06.01.2017

Hohenheimer Gemüsebautag

Auf diese Weise kann mit der Checci & Magli-Pflanzmaschine in einem Arbeitsgang die Folie ausgelegt und gleichzeitig Gemüse-setzlinge ausgepflanzt werden.
Foto: Gugenhan

Maschinen- und Gerätevorführungen

Ein besonderer Schwerpunkt beim jährlich stattfindenden Gemüsebautag in der Versuchsgärtnerei der Staatsschule für Gartenbau, Stuttgart-Hohenheim, war auch in diesem Jahr die Vorführung moderner Maschinen und Geräte für den Einsatz im Gemüsebau. Im besonderen Blickpunkt standen Maschinen und Geräte zur maschinellen Bearbeitung größerer Freilandflächen, aber auch Kleingeräte für den Einsatz in verschiedenen Bereichen. Folgende Maschinen und Geräte standen im Vordergrund der Vorstellungen:

Beetfräse D 35 dou plex von Forigo

Als erstes Gerät wurde von der Firma Aldinger Technik, Vaihingen, die Beetfräse D 35 dou plex des italienischen Herstellers Forigo vorgestellt. Am Schlepper angehängt, wird die Fräse hydraulisch angetrieben und ist in der Geschwindigkeit je nach Bedarf einstellbar. Die Arbeitsbreite beträgt 1,85 m, das Gerät hat eine Spurbreite von 2,00 m. Die Beetfräse ist mit Stützrädern ausgestattet und kann in der Höhe je nach Bedarf eingestellt werden. Von dieser Fräse gibt es verschiedene Modelle, die zu einem Preis von 12 000 bis 16 000 € angeboten werden.

Maschinelles Folienverlegen und Pflanzen

Ebenfalls von Firma Aldinger wurde die Wolf halbautomatische Pflanzmaschine des italienischen Herstellers Checchi & Magli vorgeführt. Das ebenfalls am Schlepper angebaute Gerät kann vollautomatisch eine Folie auslegen und anschließend diese Fläche in einem Arbeitsgang bepflanzen. Vorgestellt wurde zunächst eine kleine bepflanzte Fläche und anschließend der Einsatz des Gerätes. Dabei wurde von einer Rolle die Folie ausgelegt und einreihig mit Kopfsalat bepflanzt.

Ebenfalls von Aldinger Technik wurde der manuelle Folienleger Terratec vorgestellt, mit dem Folie in einer Rollenbreite von 90 bis 160 cm ausgelegt werden kann. Nach dem Auslegen der Folie wurde ein weiteres Handgerät vorgestellt, mit dem durch die Folie ein Loch gestoßen und ein Pflanzloch ausgehoben wird. Anschließend kann dann an dieser Stelle ein Setzling ausgepflanzt werden.

Hackgeräte mit höchster Präzision

Wird in großen Freilandbereichen Gemüse angepflanzt, müssen diese auch entsprechend während der gesamten Wachstumsphase gepflegt werden. Zu diesem Zweck haben verschiedene Hersteller Beethacken entwickelt, die auf bepflanzten Flächen den Boden lockern und gleichzeitig das Unkraut bekämpfen. Vorgestellt wurden anlässlich des Hohenheimer Gemüsebautages drei Modelle, mit denen diese Arbeit problemlos und vollautomatisch ausgeführt werden kann:

  • Ferrari-Beethacke von K.U.L.T.

Die Firmenbezeichnung K.U.L.T. steht für Kress Umweltschonende Landtechnik GmbH, Vaihingen an der Enz. Von diesem Unternehmen wurde eine Ferrari-Beethacke vorgestellt, die perfekt auf bepflanzten Flächen eingesetzt werden kann. Das Gerät wird am Schlepper angebaut und ist mit Kameras ausgerüstet. Exakt zwischen den Reihen wird der Boden gelockert und gleichzeitig das Unkraut beseitigt. Wichtig ist, dass das Unkraut noch in einem relativ kleinen Zustand ist, damit die eingebauten Kameras nur die Kulturpflanzen und nicht das Unkraut erkennen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Pflegearbeiten durchgeführt werden, so lange sich das Unkraut noch im Kleinwachstum befindet. Die Maschine kann auf verschiedene Reihen eingestellt werden. In Hohenheim erfolgte die Vorstellung auf einem fünfreihigen Kopfsalat-Beet. Möglich sind die Hackarbeiten bis zu einer sechsreihigen Bepflanzung. Dieses Gerät arbeitet mit einer Geschwindigkeit von 2,4 km/h.

  • K.U.L.T.-Robovator

Nur kurz vorgestellt wurde von Kress der K.U.L.T.-Robovator, der als optoelektronische Selektivhacke in den Handel kommt. Vorgestellt wurde das Gerät für den Einsatz in sechsreihigen Kulturen, wobei es offensichtlich möglich ist, diesen Robovator durch individuelle Lösungen von zweireihigen bis 31-reihigen Maschinen auszuliefern. Diese Selektivhacke ist mit doppelten Spektral-Kameras und einer zusätzlichen Beleuchtung ausgestattet, um die in Reihen ausgepflanzten Gewächse exakt zu erkennen. Der Einsatz kann offensichtlich bei gepflanzten Kulturen bis kurz vor Reihenschluss vorgenommen werden. Das Gerät wird z.B. bei Salat mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 2,3 km/h eingesetzt. Es sind jedoch Geschwindigkeiten bis 4 km/h möglich.

  • "robocrop inrow weeder" von Garford

Das englische Unternehmen Garford hat sich ebenfalls auf die Herstellung von Beethacken spezialisiert. Diese Geräte werden exklusiv in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Peter Volmer, Geseke, vertrieben. Es gibt auch hier verschiedene Modelle, eines davon ist der "robocrop inrow weeder", der sich durch einige Spezialitäten auszeichnet. Dieses Gerät arbeitet mit modernster Kameratechnik, sodass problemlos elektrohydraulische Funktionen aktiviert werden können. Der Fahrer kann an einem Monitor in der Traktorkabine nicht nur die Arbeitsgeschwindigkeit ablesen, sondern auch den Kontrast der Kamera sowie die Abweichungen von der Ideallinie erkennen. Das Besondere an diesem Modell ist aber, dass die Hackarbeiten nicht nur zwischen den jeweiligen Anbaureihen ausgeführt werden, sondern auch zwischen den einzelnen Pflanzen. Dies macht die hohe Kameraauflösung möglich, die über den Farbwert und den Kontrast den Unterschied zwischen der Kulturpflanze und dem Wildkraut erkennt. Die Jätescheiben sind also in der Lage, rund um die Pflanze das Unkraut zu beseitigen, ohne die Kulturpflanze selbst zu beschädigen. Peter Volmer weist auch noch darauf hin, dass die Kamera die Pflanzen schon im frühen Feldaufgang identifiziert, aber auch bei kniehohen Gewächsen ein Einsatz immer noch möglich ist. Angegeben wurde auch, dass mit diesem Gerät 98 % des Unkrautes vernichtet werden kann. Außerdem ist es möglich, mit einem geringen Zeitaufwand das Gerät auf verschiedene Reihenabstände einzustellen und zwar von 12 bis 75 cm. Der Preis für das Gerät ist abhängig von den Einsatzmöglichkeiten.

Fahrbare Spritzgeräte zum Einsatz im Freiland und Gewächshaus

Zahlreiche verschiedene Spritzgeräte bietet die Ebinger GmbH, Rhodt, in ihrem Sortiment an. Als Neuheit wurde anlässlich des Gemüsebautags in Hohenheim das Spritzgerät SPE vorgestellt, das zur Ausbringung  von Pflanzenschutzmitteln, aber auch von Pflanzenstärkungsmitteln, mit einem stufenlosen, elektrischen Antrieb auf einem Akku-Arbeitsfahrzeug eingesetzt werden kann. Das Gerät hat eine Größe von LxBxH 124 x 50 x 100 cm, ein Leergewicht von 110 kg und wird mit einem Akku angetrieben. Aufgrund dieser Konstruktion kann dieses Gerät mit einer konstanten Geschwindigkeit eingesetzt werden und so Pflanzenschutzmittel äußerst exakt ausbringen. Ausgestattet werden kann das Gerät mit Spritzrohren verschiedener Länge, sodass die Einsatzmöglichkeiten sehr variabel sind. Auch können die Spritzgestänge sowohl horizontal als auch vertikal eingesetzt werden. Das Besondere an diesem Spritzgerät SPE ist, dass eine bestandsnahe und gleichmäßige Ausbringung der Präparate möglich ist. Der Einsatz erfolgt z.B. im Gewächshaus und Freiland bei Zierpflanzen, Stauden und Gehölzen. Kein Problem ist der Einsatz bei hoch wachsenden Kulturen im Gewächshaus, z.B. bei Gurken, Tomaten und Paprika.

Pflanzenschutzgeräte müssen regelmäßig einer Prüfung unterzogen werden

Schon seit mehreren Jahren müssen nach den Bestimmungen des Pflanzenschutzgesetzes Pflanzenschutzgeräte, die im Gartenbau und der Landwirtschaft eingesetzt werden, einer regelmäßigen Prüfung unterzogen werden. Die erstmalige Prüfung muss spätestens nach Ablauf des sechsten Monats nach Ingebrauchnahme des Gerätes vorgenommen werden. Spätere Prüfungen sind vorgeschrieben.

Anlässlich des Gemüsebautages in Hohenheim wurde von einem Mitarbeiter des LTZ Augustenberg auf eine neue Bestimmung hingewiesen. So müssen nach der neuen Regel vom 30.06.2016 auch bei Gießwagen und Karrenspritzen in bestimmten Zeitabständen Prüfungen vorgenommen werden. Festgelegt ist offensichtlich auch, dass bei bisher noch nicht geprüften Geräten eine erste Gerätekontrolle bis zum 31.12.2016 vorgenommen werden muss. Es wurde z.B. darauf hingewiesen, dass sich die Prüfung auf verschiedene Faktoren bezieht. So muss das Gerät z.B. dicht sein, eine Ablasseinrichtung besitzen, mit einem Rührwerk ausgestattet sein usw.  Außerdem muss die Pumpe ihre Mindestleistung erbringen und die Düsen der Karrenspritze Flüssigkeit in einheitlicher Menge ausbringen.

Edgar Gugenhan