17.09.2014

Feuchte Nische

Appenzeller Sumpf- und Wasserpflanzen, Uedem

Für Aquarien und ihre Bepflanzung konnte sich Dieter Appenzeller schon als Jugendlicher begeistern. Die Passion ist geblieben und so wurde aus dem gelernten Gartenbau-Techniker nach langen Jahren als Körmeister bei Landgard doch noch ein gärtnerischer Unternehmer. In Uedem am Niederrhein betreibt er auf dem landwirtschaftlichen Hof seiner Eltern eine kleine, aber feine Wasserpflanzengärtnerei.

„Im Alter von 14 Jahren hatte ich meinen ersten Teich und unser Haus ist heute noch voller Aquarien“, beantwortet Dieter Appenzeller die Frage, wie es denn zu seiner Spezialisierung auf Sumpf- und Wasserpflanzen kam. Nach seiner Lehre zum Zierpflanzengärtner tingelte er einige Jahre durch verschiedene Betriebe, unter anderem verbrachte er ein Jahr beim Wasserpflanzenbetrieb Peter in Solingen. Dann bildete er sich zum Gartenbau-Techniker fort. 17 Jahre lang war die NBV bzw. Landgard in Lüllingen sein Arbeitgeber, wo er als Körmeister arbeitete. Bereits seit 1995 kultivierte Appenzeller im Nebenerwerb die ersten Sumpf- und Wasserpflanzen. Im Jahr 1998 leistete er sich sein erstes Foliengewächshaus. Als Landgard im Jahr 2009 nach Herongen umzog und sein Weg zur Arbeit damit deutlich länger geworden wäre, wagte Appenzeller den Schritt in die komplette Selbständigkeit. Inzwischen sind noch ein paar Foliengewächshäuser und Freilandbeete bzw. –becken hinzugekommen. Zwei angestellte Mitarbeiter in Teilzeit, drei Aushilfen und zwei bis drei Saisonkräfte unterstützen den Unternehmer bei allen Arbeiten rund um die Kulturen. Seit Oktober letzten Jahres ist der Betrieb nach GlobalGAP zertifiziert.

Nach der Winterpause werden im Februar die überwinterten Pflanzen mit Durchputzen und Rückschnitt für die Vermarktung vorbereitet. Im März und April ist dann Hauptsaison für den Verkauf. Ab 1.4. werden schon die ersten Arten ausgesät für das Folgejahr. Der Mai ist von Vermehrungsarbeiten wie Pikieren und Teilen geprägt. Gegen Ende Juni ebbt der Verkauf ab. Von Juli bis Anfang September wird getopft. In den Herbstmonaten stehen Pflegearbeiten wie Jäten oder Pflanzenschutz auf dem Programm. Im Winter passiert in der Gärtnerei nicht mehr viel, außer dass gelegentlich in den Becken Wasser nachgefüllt werden muss. Dann hat Dieter Appenzeller Zeit für den Bürokram und Gedanken zur Vermarktung.

Spezielle Kulturansprüche

Fast alle seiner Kulturen sind zu den Stauden zu rechnen, da sie mehrjährig sind. Der Übergang von Sumpf- zu Wasserpflanze ist zum Teil fließend. Die Sumpfpflanzen wollen mit den Füßen im Wasser stehen, während die Wasserpflanzen im  oder auch ganz  unter Wasser sind und nur eventuelle Schwimmblätter an die Oberfläche kommen, wie beispielsweise bei der Seerose. Entsprechend ihrer natürlichen Ansprüche müssen die Arten auch kultiviert werden. So hat Appenzeller tiefere Bodenbecken für die Seerosen, flachere Bodenbecken für Sumpf- und Wasserpflanzen und Mobiltische ohne Ablauf, auf denen auch entsprechend der Kultur die Wasserstände gehalten werden. Selbst die Aussaaten und die Stecklinge in den Vermehrungsplatten stehen schon im Wasser.

Damit das funktioniert, bedarf es eines speziellen Substrates, das unter Wasser nicht aus den Töpfen schwemmt. Dieses Lehm-Sand-Torf-Gemisch wird vor Ort in der Gärtnerei selbst gemischt. Je nach Kulturdauer der Arten wird ein passender Langzeitdünger direkt mit eingearbeitet. Denn im Wasser kann man nicht nachdüngen, da sonst Algen überhand nehmen würden. Beim Topfen werden zunächst die Töpfe mit Substrat befüllt und in Kulturpaletten auf die Kulturfläche gestellt. Dann wird Wasser eingelassen, damit sich die Töpfe vollsaugen und das Substrat weich wird. Anschließend können die Pflanzen eingesetzt werden. Danach wird mit einer Brause angegossen und das Becken auf seinen Endwasserstand gebracht.

Man könnte meinen, es lasse sich in einer Wasserpflanzengärtnerei vor Mücken kaum arbeiten. Dagegen hat Dieter Appenzeller ein ebenso einfaches wie wirksames Mittel: er gibt Bacillus thuringiensis ins Wasser. Was Schaderreger betrifft, so unterscheiden sich seine Kulturen nicht groß von „trockeneren“. Abhängig von Art und Sorte treten beispielsweise Mehltau, Botrytis, Spinnmilben oder Läuse auf. Aber es gibt auch spezielle Schädlinge wie etwa den Seerosen-Blattkäfer. Da der Gartenbau-Techniker möglichst nachhaltig kultivieren möchte, setzt er zunächst einmal auf Hygiene: alle Becken werden nach der Kultur mit dem Hochdruckreiniger gesäubert und in Ausnahmefällen gegebenenfalls zusätzlich chemisch desinfiziert. Für seine Kultur- und Anzuchtpaletten hat Appenzeller eine Palettenwaschmaschine selbst konstruiert, die er auch verleiht. Außerdem härtet er seine Pflanzen durch frühzeitiges Lüften ab. Pflanzenschutzmaßnahmen werden mit systemischen Mitteln, streng auf die befallenen Pflanzen beschränkt ausgebracht. Teichpflanzen sollten allein schon deshalb frei von Pflanzenschutzmittelrückständen sein, beispielsweise die teuren Koi-Karpfen darauf empfindlich reagieren.

Bei der Vermehrung setzt der Gartenbau-Techniker auf Eigenleistung, nur wenige Arten werden als Jungpflanzen zugekauft. Appenzeller strebt beste Qualitäten an und die erzielt er, indem er seine Pflanzen durch Aussaat, Teilung, Ausläufer, Stecklinge etc. selbst vermehrt. So erhält er gesunde, wüchsige und blühfreudige Pflanzen. Er selektiert auch, wie beispielsweise bei der Zebrabinse, bei der es auf ein schönes Streifenmuster ankommt. Ein weiteres Standbein ist die Jungpflanzenproduktion für andere Wasserpflanzenproduzenten, die Qualität seiner Jungpflanzen wird auch von seinen Kollegen geschätzt. Die längste Zeit verbringen die Iris im Betrieb; sie werden Anfang April ausgesät, um im darauffolgenden Jahr im April verkaufsfertig zu sein. Andere Arten brauchen nur sechs Wochen bis zum Verkauf. Bei rund 200 Arten und Sorten ist es die Kunst, jede Kultur zum passenden Zeitpunkt zu vermehren, damit sie für die Verkaufssaison im April fertig ist. Dieter Appenzeller hilft sich dabei mit einer Excel-Tabelle, die er im Laufe der Jahre ausgearbeitet hat.

Vielfältiges Sortiment

Eine der Spezialitäten in der Uedemer Gärtnerei ist der Schachtelhalm. Diese Sumpfpflanze ist mit ihren dekorativen Halmen nicht nur im Garten gefragt, sondern auch in der Floristik. Zwei Arten sind im Sortiment: Equisetum hyemale robustum, der große Schachtelhalm, sowie Equisetum palustris, der Simsenschachtelhalm, der nur 20 cm groß wird. Sogar im Dekotopf kultiviert Appenzeller Schachtelhalm und schmunzelt dabei selbst über die Kundenwünsche, die er gern erfüllt.

Mit rund 30 Sorten spielen auch die Seerosen eine große Rolle im Betrieb. Je nach ihrem Wuchsverhalten und Sorteneigenschaften werden sie in unterschiedlich tiefen Becken kultiviert. Bei der Selektion der Sorten legt Appenzeller Wert auf Blühfreudigkeit, mittelschnelles Wachstum, wenige Blätter im Verhältnis zu den Blüten und Robustheit. Seerosen gibt es in verschiedenen Wuchseigenschaften, was man beim Auspflanzen in den Teich unbedingt berücksichtigen sollte. Deshalb verlassen die Seerosen den Betrieb nur mit Etikett, das über die passende Wassertiefe und anderes Wissenswertes informiert. Als Besonderheit hat Appenzeller eine tropische Art im Sortiment, die mit ihren blauvioletten Blüten seltene Farbtupfer auf den Gartenteich zaubert. Diese ist allerdings bei uns nicht winterhart, aber eine Geranie sei schließlich auch nicht winterhart, argumentiert Appenzeller. Seerosen ebenso wie Wasserpest oder Schwimmpflanzen sterben außerhalb des Wassers binnen Stunden ab. Deshalb werden diese Arten im Wassereimer ausgeliefert, also der 3 l-Kulturtopf wird in einen 10 l-Eimer gesetzt. 40 Eimer passen auf eine CC-Karre.

Dieter Appenzeller hat riesigen Spaß an Sumpf- und Wasserpflanzen. Deshalb kultiviert er manche Arten auch einfach als Hobby. So zum Beispiel Papyrus (Cyperus papyrus) und Sumpfcanna (Canna glauca) in mehreren Farben. Es sei schwierig, für diese Canna angemessene Preise zu erzielen, denn sie sind in der Kultur deutlich teurer als ihre Verwandten aus dem Beet- und Balkonpflanzensortiment, die Canna-Indica-Hybriden. In seinem eigenen Gartenteich pflanzt der Unternehmer keine Pflanzen aus, sondern setzt sie in 20 l-Containern auf den Grund. So kann er Neuheiten erproben und auch schon mal auswechseln.

Seine Zielgruppe ist der qualitätsbewusste Fachhandel. Mit seinen sorgsam kultivierten Sumpf- und Wasserpflanzen möchte er nicht am Massenmarkt, der vor allem aus den Niederlanden bedient wird, konkurrieren. Appenzeller hat ein sehr umfangreiches Sortiment inklusive seltener Sorten. Das Geschäft würde immer schwieriger, sagt er, er müsse schon jedes Jahr etwas Neues anbieten. Er orientiert sich sehr an den Wünschen seiner Kunden; „von der Jungpflanze bis zum 20 l-Container ist alles möglich“, so sein Motto. Auch kleine Stückzahlen schrecken ihn nicht ab. Die CC-Karren verlassen den Hof in der Regel als Mischkarre, was selbstverständlich einen erhöhten Aufwand beim Packen bedeutet, aber so ist das nun mal in einer Nische.

Dieter Appenzeller ist Mitglied bei der Anbauervereinigung Plantregio Rhein-Maas e.V. Er schätzt die Gesellschaft seiner Kollegen, die mit ihren Sortimenten nicht konkurrieren, sehr. Gemeinsam könne man sich am Markt viel besser positionieren. So hatte er unter anderem die Chance, auf der Kölner Fachmesse Spoga + Gafa auszustellen. Alleine, sagt er, hätte er einen dortigen Ausstellungsbeitrag doch nie stemmen können. Verkaufen funktioniere heute eben nur noch über persönliche Kontakte, da sei es ganz wichtig, immer wieder Präsenz zu zeigen und das Gespräch mit potentiellen Kunden zu suchen.


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