08.10.2021

Knoblauchsland in Bayern - Innovativ und zukunftsorientiert

Das „Knoblauchsland“ ist ein Gemüseanbaugebiet mit langer Tradition im Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen
Foto: Schneider

Das „Knoblauchsland“ ist ein Gemüseanbaugebiet mit langer Tradition im Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen. Es ist in Fachkreisen weit über die Region hinaus bekannt. Die Gemüsebaubetriebe dort gelten als äußerst innovativ und gut für die Zukunft gerüstet. Woran liegt das? Welche Strategien verfolgten und verfolgen die erfolgreichen Betriebsleiter dieses Anbaugebietes? Ramona Schneider hat sich für Gartenbau-Profi umgehört.

Im Knoblauchsland produzieren zurzeit ca. 100 Betriebe Gemüse auf insgesamt ca. 1 500 ha Anbaufläche - davon werden 95 % für den Freilandanbau genutzt, 5 % sind Gewächshausflächen. Auf weiteren 500 ha wachsen landwirtschaftliche Kulturen, hauptsächlich aus Fruchtfolgegründen. Zehn Betriebe produzieren Bio-Gemüse verschiedenster Anbaurichtungen.

Über das Erfolgsrezept des Knoblauchslandes können natürlich nur Insider Auskunft geben. Deshalb wurden Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen unterschiedlicher Generationen, Anbaurichtungen und Vermarktungsarten befragt, ebenso wie Berater, Behörden, Verbandsvertreter und Vermarkter.

Die Grundlage dafür, dass das Knoblauchsland als Gemüsebaugebiet heute so gut dasteht, haben bereits die vorhergehenden Generationen geschaffen. Diese Aussage war sehr häufig zu hören. Die Gründung des Wasserverbandes 1960, der Abschluss der Flurbereinigung 1964, die Gründung einer eigenen Vermarktungsorganisation 1972 und der Entschluss zur Intensivierung durch den Gewächshausbau wirken sich bis heute positiv aus. Als glückliche Fügung wird gesehen, dass hier überzeugende Personen zur rechten Zeit am richtigen Ort aktiv wurden: Heinrich Ermann, Direktor des Bayerischen Bauernverbands Bezirksverband Mittelfranken, der „Vater des Knoblauchslandes“ Peter Höfler sen. und Lothar Meier, Kreisobmann des Kreises Nürnberg-Stadt des bayerischen Bauernverbandes (BBV).

Als großes Plus für das Anbaugebiet gilt auch der hohe Organisationsgrad der Betriebsverantwortlichen. Fast alle sind in mehreren Verbänden Mitglied und engagieren sich dort auch: Im Bauernverband, Wasserverband, Erzeugerring, im Gemüseerzeugerverband Knoblauchsland, bei der Frankengemüse eG oder auch im Meisterverband. In den Verbänden treffen sich Gewächshausproduzenten, Freilandanbauer, direktvermarktende Familienbetriebe, international vermarktende Großbetriebe, konventionell wirtschaftende Gemüseanbauer und Vertreter aller Bio-Verbände. Das führt zum Austausch, zu mehr oder weniger engen Zusammenarbeit unter den einzelnen Betrieben und zum Verständnis füreinander.

Man regt sich gegenseitig an, Neues und Anderes zu probieren und provoziert eine gesunde Konkurrenz, die eher sportlich und nicht mit Missgunst ausgetragen wird. Letzteres wird auch durch die vielen privaten Verbindungen weitgehend verhindert. Man trifft sich bei der „Kärwa“ (Kirchweih), ist gar Mitglied beim Verein der „Kärwaburschen und -madli“, bei der Landjugend, ist miteinander verwandt oder hat zusammen die Schulbank gedrückt.

Das Thema Schule und Bildung wird von fast allen Befragten genannt, wenn es um das Erfolgsgeheimnis des Knoblauchslandes geht. Das fachliche Bildungsniveau ist allgemein hoch. In den meisten Betrieben gibt es mindestens einen Meister/eine Meisterin im Gemüsebau. Es gilt als selbstverständlich, dass der Betriebsnachfolger oder die -nachfolgerin die Meisterprüfung ablegt. Idealerweise ist eine der wenigen Fachschulen für Gemüsebau in Deutschland im nahe gelegenen Fürth. Auch hier wird konkret ein Name besonders oft erwähnt: Andreas Schmitt, Lehrer der Fachschule im Fach „Produktion“. Vor allem seine Exkursionen in den jeweiligen Sommersemestern haben die grundsätzliche Offenheit der Knoblauchsländer Betriebsnachfolger und -nachfolgerinnen nachhaltig gefördert. Die Betriebsbesuche im In- und Ausland weiten den Horizont, machen auf Trends aufmerksam und nehmen die Scheu, auch später noch international Erkundigungen einzuholen, um Neues auszuprobieren.

Die positiven Erfahrungen mit „ihrer“ Meisterschule und deren enge räumliche und personelle Verzahnung mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Fürth, bringen weitere Vorteile für das Anbaugebiet. Die Gemüseanbauer vertrauen der Beratung der dort tätigen Fachleute, leisten sich zusätzliche Berater und sind offen für Forschungsprojekte aller Art.

Diese Offenheit ist auch generationenübergreifend vorhanden. Es fällt auf, dass der nächsten Generation schon sehr bald zugetraut wird, Verantwortung mit bzw. ganz zu übernehmen. Die Betriebe werden früh übergeben oder es werden GbRs zwischen Eltern und Kindern gegründet. So können langjährige Erfahrungen und Besonnenheit der Älteren, gepaart mit neuestem Fachwissen und jugendlicher Aufbruchsstimmung den Gemüsebau im Knoblauchsland so erhalten, wie er ist: Innovativ und zukunftsorientiert.

Stimmen aus dem Knoblauchsland:

·         Norbert Beier, Beier-Jungpflanzen, (Gemüsejungpflanzen, Vermarktung an Gemüseproduzenten): „Ein großes Plus für die Anbauer ist die gute Beratung durch den Erzeugerring Knoblauchsland e.V., auch in betriebswirtschaftlichen Dingen, und das Einholen von Fachwissen bei ausländischen Beratern und den Hochschulen. Für unseren Betrieb hat es viel gebracht, auf Neuerungen zu setzen, wie das Roll-Air-Gewächshaus und auch Kunden außerhalb des Anbaugebietes zu suchen.“

·         Rudolf Dworschak, stellvertretender Vorsitzender des Gemüseerzeugerverbands Knoblauchsland e.V., Dworschak & Sohn (1,7 ha unter Glas, 3,6 ha Freiland, Biolandproduktion von Kräutern und Tomaten unter Glas, Selbstvermarktung): „Die Vielseitigkeit der Produktion im Knoblauchsland, Freiland- und Gewächshausproduktion, Bio und konventioneller Anbau, Hydrosalat, Erdbeeren unter Glas usw. entzerrt den Markt und sichert den Fortbestand der Betriebe.“

·         Peter Ermann, ehem. Lehrer an der Fach- und Berufsschule: „Die Altvorderen waren damals wirklich schon gewieft. So war mein Vater damals, Heinrich Ermann, bereits wenige Tage nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, am 26.04.1986, mit dem damaligen Geschäftsführer des BBV auf den Feldern, um den Schaden zu schätzen.“

·         Johannes Höfler, Vorsitzender des Gemüseerzeugerverbandes Knoblauchsland e.V., Gartenbau Höfler GdbR (4 ha unter Glas mit Gurken und Tomaten, Vermarktung über Franken-Gemüse Knoblauchsland eG. und Selbstvermarktung an LEH): „Zurzeit gibt es hier viele Betriebsleiter in meinem Alter, aber wir machen uns keine Konkurrenz, sondern spornen uns gegenseitig an. Wir wollen uns nicht gegenseitig unterbieten, sondern sorgen mit Produktionsabsprachen dafür, dass unsere Abnehmer die Ware bekommen, die sie brauchen.“

·         Seniorchef Peter Höfler, Höfler Gemüse (8 ha unter Glas und 25 ha Freiland mit Fruchtgemüse, Selbstvermarktung an Großmarkt und LEH): „Es war richtig, dass die Produzenten in der 80er-Jahren angefangen haben, für das Knoblauchsland Werbung zu machen. Es gab ein neues, rundes Emblem ‚Knoblauchsland – Gemüseland‘, mit dem auf LKWs und Plakaten geworben wurde. Ein Film über das Anbaugebiet wurde gedreht, die Landfrauen machten Kochvorführungen und gaben Kurse. 1990 fand dann auch der erste Knoblauchsländer Tag der offenen Tür statt und seit 20 Jahren gibt es den Knoblauchslandkalender. Er zeigt nicht nur das Anbaugebiet von seinen schönsten Seiten, sondern stellt auch Betriebe kurz vor, wirbt mit Rezepten und Saisonkalender für unser Gemüse und die ‚Kärwa‘-Termine laden zum Besuch ein.“

·         Josef Hofbauer, Leiter der Abteilung Gartenbau und Schulleiter der Fachschule für Gemüsebau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth: „Viele Betriebsleiter nutzten und nutzen klugerweise die einzelbetrieblichen Förderprogramme aus EU- und Landesmitteln. Ein wichtiger Finanzierungspartner ist eine Genossenschaftsbank vor Ort im Knoblauchsland, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Gartenbaubetriebe dort spezialisiert ist.“

·         Sandra Hofmann, stellvertretende Kreisbäuerin Nürnberg-Stadt, Gemüsebau Hans Hofmann (10 ha Freiland- und 2 ha Gewächsausfläche, verschiedene Kulturen, Vermarktung: Franken-Gemüse Knoblauchsland eG und Selbstvermarktung an LEH und am Großmarkt): „Die Generationen vor uns haben in ihrem Betrieb immer eine Zukunft gesehen und hatten Mut, neue Wege zu gehen. Das betraf und betrifft nicht nur die Produkte, sondern auch alle anderen Bereiche.“

·         Jochen Loy, Geschäftsführer der Kreisverbände Nürnberg-Stadt, Nürnberger Land, Fürth, Erlangen-Höchstadt des Bayerischen Bauernverbandes: „Die Innovationskraft des Knoblauchslandes ist eine Gemeinschaftsleistung der Betriebe. In Produktion und Vermarktung wird ständig Neues ausprobiert und angeboten: Gewächshauserdbeeren, Hydrosalate, Ingwer, Convenience Food, Hühnermobile, Verkaufsautomaten, Drive-in-Verkauf. Es werden möglichst viele Absatzkanäle genutzt, bei gleichzeitig guter Preiskenntnis.“

·         Birgit Meier, Vorsitzende des Meisterverbandes Knoblauchsland, Birgit Meier Gemüsebau (ca. 10 ha Freiland- und 700 m² Gewächshausfläche, Gemüse und Kräuter, Direktvermarktung): „Die sehr gute fachliche Bildung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. In unserem Verband sind rund 140 Gärtnermeister und -meisterinnen organsiert. Dazu kommen noch die, die nicht im Verband sind. Die Vielseitigkeit der Betriebsstrukturen, Anbau- und Vermarktungsarten sind ein großes Plus. Die gute gärtnerische Infrastruktur wie Verbände, Vermarktungsmöglichkeiten, der Jungpflanzenbetrieb nebenan und die Lage im Städtedreieck sind ideal. Außerdem herrscht in den Verbänden eine angenehme gegenseitige Wertschätzung von großen gegenüber kleineren Betrieben, vom konventionellen Anbau gegenüber der Bio-Produktion und umgekehrt.“

·         Anton Offenberger, Geschäftsführer und Berater des Gemüseerzeugerrings Knoblauchsland e.V.: „Die Knoblauchsländer haben die Selbstvermarktung nie ganz aufgegeben. Sie kennen die Gesetze des Marktes vom traditionellen Großmarktverkauf her und wissen daher, was ihr Produkt wert sein muss. Wichtig ist auch die Offenheit für Beratung und das Tolerieren, dass damit zwangsläufig Wissen von einem Betrieb zum anderen wandert.“

·         Andreas Schmitt, Lehrer im Fach Produktion an der Fachschule für Gemüsebau, Fürth: „Die Knoblauchsländer Gemüseproduzenten halten engen Kontakt zur Politik und engagieren sich auch selbst im Stadtrat und im Landtag. Außerdem haben sie ein Händchen dafür, sich die richtigen, später auch im Betrieb höchst aktiven, Partner und Partnerinnen auszusuchen.“

·         Thomas Schneider, Schneider Gemüse (35 ha Freilandfläche, verschiedende Kulturen, Vermarktung über Franken-Gemüse Knoblauchsland eG): “Im Knoblauchsland gibt es mehr Meister als Betriebe. Im Schnitt kommen ca. 1,5 Gemüsebaumeister auf einen Betrieb.“

·         Seniorchef Paul Stahl, Gartenbau Jörg Stahl (10 ha Freiland- und 3 ha Gewächshausfläche, Topfpflanzen, Vermarktung über Fachmärkte, Discounter, LEH, Friedhofsgärtnereien): „Wir haben Ende der 70er-Jahre aufgehört, Gemüse zu produzieren, und sind inzwischen auf die Topfpflanzenproduktion spezialisiert. Damals war mit Zierpflanzen mehr zu verdienen, als mit Gemüse - heute ist das umgekehrt.“

·         Florian Wolz, Geschäftsführer der Franken-Gemüse Knoblauchsland eG: „Durch Kulturauswahl und veränderte Anbaubedingungen konnte die Anbausaison erweitert werden und die Winterpause fällt praktisch weg. So sind die Gemüseproduzenten inzwischen zwölf Monate im Jahr am Markt und damit interessanter für den Lebensmitteleinzelhandel geworden. Er muss im Winter nicht auf Importe ausweichen.“

Wie wird sich das Knoblauchsland weiter entwickeln?

Auch die befragten Knoblauchsländer haben alle keine Glaskugel, trotzdem sehen sie Trends, die auf künftige Entwicklungen hinweisen könnten. Positiv wird gewertet, dass sich im Moment mehr junge Leute für eine Ausbildung im Gemüsebau entscheiden, die keine Betriebsnachfolger sind. Das lässt auf mehr Fachkräfte hoffen. Die Gewinnung von Fachkräften und Arbeitskräften überhaupt, wird als Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Betriebe gesehen. Da allgemein lieber im Gewächshaus, als im Freiland gearbeitet wird, und wegen der besseren Steuerungsmöglichkeiten der Produktion, wird eine Zunahme des Anbaus unter Glas erwartet. Zunehmen wird auch die Bio-Produktion, abnehmen wohl aber die Gesamtzahl der Betriebe. Wobei der Trend zu größeren Betrieben weiter bestehen wird. Unverändert sehen die Knoblauchsländer die Notwendigkeit, sich weiterhin dem Siedlungsdruck entgegenstemmen zu müssen, der die Anbauflächen reduziert.

Lage und Klima

Das Knoblauchsland ist eine nicht klar eingegrenzte, altfränkische Kulturlandschaft im Dreieck der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen. Es umfasst ca. 4 000 ha, von denen die Hälfte landwirtschaftlich genutzt wird, 1 500 ha für reinen Gemüseanbau. Die Längenausdehnung beträgt von Nord nach Süd ca. 10 km, die Breite von Ost nach West ca. 5-6 km.

Naturräumlich ist das Knoblauchsland dem Mittelfränkischen Becken zugeordnet. Die lockeren Braunerdeböden entstanden bei der Verwitterung mächtiger Sandsteinschichten (30-40 m) und deren Letteneinlagerungen. Der Landschaftsraum liegt im Übergangsbereich zwischen feuchtem, atlantischem und trockenem Kontinentalklima.

Nach Westen ist der ganze Landstrich schwach geneigt. Die östlichen Orte liegen rund 315 m über NN, der westlichste Ort 296 m über NN. Das gesamte Gebiet wird von fünf kleineren Bächen in Ost-West-Richtung durchflossen.

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 8,2 °C, wobei die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22 °C und die des kältesten über 3 °C liegt. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge ist mit 637 mm ziemlich gering. Dafür scheint die Sonne im Jahr durchschnittliche 1 792 Stunden, was verglichen mit dem bundesdeutschen Durchschnitt relativ viel ist. Die Vegetationsdauer beträgt 217 Tage.

Ramona Schneider


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