07.10.2019

Kürbis-Company, Hürth - Kürbis ganz groß

Was passiert, wenn sich ein Zierpflanzen- und ein Gemüsegärtner zusammenschließen? Im Fall der Thomas-Haenrats GbR entstand ein erfolgreiches Unternehmen, das sich vor allem auf ein Produkt spezialisiert – den Kürbis.

Alexander Thomas ist der Herr der Kürbisse. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Theo Haenrats führt er die Kürbis-Company in Hürth
Foto: Valenta

Nach seiner Ausbildung zum Zierpflanzengärtner stieg Alexander Thomas in die elterliche Gärtnerei ein und baute zunächst Schnittblumen an. Nach kurzer Zeit nahm er auch Zierkürbisse in sein Sortiment mit auf. Zunächst wurden diese über die Versteigerung in Neuss und später in den Niederlanden vermarktet. Da Alexander Thomas die Flächen und damit die Mengen an Zierkürbissen stetig erweiterte, stellte er die Vermarktung auf Direktabsatz an den Lebensmitteleinzelhandel um. Die Kürbisse ließen sich sehr gut verkaufen, das einzige Problem war, dass große Mengen – von mittlerweile 20 ha Anbaufläche – in sehr kurzer Zeit geerntet und aufbereitet werden mussten.
Kooperation macht Sinn

Thomas´ Nachbarbetrieb, der Gemüsebaubetrieb Haenrats, hingegen hatte in einer Art „Sommerloch“ zur gleichen Zeit wenig für seine Erntehelfer zu tun. So kamen die Unternehmer auf die Idee, sich gegenseitig mit Manpower auszuhelfen. Das klappte soweit auch ganz gut, nur „das Auseinandergerechne zum Jahresende war sehr aufwendig“, erinnert sich Thomas. Nach zwei Jahren lockerer Zusammenarbeit gründete Alexander Thomas 2006 - noch mit dem mittlerweile verstorbenen Leo Haenrats - die gemeinsamen Firma Thomas-Haenrats GbR, die bis heute besteht. Nach dem Tod des Vaters ist Sohn Theo Haenrats in die Kürbis-Company eingestiegen. Der studierte Agrarwissenschaftler arbeitete auch zuvor schon im elterlichen Betrieb mit. In der GbR ist er vor allem für die Personaleinteilung – immerhin sind es über 100 Saisonarbeitskräfte, die koordiniert werden müssen – zuständig. Alexander Thomas kümmert sich vor allem um die Vermarktung der Kürbisse. Den Anbau planen sie gemeinsam.

Aufwendige Ernte

Von den 35 Sorten, die Thomas und Haenrats anbauen, werden die meisten im Frühjahr selbst von Hand ausgesät. Die Erdpresstöpfe kaufen sie dafür zu. Zur Anzucht stehen die Pflänzchen dann in den alten Gewächshäusern der ehemaligen Zierpflanzengärtnerei. Vor dem Auspflanzen werden sie noch im Freien „abgehärtet“. Die Felder, die im Umkreis von 40 km um den Betrieb liegen, werden im Frühjahr – sobald es Boden und Witterung zulassen – mit Mulchfolie belegt. Da die Schnittblumen im Gegensatz zu den Kürbissen während der Kultur mehr Pflege benötigen, wachsen diese auf den hofnahen Flächen.
Die Pflanzung der Kürbisse erfolgt dann ab Mitte April größtenteils von Hand in zuvor maschinell gestanzte Löcher. Nur die Zierkürbisse werden maschinell gepflanzt bzw. direkt gesät. „Insgesamt ziehen wir ungefähr 90 % unserer Pflanzen vor“, erläutert Alexander Thomas.

Die Kürbisernte ist dann wieder Handarbeit. Auf den Feldern werden Erntegassen freigelegt, auf denen Schlepper mit Anhängern und Großkisten fahren. Die Erntehelfer schneiden die Früchte und legen sie in Kisten. Diese tragen sie zum Hänger, wo sie von Kollegen in Großkisten umgeleert werden. Nur empfindliche Sorten wie der Butternut oder stark gekrümmte Zierkürbissorten werden in Kisten geerntet und in diesen auf den Erntewagen gestapelt. Die Butternutkürbisse zum Beispiel würden sonst mit ihren relativ harten Stiele die Schale der anderen verletzen und stark gekrümmte Zierkürbissorten würden sich in Großkisten zu stark ineinander verhaken.

Auf dem Hof angekommen, werden alle Kürbisse in der Waschstraße gereinigt und wiederum in Großkisten zum Trocknen aufgestellt. Auf dem Verladeplatz werden die vollen Kisten dann zwischengelagert. Kommissioniert und etikettiert sowie verpackt wird in der großen Aufbereitungshalle. Die Hauptsaison geht dabei von Anfang August bis Mitte Oktober, dann schließt sich die Halloweenkürbis-Phase an. Speisekürbisse laufen dann noch bis Dezember weiter.
Gelagert werden sie dafür in einem Kartoffellager. Eine längere Lagerung wäre dann nur mit Kühlhäusern möglich, die präzise gesteuert werden können. Und mit zunehmender Lagerzeit steigen die Verluste.

Was bleibt, was geht?

Vom Schnittblumenanbau sind noch Bartnelken und Pfingstrosen aus dem Freiland für die Vermarktung im Frühjahr geblieben. Den Anbau von Sommerschnittblumen haben die beiden eingestellt, allerdings sind seit kurzem wieder Sonnenblumen und Dahlien mit ins Sortiment aufgenommen worden, die zusammen mit den Kürbissen an den LEH vermarktet werden. Weitere Kunden der GbR sind Gartencenter, Baumärkte und Cash&Carry-Märkte von Landgard. Um auch die großen Kunden entsprechend ihrer Mengen- und Sortenwünsche bedienen zu können, bauen noch weitere Gärtner Kürbisse an, die über Thomas-Haenrats vermarktet werden.

Der Gemüseanbau, den die Familie Haenrats ursprünglich betrieben hatte, wurde komplett aufgegeben. Spargel, Erdbeeren und Rhabarber bauen die Unternehmer bauen Alexander Thomas und Theo Haerats zusammen mit Markus Loeven unter dem Firmen-/Markennamen Domspargel an. Hier nutzen sie für besonders frühe Ernte das Kühlwasser des nahe gelegenen Orion-Werks für eine „Fußbodenheizung“.

Viele Saisonarbeitskräfte, die aus Polen und Rumänien meist schon viele Jahre auf den Hof kommen, arbeiten zunächst im Spargel- und Erdbeeranbau und kommen dann nach mehreren Wochen Pause für die Kürbisvermarktung wieder zurück. Einige polnische Arbeitskräfte, die schon lange dabei sind, fungieren mittlerweile als Vorarbeiter. Untergebracht sind die Erntehelfer in Wohncontainern direkt auf dem Betriebsgelände. Probleme mit Arbeitern, die vorzeitig abgereist sind, gab es nur wenige. Da der Spargel in diesem Jahr aufgrund der Witterung weniger Ertrag brachte, waren einige Erntehelfer mit ihrem Verdienst unzufrieden und einige reisten vorzeitig ab. Andere konnten neben dem Spargelstechen zusätzlich beim Kürbispflanzen eingeplant werden.

Immer am Ball bleiben

Bei den Kürbissen startete Thomas mit Zierkürbissen. „Speisekürbisse sind erst seit ungefähr zehn Jahren ein Thema, aber das Interesse wächst stetig“, so Thomas. Aber immer, wenn bei einem Produkt, das sich relativ einfach kultivieren lässt, die Nachfrage steigt, springen auch andere Produzenten auf den Zug auf. So gibt es im „normalen“ Sortiment, vor allem beim allseits bekannten Hokkaido-Kürbis mittlerweile starke Konkurrenz. Acker- oder Gemüsebaubetriebe, die diesen Artikel in ihr Sortiment mit aufgenommen haben und auf den Markt drängen, gibt es einige.

Die Stärke der Kürbis-Company ist die Vielseitigkeit des Sortiments, aus dem Bereich Kürbis können die Kunden hier alles bekommen, was das Herz begehrt. Seien es Zierkürbisse in Netzen, Körbchen oder Kartons als Aktionsware, Kürbisarrangements mit Blumen oder Speise- und Halloweenkürbisse in diversen Größen.

„Man muss sich allerdings jedes Jahr etwas neues einfallen lassen, um als Lieferant weiterhin interessant zu bleiben“, so Alexander Thomas. Und das machen er und seine Frau Aneta auch. Vor mittlerweile 14 Jahren fingen sie an, Kürbisse von Hand mit Gesichtern zu bemalen. Erst nur wenige, dann immer mehr. Mittlerweile hat sich die „Kürbis-Malerei“ zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Hunderte von meist lachenden Kürbissen verlassen den Betrieb in Hürth jedes Jahr.
Eine weitere Idee der Kürbis-Profis: in der zweiten Oktoberhälfte schicken sie Schnitz-Teams in Supermärkte, die vor Ort nach den Wünschen der Kunden allerlei in die dort erstandenen Kürbisse schnitzen. Da wird schon mal der Lieblingsfußballverein oder der Kölner Dom verewigt. Sicher sind Familie Thomas die Ideen noch nicht ausgegangen, mit denen sie die Beliebtheit und den Absatz ihrer Kürbisse noch weiter steigern können.

Marion Valenta


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