12.04.2018

HortiContact-Tour 2018 zu Besuch bei Fransen Roses

Mit den Rosenproduzenten ist es in den Niederlanden ein bisschen wie mit den „Zehn kleinen Jägermeistern“ aus dem zumindest im Rheinland zur Karnevalszeit regelmäßig abgestaubten und aufpolierten Lied der Toten Hosen, in dem diese zehn Jägermeister den einen und anderen Schicksalsschlag erleiden, der ihre Anzahl jeweils deutlich limitiert. Es sind wenige geworden, die sich noch den Luxus erlauben, die Königin der Blumen zu produzieren - und das aus den unterschiedlichsten Gründen: Der eine war nicht spezialisiert genug, um auch mit eingeschränktem chemischen Waffenarsenal noch genug verkaufsfähige Ware zu produzieren, beim anderen fehlte die Nachfolgegeneration, ein Dritter musste dem Hausbau weichen, ein Vierter kam mit den steigenden Produktionskosten nicht klar, bei einem Fünften brach der Absatzkanal weg, ein Sechster wechselte das Geschäftsmodell und bewahrt nun im Gewächshaus Campingwagen vor Witterungseskapaden, ein Siebter verdient seine Brötchen als Berater, ein Achter nutzte die Gelegenheit, woanders ganz von vorne anfangen zu können und der Neunte hatte gesundheitliche Schwierigkeiten. Ein paar aber blieben dabei.

24 hrs lang werden die Rosen vor dem Sortieren gekühlt
Foto: Jacobsen

 

Im niederländischen De Lier ist Aad Fransen einer der letzten übrig gebliebenen Schnittrosenproduzenten. Nicht um, sondern auf ein Viertel ist die Unterglasanbaufläche von Schnittrosen in den Niederlanden in weniger als zehn Jahren zurückgegangen. Damit bewirtschaftet Fransen mit seinen knapp 6 ha Unterglas mittlerweile schon deutlich mehr als 2 % der gesamten niederländischen Unterglasschnittrosenproduktionsfläche. Aad Fransens Vater hatte kurz nach der Befreiung von der deutschen Besetzung während des zweiten Weltkriegs mit der Produktion von Tabak begonnen und spielte damit ein auf die seinerzeit große Nachfrage. Auf die Rauchwaren folgte Gemüse, erst im Frühbeet, später dann im beheizten Gewächshaus Tomaten und Gurken. 1980 entschieden die Beiden gemeinsam, auf Rosen umzustellen:

Auf `Privé´ folgte die auch unter `Candy´ bekannte `Zurella´. 1993 die substanzielle Erweiterung des Betriebes von 0,5 auf 1,3 ha und der Umstieg auf die gelbe `Frisco´. 1999 mit der Umstellung auf die Neuentdeckung Kokossubstrat `Naranga´, 2006 die Betriebserweiterung auf 4,3 ha und die Einführung von `Grand Prix´ - gleichzeitig wurde Aad Fransen auf die neu eingeführte `Red Naomi´ aufmerksam, deren Potential er frühzeitig erkannte. Und so kam es wie es kommen musste: `Red Naomi´ ersetzte `Grand Prix´ und Fransens langjährige Erfahrung und das eingespielte Team sorgten in Folge dafür, dass Fransens `Red Naomi´ schnell das Prädikat „ausgezeichnet“ verliehen bekamen. Aber selbst dann begann Fransen nicht, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, vielmehr sah und sieht er dies als Ansporn, auch weiterhin an den zum Teil winzigen Stellschrauben zu drehen, mit denen sich die Qualität weiter perfektionieren lässt.

Die Konstante über die Jahre hinweg war das Selbstverständnis von Fransen Roses als mittelständischer, moderner und dynamischer Betrieb, der absolute Spitzenqualität unter Zuhilfenahme modernster Technologie produziert. Dazu gehört auch, dass nicht nur der Anzucht und der Ernte größte Aufmerksamkeit geschenkt wird, sondern auch der Aufbereitung - nirgendwo sonst werden Rosen nach Länge, Dicke und Farbe in mehr Sortierungen unterschieden als bei Fransen Roses, was dann eben auch perfekte Rosensträuße zur Folge hat. Und einen Kreislauf in Gang setzt, wie Fransen erklärt, da dies dann wiederum zwangsläufig zu zufriedenen Kunden führt, die dann wieder als Ansporn dienen, noch besser zu werden.

Fachkenntnis, Erfahrung und Talent sind laut Fransen nur drei der vielen Zutaten, die dazu führen, dass er eine Haltbarkeit von 10-14 Tagen versprechen kann. Nährstoffversorgung, Wassermenge, die Lichtintensität und das Handling sind weitere Faktoren, die Einfluss auf das Wurzelsystem und die Qualität des Endprodukts haben – wie und in welchem Ausmaß, bleibt den Experten vorbehalten, Fransen verrät nur so viel: „Oft machen kleine Details den Unterschied aus“.

Und selbst wenn die Rosen im Gewächshaus wachsen, haben auch die äußeren Umstände Einfluss auf das Wachstum. Bei feuchtem Wetter wachsen die Rosen schneller und es können mehr Rosen geerntet werden als bei trockenem und kaltem Wetter. Auch die Mondphase hat Einfluss auf die Erntemenge. Dass es nicht möglich ist, im Gewächshaus gewissermaßen vollkommen unabhängig von der Außenwelt zu produzieren, zeigt sich besonders auch in warmen Sommern, dann folgt auf ein kurzzeitig erhöhtes Ernteaufkommen schnell ein Ernterückgang. Im Winter sind die Erntemengen dagegen relativ gut prognostizierbar.

Und dann sind manchmal auch noch relativ viele erfolgsversprechende Knospen an den Pflanzen und manchmal eher wenige, was vor allem auch mit schonenderen und weniger schonenderen Ernteverfahren zu tun hat. Die Ernte ist der anspruchsvollste Teil der Kulturarbeiten. Fransen schätzt, dass es in etwa zwei Monate dauert, bis man das Ganze einigermaßen im Griff hat, nach einem halben Jahr gibt es dann nichts mehr zu bemäkeln. Geerntet wird bis auf Neujahr das ganze Jahr hindurch zweimal am Tag, an etwa zehn Tagen im Jahr ist witterungsbedingt ein dritter Durchgang erforderlich. Auf den Quadratmeter stehen 7,5 Pflanzen, bei Neupflanzungen dauert es ungefähr vier Monate bis zum ersten Flor, nach rund 18 Monaten werden dann die angepeilten 300 Stiele/m2 erreicht. Zwischen Ernte und Ernte liegen sieben Wochen, im Sommer etwas weniger, im Winter etwas mehr.

Fransen Roses´ Milieu Project Sierteelt-A-Zertifizierung belegt Aad Fransens nimmermüde Anstrengungen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Pflanzenschutz-, Düngemittel-, Energieverbrauch und Abfallaufkommen werden von MPS-ECAS gemonitort. Das eigene 2,7 MW-Kraftwerk sorgt für Wärmeenergie und Elektrizität; zwei benachbarte Gärtnereien erhalten ihr Warmwasser ebenfalls von Fransen. Auch das CO2, das bei der Verbrennung des Erdgases anfällt, wird gereinigt in das Gewächshaus geleitet, zwischen 600 und 1 000 bpm sind die Zielwerte. Regenwasser wird gesammelt, und natürlich wird auch das Bewässerungswasser wieder verwendet. Steinwolle als Substrat hat sich bewährt, auch nach sieben Jahren im Dauereinsatz zeigt der Bodenersatz keine Müdigkeit.

Nützlinge übernehmen einen Großteil des Pflanzenschutzes. Gerne würde Fransen vollkommen ohne Chemie auskommen, allerdings ist zumindest zurzeit noch niemand bereit, für das Ausreizen der Möglichkeiten dann auch mehr für das Produkt zu bezahlen. Fransen schätzt, dass er vier Fünftel aller nötigen Maßnahmen ohne Probleme nicht chemisch gewuppt bekommt, die Krux allerdings im letzten Fünftel stecke. Sage und schreibe bis zu 17 000 lux oder 265 µmol prasseln in der dunklen Jahreszeit auf die Rosen nieder. Es lässt sich leicht vorstellen, dass die Lampen allein bereits für gehörige Wärmezufuhr sorgen. Die Lampen lassen einen 100 %, 75 % und 50 % Betrieb zu, gleichzeitig kann natürlich mit der Belichtungsdauer gespielt werden. Zur Unterstützung der Temperierung im Sommer lässt sich mit Hochdruck Wasser über den Beständen vernebeln; die Luftfeuchtigkeit hat auch Einfluss auf die Knospengröße.

Fransen hat zwei Produktionsstandorte, die aber nicht weit voneinander entfernt sind. Am einen produziert er jährlich auf gut 4 ha 11 Mio. Stiele `Red Naomi´. Dieser Roterosenklassiker hat einen samtartigen roten Farbstich und kann bis zu 80 Blütenblätter haben, mehr als jede andere Sorte, wie Fransen erklärt. Die Blüten ändern sich jeden Tag ein kleines bisschen - wenn sie ganz offen sind, gibt es Fransen zufolge kaum etwas schöneres, zumal die Blüten dann noch eine ganz eigene Duftnote besitzen. Für die Konsumenten komme als zusätzlicher Vorteil dazu, dass die Sorte wenig Dornen hat, dafür ein langes Vasenleben und gute Transportfähigkeiten, weshalb sich Fransen auch sicher ist, dass er mit `Red Naomi´ die perfekte Rose gefunden hat. Die Bestände sind nun sieben Jahre alt, Fransen ist sich sicher, dass sich in den nächsten drei, vier Jahren im Gewächshaus nicht viel ändern wird.

Das Gewächshaus datiert aus dem Jahr 2006 und hat als Besonderheit 12,80 m Abstand zwischen den Trägern. Öffnen lassen sich die Dachfenster nur nach einer Seite, zusätzlich zu einem außen montierten Screen sind im Gewächshaus selbst auch noch drei Lagen Tücher angebracht: unter dem Verdunklungsschirm ein 30 % diffus wirkendes Sommertuch sowie ein Energieschirm. Fransen schätzt den Durchschnittspreis für das zum Heizen und Belichten nötige Gas auf rund 25 ct/m3, den Durchschnittspreis für seine Rosen auf zwischen 45-50 ct. Mit Valentin verdreifachen sich dann die Preise, was aber auch nötig ist, um die Schwachstellen im Jahr wettzumachen, was aber gleichzeitig erklärt, warum ein Blumenladen an Valentin alles andere als eine Goldgrube ist. Geliefert wird an die Versteigerung getreu dem Motto: jeder macht das, was er am besten kann.

Auf 2 ha baut Fransen zudem `Myrna´ an, rund 4,5 Mio. Stiele im Jahr. `Myrna´ ist eine robuste, zierliche Rosensorte in feuerrot. Berühmtheit erlangte `Myrna´, als Tina Turner 2013 Erwin Bach heiratete – nicht nur war `Myrna´ Turners Wahl für den Brautstrauß - nicht weniger als 70 000 Stile wurden für die Deko verwendet. Am besten lässt `Myrna´ sich Fransen zufolge als klassische Rose beschreiben, mit 50 Blütenblättern und relativ wenig Dornen. Ein langes Vasenleben geht gepaart mit einem langsamen Aufblühen, ein Vorteil insbesondere an wärmeren Tagen. Und da sich die Köpfe nicht ganz öffnen, haben bedruckte `Myrna´-Blüten den Vorteil, dass bei ihnen ein Aufdruck bis zum Verblühen lesbar bleibt – zugegebenermaßen eine etwas erklärungsbedürftige Eigenschaft: Um die Zukunft erfolgreich zu meistern hilft, beschreitet Fransen nämlich auch ungewohnte Pfade.

Seit drei Jahren hat Fransen mit Bloomingnotes auch Rosen mit Aufdruck im Angebot. Fransen erklärt, dass Bloomingnotes allmählich beginne, ein Selbstläufer zu werden. Fransens Stärke ist es, dass er Aufträge innerhalb von 24 Stunden abwickeln kann. Und da die Rose ja selbst schon eine Botschaft darstellt, kann mit einer bedruckten Rose natürlich noch ein ganz anderer Nachdruck auf die Botschaft gelegt werden. Bedruckt werden nicht nur Fransens eigene Rosen, bedruckt werden auch die weißen Rosen von Kollegen. Der Aufdruck hat keinerlei Auswirkungen auf die Haltbarkeit. Was als Valentinstagsaktion gestartet ist, entwickelte sich in relativ kurzer Zeit zu einem eigenen Betriebszweig. Rosen im fünfstelligen Bereich legen davon Zeugnis ab.

Und auch wenn Rosenblätter streuen zwar an vielen deutschen Standesämtern offiziell untersagt ist, und auch die Küster und Messner das nicht gerne sehen, soll es gleichwohl doch Glück bringen. In Kooperation mit Kollegen ist Fransen in der Lage, Rosenblätter in allen Farben des Regenbogens zu liefern. Und da Fransen nie genau wusste, was denn mit seinen Rosen tatsächlich passiert, lobte er kurzerhand einen Florist/Floristin-des-Monats-Preis aus; seitdem legen zahlreiche Sträuße auf seiner Homepage Zeugnis davon ab, was sich mit `Red Naomi´ so alles anstellen lässt, teilweise dokumentieren kurze Filme den Entstehungsprozess der floralen Kunstwerke. Auch für wohltätige Zwecke bringt Fransen seine Rosen in Stellung: auf dem Weihnachtsmarkt in Breda verkaufte er fünf Tage lang mit „Ich unterstütze Serious Request“ oder „Merry Christmas“ alternativ „Ich liebe Dich“ bedruckte Rosen. Einmal mehr zeigte sich, dass Rosen das ultimative Symbol der Liebe sind, neben Romantik pur vor Fransens Stand konnten auch 1 456 € erwirtschaftet werden, die als Spende an das Rote Kreuz gingen.

Einmal in der Woche kommt Expertise von außen zu Besuch. Fransen vergleicht diese eingekaufte Beratungstätigkeit mit der Funktion von Trainern bei Hochleistungssportlern: Auch wenn die meisten Topsportler wahrscheinlich genau wissen, was sie zu tun haben, würden sie dennoch nicht auf einen Trainer verzichten. Manchmal helfe es eben, wenn jemand bestätigt, dass man auf dem richtigen Weg ist, manchmal braucht es aber auch den ungetrübten Blick von außen, um mögliche Probleme frühzeitig erkennen und ausräumen zu können.

Selbst wenn die Zukunftsaussichten für den Rosenanbau – Kalauer hin oder her - nicht gerade rosig sind, sieht Fransen keinen Grund dafür, schwarz zu sehen. Der Rosenanbau in den Niederlanden habe Zukunft, er rechne nicht damit, dass die Gesamtanbaufläche für Schnittrosen in den Niederlanden noch weiter zurückgehen wird. Einzelne Betriebe werden auch in Zukunft ihre Produktionskapazitäten weiter ausbauen, wobei die Zukunft sicher der Anzucht unter hohen Lichtintensitäten mit starkem Fokus auf die Rosenqualität sowie einer weiteren Spezialisierung gehört.

Probleme sieht Fransen auf ganz anderen Gebiet: Auch wenn rot und weiß auch weiterhin die Hauptfarben sein werden, werde es immer schwieriger, neuere, bessere Sorten dem Sortiment zu finden. Auch müsse die Sortenneueinführung immer an die Etablierung einer Marke gekoppelt werden, wie das Beispiel `Red Naomi´ zeige. Schließlich gelte es, den Vorsprung vor den Kollegen auf dem afrikanischen Kontinent und in den Amerikas zu behalten. Und der Vorsprung bestehe nun einmal in einem Qualitätsversprechen, das nur die Rosen-Profis aus dem Westland einlösen können: „Wir müssen eine Rose machen, die sie in Kenia nicht hinbekommen.“

Tim Jacobsen

 


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