19.03.2020

Frage nach Saisonarbeitern in Polen bleibt noch offen

Frage nach Saisonarbeitern in Polen bleibt noch offen
Foto: Scheel

Nach Informationen der polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita hat die ukrainische Regierung am 12. März 2020 beschlossen, die Grenzen zur Europäischen Union zu schließen. Das Tagesblatt beruft sich hier auf ukrainische Medien. „Folglich werden Tausende von Mitarbeitern aus der Ukraine nicht nach Polen kommen“, so Rzeczpospolita.

Zwar ist die Entscheidung noch nicht gefallen, aber es gibt bereits Grenzübergänge, die geschlossen werden sollen. Folglich müssen Saisonarbeiter aus der Ukraine, die sich auf die Arbeit in Polen vorbereiten, zu Hause bleiben. Krzysztof Inglot, Geschäftsführer der Arbeitsagentur für Personaldienstleistungen, spricht in diesem Zusammenhang von einer „schlechten Nachricht für die polnischen Firmen, die freie Stellen mit Mitarbeitern aus dem Osten besetzten“. Dabei gibt es während der Grippe- und Coronavirus-Saison sogar noch viel mehr freie Stellen als üblich. Inglot ist der Auffassung, dass hier Handelsbedarf seitens der polnischen Regierung besteht. Daher appelliert er an die Politiker: „Wir zählen darauf, dass die Regierung dafür sorgt, dass die ukrainischen Arbeitnehmer, die sich bereits legal in Polen aufhalten und dort arbeiten, nun automatisch ihr Recht auf Aufenthalt und Arbeit in unserem Land verlängern können.“

Anschließend führt Polen eigene Beschränkungen beim Grenzübertritt ein. Aufgrund der Epidemiegefahr und der Verbreitung des Coronavirus wird die Grenzkontrolle an der Innengrenze zwischen dem 15. und 24. März vorübergehend eingeführt. Auch in den See- und Flughäfen werden Kontrollen durchgeführt. Sowohl an den Binnen- als auch an den Außengrenzen (Grenzübergangsstellen zu Weißrussland, Russland und der Ukraine) wird es für Ausländer Beschränkungen in Einreiserichtung Polen geben. Diese gelten nicht für Ausländer, die über Arbeitsrecht in Polen verfügen. Ähnliches gilt für Saisonarbeiter. Diese dürfen in Polen arbeiten, wenn sie Arbeitserlaubnis, Saisonarbeitserlaubnis und eine Erklärung über die Beauftragung eines Ausländers mit Arbeit in Polen haben.
Die Frage nach den Saisonarbeitern und dem Risiko, dass diese bedingt durch den Coronavirus ausbleiben könnten, stellten am 12. März 2020 polnische Medien an Miroslaw Maliszewski, den Geschäftsführer des Obstbauern-Verbandes Polens, der einen guten Einblick in die Problematik hat. Doch im Gegensatz zu den pessimistischen Prognosen der Medien und der Arbeitsagenturen bleibt er in seinen Äußerungen sehr vorsichtig und differenzierter: „Das Problem wird dann entstehen, wenn das Virus an Fahrt gewinnt und Polen und ... Ukrainer noch härter angreift. Beide Länder können Einschränkungen der Freizeitaktivitäten einführen und den Zustrom von Arbeitskräften in unser Land verhindern. Vorläufig gibt es wahrscheinlich keine solche Bedrohung. (…) Da es in den vergangenen Jahrzehnten nirgendwo auf der Welt eine ähnliche Situation gegeben hat, ist es unmöglich, den Verlauf weiterer wirtschaftlicher Ereignisse vorherzusagen. Es ist auch unmöglich, die Krankheiten der Menschen oder Verhalten Panik vorherzusagen.“ Doch Maliszewski warnt auch die polnischen Landwirte: „Ich möchte jedoch all diejenigen warnen, die z.B. in der Tragödie von China und Italien eine Chance für sich selbst sehen, denn es könnte sich als illusorisch erweisen und tatsächlich auch die polnischen Obstbauern treffen.“

Dr. Henriette Ullmann

Quelle: Fruchthandel online