06.06.2016

Macht was draus!

Klappern gehört zum grünen Handwerk

Tim Jacobsen

Stille Wasser sollen angeblich tief sein: Sich rar zu machen, um dadurch interessant zu wirken, mag vor ein, zwei Generationen noch das Geheimrezept für eine erfolgreiche Balz gewesen sein. Heutzutage geht diese Rechnung allerdings nicht mehr auf, zu vielfältig sind die Alternativen - dies gilt für die Liebe genauso wie für Sportgroßereignisse im Buhlen um Aufmerksamkeit oder Berufssparten im Kampf um den Nachwuchs.

So gesehen hat der Produktionsgartenbau dann so einiges gemein mit einer Hochseeregatta. Bis vor wenigen Jahren waren Segelrennen das Meeresäquivalent der 50 km Rennen der Skilangläufer zu Zeiten des Kalten Krieges. Die Wettkämpfe wurden jeweils am Ende einer Sackgasse gestartet, danach verschwanden Läufer und Crews in einem Wald oder hinter dem Horizont, um entweder am selben Punkt oder an einem anderen Sackgassenende in Reihenfolge ihrer Platzierung wieder zum Vorschein zu kommen.

Mittlerweile wurden im Skilanglauf die großen Wälder abgeschafft, die medaillenträchtigen Wettbewerbe ähneln heutzutage Trabrennen mit integriertem Auf und Ab. Neuartige Formate wie die Mixed-Staffelwettbewerbe oder die Kombination verschiedener Lauftechniken haben dazu beigetragen, Skilanglauf gegen äußerst starke Konkurrenz im Hauptprogramm zu halten.

Nicht ihren Stellenwert halten, sondern mediale Aufmerksamkeit überhaupt erst gewinnen, mussten die Haudegen der Weltmeere: Vor wenigen Jahren zeigten noch nicht einmal Exotensender in Programmnot Austragungen des America´s Cups. Die Verlegung der Austragungsorte in die Buchten von Auckland, Valencia und San Francisco sorgte dann für Publikum ohne Ende, die Einführung fliegender Katamarane für Spektakel satt und Liveschalten zur besten Sendezeit.

Beim Volvo Ocean Race – der zweitwichtigsten Rennserie auf hoher See - ist eine Verlegung des Veranstaltungsortes nicht möglich, nicht zuletzt lässt sich eine Regatta rund um den Globus nun einmal nicht in einem etwas größeren Hafenbecken durchführen. Auch kämen die Zweirümpfer schnell an ihr Ende, könnte man nicht bei Starkwind die Segel, die in Wirklichkeit vertikal montierte Flügel sind, einfach abmontieren und sicher an Land verstauen; nicht zuletzt gibt es im Südpolarmeer nun einmal keine Versteckmöglichkeiten.

Den Organisatoren des Volvo Ocean Races blieb also nur, das ursprüngliche Format beizubehalten und sich darauf zu konzentrieren, was dieses Rennen so einzigartig macht - um danach dann einmal zu überlegen, wie sich die Jungen und Junggebliebenen denn überhaupt erreichen lassen. Radio, Fernsehen, Zeitung? Kommunikationschef Jon Bramley winkt ab: „Junge Leute sind da kaum noch unterwegs.“

Mit Facebook, YouTube und Twitter dagegen lässt sich nicht nur die Zielgruppe tatsächlich erreichen, der finanzielle Einsatz hält sich auch im Rahmen, solange der Inhalt stimmt – und der ist im Falle des Volvo Ocean Race schnell erzählt, wie Bramley am Rand der `boot´ in Düsseldorf betont: „Es geht um Mut, es geht um Leidenschaft, es geht um Stolz - es geht um Menschen, die bereit sind, ein kleines bisschen mehr zu wagen.“

Den Rennverlauf des vorletzten Volvo Ocean Race verfolgten weltweit 1,6 Mrd. Zuschauer. Das lag mit Sicherheit nicht nur an den bis zu 16 m hohen Wellen, denen die knapp 22 m langen Plastikschüsseln ausgesetzt waren, oder den Spitzengeschwindigkeiten von über 80 km/h, die erreicht wurden. Es lag mit Sicherheit auch nicht nur daran, dass Text, Bild, Ton und Video in einer Form aufbereitet wurden, die die Arbeit der Kollegen in den großen Agenturen beträchtlich erleichterte.

Es war auch nicht nur der bis zum Ende der letzten Etappe unklare Rennausgang oder Katastrophen wie der Mastbruch der AbuDhabi und die Pechserie der Sanyia - es waren vor allem die Kommunikationsprofis an Bord der einzelnen Schiffe, die den Zuschauerinnen und Zuschauern diese ihnen doch recht fremde Welt erschlossen und die maßgeblichen Anteil daran haben, dass das Hochseesegeln in Imageanalysen mittlerweile Formel 1 und Tour de France hinter sich lässt.

Es war unser westliches Nachbarland, das dem Publikumsmagneten Kom in de Kas Anfang April dieses Jahres das Motto „Gartenbau ist Hochleistungssport“ umhängte. Ein Mantel, der auch den deutschen Gärtnern gut steht. Konsequent kommuniziert, sollten sich damit die drängendsten Probleme beinahe wie von selbst lösen lassen. Schließlich herrscht im Gartenbau an Mut, Leidenschaft, Stolz und Menschen, die bereit sind, ein kleines bisschen mehr zu wagen, kein Mangel.

Seien Sie vergewissert, dass wir wissen, wovon wir reden: schließlich stehen Sie seit mittlerweile 103 Jahren im Mittelpunkt unserer Berichterstattung.

Zitat: Es geht um Mut, es geht um Leidenschaft, es geht um Stolz - es geht um Menschen, die bereit sind, ein kleines bisschen mehr zu wagen.

Tim Jacobsen