09.07.2019

Gärtnersiedlung Rain am Lech auf Erfolgskurs

So präsentieren sich heute die Mitgliedsbetriebe der Gärtner-siedlung in Rain am Lech
Foto: Gugenhan

Vor etwas mehr als 70 Jahren gründeten Georg Weber und seine Frau Albertine, geborene Dehner, an ihrem heimatlichen Standort im Bayerischen Rain am Lech ihr gärtnerisches Unternehmen. Als Zwei-Personen-Betrieb wurde der Anfang gemacht und in den folgenden Jahrzehnten zu Europas größter Gartencentergruppe ausgebaut. Heute wird das Unternehmen in der dritten Generation geführt und umfasst 133 Gartencenter in Deutschland und Österreich mit zusätzlichen Verbindungen in die Schweiz. Heute werden in diesen Betrieben rund 5 500 Mitarbeiter beschäftigt, die natürlich allesamt am Erfolg des Unternehmens beteiligt sind. Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens mit zunehmender Zahl an Gartencentern führte dazu, dass Dehner vor gut 20 Jahren (1997) auf einem 15 ha großen Gelände ein modernes Lo-gistikzentrum aufbaute, von dem aus die einzelnen Gartencenter mit gärtnerischen Erzeugnissen kontinuierlich beliefert werden. Damit eine optimale Warenbelieferung möglich war, wurde auch bereits zu diesem Zeitpunkt ein Gewächshausbereich mit einer Fläche von 15 000 m² erstellt. Gleichzeitig wurde eine neue Idee in die Wirklichkeit umgesetzt, die sich bis auf den heutigen Tag bestens bewährte. Natürlich wurde schon zum damaligen Zeitpunkt Dehner mit seinen Gartencentern von heimischen und ausländischen  Produzenten ganzjährig mit den erforderlichen Erzeugnissen beliefert. So entstand aber auch der Gedanke, Produktionsbetriebe in Rain am Lech anzusiedeln, um Dehner direkt vor Ort kontinuierlich mit gärtnerischen Produkten zu beliefern. Zu den Lieferanten von Dehner zählte schon längere Zeit die Gärtnerei Hartmann mit ihrem Stammsitz in Düllstadt am Main, die sich nun etwa zum gleichen Zeitpunkt in Kooperation mit Dehner in Rain am Lech auch einen Betrieb erstellte. Weitere Betriebe folgten, sodass in nächster Nähe zur Dehner-Zentrale heute sieben Produktionsbetriebe in beachtlicher Größe direkt in Rain produzieren und ihre Erzeugnisse weitgehend an Dehner liefern. Um die Produktion dieser Betriebe zu koordinieren, wurde im März 2000 die "Gärtnersiedlung Rain GmbH" gegründet, die mit ihrem Team dafür sorgt, dass eine gemeinsame Anbauplanung stattfindet und der Absatz weitgehend an Dehner geregelt ist.


Betriebsbesichtigung der Gärtnersiedlung Rain am Lech

Um sich einmal einen Überblick über diese Gärtnersiedlung Rain am Lech zu verschaffen, haben sich die Mitglieder der Versuchs- und Beratungsgemeinschaft im Gartenbau Württemberg e.V. (VBG) und des Arbeitskreises Junger Meister (AJM) entschlossen, einige der dortigen Betriebe zu besuchen. So trafen sich Ende September knapp 50 Mitglieder dieser Organisationen in Rain am Lech und wurden dort von Stefan Glöde, dem Geschäftsführer der Gärtnersiedlung Rain, empfan-gen.

Blühende Topfpflanzen als Spezialität bei Hartmann GbR

Schon seit vielen Jahren liefert die Gärtnerei Hartmann aus ihrem Stammsitz in Düllstadt blühende Topfpflanzen an die Firma Dehner. Produziert werden große Sätze von Frühjahrsblühern wie Bellis, Myosotis und Primeln, gefolgt von Beet- und Balkonpflanzen in üblichen Sortimenten. Im Herbst folgen Chrysanthemen und bereits relativ früh Weihnachtssterne in attraktiven Sortimenten. Fast ganzjährig im Anbau sind Kalanchoe in verschiedenen Sorten, einschließlich gefüllt blühenden Sorten.
Die Gärtnerei Hartmann war eine der ersten, die sich mit einem Zweigbetrieb in Rain am Lech ansiedelte. Dort entstand eine knapp 9 ha große Gewächshausfläche, aufgeteilt in 16 Kulturab-teile. Geleitet wird das Unternehmen von Hans und Johannes Hartmann, die, so Stefan Glöde, die Produktion weitgehend auf die Wünsche von Dehner ausrichten. Zu Beginn der Führung wurde eine moderne Topfstraße vorgestellt, wo die Töpfe automatisch mit Substraten gefüllt und anschließend am Fließband die Pflanzen eingesetzt werden. Eine Besonderheit in der technischen Ausstattung ist auch die Heizung, die von der Firma Viessmann installiert wurde. Während früher die Gasheizung im Vordergrund stand, sind heute vier Energieträger im Einsatz. Im Vordergrund steht eine Biogasanlage und ein Anthrazitheizkessel mit Heißwasserspeicher. Die Produktion ist so ausgerichtet, dass grundsätzlich pro Satz mindestens 8 000 Pflanzen produziert werden, um eine einheitliche Pflanzenqualität zu erzeugen. So konnten beim Rundgang durch die Gärtnerei zuerst aufblühende Chrysanthemen besichtigt werden, die sich in großer Stückzahl und vollständig einheitlicher Qualität präsentierten.
Erstaunlich war, wie Ende September bereits in beachtlichen Stückzahlen reich blühende Poinsettien verkaufsbereit auf den Tischen standen. Neben den üblichen roten Farbtönen der Bra-kteen standen auch schon größere Sätze mit weißen und vor allen Dingen leuchtend gelben Hochblättern voll in Blüte. Natürlich waren große Flächen noch mit heranwachsenden Chrysanthemen und Poinsettien belegt, die in den folgenden Wochen zum Blühen und dann zum Absatz kommen.
Ausführlich wurde während des Rundgangs von Geschäftsführer Stefan Glöde dargestellt, wie die Organisation der Gärtnersiedlung Rain zwischen Dehner und den in enger Nachbarschaft aufgebauten Produktionsbetrieben kommunizieren, um so die einzelnen Kulturen, die Anzucht- und Kulturmengen zu koordinieren. Auf diese Weise werden die Gartencenter von Dehner optimal mit Erzeugnissen dieser Betriebe versorgt und der Absatz bei den Produktionsbetrieben gesichert.

Schwerpunkt Kräuter und Orchideen bei Gartenbau Seidel

Auch die Gärtnerei Seidel mit Stammbetrieb in Pförring, knapp 100 km nördlich von München, hat sich einen weiteren Betrieb in Rain am Lech aufgebaut. Begonnen hatten einst die Vorfahren mit dem Anbau von Gemüse, sind aber später auch auf die Produktion von Kräutern umgestiegen. Vor rund 20 Jahren war es der Vater des heutigen Inhabers, Josef Seidel senior, der durch gute Kontakte zu Dehner ebenfalls in Rain am Lech einen Zweigbetrieb aufbaute. Dort stehen die Kräuter auch im Fokus, darüber hinaus, der jeweiligen Jahreszeit entsprechend, aber außerdem blühende Topfpflanzen. Die Produktion insgesamt findet unter einer Hochglasfläche von 35 000 m² statt. Au-ßerdem werden vor allen Dingen auch Kräuter im Freiland auf einer Fläche von 15 000 m² produziert. Dem Bedarf der Firma Dehner angepasst, stehen bei den blühenden Zierpflanzen verschiedene Frühjahrs- und Sommerblüher im Vordergrund. Anlässlich der Besichtigung des Betriebes Ende September waren es in großem Umfang die Alpenveilchen in zahlreichen Sorten.
Schwerpunktmäßig wurden auch im September Kräuter im Freiland und Unterglas produziert. Bei der Besichtigung der Freilandkulturen machte Betriebsinhaber Josef Seidel jr. nicht nur auf die zahlreichen Gattungen, Arten und Sorten aufmerksam, sondern vor allen Dingen auf die Kulturweise. Gerade dort konnte als Besonderheit die Kultur der Kräuter in Vierkanttöpfen kennengelernt werden. Der Topf hat ein Volumen von einem Liter und eine zartgrüne Farbe. Er besitzt auch den Aufdruck "GREENBAR-Küchengarten". Mit diesem Aufdruck wird darauf hingewiesen, dass die Gärtnerei Seidel ein Kulturprojekt entwickelt hat, das es dem Kunden ermöglicht, die Kräuter in diesen Töpfen in einem bestimmten Verfahren weiter zu kultivieren. Es handelt sich dabei um ein einem Balkonkasten ähnliches Gefäß mit einer Länge von 48 cm, einer Breite von 16 cm und einer Tiefe von 16 cm. In dieser Kräuterbox können drei Vierkanttöpfe mit den ausgewählten Pflanzen eingestellt und so an einem hellen Standort in der Küche oder im Sommer auch auf der Terrasse und dem Balkon prächtig weiter gedeihen. Diese Idee der Gärtnerei Seidel wird von Dehner übernommen und in den dortigen Gartencentern zum Erwerb durch die Kunden angeboten. Diese neue GREENBAR wird seit Sommer 2017 angeboten und hat einerseits einen hohen Zierwert und ermöglicht es den Kunden, bei Bedarf durch Schnittmaßnahmen Kräuter zu ernten. Natürlich ist es auch jederzeit möglich, abgeerntete Kräuter durch neue Pflanzen zu ersetzen und so in dieser Box weiter zu kultivieren.
In den Gewächshäusern wurde auch auf eine weitere Besonderheit hingewiesen. Schwerpunkt ist dort die Produktion von Katzen-gras. Vielen Katzenfreunden ist bekannt, dass ihre Tiere nicht nur gerne an frischem Gras schnuppern, sondern dieses auch mit Genuss verzehren. Darauf hat sich die Gärtnerei Seidel einge-stellt und produziert im Jahr rund 500 000 Töpfe. Der Samen wird in verschiedenen Sätzen im Laufe des Jahres ausgesät, die Pflanzen unter besten Kulturbedingungen herangezogen und stehen so den Kunden ständig zur Verfügung. Gerade in diesem Zusammenhang wurde natürlich auch auf die Klimasteuerung in den Gewächshäusern hingewiesen, die auch bei der Anzucht von Kräutern eine große Bedeutung hat. Vorgestellt wurde in diesem Zusammenhang ein beweglicher Ventilator, der dafür sorgt, dass durch seinen Einsatz stabile Pflanzen erzeugt werden und gleichzeitig auch Schädlinge von den Pflanzen fern bleiben. Außerdem wurde der Agam-Luftentfeuchter vorgestellt, der aus Israel importiert dafür sorgt, dass im Gewächshausbereich ideale Klima- bzw. Luftbedingungen herrschen. Durch die auf diese Weise qualitativ hochwertige und abgehärtete Ware hat den Vorteil, dass sie eine hohe Transporteffizienz besitzt und außerdem ganzjährig produziert und angeboten werden kann.
Mit einem weiteren Standbein hat Josef Seidel jr. vor etwa zwölf Jahren begonnen, das er seither systematisch ausgebaut und erfolgreich weiter geführt hat. Es handelt sich dabei um Orchideen, bei denen er zunächst mit der Kultur von Phalaenopsis als Eintrieber begonnen hatte. Die Kultur war erfolgreich, sodass heute von dieser Pflanzengattung umfangreiche Sätze mit bis zu sieben Trieben produziert werden. Daneben wurden auch Cattleyen in die Produktion aufgenommen. Diese Orchideen werden zum Teil in mit Doppelfolie bespannten Gewächshäusern erfolgreich produziert, die, in Bezug auf die Klimabedingungen, auf die jeweils kulti-vierte Gattung eingestellt werden.
Aufgefallen sind bei der Orchideenkultur auch einige Besonder-heiten. So werden Jungpflanzen bis zu einem gewissen Wachs-tumsstadium mit Plastikbeuteln umhüllt, sie sorgen dafür, so Josef Seidel, dass sie in sehr ausgeglichener Weise mit Feuchtigkeit optimal versorgt werden. Außerdem werden Insektenschädlinge mit Licht zu auf Gießwagen befestigte Gelbtafeln gelockt. Dort kleben sie fest und verenden. Auf diese Weise ist es möglich, die Kulturen auf biologische Art schädlingsfrei zu kultivieren.
Ein kurzer Blick wurde noch in den Heizraum geworfen, wo neben einer Hackschnitzelheizung auch eine moderne Biogasanlage für die erforderliche Wärme in den Gewächshäuern sorgt.

Stauden- und Grünpflanzen sind die Renner bei K&K

Schon lange ist der niederländische Gärtnereibesitzer Ron Kuiper Kunde bei Dehner. Aufgrund der guten Zusammenarbeit hat auch er sich entschlossen, sich, zusammen mit seinem Sohn Thijs, ebenfalls der Gärtnersiedlung Rain am Lech anzuschließen und damit in nächster Nähe zu Dehner seine Produkte anzubauen. Schwerpunkte seiner Produktion sind Beet- und Balkonpflanzen, Sommerblumen, aber auch eine Auswahl blühender Topfpflanzen, z.B. Poinsettien. Vorgestellt wurden gleich nach dem Empfang üppig blühende Stiefmütterchen in bester Qualität, fertig zum Abtransport auf CC-Containern. Es folgte der Blick in den Bereich der Cabrio-Gewächshäuser, wo unter idealen Bedingungen Stauden produziert werden. Dort konnten zum Beispiel verkaufsfertige, blühende Stauden-Phloxe (Phlox paniculata) besichtigt werden.
In größeren Stückzahlen wurden auch Poinsettien im 10 cm-Topf vorgestellt, außerdem 3-er-Kombinationen in runden Pflanzschalen.
Eine Besonderheit bei K&K ist aber die Produktion von Grünpflanzen. Große Sortimente werden produziert und bestens organisiert durch die Gärtnersiedlung an die Gartencenter von Dehner  ausgeliefert. Neben bekannten Gattungen und Arten gibt es aber auch Besonderheiten, die zum Teil aus Südamerika importiert und bei K&K fertig kultiviert werden. Das gilt zum Beispiel für Pflanzen der Gattung Beaucarnea, die in größeren Stückmengen als bewurzelte Stammstücke mit bereits mehreren Austrieben auf diese Weise nach Rain geliefert werden.
Als absolute Besonderheit wurde auch der Rasierpinselbaum Pachira vorgestellt, bei dem vier Pflanzen im Topf mit geschlungenen Trieben in dieser Form offensichtlich importiert wurden und nun in einer Höhe von etwa 80 cm mit jungen Austrieben zum Verkauf angeboten werden. So gibt es also auch bei K&K viele Besonderheiten, die erfolgreich in Rain am Lech produziert und dann über die Gartencenter von Dehner an Kunden abgesetzt werden. Durch diese Kombination von Produktion und Absatz hat sich in den letzten Jahren auch der Betrieb von Ron und Sohn Thijs Kuiper enorm entwickelt und wurde so zu einem der bedeutendsten Grünpflanzen-Produzenten in Süddeutschland.
Durch die sehr informative Führung von Geschäftsführer Stefan Glöde haben die Mitglieder der VBG und JM einen umfangreichen Einblick in die Arbeit der Gärtnersiedlung Rain GmbH erhalten. Einerseits wurde umfangreich über das Unternehmen Dehner berichtet und durch die Besichtigung der drei produzierenden Gartenbaubetriebe ein Einblick in die Arbeitsweise der Zulieferer gärtnerischer Erzeugnisse an Dehner erhalten. Gärtnermeister Konrad Huber vom VBG bedankte sich bei Stefan Glöde im Namen aller Teilnehmer mit einer Blumenspende herzlich für die Führung und die vielen interessanten Einblicke in die Gesamtorganisation der Firma Dehner. Wer von den Teilnehmern noch Interesse hatte, konnte anschließend noch selbständig einen Rundgang durch die „Garten-Welt“ der Firma Dehner in Rain machen, die sich natürlich auch in modernstem Zustand präsentiert und praktisch das Urgestein der Firma Dehner sowie der Gärtnersiedlung in Rain am Lech geworden ist.

Edgar Gugenhan

 

 


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