04.08.2016

Lorberg hat Zeit

… und verkauft wird sie natürlich auch, und zwar in Form von Sträuchern und Bäumen Im Herzen des Havellandes zuhause: Baumschule Lorberg

Ende Mai ist die Versandzeit so gut wie vorbei. Bleibt Zeit, auch einmal den Hof zu kehren, schließlich ist kaum etwas so sicher, wie dass nach der Saison eigentlich vor der Saison ist.
Foto: Jacobsen

Tulpenbäume und Eichen auf dem Zürcher Sechseläutenplatz, die schon so manche Bööggverbrennung überlebt haben; Kiefern auf dem Trainingsgelände der neuen Wirkungsstätte von Pep Guardiola sowie Heckenelemente mit bester Sicht auf den Berliner Reichstag und Robinien, die an der Waterkant helfen, dass die Elbphilharmonie nicht ins Wasser fällt – was sich wie das Notizbuch einer Treespotterin oder das Inhaltsverzeichnis eines Coffee Table Books liest, ist in Wahrheit nur ein minikleiner Ausschnitt aus der Vielzahl renommierter Projekte, bei denen Baumschule Lorberg die wohl markanteste Zutat, das lebende Grün, liefern durfte.

Es gibt eine Reihe von Gründen, wegen derer Baumschule Lorberg bei spektakulären Großprojekten so oft zum Zug kommt, erklärt Lorbergs Mann für die dringenden Fälle, Johannes Grothaus: „Einer der Hauptgründe ist natürlich die Qualität der Pflanzen. Dazu kommt dann noch unser Service und die Fachberatung, die viel weiter als nur bis zum Abschluss der Kaufverträge reichen.“ Termintreuheit, Verlässlichkeit und die kurzfristige Abwicklung auch von Großbestellungen seien weitere Trümpfe und dann gibt es da ja auch noch die Mitgliedschaft im Bund deutscher Baumschulen: „Die BdB-Qualität wird sowohl im In- als auch im Ausland hoch geschätzt.“

Darüber sollte aber auch nicht vergessen werden, dass Familie Lorberg natürlich auch auf jede Menge Erfahrung im grünen Bereich zurückblicken kann, die nicht zuletzt auch den heutigen Kunden zugutekommt: Bereits 1843 als Rosenbaumschule am Berliner Gesundbrunnen gegründet, ging in den Nachkriegswirren der deutschen Teilung zwar zumindest aus materieller Sicht vieles verloren; in Westberlin neugegründet, wurde es in Berlin Lichtenrade zu Zeiten des Kalten Krieges aufgrund der räumlich limitierten Verhältnisse dann auch wieder schnell zu eng; die Lösung aber nahte, wie bisher immer in der Firmengeschichte, nur dieses Mal zwei Grenzen weiter: fortan wurde ein Großteil der Ware in Niedersachsen produziert und über die berühmte Transitstrecke nach Berlin transportiert.

Anfang der 90er Jahre dann die historische Chance, alles wieder an einen Fleck zu bekommen: nach einem ausgiebigem Studium der Bodenkarten auf der Suche nach den besten Böden wurde Familie Lorberg im Berliner Westen unweit von Potsdam fündig. Die sandigen Böden sorgen für wüchsige, gesunde und robuste Pflanzen. Temperaturen zwischen minus und plus 30°C in Kombination mit dem niederschlagsarmen und winterkalten Klima erlauben die Einlösung des Versprechens, Gehölze zu liefern, die sowohl Trockenperioden als auch Frostwetterlagen bestens vertragen.

Der Standort Tremmen bot zudem auch Platz genug für zukünftige Pläne. Und der wurde auch bald auch nötig; und das nicht nur, weil eine Baumschule, die mit der Anzucht zweimal verpflanzter Ware beginnt und bei achtmal verpflanzt noch lange nicht die Reißleine zieht, naturgemäß stets mehr Platz braucht, sondern auch, weil für Helmut Kohls blühende Landschaften deutlicher Nachholbedarf bestand. Und auch heute gibt es mit Blick gen Osten mehr als nur so manches Pflanzloch, indem Bäume und Sträucher aus Tremmen ein Zuhause finden.

Dabei sind es dann nicht nur die sagenhaft reichen Russen, die sich mal einen deutschen Baum gönnen wollen, sondern auch jede Menge Kommunen und Gemeinden, die es ein bisschen hübscher haben wollen. Und da vergisst man dann in der Draufsicht aus Deutschland dann schnell, dass es in Russland allein 164 Städte mit mehr als 100 000 Einwohner gibt und ein gutes Dutzend Metropolen die Millionenmarke geknackt haben.

Transportkosten werden schnell zum springenden Punkt bei Großgehölzen und übertreffen gar nicht so selten den Produktpreis. Dementsprechend gilt auch bei Baumschulen der alte Maklerdreiklang „Lage, Lage, Lage“. So gesehen liegt Tremmen dann äußerst Mitten in Europa. Wahrscheinlich nicht mehr zu übertreffen ist die Anekdote über einen Kunden aus der Ukraine, der mit gar nicht so außergewöhnlichen Transportproblemen konfrontiert eine unkonventionelle Lösung fand: Da der 15 m hohe Baum einfach zu groß war für den Transport auf der Straße, dachte er sich: für was gibt es denn eigentlich Transportflugzeuge?

Um den Galabauern vor Ort entgegen zu kommen, wurde 2003 in Kleinziethen unweit des Schönefelder Flughafens eine Art Umschlagplatz für Ware eingerichtet, gleichzeitig wurde und wird dort auch der Privatverkauf forciert. 2007 konnte in Baden-Baden zudem eine alteingesessene Baumschule übernommen werden, die seit jeher ebenfalls auf Bäume im XXL-Format setzte und nun erleichterten Zugang zum im Vergleich zum Nordosten Deutschlands wirtschaftskräftigeren Südwesten bietet.

Dies erklärt dann auch, warum ab und an auch einmal Radlader mit angebauter Rodetechnik für Ballendurchmesser von bis zu 220 cm auf dem Tieflader zwischen Tremmen und Baden-Baden pendeln. Den ganzen Maschinenpark zu spiegeln, ist bisher noch nicht gelungen, auch wenn der Mechanisierungsgrad eigentlich keine Wünsche offen lässt. Zwei Handvoll Optimalroder für Ballengrößen von 65 cm bis 220 cm und mehr als 100 im Einsatz befindliche Schlepper sprechen eine deutliche Sprache und erklären auch, wie es kommen kann, dass Baumschule Lorberg während der Saison schon einmal jede Woche 30 000 l Diesel nachtanken muss.

Zugekauft wird von so gut wie überall. Probleme bereiten im Einkauf zuweilen die nicht immer zu 100 % identischen Pflanzenschutzregularien in den Herkunftsländern. Mit Kokosballierung, Pot in pot und Air-Pot® gelingt es, die Vermarktungssaison maximal auszudehnen. Jeder dritte Baum geht in den Export. Der größte Auftrag der Firmengeschichte bisher war die Restaurierung des Sommergartens in Sankt Petersburg. 13 000 Heckenelemente, 178 Torbögen - aneinander gereiht vier Kilometer Grün - wurden im Hinterhof von Zar Peter I. gepflanzt. Mit Sicherheit auch kein kleiner Auftrag waren die 800 Bäume, die sich unlängst Richtung Ankara auf den Weg machten.

Die Vorarbeit, die es möglich macht, solche Aufträge annehmen und abarbeiten zu können, liegt zumeist Jahre zurück. Es wird viel diskutiert und auch die Verkaufsstatistiken spielen eine Rolle und nicht zuletzt fließen auch die Erkenntnisse aus Gesprächen mit Gartenarchitekten, Landschaftsplanern und Gartenamtsleitern bei der Entscheidung mit ein, was auf- und was verschult werden soll. Nicht zuletzt sind dann ja auch noch die Geschmäcker verschieden: Russland, Asien, Europa, Übersee, Städte, Kommunen, Galabaubetriebe, Landschaftsarchitekten, Investoren und nicht zuletzt auch Privatkunden - jeder soll genau das bekommen können, was er oder sie gerne haben möchte.

Es ist dann wahrscheinlich eine gute Portion Weitblick, die den geschäftsführenden Inhaber Stefan Heinrich Lorberg besonders auszeichnet. Auch wenn er vielleicht ein bisschen mit dem „wir haben ja eigentlich nie geplant, so groß zu werden“ kokettiert, ist die betriebliche Entwicklung der letzten Jahre mit Sicherheit nicht dem Zufall geschuldet, sondern neben zwei dunkelgrünen Daumen einer nahezu visionären Gabe geschuldet, heute entscheiden zu können, was in Jahren vielleicht einmal gefragt ist.

„Ein Risiko, das nicht unbedingt jeder gerne auf sich nehmen mag.“ Grothaus erläutert am Beispiel: „Da schulen wir 1 000 Stück von irgendetwas auf, die sind dann vielleicht in drei Jahren verkaufsfertig und dann kommt wie aus dem Nichts der Gekreuzte Schnabelspinner oder irgendein anderer Schädling, der sich nun ausgerechnet auch genau auf diese eine Sorte spezialisiert hat - und schon war´s das.“

Für die Oldies unter den Lorbergschätzen wird derzeit ein Rundweg auf dem leicht anhöhigen Baumpark planiert. Von dort hat man nicht nur einen sehr eindrucksvollen Überblick über einen Teil der Produktionsflächen, dort können auch all diejenigen Bauherren, die bei den Exemplaren aus den Anzuchtbeeten „aber ich wollte doch einen richtigen Baum“ denken, fündig werden.

Auch wenn das dann preislich natürlich schnell in andere Ligen vorstößt. Grothaus erinnert sich mit Schmunzeln an einen Auftraggeber, der in Begleitung seines Planers seine Bäume selbst ausbinden wollte und der mit der vor Ort gewonnenen Erkenntnis, dass es die Bäume, anders als der Planer das vorgesehen hatte, auch eine Nummer größer gibt, aus einem 15 000 € Auftrag einen 90 000 € Auftrag machte.

Grothaus erklärt den Preissprung: „Es kostet nicht nur Zeit, die Bäume groß werden zu lassen, die Bäume müssen nun einmal auch bewässert, gestutzt, umgepflanzt und gedüngt werden.“ Kein Wunder, ist Baumschule Lorberg der größte Arbeitgeber in der Region: Rund 150 Mitarbeiter werden in Spitzenzeiten von mehr als 70 Saisonarbeitskräften unterstützt. Und auch im Baumschulbereich machten sich die Einführung des Mindestlohns nicht nur an der Lohnsumme, sondern vor allem an der vergleichsweise unflexiblen Handhabung der Arbeitszeiten bemerkbar.

Mit dem nötigen Kleingeld ist dann aber auch den gestiegenen Stundenlöhnen zum Trotz so gut wie alles möglich: der Zoo von Göteborg wollte einen pflanzbaren Hasen – kein Problem: ein paar Jahre warten, fertig ist der Hase. Ein anderer Planer wollte gerne eine Koniferenwelle pflanzen, die gerade bricht. Täuschend echt, wartet diese in Tremmen auf ihren Abtransport - den passenden Schiffsbug gibt es als Formgehölze daneben ebenfalls zu bewundern.

Fertig pflanzbare Heckenelemente als Sichtschutz, die es heutzutage von verschiedenen Anbietern gibt, wurden in großem Stil erstmals in Tremmen angezogen. Torbögen als Quercus, Sorbus, Tilia, Betula oder Taxus in unterschiedlichen Größen und Variationen sind ebenfalls eine Tremmener Erfindung, genauso wie deren Verwendung als lebende Pavillons. Der Waldbaum, der nicht aus dem Wald, sondern aus der Baumschule kommt, ist ebenfalls Stefan Heinrich Lorbergs Gespür für Produktneuentwicklungen zu verdanken.

Die derzeit wohl meistdiskutiertesten Bäume Lorbergs sind die 60 Kiefern, die hinter dem Berliner Neubau der Bundesnachrichtendienstzentrale gepflanzt wurden. Bei Baukosten in Höhe von wahrscheinlich weit über einer Milliarde Euro machen zum einen die 60 Bäume das Kraut nicht fett, zum anderen sollte wohl besser die Sinnhaftigkeit des Umzuges überhaupt diskutiert werden.

Will man Grün nur temporär oder einmal zum Anprobieren, kann man bei der Lorbergtochter Rent a tree fündig werden. Dank der geographischen Nähe der Baumschule zu den Filmemachern in Babelsberg hat wohl jeder und jedes schon einmal einen Baum von Lorberg auf der Leinwand oder Mattscheibe gesehen. Und seit die Messebauer Ficus und Buxus satt zu haben begannen, ist auch dieser Unternehmenszweig klar auf Wachstumskurs.

Rund 850 ha werden derzeit von der Baumschule Lorberg bewirtschaftet. Würde man die Bestandesliste mit dem Katalogpreis multiplizieren, käme dabei ein Sümmchen im neunstelligen Bereich heraus. Und selbst wenn Investitionen in Holz gerade in Osteuropa in letzter Zeit etwas ins Gerede gekommen sind, scheint Familie Lorberg doch deutlich auf dem richtigen Weg zu sein.

Tim Jacobsen


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