18.01.2022

Globale Standards für die digitale Landwirtschaft

Foto: Valenta

Während die Weltbevölkerung wächst, wirken sich die Folgen des Klimawandels auch in der Lebensmittelerzeugung zunehmend aus. Die Landwirtschaft steht deshalb vor großen Herausforderungen und der Druck steigt, produktiver und effizienter zu werden. Mit ihren internationalen Lieferketten funktioniert die Lebensmittelproduktion heute global, so muss auch ihre Umgestaltung auf dieser Ebene erfolgen. Deshalb hat die internationale Normungsorganisation ISO (International Organization for Standardization) auf einen Antrag des Deutschen Instituts für Normung (DIN) die „strategische Beratungsgruppe Smart Farming“ (ISO SAG Smart Farming) ins Leben gerufen. Diese erarbeitet ab sofort eine erste internationale Normungsroadmap zum Thema Smart Farming – dem Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologie in der Landwirtschaft. Alle interessierten Expert*innen aus Deutschland sind eingeladen, sich über die Kooperationsplattform DIN.ONE einzubringen – Ziel ist, einen strategischen Fahrplan für die internationale Normung und Standardisierung im Bereich Smart Farming für die Zukunft zu erarbeiten und dabei alle relevanten Stakeholder mitzunehmen. Die Roadmap soll im Herbst 2022 erscheinen.

Gesamte Wertschöpfungskette im Blick
Digitalisierung kann gerade durch Smart Farming wesentlich dabei unterstützen, den Herausforderungen der Landwirtschaft zu begegnen. Damit das im großen Maßstab gelingt, sind Normen und Standards notwendig, die zu einheitlichen Schnittstellen und Datenformaten beitragen.  Für die Arbeiten an der ersten internationalen Normungsroadmap Smart Farming wird die ISO SAG die Standardisierungslandschaft in diesem Feld analysieren und beschreiben. Dabei betrachtet sie nicht nur die landwirtschaftliche Produktion, sondern die gesamte Lebensmittelwertschöpfungskette. Gleichzeitig prüft sie die Standardisierungslandschaft in Hinblick auf die Erfüllung der UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs). Die Gruppe wird so notwendige Bedarfe für die Standardisierung im Bereich Smart Farming ermitteln und entsprechende Handlungsempfehlungen ableiten. Untergruppen erarbeiten dazu verschiedene global relevante Themen: Crop Production (Pflanzenbau), Livestock (Viehzucht), Urban Farming (Urbane Landwirtschaft), Terminology and Semantics (Begrifflichkeiten und Semantik), Social aspects (soziale Aspekte), Supply Chain (Lieferkette), OEM (Erstausrüster), Climate Adoption and Environment (Klimaanpassung und Umwelt) sowie Data (Daten).  DIN und die amerikanische Standardisierungsorganisation ANSI (American National Standards Instituts) leiten die Beratungsgruppe gemeinsam.

Nationale Interessen einbringen
Expert*innen aus 27 Ländern arbeiten in der ISO SAG Smart Farming zusammen. Sie wurden von den an einer Mitarbeit interessierten ISO-Mitgliedern entsandt und bringen die nationalen Inhalte und Interessen der beteiligten Länder gebündelt ein. Deutschland wird in dieser Gruppe durch Wilfried Aulbur, Senior Partner bei Roland Berger, vertreten. Aulbur verfügt über langjährige internationale Erfahrung im Agrarsektor und ist stark in diesem Bereich vernetzt. DIN hat für die deutsche Interessenvertretung zusätzlich eine nationale Steuerungsgruppe Smart Farming eingerichtet. In ihr begleiten Akteur*innen aus Politik, Wirtschaft, Forschung, Gesellschaft und Verbraucherschutz die Aktivitäten inhaltlich auf nationaler Ebene. Erste Arbeitsergebnisse der ISO SAG Smart Farming sowie Kontaktmöglichkeiten stehen auf DIN.ONE im weiteren Verlauf bereit und können in Arbeitsgruppen diskutiert und kommentiert werden. Ansprechpartner ist Johannes Lehmann, Leiter Geschäftsfeldentwicklung Smart Farming bei DIN.

Quelle: DIN e. V.