03.09.2015

Modernste Paprikaproduktion

Auffallend war der überaus reiche Fruchtansatz der Paprikapflanzen

Gärtnersiedlung Beuren nahe dem Bodensee

Die Insel Reichenau im Bodensee ist wohl allen Gemüsegärtnern in ganz Europa bekannt. Diesen Bekanntheitsgrad hat sie nicht nur durch ihre wunderschöne Lage mitten im See erlangt, sondern auch wegen der zahlreichen Gartenbaubetriebe, die überwiegend Gemüse in besten Qualitäten produzieren.

An dieser Situation auf der Insel Reichenau hat sich in den letzten Jahren etwas verändert. Offensichtlich gab und gibt es Betriebe, die sich an ihrem heimatlichen Standort ausdehnen möchten; dieser Wunsch ließ sich aber wegen fehlender Flächen nicht verwirklichen. So kamen fünf Unternehmer auf die Idee, sich an einen günstigen Platz außerhalb der Insel Reichenau neu anzusiedeln und dort gemeinsam eine Gemüsegärtnerei aufzubauen. Ein geeigneter Ort wurde im Rahmen einer Standortalternativprüfung durch ein Fachbüro ermittelt und so gemeinsam mit dem Aufbau einer Gärtnerei in Singen/Beuren 2011 begonnen. Erstellt wurde in dieser gemeinsamen Aktion ein Gewächshaus mit einer Fläche von 11,25 ha, das schon 2012 in Betrieb genommen werden konnte. Die Gewächshausfläche hat eine Länge von 450 m und eine Breite von 250 m. Hier produzieren die fünf Unternehmer gemeinsam unter dem Begriff "Reichenauer Gärtnersiedlung im Hegau" ausschließlich Paprika.

Ein Besuch in diesem neuen Betrieb war das Ziel des Arbeitskreises Junger Meister im Württembergischen Gärtnereiverband. Ende Juni begrüßte Tobias Jörg, einer der Inhaber, die Teilnehmer in der neuen Reichenauer Gärtnersiedlung. Er zeigte sich erfreut über den Besuch und informierte die Teilnehmer zunächst über das Unternehmen. Es wurde also gemeinsam von fünf Gärtnereiinhabern auf der Insel Reichenau erstellt, wobei außer ihm noch Clemens Blum, Matthias Keller, Matthias Rückert und Egino Wehrle am neuen Standort Mitinhaber sind. Jeder hat in dem Gewächshaus eine bestimmte Abteilung, wobei grundsätzlich die Produktion in enger Zusammenarbeit ausgeführt wird. Seit Beginn der Produktion werden in diesem neuen Unternehmen ausschließlich Paprika produziert. Damit eine sehr gute Produktion gewährleistet wird, wurde das Gewächshaus mit einem speziellen Sicherheitsglas abgedeckt und, um die Pflanzen und Früchte vor Sonnenbrand zu schützen, zusätzlich die ganze Dachfläche mit Farbe schattiert.

Die Produktionsdauer erstreckt sich alljährlich über einen Zeitraum von ca. elf Monaten und zwar von Anfang Januar bis November. Anschließend wird das Haus vollständig ausgeräumt, einschließlich der Substrate und umgehend wieder auf eine Neubepflanzung vorbereitet. Die Produktion erfolgt ausschließlich auf Kokossubstrat, wobei es sich um Jiffy-Produkte handelt, die aus Mirigama/Sri Lanka importiert werden. Nach der Vorbereitung der gesamten Gewächshausfläche in dieser Form erfolgt die Bepflanzung mit Paprika Anfang Januar im Verlauf von zwei Tagen. Die Jungpflanzen werden aus zwei Betrieben angeliefert, und zwar von Wilhelm Stader, Insel Reichenau, und von einem Unternehmen in Holland. Schwerpunktmäßig werden augenblicklich von den üblichen Paprikasorten zwei mit roten Früchten, zwei mit gelben und eine mit orangefarbenen Früchten produziert. Außerdem die Spitzpaprikasorte `Palermo´ und auch eine gelbfrüchtige Peperoni.

Die Paprikapflanzen werden nach dem Prinzip der integrierten Produktion kultiviert, um die Früchte mit einem äußerst geringen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu erzeugen. Im Vordergrund steht der Einsatz von Nützlingen, die von verschiedenen Lieferanten bezogen werden, u.a. von Katz Biotech AG, Baruth/Mark und Welzheim. Vor allem kommen Phytoseiulus-Raubmilben gegen Spinnmilben zum Einsatz.

Beschäftigt werden während der Saison etwa 60 Mitarbeiter, darunter 35 fest angestellte Fachkräfte. Von den rund 250 000 Paprikapflanzen werden seit 2012 jährlich ca. 3 Mio. kg Paprika geerntet und gemeinschaftlich über die EDEKA abgesetzt. So besteht die Sicherheit, dass die Früchte vom Erzeuger auf schnellstem Wege zum Verbraucher kommen und auf diese Weise eine Frischegarantie gegeben ist.

Rundgang durch die Kulturen

Beim Rundgang wurde zunächst erläutert, in welcher Form die Pflanzen nach der Anlieferung im Kokossubstrat ausgepflanzt werden. Die Kokossubstrate werden in zwei Schichten in gepresster Form in Kunststoffbeuteln angeliefert und vor dem Auspflanzen aufgelockert. Die Einzelpflanzen werden dreitriebig kultiviert und die Triebe an Spezialseilen nach oben geleitet. Zum Zeitpunkt der Besichtigung hatten die Pflanzen bereits eine Höhe von rund 2,50 m erreicht und waren dicht mit Früchten belegt.

Um die notwendigen Kulturarbeiten ausführen zu können, werden in den einzelnen Reihen batteriebetriebene Elektrofahrzeuge eingesetzt. Dasselbe gilt für die Ernte der Früchte, für die spezielle Erntewagen zum Einsatz kommen. Natürlich muss auch die Sortierung und Verpackung der Früchte weitgehend automatisiert werden. Zu diesem Zweck stehen entsprechende Großgeräte zur Verfügung. Eine Besonderheit ist die Verpackung und der Absatz der Spitzpaprika-Früchte, die zur Erhaltung ihrer Frische immer in zwei Exemplaren in einen Folienbeutel mit einem Gesamtgewicht von ca. 230 g verpackt und ausgeliefert werden.

Vorgestellt wurde auch eine speziell für diese hohen Kulturen entwickelte Pflanzenschutzspritze, mit der die Pflanzenschutzmaßnahmen bei einem notwendigen Einsatz sicher und erfolgreich ausgeführt werden können.

Eine besondere Bedeutung hat natürlich auch die optimale Bewässerung der Kulturen. Dazu wird das Regenwasser aufgefangen und auf diese Weise fast 80 % des Jahresbedarfs abgedeckt. Wiederum aufgefangen wird überschüssiges Gießwasser, das über Biofilter gereinigt und anschließend dem Wasserkreislauf innerhalb des Gewächshauses wieder zugeführt wird. Zusätzlich notwendiges Wasser kann in den Sommermonaten aus der nahe gelegenen Radolfszeller Aach bezogen werden. Zur Speicherung des Frischwassers stehen verschiedene Behälter mit einem Fassungsvermögen von 700 m³, kleinere mit 300 m³ zur Verfügung. Natürlich müssen die Kulturen auch mit den notwendigen Nährstoffen versorgt werden. Sie werden in flüssiger Form den Kulturen zugeführt. Dazu stehen Düngerbehälter mit einem Fassungsvermögen bis 10 000 l zur Verfügung. Die Energieversorgung erfolgt über zwei Kesselanlagen, die ausschließlich mit Biogas betrieben werden. Diese produzieren zusätzlich Bio-Strom für rund 3 500 bis 4 000 Haushalte. In diesem Zusammenhang muss noch darauf hingewiesen werden, dass zur Einsparung des Energieverbrauches die Gewächshäuser mit Stegdoppelplatten an den Stehwänden sowie zusätzlich mit zwei Energieschirmen ausgestattet sind. Auch eine Photovoltaik-Anlage ist auf der Verpackungshalle installiert.

Edgar Gugenhan


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