wurde der Robovator zusammen mit Poulsen Engineering aus Dänemark.

Die Kameras (jeweils eine pro bearbeiteter Reihe) liefern dem Computer die Daten, dieser „erkennt“ die Kulturpflanzen und steuert die Hackgeräte. Zwischen den einzelnen Pflanzen klappen zwei Messer ähnlich wie bei einer Schere zu und kappen so das Unkraut knapp unter der Erdoberfläche. Danach springen die Messer wieder auf und „lassen die Kulturpflanze passieren“. Zwischen den Reihen erledigen kleine Standardschare die restliche Hackarbeit. Wie Kirchhoff betonte, eigne sich der Robovator nicht für Säkulturen, sondern vor allem für Pflanzkulturen, da die Technik keimende Kulturpflanzen nicht vom keimenden Unkraut unterscheiden kann. Bei allen kameragestützten Systemen ist die Unterscheidbarkeit von Kulturpflanze und Unkraut Voraussetzung für fehlerfreies Arbeiten. Es muss ein gewisser Größenunterschied gegeben sein und die Reihen dürfen nicht geschlossen sein. Die Programmierer bei Poulsen versuchen, das System laufend zu verbessern und eine noch genauere Unterscheidung von Kulturpflanze und Unkraut zu erreichen.

Neben der „Highend“-Technik des Robovators bietet Kress noch weitere kameragesteuerte Hacksysteme an. Auch der „Autopilot“ soll durch das Ersetzen der zweiten Arbeitskraft an der Handlenkung Arbeitszeit und damit Kosten sparen. Bilder von drei Kameras werden dafür im Computer verrechnet und die Hackgeräte mit diesen Daten mittels Parallelogrammen über die Kulturreihe gesteuert. Je nachdem wie empfindlich die Kultur gegenüber Erdwurf reagiert, kann mit 2 bis 6 km/h gefahren werden. Bei der vorgestellten Variante der Hacke scheiden kleine Räder die Erdkruste auf und bewegen die Erde von den Pflanzen weg. Die dahinter angeordneten Winkelmesser machen die eigentliche Jätearbeit, Standardschare bearbeiten die restliche Fläche.  

Hacken und Striegeln

Zum Feldtag nach Klein-Altendorf war auch die Firma Einböck aus Österreich angereist. Mario Nink stellte neben Rollstriegel (Aerostar Rotation) und Hackstriegel (Aerostar Exact) auch das Reihenhackgerät Chopstar vor. Dieses wird je nach Kundenwunsch individuell zusammengestellt. Verschiedene Schare und Zinken stehen zur Wahl, auch Nachlaufstriegel können montiert werden. Für engere Reihenabstände (unter 60 cm) kommen höhenverstellbare Zinken mit flach arbeitenden Scharen zum Einsatz. Je nach Reihenabstand und Hackbreite werden die Scharbreite und die Zinkenanzahl pro Hackeinsatz gewählt. Je nach Kundenwunsch sind Pflanzenschutzbleche oder -scheiben zum Schutz der Kulturpflanzen beim ersten Hackgang montierbar. Da der Hackeinsatz um 180° gedreht werden kann, ist das Heckgerät in ein Frontgerät umbaubar. Zum Einsatz kommt Chopstar vor allem auf mittleren bis schweren Böden. Kombiniert werden kann der Chopstar mit der Kamerasteuerung Row-Guard. Die von der Kamera erfassten Bilder werden im Computer verrechnet und steuern das Hackgerät über einen Verschieberahmen exakt über die Pflanzenreihe. Zusätzlich zu den Kamerabildern benötigt das System – wie auch bei den anderen Anbietern von Kameralenksystemen – Angaben zur Kultur, die bearbeitet werden soll: Wie groß ist der Reihenabstand, wie der Pflanzabstand? Zu welcher Pflanzengruppe gehört die Kultur? Der Mensch ist also auch bei den Lenksystemen und automatisierten Geräten noch nicht ganz überflüssig.

Marion Valenta