06.01.2017

Haskap

Neue Beerenfrucht mit Potential

Ungewöhnliche Fruchtform der Haskap
Foto: Valenta

Blaue Heckenkirsche, Maibeere oder Honigbeere – je nach Anbaugebiet wird die Haskap unter verschiedenen Namen erfolgreich vermarktet. Grund genug für das Versuchszentrum Köln-Auweiler, sich auch in der Region mit den Produktionsfragen dieser neuen Beerenfrucht zu beschäftigen. Zu den Themen Anbautechnik und Sorten, Vermarktungsmöglichkeiten, Erfahrungen aus dem Versuchsbetrieb und Pflanzenschutz organisierte das Versuchsteam im November eine Informationsveranstaltung, an der zahlreiche Obstbauer aus verschiedenen Regionen ihr Interesse zeigten.

FT: In Deutschland ist die Beerenfrucht noch relativ unbekannt, dabei hat die dunkelblaue Frucht mit einem süßsauren Aroma durchaus Potential. Insbesondere ihre hohen Antioxidantienwerte machen Haskap zu einer „Superfrucht“, wie sie häufig auch bezeichnet wird.

„Die geografische Verbreitung ist groß und kommerzielle Anlagen sind weit verbreitet, aber im Vergleich zur Heidelbeere gering“, weiß der Kanadier Logie Cassells, der bereits umfangreiche Erfahrungen mit der „Honeyberry“ hat. Weltweit werden auf ca. 3 000 ha Haskap angebaut, wie beispielsweise in Japan, Russland, Nordamerika. In Europa beschränkt sich der Anbau bisher mit 200 ha überwiegend auf Polen und Großbritannien.

Ihren Ursprung hat Lonicera caerulea in Russland und ist von Sibirien ins nahe gelegene Japan gelangt. Aufgrund ihrer Herkunft erklärt sich auch die besondere Frosthärte. Somit ist der Anbau auf kältere Anbauregionen begrenzt, was ein deutlicher Vorteil sein kann. Mit diesem begrenzten Anbaubereich der Haskap fällt die bei anderen Früchten häufige Konkurrenz der südlichen Hemisphäre weg. Mitteleuropa hat bei der Haskap-Produktion klimatisch deutliche Vorteile. „Deutschland ist für Haskap wie Florida“, so Cassells.

In der Züchtung haben sich zwei verschiedene Stränge entwickelt: die russischen sowie japanischen Arten. Letztere zeichnen sich durch einen etwas süßeren Geschmack aus, erläuterte Cassells. So groß wie die Sortenvielfalt ist, so unterschiedlich ist auch die Fruchtform, die von ovalrund bis länglich stark variiert.

Bei der Auswahl der Haskap-Anlage sei auf eine gute Bodengesundheit und einem hohen Humusgehalt zu achten. Für den Anbau empfahl Cassells eine Pflanzdichte von 1 000 Pfl./ha. Den ersten nennenswerten Ertrag erzielt man nach ca. drei Jahren, Vollertrag erreicht die Pflanze i.d.R. ab dem 5. Jahr. „Ertrag und Qualität können bei der Haskap-Beere allerdings stark schwanken“, weiß Cassells. „Das hängt sehr stark von der Pflege der Anlage ab.“ Eine Pflanze liefert nach Erfahrung des Kanadiers einen Ertrag von ca. 4-6 kg/Pfl. bei einer Standdauer der Anlage von mindestens 25 Jahren.

Bis zur Ernte benötige man allerdings enorm viel Geduld, so Cassells. „Wenn die Früchte blau werden, sind sie noch lange nicht reif“, weiß der Beerenproduzent. Haskap ist eine Doppelfrucht und erst wenn auch die innere Frucht (3-4 Wochen nach der äußeren Frucht) gereift ist, kann die Ernte beginnen. Ratsam ist hier, den Zuckergehalt und somit den Erntebeginn mit einem Refraktometer genau zu bestimmen. Da alle Früchte gleichzeitig reif werden, ist eine maschinelle Ernte möglich. Allerdings haben die Früchte ein begrenztes Shelf-life und eignen sich somit nicht besonders für den Frischmarkt.

Vorsicht sei auch mit einem Nachernteschnitt geboten. Ratsam sei in den ersten zehn Anbaujahren ein defensiver Schnitt, da die Haskap-Pflanze früh in die Winterruhe gehe. Cassells empfahl den Obstbauern den geschützten Anbau und wies auf die Weinbautechnik hin. Denn im Beeren- und Weinanbau habe der Vogelschutz Priorität. In den ersten drei Jahren habe die Unkrautbekämpfung und die Düngung Vorrang. Später, wenn die Pflanze ihr volles Volumen erreicht hat, sei der Vogelschutz der größte Kostenfaktor.

Gute Erfahrungen habe er auch mit einer Gründüngung zwischen den Reihen gemacht, was die Bodengesundheit fördert, sowie mit einer Mulchfolie in den Pflanzenreihen, die sich positiv auf die Bodenerwärmung, besseres Wachstum und der Unkrautunterdrückung auswirkt.

Geboren, um ein Star zu sein

Potential sieht Cassells in der Verarbeitung der Haskap-Beere. Insbesondere bei gefrorenen Haskap-Früchten sieht er einen großen Markt. Weiterhin ist Cassells ein großer Fan von Haskap in alkoholischer Form und präsentierte einen Haskap-Gin, den er im Jahr 2015 kreiert hat und durch seine außergewöhnliche Farbe auffällt. „In Deutschland ist die gesamte Infrastruktur bereits vorhanden, deshalb wäre es ein logischer Schritt, in die Weinverarbeitung einzusteigen“, betonte Cassells und wies darauf hin, dass die Möglichkeiten der Verarbeitung der Haskap-Beere extrem vielfältig sind. Neben alkoholischen Produkten lassen sich aber auch Saft und Wasser sowie Sirup und Balsamico oder auch Fruchtaufstrich, Schokolade u.v.a. aus der Haskap-Beere erzeugen.

Möglichkeiten der Vermarktung von Haskap-Produkten führte auch Jan Marc Schulz von HaskapChile auf. Das Importunternehmen sucht Partner unter den deutschen Anbauern, die gemeinsam mit einem einheitlichen Qualitäts-Standard Haskap produzieren und verarbeiten lassen wollen. Schulz sei überzeugt, dass die Haskap-Beere (noch) zu empfindlich für den Frischmarkt sei, aber ideal für die Verarbeitung. Die Vielfalt der Produkte, die aus Haskap hergestellt werden können, sei groß, bestätigte Schulz. Die Palette reiche von Saft, Sirup und Fruchtaufstriche über getrocknete Beeren, Tee und Fruchtpulver bis hin zu Kosmetikprodukten und Gin. „Ein potentieller Markt für die Produkte ist definitiv vorhanden“, versicherte Schulz.

Geduld bis zur Ernte

Einen Versuch mit diversen Haskap-Sorten legte das Versuchszentrum Köln-Auweiler sowohl konventionell als auch biologisch an, um die Anbaueignung zu testen. Dazu wurden im Oktober 2015 die verschiedenen Sorten in einem leichten Damm mit 30 l/m Substrat mit einer 3-l-Pflanzlochzugabe und einem Biosubstrat bzw. salzarmen Heidelbeersubstrat mit niedrigem pH-Wert mit einem Abstand von 2 x 1 m gepflanzt. „Die Haskap ist nicht so anspruchsvoll in Bezug auf den pH-Wert im Boden wie z.B. die Heidelbeere. Wichtig ist vor allem der Humusgehalt des Bodens“, unterstrich Peter Stremer, von der Landwirtschaftskammer NRW. Für eine Sortenempfehlung sei es noch zu früh, aber in Köln-Auweiler fiel im ersten Jahr die Sorte `Vicky´ mit einer sehr frühen Reife und einem sehr hohen Zuckeranteil positiv auf. Stremer konnte auch bestätigen, dass man bis zur Fruchtreife viel Geduld benötige. Die Beeren seien im Juli erntereif und ab ca. 15 % Fruchtzuckergehalt geschmacklich interessant.

Pflanzenschutz

Nach den ersten Erfahrungen des Versuchszentrums hält sich der Krankheits- und Schädlingsbefall in der Haskap-Kultur in Grenzen. Ein Befall mit der Heckenkirschenblattlaus im Frühjahr wurde schnell von Nützlingen kontrolliert. Einschreiten mussten die Versuchstechniker nur bei einem Befall des Kleinen Frostspanners. Weiterhin wurden Spinnmilbenbefall sowie Blattverbrennungen bei Hitzestress und Echter Mehltau festgestellt. Aufgrund des frühen Erntefensters rechnen die Versuchstechniker kaum mit einem Befall der Kirschessigfliege.

Zum Thema Pflanzenschutz gab Ralf Jung vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW Auskunft und betonte eingangs, dass Haskap zum johannisbeerartigem Beerenobst gehöre. Somit dürfe jedes zugelassene Pflanzenschutzmittel, welches für johannisbeerartiges Beerenobst ausgewiesen sei, auch in der Haskap-Anlage angewendet werden.

Birgit Scheel

 

 


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