16.05.2018

Im Zweifel für die Biene

Sabine Aldenhoff

Die einen freuen sich, andere sind enttäuscht und wieder anderen geht die Entscheidung nicht weit genug: Am 27. April 2018 wurde in Brüssel abgestimmt und der Vorschlag der Europäischen Kommission unterstützt, die Verwendung von Neonikotinoiden, konkret der Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam, weiter einzuschränken. Bis Ende des Jahres wird also das Verbot dieser Wirkstoffe im Freien in Kraft treten; betreffende Neonikotinoide dürfen dann nur noch in permanenten Gewächshäusern verwendet werden, in denen kein Kontakt mit Bienen zu erwarten ist.

Das Insektensterben und speziell der drastische Rückgang der Bienen ist schon länger ein aktuelles Thema. Eine Vielzahl von Nutzpflanzen ist auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, um ausreichend Erträge zu bringen. Dabei spielen nicht nur Honig- und Wildbienen eine Rolle, aber sie stehen in der Diskussion im Mittelpunkt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte im Februar 2018 in einer aktualisierten Risikobewertung für die drei bereits genannten Neonikotinoide festgestellt, dass die Mehrzahl der Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln ein Risiko sowohl für Bienen als auch für andere Bestäuber darstellt. Auf dieser Basis wurde nun in Brüssel die Entscheidung getroffen, viele europäische und auch deutsche Agrarminister und Politiker stimmten für ein Verbot.

Der Deutsche Imkerbund hatte genau das gefordert, was nun umgesetzt werden soll: ein Verbot der Anwendung von neonikotinoidhaltigen Pflanzenschutzmitteln im Freiland. Der NABU und auch einige Grünen-Politiker hatten ein vollständiges Verbot aller Neonikotinoide gefordert, nicht nur Insekten, sondern auch Fledermäuse und Vögel seien bedroht.Nun hofft man auf ein nationales Zulassungsverbot.

Die betroffenen Hersteller Bayer und Syngenta hingegen stellen die Risikobewertung der EFSA in Frage, denn andere wissenschaftliche Studien seien zu dem Ergebnis gekommen, dass Neonikotinoide bei sachgemäßer Anwendung keine Bienen schädigen. Für das Insektensterben seien andere Faktoren hauptverantwortlich. Beide Firmen betreiben gemeinsam mit Praktikern, Imkern und Aufsichtsbehörden umfangreiche Anstrengungen, um moderne Technologien für eine rentable und zugleich umwelt- und bienenfreundliche Nahrungsmittelproduktion bereitzustellen.

Eines dürfte allen Beteiligten klar sein: der Schutz der Bienen und anderer Bestäuberinsekten liegt im ureigenen Interesse der Gärtner und Landwirte. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner begrüßte die Entscheidung für das Verbot: „Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und Europa. ... Bienen sind systemrelevant - auch für den Erhalt unserer Landwirtschaft.“ Allerdings fällt damit eine wichtige Wirkstoffgruppe weg, was im Gartenbau wegen der zuvor ohnehin schon nur eingeschränkten Zulassung der Neonikotinoide noch zu verschmerzen ist, in der Baumschulwirtschaft und in der Landwirtschaft hingegen Lücken in die Schädlingsbekämpfung reißt.

Dies sieht auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Joachim Rukwied so: „Wenn wir jetzt eine effektive Wirkstoffgruppe verlieren, um unsere Pflanzen vor Schädlingen zu schützen, ist es eine echte Herausforderung, Alternativen zu entwickeln und neue Produkte schnell zur Zulassung zu bringen. Um Qualität und Erträge abzusichern, brauchen wir Pflanzenschutzmittel. Ohne die geht es nicht, weder in der ökologischen noch in der konventionellen Landwirtschaft.“

Das Insektensterben ist Fakt und muss gestoppt bzw. rückgängig gemacht werden. Dabei spielen allerdings sehr viele komplexe Faktoren eine Rolle wie Kälte, Nahrungsmangel, Schädlinge und Schadstoffe aus anderen Quellen. Wie groß die Rolle der umstrittenen Neonikotinoide dabei ist, weiß niemand so genau.

Schwerwiegender dürfte sein, dass immer mehr Habitate der Insekten weggefallen sind. Und dafür sind längst nicht allein der Gartenbau und die Landwirtschaft verantwortlich zu machen, sondern das fängt schon beim Verbraucher an, der sich einen pflegeleichten Garten mit Kies oder englischem Rasen anlegen lässt, in dem keine Biene eine Blume findet. Hier sind die Landwirte ein gutes Vorbild, die in den letzten Jahren verstärkt Blühstreifen am Rande ihrer Felder anlegen, um die Artenvielfalt zu fördern.

 

„Um Qualität und Erträge abzusichern, brauchen wir Pflanzenschutzmittel.“

Zitat: Joachim Rukwied, DBV


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Ausgabe 08/2018

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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