06.06.2017

Kampf um die Zukunft der Spreewaldgurke

EIP-Projekt nimmt jedes Glied der Wertschöpfungskette unter die Lupe

Die Spreewaldgurke unter der Lupe

Eines der Brandenburger Gemüsebau-Projekte, die im Rahmen der Europäischen lnnovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit" (EIP-AGRI) gefördert werden, ist das Vorhaben „Nachhaltig intensivierte Anbau- und Verarbeitungsprozesse zur sicheren Produktion von Spreewälder Gurken g.g.A.“ Gartenbau Profi sprach mit dem Projektkoordinator Heinz-Peter Frehn (Gurkenhof Frehn).

Gartenbau Profi: Die Einlegegurke, nach dem Spargel die zweiwichtigste Kultur im brandenburgischen Gemüseanbau, wuchs noch vor ein paar Jahren auf weit über rund 600 ha, jetzt ist die Fläche auf rund 500 ha zurückgegangen, Tendenz weiter fallend. Nun also dieses Projekt, das sich nur einer einzigen Kultur widmet? Wie relevant ist die Gurke perspektivisch für den Gartenbau von Brandenburg?

Heinz-Peter Frehn: Die Spreewälder Gurken sind neben dem Spreewälder Meerrettich eine von zwei geschützten geografischen Angaben im Land Brandenburg. Das ist einer der Gründe, die uns hoffen lassen, dass hier der Anbau auch langfristig – trotz aller Rückgänge - eine Chance hat. Der Anteil der Spreewälder Produkte beträgt immerhin 18 % am Gesamtmarkt für verarbeitete Einlegegurken in Deutschland. Mit unserem Projekt setzen wir zudem zwei der EIP-Leitthemen des Landes Brandenburg um, in denen es um die Verbesserung der Produktivität des Gartenbaus und der Wertschöpfung in regionalen Wertschöpfungsketten geht. Und noch eine Zahl: die Spreewaldgurken sind ein Wirtschaftsfaktor, der 2 000 Menschen auf den Feldern und 1 000 in der Verarbeitung Arbeit gibt; ganz zu schweigen von der touristischen Vermarktung dieses Leckerbissens.

Fakt ist allerdings, dass wir unsere Marktposition unter dem Druck des globalen Wettbewerbs nur erhalten können, wenn wir hundertprozentige Qualität liefern. Das ist extrem schwer, denn wir haben viel wegzustecken, beispielsweise unsere Arbeitskosten, die ein Zigfaches von denen in China betragen, die aber gegenüber dem Einzelhandel nicht durchzusetzen sind. Außerdem steht – anders als bei unserer Spreewälder Gurke - auf den Konserven vieler namhafter Erzeuger nicht drauf, wo die Ware eigentlich gewachsen ist, bevor sie um den halben Erdball gekarrt wurden.

Womit wir aber außerdem noch ringen, sind starke Ertragsausfälle beim Anbau von Einlegegurken. Darüber hinaus sind bei pasteurisierten Gewürzgurken-Konserven quer durch alle Marken wiederholt weiche Partien vom Handel reklamiert worden, was zu Rückrufen und Imageverlust führte. Allerdings können wir uns so etwas nicht leisten.

Gartenbau Profi: Das klingt, als wäre langfristig die geschützte geografische Angabe Spreewälder Gurken gefährdet?

Heinz-Peter Frehn: Das ist zu befürchten.

Gartenbau Profi: Welche konkreten Ziele hat also das Projekt?

Heinz-Peter Frehn: Es sollen praxistaugliche Lösungen zur Absicherung von Qualität und Menge der in der integrierten Produktion erzeugten Gurken-Rohware erarbeitet werden. Gleichzeitig muss den Qualitätsproblemen der Spreewälder Gurke g.g.A. als pasteurisierte Konserve entgegengetreten werden. Beide Stufen bedingen verschiedene Ansatzpunkte.

Bei der Absicherung der Gurkenrohwareerzeugung ist dies vor allem Lösung von Ertragsproblemen. Die werden vor allem hervorgerufen durch bodenbürtige Phytopathogene und - als Folge des Klimawandels - verstärkt durch die Rote Spinne. Da haben wir als Anbauer schon viel versucht, haben beispielsweise gegen die Rote Spinne Nützlinge eingesetzt, sind aber im Freiland nicht sehr erfolgreich gewesen. Hinzu kommt ja noch, dass uns immer weniger wirksame Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen.

Der zweite Komplex ist die Absicherung einer hohen Qualität der pasteurisierten Konserve, wozu die Ursachen des Weichwerdens während der Lagerung bestimmt werden müssen, woraus sich ein Verfahren ergeben sollte, das dies verhindert.

Gartenbau Profi: Auf Qualität zu achten – was ist daran wirklich neu? Machen nicht beispielsweise Sie auf Ihrem Gurkenhof das schon immer?

Heinz-Peter Frehn: Der besondere Anspruch des Projektes ist es, die gesamte Prozessabfolge von der Rohwarenproduktion über die Verarbeitung und Lagerung bis zum Handel ganzheitlich zu betrachten. Dazu werden über das Projekt spezielle Instrumentarien bereitgestellt. Deren Aufgaben sind unter anderem, Aussagen zu treffen zu Regulationspotentialen und zur Entwicklung von Schaderregern, besonders Rote Spinne und bodenbürtige Phytopathogene. Sie bewerten außerdem den mikrobiellen Status der Gurke direkt vor und nach der Konservierung, den mikrobiellen Eintrag durch ergänzende Zutaten in das verarbeitete Erzeugnis und die Texturveränderung der Gurken im Glas in Relation zur mikrobiellen Dynamik im konservierten Erzeugnis.

Gartenbau Profi: Und welche praktikablen Werkzeuge können aus diesen Bewertungen entwickelt werden?

Heinz-Peter Frehn: Die Gurkenbranche erhofft sich unter anderem stabile Kriterien für die Verwendung der Gurke und der Zuschlagstoffe, beispielsweise für deren mikrobielle Passfähigkeit, für die Verarbeitung und Rückschlüssen zur Optimierung des Anbaus. Nützlich wäre auch ein Zeitraffertest für pasteurisierte Gurken. Alle qualitätsmindernde Prozesse beim Anbau, der Erzeugung und der Lagerung pasteurisierter Gurkenerzeugnisse werden so identifiziert und soweit wie möglich ausgeschlossen.

Gartenbau Profi: Welchen Zeitraum umfasst das Projekt und wer ist mit im Boot?

Heinz-Peter Frehn: Es kooperieren Erzeuger, Konservenfabriken und wissenschaftliche Einrichtungen. Neben unserem Gurkenhof sind das die Hochschule Neubrandenburg, Knösels Gemüseerzeugung GmbH & Co. KG, das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. Müncheberg, die Obst- und Gemüseverarbeitung Spreewaldkonserve Golßen GmbH sowie die Rabe Spreewälder Konserven GmbH & Co. Die Laufzeit des im Dezember 2016 gestarteten Projektes ist bis 28.02.2021 geplant.

Marlis Heinz


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