16.09.2019

Keine Angst vor Produktionskosten - Gärtnermeister Michael Bosch liefert jahrrund Topfpflanzen aus modernster Produktion

Massen- und Standardware lässt sich im Betrieb Bosch Plants in Straelen am Niederrhein nicht finden. Zwar ist die Zahl von 3,4 Mio. verkauften Töpfen jährlich nicht klein, aber sie verteilt sich auf ausgesuchte Kulturen, zum Teil in besonderen Topfgrößen oder Kombinationen. „Unsere Hauptartikel sind Nelken“, erläutert Betriebsleiter und Gärtnermeister Michael Bosch, der sich auf ein eingespieltes Team an Mitarbeitern sowie modernste Technik verlassen kann.

Michael Bosch inmitten „seiner Sterne“
Foto: Aldenhoff

Seit seine Eltern Heinz und Käthi Bosch den Gartenbaubetrieb vor knapp 50 Jahren gegründet haben, wurde er im Laufe der Zeit kontinuierlich ausgebaut und erweitert. Heute steht an der Dorfstraße im Straelener Ortsteil Broekhuysen ein moderner Zierpflanzenbetrieb mit 3,5 ha Unterglasflächen und 1,5 ha Freilandstellflächen. Michael Bosch, der das Unternehmen in GbR mit seinen Eltern führt, ist technikbegeistert und das sieht man der Ausstattung des Betriebes an. Topfmaschine, Klimacomputer mit automatischer Heizung, Lüftung und Ventilation, Betonflächen mit Ebbe-Flut-Bewässerung, Energie- und Verdunklungsschirme sowie Gießwagen sind in vielen Zierpflanzenbetrieben heute Standard. Außerdem gibt es hier aber auch noch zwei Space-O-Mat-Stapler, einen programmierbaren Spritzroboter für chemische Pflanzen-schutzmaßnahmen sowie elf Elektrofahrzeuge für den innerbetrieblichen Transport der CC-Karren. Michael Bosch möchte seine Gärtnerei mit dem hohen Technisie-rungsgrad auch für sein Personal interessant halten und mög-lichst gesundheitsschonend gestalten. Er setzt auf gut qualifizierte Mitarbeiter, die er mit ergonomischen Arbeitsbedingungen schont und mit einer Radioanlage in jedem Gewächshaus bei Laune hält. Gerne würde der Gärtnermeister auch jedes Jahr einen Auszubildenden einstellen: „Aber leider sind gute Auszubildende schwer zu bekommen und die unmo-tivierten möchte unser Team nicht mehr, da machen sie die Arbeit lieber selbst.“ Auch das Wachstum seines Betriebes hat personalbedingte Grenzen: „Wir haben flächenmäßig unsere Endgröße erreicht, denn für mehr haben wir nicht genug Mitarbeiter. Jetzt wird nur noch innerhalb der bestehenden Größe modernisiert, das heißt, ältere Gewächshäuser werden nach und nach durch moderne ersetzt.“Apropos Technisierung: Das Smartphone bezeichnet Bosch als sein wichtigstes Arbeitsgerät. Damit kann er nicht nur Klimacomputer und Spritzroboter steuern, sondern auch Bestellungen bearbeiten, die per Email eingehen, per Whatsapp Fotos an Kunden versenden oder Wetterprognosen anschauen – und telefonieren kann er damit natürlich auch noch. Besonderheiten nach WunschDie Topfnelken werden von Februar bis Juli verkauft, sowohl im 10,5er-Topf als auch im 12er-Topf als Einzelfarben sowie als Duos und im 13er Topf als Farbtrios. Im Frühjahr sind außerdem noch Violen und Myosotis im Angebot, letztere auch als Trios im 13er-Topf. Neu in diesem Jahr sind die Frühjahrstrios, für die Bellis, Myosotis und Viola cornuta gemeinsam im 13er-Topf herangezogen werden, sodass sie zeitgleich zur Blüte kommen. Solche gattungsübergreifenden Kombinationen erfordern besonderes Kulturgespür, haben die Einzelpflanzen doch unterschiedliche Ansprüche an Kulturführung und Pflanzenschutz. Mit Unterstützung der Jungpflanzenfirmen wagt Michael Bosch solche Experimente, um sich immer wieder mit seinem Sortiment vom Markt abzuheben. Auch bei den Beet- und Balkonpflanzen hat er Mixtöpfe und Trios im Angebot.Besondere Vielfalt herrscht auch bei den Chrysanthemen. Sie werden in 13er-Töpfen oder in Schalen mit vier bis sieben verschiedenen Sorten in einem Gefäß kultiviert. Und ja, es gibt auch einfarbige Töpfe, aber dann nicht mit 08/15-Chrysanthemen, sondern mit Sonderformen wie spinnenblütigen oder seltenen Farben. Umfassend ist auch das Sortiment an Helleborus, die in mehr als zehn Sorten (davon neun weiße) in Topfgrößen von 12 bis 17 cm Durchmesser erhältlich sind. Die Premiumsortierung im 14er-Topf kann auf Wunsch mit Motivübertopf inklusive Wasserspeicher oder mit weißem, silbernem oder goldenem Übertopf (Topf-in Topf) geliefert werden. Diese Verkaufskonzepte kombiniert mit hochwertigen Bildetiketten werten die Pflanzen auf und können in Marktni-schen, die das honorieren, höhere Preise erzielen.„Wir hatten nie Angst vor hohen Produktionskosten“, sagt Michael Bosch, „mit teuren Jungpflanzen und entsprechend hochwertigen Endprodukten ist das Geld oft leichter zurückzuverdienen.“ Der hohe Technisierungsgrad seines Betriebes, gut qualifizierte Mitarbeiter, wertvolles Ausgangsmaterial und so weiter – all das erfordert Kapital, das der Gärtnermeister mit besten Qualitäten in möglichst hochpreisigen Marktsegmenten zu erzielen versucht. Eine Spezialität ist auch das Packen von Misch-CC oder einfarbigen Karren mit B&B auf Kundenwunsch. Das erfordert natürlich Mehrarbeit in der Marktaufbereitung, stärkt aber die Kundenbindung. „Ideen entstehen gemeinsam mit den Kunden“, erzählt Bosch, der vorwiegend für feste Aufträge produziert und für seinen Kulturbeginn vom vereinbarten Liefertermin aus rückwärts rechnet. Alles, was später auf einer CC-Karre zusammen geliefert werden soll, steht schon während der Kulturzeit in einem Schiff.In den sozialen Medien wird man BoschPlants nicht finden. „Wir überzeugen den Zwischenhandel, nicht den Endverbraucher“, er-klärt der Betriebsleiter. Gemeinsam mit einem Kollegen, der zugleich ein sehr guter Freund ist, hat Michael Bosch die Marke mit dem passenden Namen „Best Friends“ kreiert. Diese haben sie sich für ihre Trios von B&B sowie Chrysanthemen schützen lassen. „Best Friends“ ist auch eine Assoziation für die drei verschiedenfarbigen Pflanzen in einem Topf und ein sehr sympathieträchtiger Begriff.Zum Beispiel Poinsettia und HelleborusAnfang August treffen die Poinsettia-Jungpflanzen in Broekhuysen ein und werden umgehend in Töpfe mit 12 cm Durchmesser getopft. Damit sich die Pflanzen gut verzweigen, wird ihnen nach zwei bis drei Wochen von Hand die Triebspitze abgekniffen. Weitere drei Wochen später werden sie mit Hilfe des Space-O-Mats im Gewächshaus auf Endabstand gerückt. Acht Wochen vor dem geplanten Verkaufszeitpunkt im November müssen die Poinsettien verdunkelt werden. Bewässert wird mit Flüssigdüngung über Ebbe-Flut-System. Thrips und Trauermücken werden biologisch bekämpft, Weiße Fliege hingegen chemisch. Gestaucht wird alle sieben bis zehn Tage, lieber häufiger und dafür mit geringerer Konzentration. Der automatische Spritzroboter von der Fa. Visser kann vom Computer aus gesteuert werden. Er hat drei verschiedene Düsen plus Wasserdüsen und kann auch als Bewässerungsroboter eingesetzt werden. Er kann sieben verschiedene Kulturen in einem Schiff unterschiedlich behandeln und einzelne Binderfelder rechts und links ansteuern. Selbständig wechselt er von Schiff zu Schiff. Gelegentliche Störungen sind oft vom Menschen verursacht, wenn die Lichtschranke zum Beispiel feststellt, dass irgendetwas im Weg steht. Dann stoppt der Roboter und der Betriebsleiter bekommt eine Meldung auf sein Handy.Seine Christrosensorten bezieht der Betrieb Bosch Plants von der Jungpflanzenfirma Heuger in Glandorf im südlichen Osnabrücker Land, die die Pflanzen in vitro im Labor vermehrt. Bei Christrosen führt diese Art der Vermehrung zu gesunden und gleichmäßigen Partien mit gutem Blütenansatz – Qualität, die ihren Preis hat. Im Herbst werden die im Labor herangewachsenen Pflanzen vom Jungpflanzenproduzent dann in Anzuchterde verpflanzt und über Winter zu stattlichen Jungpflanzen kultiviert. Im April/Mai werden sie im Betrieb Bosch angeliefert und umgehend in Töpfe mit 14 cm Durchmesser getopft und im Freiland auf den mit Lavagestein unterfütterten Stellflächen ausgestellt. Bis ab Mitte Oktober die ersten Pflanzen verkaufsfertig sind, müssen sie nicht nur gegossen und gelegentlich gedüngt, sondern auch mehrmals auf größeren Abstand gerückt und dabei von Unkraut und vorzeitigen Blüten befreit werden. Das ist viel Handarbeit. Hitze mögen sie nicht so, weshalb ihnen gegebenenfalls ein Schattierleinen übergeworfen wird. Ab Anfang November werden die verbliebenen Christrosen ins Gewächshaus geräumt, um sie bei wärmeren Temperaturen (10-14 °C) als die Natur normalerweise um diese Jahreszeit vorsieht, anzutreiben, also zur Blüte zu bringen. Bis Weihnachten gehen die Mitarbeiter immer wieder durch die Bestände und suchen die weitesten Pflanzen heraus, Hauptverkaufszeit sind die letzten beiden November- sowie die erste Dezemberwoche.Die Meisterschule hat Michael Bosch Spaß gemacht, vor allem wegen der Kontakte. „Das meiste aber lernst Du in der Praxis, wenn Du selbst verantwortlich bist“, stellt der leidenschaftliche Gärtner fest. Für die Zukunft ist er optimistisch, dass die Ware der grünen Branche auch weiterhin interessant bleibt.

Sabine Aldenhoff


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