03.05.2019

Lagerschau in Marne

Jan Raspel (l.), Gemüsebauberatungsring Dithmarschen e.V., er-klärt einem Besucher die Ergebnisse des Versuches bei Waschmöhren
Foto: von Hollen

Gemeinsam mit dem Züchterhaus Rijk Zwaan GmbH veranstaltete der Gemüsebauberatungsring Dithmarschen e.V. Ende Februar in Marne die Lagerschau für Lagergemüse mit dem Fokus auf Weiß- und Rotkohlsorten. In über 40 Kisten lagerten 32 Kohlsorten. Präsentiert wurden Weißkohlsorten und ihre durchschnittlichen Kopfgewichte in kleiner Sortierung mit 52 000 Pfl./ha für den Frischmarkt, in großer Sortierung mit 30 500 Pfl./ha ebenfalls für den Frischmarkt und mit 25 500 Pfl./ha als Industriekohl. Die durchschnittlichen Kopfgewichte von acht Rotkohlsorten stellte der Beratungsring in einer Pflanzdichte von 32 000 Pfl./ha und 37 000 Pfl./ha vor. Die Veranstalter zeigten auch Gemüsesorten wie Möhren, Sellerie und Rote Bete. So konnten die Landwirte Vergleiche zur eigenen Lagerware auf dem heimischen Betrieb anstellen, mit den Fachberatern Probleme diskutieren und ggf. für das kommende Anbaujahr neue Entscheidungen für den Betrieb treffen. 

Das sehr trockene Jahr 2018 sorgte dafür, dass der Kohl gut ins Lager gekommen war und so vor allem der Botrytis-Befall kein Problem wie in den vergangenen Jahren so oft darstellte. Rund 300 Interessierte kamen nach Marne an die Nordsee, um zu fachsimpeln und neue Eindrücke zu gewinnen. Jan Raspel, Geschäftsführer des Gemüsebauberatungsring Dithmarschen e.V., freute sich vor allem über das rege Interesse der Kohlanbauer, die den Weg nach Marne auf sich genommen hatten. Für Gemüsebauberater und Vertreter der Zuchtunternehmen, des Pflanzenschutzes und der verarbeitenden Industrie ist diese Veranstaltung ebenfalls ein Muss zu Beginn des Jahres. 

Starker Befall mit Thrips 

Die extreme Trockenheit im Anbaujahr 2018 sorgte zwar für regional sehr unterschiedliche Erträge, allerdings konnte dadurch die Ernte gut ins Lager gebracht werden. Die Qualität der gelagerten Ware sei durchweg sehr gut, erklärte Jan Raspel. Selbst ungekühlte Ernte, wie auch auf der Lagerschau zu begutachten, sei jetzt immer noch im besten Zustand und bedürfe keinem großen Putzaufwand. Das trockene Anbaujahr und die fehlenden Möglichkeiten beim Pflanzenschutz hätten allerdings einen starken Befall von Thrips hervorgerufen. Vor allem reagierte die Sorte `Lennox´ empfindlich, wie deutlich zu sehen war. 

Endlich gute Preise

In den vergangenen Jahren hatten die Kohlanbauer mit niedrigen Erzeugerpreisen und stark schwankenden Ernteerträgen zu kämpfen. Auf das extrem nasse Jahr 2017 folgte das extrem trockene Jahr 2018. Erfreulich sei, so Raspel, dass seit Herbst letzten Jahres die Erzeugerpreise endlich stimmten. Zurzeit könnten Preise mit 0,40 €/kg und mehr realisiert werden. Auf die Auswirkungen von Wetterextremen, schwankenden Ernteerträgen und Erzeugerpreisen auf den Strukturwandel angesprochen, stellte der Experte klar: „Wegen schlechtem Wetter gibt kein Landwirt auf, wegen schlechter Preise aber schon.“ 

Auswaschversuch bei Möhren 

Der Gemüsebauberatungsring präsentierte auch einen Auswaschversuch mit acht Möhrensorten. Untersucht wurde, wie viel Marktware erzielt werden konnte und wie viel Ware aufgrund von Bruch, Krankheit und Größe aussortiert werden musste. Die altbewährte Sorte `Nerac´ schnitt dabei am besten ab und ließ neue Sorten weit hinter sich. Hoffnungsträger ist allerdings die Sorte `Dayliance´, die an die Ergebnisse der alten Sorte deutlich herankam. 

Sortenbild der Rijk Zwaan GmbH

Rijk Zwaan nutzte die Lagerschau, die in ihren Räumlichkeiten stattfand, um den Landwirten die Möglichkeit zu bieten, sich über das Leistungs- und Qualitätspotential neuer und alter Sorten eingehend zu informieren. Die Sorten wurden zu zwei bis drei unterschiedlichen Pflanzterminen und in drei Pflanzdichten angebaut. Anhand der jetzt aus dem Lager genommenen Köpfe können die Kohlanbauer die Stärken der jeweiligen Sorten sehr gut einschätzen. 

Die Ernte der neuen Weißkohlsorte 30-736 RZ wurde mit der Pflanzdichte von 28 000 Pfl./ha, 33 000 Pfl./ha und 42 000 Pfl./ha sowie den Pflanzterminen 19. Juni und 7. Mai 2018 vorgestellt. Der großfallende Kohl kam mit noch grüner Farbe aus dem Lager und bewies beste Qualität für die Salat- und Rouladenindustrie. Aber die unterschiedlichen Pflanzdichten zeigten auch, dass der Kohl - bei entsprechender Anbaustrategie – auch für andere Absatzwege Leistung bringen kann. Rijk Zwaan hatte diese Sorte im letzten Jahr zum ersten Mal von einem Praktiker aus der Region anbauen lassen. Die deutlich größeren Köpfe lassen die Vermutung zu, dass von dieser Sorte in der Praxis noch mehr herausgeholt werden kann. 

Praxis holt deutlich mehr raus

Die Weißkohlsorte `Axioma´ ist seit 2018 in der Praxis. Cord Hardler, Rijk Zwaan GmbH, berichtete, dass dieser Allround-Kohl, der sich für den Frischmarkt aber auch für die Salatindustrie bestens eignet, von der Praxis gut angenommen wurde. Grund dafür sind die feine Blattschichtung, die gute Feldgesundheit und beste Lagerfähigkeit. 3,5 kg bis 1,5 kg Köpfe lassen sich mit dieser Sorte produzieren. Diese Vielseitigkeit wünschen sich die Dithmarscher Kohlanbauer, um möglichst viele Verkaufsschienen bedienen zu können. 

Mit der Weißkohlsorte `Congama´ versucht das Zuchtunternehmen auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren. Die Sorte hat ihre Stärken bei der Kopfgröße von 1,3 kg bis 3 kg, eignet sich gut für den Frischmarkt und ist überaus lagerfähig. `Congama´ kommt gut mit Stressbedingungen klar. So ist eine späte Pflanzung ohne Ertragseinbußen möglich und bietet dem Landwirt bei schlechten Wetterbedingungen im Frühjahr mehr Spielraum. 

Für neue Trends offen

„Wir müssen offen sein für neue Trends und ungewöhnliche Ideen, um Kohl für den Verbraucher attraktiver zu machen“, betonte Hardler. In Kanada werden kleine Weiß- und Rotkohlköpfe mit viel Umblatt den Verbrauchern sehr erfolgreich angeboten. Das Gemüse wirkt so frischer und hält diesen Eindruck auch länger als geputzte Köpfe, deren äußere Blätter bei längerer Lagerung in der LEH-Theke schnell vertrocknet aussehen. Auf der Lagerschau soll die so präsentierte Ware für die Landwirte als Anregung dienen, Neues auszuprobieren.

Josefine von Hollen


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