09.10.2017

Mit Vielfalt punkten

Tag der offenen Tür bei Stauden Becker, Dinslaken

Kordula und Martin Becker leiten die Staudengärtnerei gemeinsam

„Wir sind Vielfalt!“ ist das Motto der Staudengärtnerei Becker in Dinslaken. Bei gut 2 000 verschiedenen Sorten im Katalog ist das sicherlich nicht übertrieben. Martin und Kordula Becker führen ihren Betrieb jetzt seit 26 Jahren und laden stets im September zum Tag der offenen Tür ein.

„So schlechtes Wetter hatten wir an unserem Tag der offenen Tür noch nie“, musste Martin Becker am Samstag, den 9. September 2017, noch die verhaltene Besucherresonanz beklagen, während am Sonntag Wetter und Andrang deutlich besser waren. Als die Staudengärtnerei im Jahr 2009 aus dem einstigen Pachtbetrieb im Dinslakener Norden auf die 2008 gekauften und erbauten Eigentumsflächen an der Försterstraße im Dinslakener Süden umgezogen war, wurden die Tage der offenen Tür eingeführt. Denn vor allem Privatkunden, für die im vorderen Bereich des Geländes Verkaufstische eingerichtet sind, wollten gern ihre Pflanzen auf den Produktionsflächen direkt aussuchen. Dazu haben sie seither einmal im Jahr die Gelegenheit.

Interessierte Fragen bei den Rundgängen

Bei Rundgängen, die mehrmals am Tag der offenen Tür angeboten werden, erläutert Gärtnermeister Martin Becker den Verbrauchern den Weg von der Mutterpflanze zur verkaufsfertigen Staude. Deshalb führt er die Gruppe zunächst in das 5 000 m² große Mutterpflanzenquartier. Gut 60 % des Sortiments werden selbst herangezogen, vor allem Arten, die im Winter, wenn dafür Zeit ist, vermehrt werden können. Im Mai/Juni werden die Mutterpflanzen gesetzt, um dann eineinhalb Jahre später im Winter gerodet zu werden. Im ersten Jahr werden die Stauden mit einer Mischung aus Oscorna und Hornspänen gedüngt, im zweiten Jahr wird dann mineralisch nachgedüngt. Um Jätearbeiten auf ein Minimum von vier Durchgängen pro Jahr zu reduzieren, wird mit Universalmulch, einer Holzfaser, abgemulcht. Dank der eigenen Vermehrung ist die Sortenechtheit stets nachprüfbar und die Auszubildenden haben im Mutterpflanzenquartier die Gelegenheit, die Pflanzen im „ausgewachsenen“ Zustand zu sehen und kennen zu lernen.

Weiter geht der Rundgang in das 2 400 m² große Foliengewächshaus, das im vorderen Bereich eine Arbeitshalle hat. Hier stehen zwei Auszubildende, die gerade mit Geranium beschäftigt sind. Der eine schneidet aus den gerodeten Pflanzen die Stecklinge und der andere steckt sie in Multizellplatten. Die Besucher staunen, dass es für deren Befüllung mit Erde eine eigene Maschine gibt – allerdings erst seit diesem Jahr. Als Stecksubstrat dient ein so genanntes Bio-Traysubstrat; wo es geht, werden im Betrieb nachhaltige Betriebsmittel eingesetzt. In Zusammenarbeit mit den Herstellern, wie hier beim Substrat, werden die Rezepturen erprobt und weiter verfeinert. Die fertig gesteckten Platten werden mit Etikett versehen und im beheizbaren Gewächshaus auf Rolltischen und auf Stellflächen ausgestellt. Durch Aussaat zu vermehrende Arten werden als Jungpflanzen zugekauft, nur für die Auszubildenden wird in kleinem Stil ausgesät.

Auch an der Topfmaschine sind die Laien beeindruckt, dass solche - in ihren Augen monotone - Arbeit den ganzen Tag lang geleistet werden kann. „An einigen Tagen haben die Jungs hier richtig viel Spaß“, entgegnet Betriebsleiter Martin Becker, der in diesem Jahr in wetterfeste Radios investiert hat. Die Topfmaschine arbeitet mit Düngerzudosierer, der je nach Staudenart verschiedene Osmocote-Sorten direkt im Topf mit ablegt. 90 % der Pflanzen werden in 9er-Vierecktöpfe getopft. Die alte Topfmaschine ist für 13er-Rundtöpfe eingestellt. Die Topferde enthält nur 50 % Torf, der Rest sind Holzfaser, Kompost und weitere Zuschlagstoffe.

Wertschätzung durch Aufklärung

Selbstverständlich erläutert der Betriebsleiter den Besuchern auch Pflanzenschutzmaßnahmen: in Zusammenarbeit mit einem Berater der Landwirtschaftskammer werden die Kulturen ständig überwacht und bei Bedarf nur gezielt die Befallsherde behandelt. Dabei kommen keine bienengefährdenden Mittel zum Einsatz. Nicht zuletzt, weil der Betrieb ein eigenes Bienenvolk hat, das von einem Imker betreut wird und dessen Honig in der Gärtnerei erhältlich ist. Bereits im dritten Jahr werden in den Kulturen alle 14 Tage Pflanzenstärkungsmittel nach dem System Bongartz ausgebracht, was zu vitaleren, robusteren Pflanzen führt und somit den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel senkt.

Aufgrund des bunten Sortimentes mit über 2 000 Sorten in jeweils verhältnismäßig kleinen Stückzahlen lässt sich in diesem Betrieb vieles nicht automatisieren. Hier ist Handarbeit gefragt, ob es beim Roden der Mutterpflanzen, beim Stecken oder beim Topfen ist. Diese handwerkliche Arbeitsweise beeindruckte die Laien unter den Besuchern des Tages der offenen Tür. Sie haben mit Sicherheit bei dieser Gelegenheit mehr Wertschätzung für gärtnerisch produzierte Pflanzen bekommen.

Unbedingt sehenswert ist das Video, das die Auszubildenden des Betriebes Dennis Bosch und Tim Becker mit Gehilfe Sven Neu gemeinsam gedreht haben. Ursprünglich für einen Wettbewerb gedacht, zeigt es in cooler Weise, was den Beruf des Staudengärtners ausmacht. Das Video nahm Kordula Becker mit zu einer Versammlung des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS), die davon so begeistert waren, dass es nun offiziell für den Beruf wirbt. Der Kameramann und die beiden „Jungschauspieler“ wurden dafür vom BdS mit einer Reise zur IGA nach Berlin belohnt. Video nicht verpassen unter: www.bund-deutscher-staudengaertner.de

Sabine Aldenhoff

 


Industrie-News



Informatives



Ausgabe 12/2017

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

Service

Quicklinks