09.10.2017

Kürbiskernöl aus Franken - Schnell’s Kürbiskerne, Kammerstein

„Die Kürbiskerne auf den Brötchen kommen meist aus China. Ich dachte mir `Könnten wir die nicht hier bei uns anbauen?´ und so fing alles an“, berichtet Martin Schnell über die Anfänge des Ölkürbisanbaus auf dem Hof Schnell. Wurden früher noch v.a. Tabak angebaut und Schweine gemästet, setzen die Schnells heute voll auf die gelb-grün gestreifte Riesenbeere.

Kürbiskernöl aus Franken – Anbau, Gewinnung und Vermarktung liegt alles in einer Hand

2004 begann der Agrar-Betriebswirt mit ersten Anbauversuchen. Nach kleineren Anfangsschwierigkeiten klappte der Anbau immer besser und die Flächen wurden sukzessive erweitert. Jetzt sind mit 100 ha Anbaufläche die Kapazitäten des Hofes in der Nähe von Nürnberg erstmal erreicht. Auch Petra Schnell, gelernte Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerin, hat mittlerweile auf dem Hof gut zu tun. Sie kümmert sich vor allem um den Hofladen und die Führungen, die die Schnells unter dem Motto „Vom fränkischen Kern zum Öl“ anbieten.

Eigene Ölmühle

Nachdem der Anbau immer weiter ausgebaut wurde und Martin Schnell die Kürbiskerne zum Pressen nicht mehr länger nach Österreich bringen wollte, haben sie sich 2011 eine eigene Ölmühle angeschafft. Die einzige Kürbiskernölmühle in Bayern – vielleicht sogar deutschlandweit – stammt aus Slowenien und läuft ungefähr eine Woche pro Monat. In dieser Zeit werden täglich bis zu 220 l Kernöl frisch gepresst und abgefüllt. Warum das Öl nicht auf einmal gepresst wird? Das kalt gepresste Öl ist ein Jahr haltbar. Würden die Schnells die komplette Erntemenge in einem Rutsch pressen, könnten sie nicht das ganze Jahr über ausreichend lang haltbares Öl vermarkten. Nach einer Presswoche wird einen Tag lang die komplette Anlage wieder gereinigt.

Die getrockneten und eingelagerten Kerne – diese sind fast unbegrenzt haltbar - werden vor dem Pressen zunächst gemahlen und anschließend mit Wasser und etwas Salz geknetet. Weiter geht es in der Röstpfanne. Danach wird die Kernmasse schichtweise – abwechselnd mit Edelstahlplatten – in den Seiher der Presse geschaufelt. Mit 300 bar Druck wird das wertvolle Öl schließlich herausgepresst. Bis zu 24 l können pro Stunde „geerntet“ werden. Auch der entstandene Presskuchen wird verwendet. Er wird getrocknet und zu Mehl vermahlen. Dieses eignet sich zum Backen (20% des Getreidemehls kann dadurch ersetzt werden) oder Panieren.

Die Ölmühle ist auch von Bioland zertifiziert, die Schnells dürfen deshalb auch Bio-Kerne verarbeiten. Der Anbau dieser Kürbisse erfolgt auf Flächen von Bio-Kollegen aus der Region. Da sich Bioware und konventionelle Ware nicht vermischen dürfen, müssen die Kerne streng voneinander getrennt getrocknet und gelagert werden. Beim Pressen kommen deshalb auch zuerst die Biokerne in die Presse und anschließend die konventionellen.

Anbau und Ernte

Für einen Liter Öl braucht man ca. 2,5 bis 3 kg Kerne. Pro Hektar kann man mit ungefähr 600 kg Kernen rechnen, so Schnells Erfahrung. Mit einem umgebauten pneumatischen Maissägerät kommen die Samen Ende April/Anfang Mai in den Boden. Direkt nach der Saat kommt ein Herbizid zum Einsatz, um den Kürbispflanzen einen Vorsprung zu verschaffen. Anschließend werden die Felder mit verschiedenen Hackgeräten unkrautfrei gehalten. „Aber wir hacken auch, wenn kein Unkraut da ist. Der Kürbis möchte nämlich einen lockeren Boden, um gut wachsen zu können“, erzählt Martin Schnell. Sobald die Pflanzen ihre Rankarme ausbilden, ist Schluss mit Hacken, da sonst die Pflanzen beschädigt und sich die Ranken um die Hackgeräte wickeln würden. „Ich muss mindestens zehnmal auf jedes Feld“, fasst Martin Schnell den Aufwand zusammen. Gedüngt werden die Kürbispflanzen ähnlich wie Getreide mit ca. 50-60 kg P, 100 kg K und 80 kg N. „Bei zu viel Stickstoff leidet der Ertrag“, weiß Schnell.

Die Ernte der Ölkürbisse beginnt ab Anfang Oktober und dauert ca. vier Wochen. Täglich werden mit der Erntemaschine, die natürlich aus Österreich stammt, 5-6 ha geerntet. Die Erntemaschine spießt die Kürbisse dabei auf dem Feld auf eine Walze und befördert sie ins Innere. Dort werden die Früchte aufgebrochen, zerkleinert und die Kerne vom Fruchtfleisch getrennt. Das Fruchtfleisch verbleibt auf dem Feld. Die Kerne müssen noch am selben Tag gereinigt werden und gehen dann über Nacht in die Trocknungsanlage. Am nächsten Morgen werden die Kerne in Säcke abgefüllt, eingelagert und das Spiel beginnt wieder von vorn. Ganze vier Wochen lang zieht sich die Ernteperiode.

Vermarktung weiter ausbauen

Dort, wo früher der Schweinestall stand, werden heute Kernöl und Co. verkauft. Vor zwei Jahren bauten sich die Schnells dafür eine neue Halle, in der Hofladen, Ölmühle, Lagerräume und ein großer Gastraum für bis zu 80 Personen untergebracht sind. In diesem werden bei Führungen Verkostungen angeboten. Ungefähr 50 solcher Führungen – mit und ohne Verköstigung – finden pro Jahr statt. „Von Dezember bis März ist weniger los, aber die restliche Zeit wird ziemlich gleichmäßig gebucht“, fasst Petra Schnell dieses Standbein zusammen. Mit der Anzahl der Führungen sind die Schnells, wie sie selbst sagen, gut ausgelastet – und das „fast ohne Werbung!“. Der Gastraum wird auch für Feste oder Veranstaltungen ohne Führung angeboten. Jedes zweite Jahr (ungerades Kalenderjahr) im Herbst veranstaltet die Familie Schnell ein Kürbiskern-Erntefest. Dort kann man bei der Kürbiskernernte zusehen, Kürbiskerngerichte genießen oder sich auf dem Bauern- und Kunsthandwerkermarkt umsehen. Neben dem Hofladen trägt auch der Online-Shop zum Verkauf der Kerne und des Öls bei. Dieser Geschäftszweig wächst zwar stetig, hat aber durchaus noch Luft nach oben.

Neben dem Kürbiskernöl und zahlreichen „Knabberkern“-Varianten können die Kunden im Hofladen auch zahlreiche andere Produkte aus der Region kaufen: Amaranth- sowie Holunderprodukte, Honig, Likör, Fruchtaufstriche und einiges mehr. Die meisten Knabberkern-Variationen wie z.B. schokolierte Kerne, gebrannte Kerne mit Kaffee oder Chili stellen die Schnells selbst her. Petra Schnell ist der kreative Kopf dahinter – sie denkt sich die Rezepte aus und entwickelt das Sortiment ständig weiter. Für die innovative Geschäftsidee, Kürbiskerne zu verschiedenen Knabberkernen und Kürbiskernöl zu veredeln, erhielt Petra Schnell 2014 von Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner den Ehrenpreis beim Wettbewerb „Bäuerin als Unternehmerin des Jahres 2014“.

Marion Valenta


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