06.06.2016

Naturschutzberatung für rheinische Obstbauern

Für mehr Natur in der Kultur

Zeigen sich begeistert vom Projekt „Naturschutzberatung für rheinische Obstbauern“: Thomas Muchow, Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft; Dr. Andreas Mager, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau; Gastgeberin und Betriebsleiterin Annette Raadts; Dr. Svea Pacyna-Schürheck, Landgard eG; Friedhelm Decker, Vorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, sowie Kreislandwirt Josef Peters (v.l.n.r.)
Foto: Aldenhoff

Hummeln brummen durch die Blühstreifen, Rauchschwalben fliegen in der Scheune ein und aus, am Hofladen brütet ein Turmfalke, Hase und Kaninchen sind gern gesehen, selbst so genanntes Unkraut darf (stellenweise) sprießen. Nein, wir sind nicht im Paradies, sondern auf dem Obsthof Raadts in Kalkar am Niederrhein. Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft hatte Anfang Mai zu einem Pressegespräch auf den Betrieb eingeladen, um ihr Projekt „Naturschutzberatung für rheinische Obstbauern“ vorzustellen. Die Vertreter der Lokalpresse zeigten sich sehr interessiert und aufgeschlossen für diese gute Botschaft.

Annette Raadts, die den Betrieb im Jahr 1998 von ihren Eltern übernahm, findet blühende Wegränder mit ihrer Insektenvielfalt schön und liebt Vögel. Deshalb hat sie schon vor Jahren begonnen, den Tieren innerhalb ihres Obstbaubetriebes Plätze einzuräumen. Sie hängte Nistkästen auf und mähte in ihren Plantagen nicht mehr ganz so akkurat, sodass stellenweise Wildkräuter aufwachsen können. Als bei einem Obstbautag gefragt wurde, welche Praxisbetriebe bei dem Projekt der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft mitmachen wollten, bewarb sich die Gärtnermeisterin deshalb spontan. Seit dem Projektstart im Jahr 2013 wird die engagierte Betriebsleiterin nun von Meike Höller, zuständige Mitarbeiterin des Projekts, beraten, wie sich mit einfachen Mitteln effektive Verbesserungen für die biologische Vielfalt im Lebensraum Obstbaukultur schaffen lassen.

Maßnahmen für biologische Vielfalt

Beim Rundgang durch die Anlagen zeigte Annette Raadts die verschiedenen Maßnahmen zur Förderung von Flora und Fauna innerhalb der Produktionsflächen. An den Reihenenden, wo die Erdanker die Gerüstkonstruktion der Hagelschutznetze halten, hat sie so genannte Ankerpflanzen wie Rosen oder eine dauerhafte Blumenmischung mit Malven gepflanzt beziehungsweise ausgesät. Damit es schön aussieht und für Insekten. Hinter ihren Gebäuden hat sie ein Stück Fläche als Streuobstwiese mit älteren Bäumen frei gehalten. Hier gibt es auch einen Haufen aufgeschütteter Obstbaumstümpfe als Versteck für Kleintiere, wilde Brombeerbüsche, ein Insektenhotel und noch einige Stellen, an denen Wildkräuter wachsen dürfen als Dickicht für Kleinnager und Nahrungsquelle für Nützlinge.

In den Obstplantagen und auch an den Gebäuden hängen Nistkästen für Feldsperling, Meisen, Rauchschwalben, Turmfalke und Steinkauz. Ein Raunen geht durch die Reihe der Journalisten als Annette Raadts betont, dass Kaninchen und Hasen in ihren Apfelanlagen gern gesehen sind. Die Bäume werden mit Manschetten geschützt und für die Nager werden Streifen mit Rohrglanzgras bepflanzt, wo sie Unterschlupf finden.

Wo die Betriebsleiterin ein freies Stück erübrigen kann, sät sie verschiedene Wildblumenmischungen zur Förderung der Wildinsekten aus. Bei der Auswahl der passenden Mischung wird sie von Meike Höller unterstützt. Beispiel für eine Mischung: Sonnenblumen, Raps, Ringelblume, Buchweizen, Dill, Fenchel, Ölrettich und Kleearten. Zwischen zwei Apfelanlagen hat die Gärtnermeisterin zwei jeweils vier Meter breite Blühstreifen angelegt. Im Wechsel wird jedes Jahr einer der beiden Streifen neu ausgesät. So bleibt über Winter immer ein Streifen als Deckung für Wildtiere stehen.

Annette Raadts ist begeisterte Naturschützerin und freut sich über die vielen tierischen Gäste auf ihrem Betrieb. „Wir wollen Leben in der Plantage haben“, sagt sie. Ihre Hofladenkunden bezieht sie mit ein in ihre Naturschutzaktivitäten: im Turmfalkenkasten ist eine Kamera installiert, die das Treiben im Nest auf einen Bildschirm im Laden überträgt. Die einzigen Tiere, die nicht gefördert, sondern bekämpft werden, sind Mäuse, denn sie schaden den Obstbäumen durch Wurzelfraß.

Das Projekt

Das Projekt „Naturschutzberatung für rheinische Obstbauern“ will interessierte Praktiker dabei unterstützen, die ökologische Vielfalt in den Obstbaukulturen zu fördern. „Früher waren die Betriebe kleiner strukturiert, da herrschte sowieso Biodiversität“, gibt Dr. Andreas Mager, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer e.V., zu bedenken, „heute wird intensiver und großflächiger kultiviert. Da haben wir Obstbauern überlegt, was wir machen können, um die biologische Vielfalt in unseren Anlagen wieder zu verbessern. Wir brauchen die Vielfalt, sonst haben wir keine Nützlinge. Außerdem verlangt die Bevölkerung von uns, dass wir pflegsam mit der Natur umgehen.“ Der Provinzialverband arbeitet bei dem von der Landgard-Stiftung geförderten Projekt eng mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft zusammen.

Beim Pressegespräch erklärte Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft: „Der Fokus unseres gemeinsamen Projektes liegt darin, Naturschutzmaßnahmen so auszuwählen dass sie eine großen Nutzen für die Förderung der biologischen Vielfalt aufweisen und gleichzeitig leicht in die Produktion integrierbar sind.“ Seit Projektstart vor drei Jahren wurden bereits 23 Betriebe im Rheinland einzelbetrieblich beraten. Demnächst sind Gruppenberatungen geplant, bei denen Betriebsleiter, die die Maßnahmen bereits erfolgreich umgesetzt haben, ihren Kollegen zeigen, wie es gelingen kann.

Sabine Aldenhoff


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Ausgabe 07/2018

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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