13.03.2018

Mechanische Unkrautregulierung - Entwicklungen bei neuer und alter Technik

Die mechanische Unkrautregulierung im Gemüsebau hat viele verschiedene Einflüsse, die den Erfolg in der Kultur beeinflussen. Neben dem richtigen Zeitpunkt, der passenden Vorbereitung und der entsprechenden Kontinuität, mit der man an diesem Thema dran bleiben muss, hat die eingesetzte Technik auch ihren Platz. Natürlich kann man durch die Technik die Erfahrung und das gärtnerische Geschick nicht ersetzen. Dieser Artikel möchte einen Überblick über mehr oder weniger neuere Entwicklungen in der Hacktechnik vorstellen.

Flachhäufler hinter Gänsefußschare schieben den feinkrümeligen Oberboden in die Kulturreihe und verschütten hier keimendes Unkraut. Durch Variation in Länge und Höhe der Häufler kann die bewegte Erdmenge und damit der Verschüttungsgrad variiert werden

 

Wie sagte mir letztens ein Betriebsleiter: "Ich kenne Betriebe, die mit dem letzten Schrott wirtschaften, die aber ihr Unkrautmanagement im Griff haben, und genauso kenne ich Betriebe, die die neueste Technik auf dem Hof stehen haben, wo man die Kulturpflanze aber zwischen dem Unkraut suchen muss." Im Endeffekt bestätigt diese Aussage, dass der entscheidende Aspekt in der mechanischen Unkrautregulierung nicht die Technik ist, sondern der richtige Zeitpunkt und die passende Vorbereitung der Fläche. Hat man diese Aspekte aber im Griff und weiß, wie man mit seinen Flächen umzugehen hat, dann kann der Einsatz von entsprechender Technik Einiges erleichtern.

Wer mechanische Unkrautregulierung mit Erfolg einsetzt, weiß, dass er um Handarbeit auf der Fläche nicht herum kommt. Im besten Fall sind es nur die schnellen Durchgänge, in denen einzelne Meldebäume noch aus der schon fast fertigen Kultur gezogen werden, damit sich das Samenpotenzial im Boden nicht erhöht. Im schlechten Fall kann die Handarbeit aber auch schnell mehrere hundert Stunden pro Hektar betragen. Damit das nicht häufig der Fall ist, kann die entsprechende Technik hier helfen, die Handarbeit auf ein Minimum zu reduzieren.

Das A und O für ein erfolgreiches mechanisches Unkrautmanagement ist die Flächenvorbereitung. Je feinkrümeliger und nivellierter der Oberboden ist, umso besser kann man diesen hin und her schieben. Denn die Hauptbekämpfung findet durch Verschüttung und Offenlegung der Unkräuter und nicht durch Abschneiden statt.

Einfache Technik in Säkulturen

Die Torsionshacke, welche aus zwei Federstäben besteht, die links und rechts der Reihe laufen, hat über die Zeit verschiedenste Verbesserungen erhalten. Durch unterschiedliche Ausführungen der Federstäbe sowie ausgeklügelte Aufhängungen ist die Einstellung dieser deutlich besser geworden. Verschiedenste Aufhängsysteme lassen es zu, dass man den Winkel der Federstahlstäbe einstellen kann - somit ist die Aggressivität des Hackvorgangs deutlich feiner justierbar. Die Torsionshacke ist optimal bei gesäten Reihenkulturen, bei denen man die Federstäbe sehr eng an die Säreihen heranführen kann. Durch die Möglichkeit des individuellen Einstellens kann diese Hacke auch gut in engen Reihenabständen eingesetzt werden.

Für Kenner von aktuellen Hacktechniken ein alter Hut, aber die Fingerhacke von "K.U.L.T." gibt es inzwischen in vielen verschiedenen Scheiben-Durchmessern (25-95 cm) mit verschiedenen Farben, die jeweils eine andere Festigkeit der Finger darstellen. Die orangen weichen Sterne, mit denen man gut auf Sandböden und in empfindlichen Kulturen arbeiten kann, und die roten harten, die in Kombination mit einer Scharhacke auf lehmigen Böden gut arbeiten. Durch die unterschiedlichen Scheibendurchmesser können Reihenabstände ab 25 cm bearbeitet werden. Auch bei den großen Reihenabständen von Dauerkulturen gibt es entsprechende Scheiben. In Dauerkulturen an Schmalspurschlepper gehängt und in Acker- und Gemüsekulturen verwendbar mit allen gängigen Hacksystemen läuft jeweils eine Scheibe links und rechts der Reihe. So können in den überfahrbaren Kulturen die Finger der Scheiben in der Reihe ineinander greifen und so das Unkraut in der Kulturreihe entfernen. Ihr Einsatz ist in so gut wie allen Pflanzkulturen möglich, allerdings müssen diese gut angewachsen sein. Die schnell rotierenden Finger reißen sonst alle Pflanzen aus. Auch robustere Säkulturen wie Buschbohne, Mais oder Sonnenblume sind gut mit den Fingern sauber zu halten.

Kombination bringt den Erfolg

In Kombination mit der Scharhacke sind Flachhäuflerelemente eine gute Möglichkeit, die gelockerte Erde in die Reihe zu schieben. Hier begräbt sie dann das junge Unkraut und hindert es am Weiterwachsen. Im nächsten Hackgang kann dann durch Einsatz der oben beschriebenen Fingerhacke diese Erde wieder aus der Reihe entfernt werden. Das regelmäßige Bewegen der Erde in der Reihe verhindert das Einwachsen der Unkrautkultur in dieser und minimiert somit die Handarbeit. Es gibt verschiedenste Anbieter von Flachhäuflern, welche dann unterschiedlich an die Elemente der Scharhacke angebaut werden. Mit ein wenig Geschick und einem Schweißgerat können aus zwei Flacheisen, welche an der Spitze zusammen gefügt werden, schnell Flachhäufler entstehen. Diese - in der richtigen Höhe an das System installiert - erfüllen ihre Aufgabe genauso gut. Je feinkrümeliger und steinarmer der bearbeitete Boden ist, umso besser lässt sich der Boden in die Reihe häufeln. Auch durch ein Anpassen des Winkels und der Länge der Flachhäufler kann der Effekt noch verbessert werden.

Teure Kameratechnik im Einsatz

Wer die Handhacke in der Reihe deutlich reduzieren möchte, muss sich im Bereich der In-Row-Maschinen umsehen. Hier gibt es verschiedene Anbieter, die mit unterschiedlichsten Systemen auf dem Markt sind. Das Prinzip der In-Row-Maschinen ist immer gleich: Durch Kameratechnik werden die Reihen und die Pflanzstellen abgetastet und die entsprechenden Arbeitsgeräte dann in die Reihe und um die Kulturpflanze herum gelenkt. Anfällig sind diese Systeme bei zu großem Unkraut, da sie dieses nicht mehr von den Kulturpflanzen unterscheiden können und ihm ebenfalls ausweichen. Wer In-Row-Systeme im Einsatz hat, hat auch GPS-Systeme im Einsatz, sodass Hacken in den Abend- bzw. Nachtstunden ebenfalls möglich ist. Der Robocrop (Garford) wird im Frontanbau gefahren und tastet mit einer Kamera bis zu vier Reihen gleichzeitig ab. Sein hydraulischer Antrieb dreht die unrunden Metallscheiben in die Reihe und wieder heraus.

Wenn man bei dieser Technik von Standard sprechen kann, dann wohl am ehesten bei den nächsten beiden Geräten von Poulsen (Robovator) und Ferrari (Remoweed). Hier werden mit jeweils einer Kamera pro Reihe die Pflanzstellen erkannt und die sich scherenartig öffnenden zwei Hackmesser in der Reihe gesteuert. Beide im Heck geführten Geräte werden hydraulisch angetrieben und werden einmal mit Verdunkelung um die Kamerasysteme und einmal ohne angeboten.

Als weiterer Anbieter in diesem Segment hat Steketee den "IC Weeder", welcher pneumatisch angetrieben wird, im Sortiment. Dieser ist komplett in einem Kasten verbaut, welcher die äußeren Lichteinflüsse auf das Kamerasystem deutlich reduziert. Durch das pneumatische Öffnen und Schließen der zwei Hackmesser in jeder Reihe ist es dem System möglich, einen Luftstrahl zur Verfügung zu stellen, welcher nach erfolgtem Hacken die Pflanzen von Erdkrümeln frei bläst. Damit diese Geräte gut arbeiten und möglichst eng um die Kulturpflanze herum arbeiten sind langsame Fahrgeschwindigkeiten und ebenfalls feinkrümelige Bodenstrukturen unbedingt von Nöten.

Aussaat im Quadrat

Eine weitere Möglichkeit, den Handhackaufwand zu minimieren, kann bei Kürbis die Saat in Quadrat- oder Rautenform sein. Durch die spezielle GPS-gestützte Aussaat können nicht nur alle Reihen genau parallel zueinander angelegt werden, sondern auch jede Pflanze kann exakt auf der gleichen Höhe wie die in den Nachbarreihen abgelegt werden. Durch diese spezielle Aussaat stehen die Pflanzen im Quadrat und es ist möglich, nicht nur in der Reihe zu hacken, sondern auch quer zur Reihe. Je nach Schlagstruktur kann es sinnvoll sein, nicht ein Quadrat, sondern eine Raute anzulegen, da so die Fahrstrecken verlängert und ein zu häufiges Wenden minimiert werden kann. Hiermit ist es möglich, die Kürbispflanze mit "normaler" Hacktechnik von allen vier Seiten zu bearbeiten. Der Nachteil dieses Systems ist das geringe Angebot an Lohnunternehmern, die die entsprechende Technik besitzen, um das Saatgut in diesen exakten Formen abzulegen. Die häufig langen Anfahrtswege der zumeist niederländischen Lohnunternehmer erzeugen eine schwierige Planung, da gerade zur Aussaat des Kürbis´ im April die Wetterlage alles andere als stabil ist. Aus diesem Grund wird das Verfahren in Deutschland noch kaum angewendet.

Tim Große Lengerich, Ökoteam LWK NRW

 


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