12.02.2015

Möhrenforum feiert runden Geburtstag

von Tim Jacobsen

Sein zehnjähriges Jubiläum konnte das gemeinsam vom Rheinischen Landwirtschafts-Verlag und der AMI organisierte Möhrenforum Mitte Januar in Bonn feiern. Knapp 100 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt - was an und für sich eigentlich auch gar nicht weiter verwunderlich ist: Schließlich gibt es zumindest für den Bereich Möhren keine andere Möglichkeit, innerhalb von 24 Stunden in ähnlich komprimierter Form aktuelle Entwicklungen präsentiert zu bekommen und diese gleichzeitig mit so gut wie allen Berufskollegen, die sich berufsmäßig um die Versorgung des deutschen Möhrenmarktes mit Rohware kümmern, diskutieren zu können.

Den Auftakt machte Holger Buck, Ökoring, der daran erinnerte, dass, selbst wenn Maßnahmen zum Bodenaufbau und zur –pflege durch nichts zu ersetzen sein werden, die Nährstoffaufnahme dennoch von Faktoren abhängt, die sich unserem Einfluss entziehen, weshalb die Blattanalyse ein Werkzeug ist, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte. Diese Steilvorlage nutzte dann Frank Uwihs, Agravis, der sein Nähkästchen öffnete, Erkenntnisse aus fünf Jahren Versuchswesen ausplauderte und mit dem Fazit schloss, dass eine nachhaltig ausgerichtete Bodenbearbeitung und Düngung durch Blattdüngung sinnvoll ergänzt werden kann.

Den Sprung vom Feld übers Lager hinein in die Genaktivität eines Tröpfchens Möhrensaft schaffte Dr. Theo Aanhane, NSure. Man muss wahrscheinlich nicht alle molekularen Details verstehen, um den von Aanhane vorgestellten Test regelgerecht anwenden und vom Blick hinter die Kulissen allen Lebens profitieren zu können.

Erschreckendes dann von Dr. Steffen Noleppa, agripol: Das drohende Zulassungsende von Pendimethalin. Die Zahlen, mit denen Noleppa den volkswirtschaftlichen Schaden eines Verzichts auf diesen Wirkstoff bezifferte, sollten allerdings dabei helfen, die Diskussion im Sinne des konventionellen Möhrenanbaus zu lenken. Düster auch, was Dr. Jochen Schneider, Bayer Crop Science, aufs Tapet brachte. Selbst wenn man geneigt ist, zu glauben, dass auch bisher doch eigentlich immer alles gut gegangen ist, scheinen dieses Mal die Bretter, die es zu bohren gilt, vergleichsweise dick.

Dass es jenseits von Anbautechnik noch so manch andere Brache gibt, zeigte Christine Erlach, Narrata. Selbst wenn wir denken, mit Zahlen und Fakten alles im Griff zu haben, sind es doch die Geschichten und Gefühle, die uns umtreiben. Mit pulsierend, warm, beteiligt und zuverlässig beschreibt sich Jan Groen, Green Organics, im Internet. Fast schien es, als hätten sich Erlach und Groen abgesprochen - zu gut entsprach Groen Erlachs Idealvorstellung von gelungener Unternehmenskommunikation.

Möglichkeiten, wenn auch ganz anderer Art, zeigte Bart Kuin, Bejo. Auch ausgebuffte Möhrenprofis werden dabei mit Sicherheit auf neue Ideen gekommen sein. Wie man diese umsetzen und in den Handel tragen kann, erläuterte Cees Verbree, Monsanto, am Beispiel orangefarbenen Paprikas.

Zum Abschluss dann der in dieser Veranstaltungsreihe obligatorische Blick in die Kristallkugel. Zwar gibt es Cornelia Sauer, Agroscope, zufolge nur wenige Studien, die eine Häufung biblischer Plagen angesichts des fortschreitenden Klimawandels belegen; keinesfalls bedeutet dies jedoch, dass wir nicht auf der Hut sein sollten. Helfen können uns dabei Maschinen, die in Zukunft nicht wie noch oft in der Vergangenheit über ein permanentes größer und stärker für Produktivitätssteigerung sorgen werden, sondern wie Georg Larscheid, John Deere, erläuterte, über deren Einsatzoptimierung und der weitergehenden Automatisierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse.

Last but not least dann Helmut Hübsch, GfK, der erst einmal Entwarnung gab was möglicherweise radikale Veränderungen im Frischwarenhandel angesichts von Erfolgsgeschichten wie Amazon gab, womit die Veranstaltung an ihr Ende kam und mit einem „Auf Wiedersehen in 2017“ schloss.