06.01.2016

Neue Märkte wichtig

Entwicklung und Trends im Blumen- und Pflanzenmarkt 2015/2016

Das Krisenjahr im Gartenbau 2013 scheint schon fast vergessen. Nach einem guten 2014 im Zielmarkt Deutschland auf Niveau von 2012 und einem sich ähnlich gut abzeichnenden 2015 ist die Branche wieder etwas optimistischer – und zwar zu recht! Die Verbraucherstimmung ist hervorragend. Leichte Verschiebungen in den Handelsströmen sind erkennbar. Wirtschaftliche und politische Konflikte wirken sich auf die Märkte aus.

Ein Blick in den Welthandel zeigt, dass die weltweit starke Konzentration der Nachfrage nach Blumen und Zierpflanzen aus den großen Industrienationen in Europa, Asien und Amerika sowie die weltweit bekannten Produktionsschwerpunkte auch 2015 weiterhin stark ausgeprägt sind. Ebenso ist die Drehscheibenfunktion der Niederlande für die Importe und Exporte in Europa unangefochten stark, gleichwohl Direktimporte anderer europäischer Länder weiter zunehmen. Hier sind laut Experten zunehmend Direktimporte von Einkaufszentralen des deutschen Einzelhandels festzustellen.

Laut EUROSTAT sind die Importe von Blumen und Pflanzen in den letzten Jahren in Menge und Wert leicht gestiegen. Verantwortlich für die Importsteigerungen an Blumen und Pflanzen in der EU sind vornehmlich die Schnittblumen. Im Vergleich zum Vorjahr ist im ersten Halbjahr 2015 der Import von Schnittblumen in die EU wertmäßig um 8 % gestiegen, verglichen mit 2013 sogar um 15 %. Alle anderen Pflanzensegmente verhalten sich unauffällig oder nehmen tendenziell ab. 2014 wurden insgesamt 414 580 t zu einem Wert von 1,59 Mrd. € von der EU importiert. Im 10-Jahresvergleich fällt auf, dass die Importmengen rückläufig bei steigenden Importwerten sind. Das heißt, dass zunehmend höherwertige Produkte gehandelt werden.

In der Vergangenheit feststellbare Verschiebungen in den Bezugsländern der EU setzen sich weiter fort: Kenia baut seine Position weiter aus; 2014 stammten allein 28 % der Importe der EU aus Kenia. Kenia positioniert sich als Lieferant von Qualitätserzeugnissen. Auch Äthiopien baut seine Bedeutung als Exporteur für die EU weiter aus, während die Importe aus Israel, den USA oder Costa Rica tendenziell abnehmen.

Ebenso wie die Importe steigen in den letzten zehn Jahren tendenziell die Exporte von Blumen und Zierpflanzen aus der EU, wobei 2014 und 2015 leichte Rückgänge bei den EU-Exporten registriert wurden. So nahm die Menge 2014 im Vergleich zu 2013 leicht um 0,8 % und der Wert um 2,9 % ab. 2014 wurden insgesamt Blumen und Zierpflanzen in einer Menge von 682 000 t und einem Wert von 1,91 Mrd. € ausgeführt. Der monetäre Wertevergleich zwischen den EU Im- und Exporten zeigt deutlich, wie unterschiedlich die importierten und exportierten Pflanzensegmente der EU sind. Durch den Export von Topfpflanzen, Gehölzen und Blumenzwiebeln, etc. kommt es in der Gesamtbetrachtung zu einem Handelsüberschuss in Höhe von 326 Mio. € (Stand 2014). Der positive Handelsüberschuss existiert mittlerweile schon seit 2002.

Veränderungen im EU–Binnenmarkt

Die rückläufigen Exporte nach Russland führen zwangsläufig zu veränderten Warenströmen, auch in Deutschland. Zudem baut Deutschland seinen Selbstversorgungsgrad bei Pflanzen aus. Laut Anbauerhebung der AMI zu den Produktions- und Wirtschaftstendenzen im Zierpflanzenbau (PWZ) im Herbst 2014 war für 2015 unter anderem mit mehr Beet- und Balkonware aus deutscher Produktion zu rechnen. Diese vermutete Anbauausweitung wird durch die Einfuhrstatistik für Deutschland bestätigt. Unter der Annahme eines stabilen Konsums von Blumen und Zierpflanzen in Deutschland (108 € pro Kopf und Jahr) und stabiler Ausfuhren, lässt sich bei den deutschen Topfpflanzenimporten ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr feststellen. Im ersten Halbjahr 2015 wurden 19 % weniger als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum importiert. Das bedeutet ein Minus von 74 Mio. €.

Der Import-Rückgang Deutschlands belastet im Wesentlichen die Niederlande, da im Referenzzeitraum ein Minus von 18 %, ca. 60 Mio. €, des Warenwertes festzuhalten ist. Die Entwicklung ist in den Niederlanden nicht unbekannt, da auch FloraHolland davon berichtet. Ebenfalls hohe Einbußen mit minus 24 %, allerdings auf geringerem Niveau, musste Dänemark im ersten Halbjahr 2015 hinnehmen. Dessen Topfpflanzenexporte nach Deutschland gingen von 32 Mio. € auf 25 Mio. € zurück.

Einbußen im Russlandgeschäft - Einbußen bei den Exporten nach Deutschland; es stellt sich die Frage, wo die Niederlande ihre Ware verkaufen. Laut Zahlen der EUROSTAT sind die Exporte der Niederlande bis 2014 gestiegen. Im ersten Halbjahr 2015 nehmen sie im Vergleich zu den Referenzzeiträumen 2014 und 2013 allerdings ab. Im Sommer 2015 meldete die Vereniging van Groothandelaren in Blomenwerkerijprodukten (VGB), dass die Exporte der Niederlande nach Großbritannien (plus 18 %), aber auch nach Frankreich, Italien, Belgien und Spanien gestiegen seien und die Exportrückgänge von Deutschland und Russland nahezu kompensieren würden. Laut Experten hätten die deutlichen Exportzuwächse dazu geführt, dass die Zielmärkte Großbritannien und Frankreich mittlerweile für 60 % der Exporte aus den Niederlanden verantwortlich seien.

Daneben habe sich Polen zu einem stabilen Zielmarkt für die Niederlande entwickelt. Der Konsum in Polen, aber auch den baltischen Ländern, würde mit zunehmendem Wohlstand dieser Länder steigen. Auch Skandinavien sei weiterhin interessant. Die deutlichen Absatzzuwächse nach Großbritannien seien unter anderem auch auf den schwachen Euro zurückzuführen. Der spanische Markt hat sich nach Überwindung der Irritationen bei der Mehrwertsteuererhöhung schnell wieder erholt, wovon die Niederlande auch profitiert haben.

Polen baut seine Exporttätigkeiten, insbesondere im Topfpflanzenhandel, aus. So wurde der Absatz im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 34 % gesteigert. Vor allem die Handelsbeziehungen zu Russland sind für den Zuwachs verantwortlich. Der Export wurde auf ca. 3 Mio. € nahezu verdoppelt. Der Exportwert bei Schnittblumen ist ebenfalls gewachsen (plus 8 %). Auch hier ist Russland, zusammen mit der Slowakei, wieder ausschlaggebend. Der Export nach Russland nahm im Referenzzeitraum um 75 % zu (plus 2,1 Mio. €). Gleichzeitig wurden polnische Exporte nach Deutschland im Wert zurückgefahren (minus 1,8 Mio. €). Entwickelt sich mit Polen und den baltischen Staaten eine neue Transfer-Drehscheibe für den Export der EU nach Osten?

Suche nach Märkten in Drittstaaten

Die leichten Veränderungen der Warenströme innerhalb der EU sowie die eingangs beschriebenen Export- und Importsituation der EU zeigen, dass alle Länder auf der Suche nach zusätzlichen Absatzmärkten sind. Viele Länder/Händler der EU konzentrieren sich bei der Suche nach neuen Kunden und Absatzwegen auf Drittstaaten. So sieht die FloraHolland in ihrer Unternehmensstrategie 2020 zukünftig vor allem Absatzmöglichkeiten in Südost-Asien und Nordamerika. Die USA und Kanada machen bei den Exporten der EU aktuell (2014) ca. 10 %, bzw. ca. 2 % aus – beide mit abnehmender Tendenz in den letzten zehn Jahren.

Aber auch China wird seit Jahren als interessanter Absatzmarkt gesehen. China ist derzeit Zielland für ca. 4,8 % der europäischen Exporte. Laut einer kolumbianischen Studie seien die Schnittblumenimporte in China von 2010 bis 2014 um 61 % gewachsen. Dieses Wachstum würde langfristig weiter anhalten, da sich das Land augenblicklich in einem gesellschaftlichen Wandel befinde. 15 Mio. Chinesen würden aus der Armut in die Mittelschicht aufsteigen und sich in ihrem Konsumverhalten dem Westen annähern. So würde China – als der größte Produzent und Exporteur in Asien, insbesondere für den japanischen Markt – vor allem Blumen importieren, die Exklusivität und Luxus repräsentieren. Importierte Ware gilt für die Chinesen dabei als Statussymbol. Die Nachfrage durch Hochzeiten, Hotels und Restaurants würde sich derzeit als lukrative Nische entwickeln.

Wie sich die aktuelle wirtschaftlich angespannte Situation in China auf die Nachfrage und den Blumen- und Pflanzenexport auswirken wird, kann noch nicht gesagt werden. Zudem darf trotz der steigenden Importe Chinas nicht übersehen werden, dass die Produktion in China stark professionalisiert ist und es spannend bleibt, wann der Zeitpunkt kommt, ab dem China selbst über ausreichend Produktion verfügt und verstärkt als Exporteur außerhalb Asiens auftritt. Zudem baut Südkorea laut AIPH seine Produktion in allen Bereichen aus. 2014 wurden Produktionsausweitungen von über 5 % in allen Segmenten festgestellt.

Absatz-Spielräume liegen auch in Europa

Ist die alleinige Konzentration im Export auf Drittstaaten richtig? Das Potenzial des Blumen- und Pflanzenabsatzes innerhalb der EU scheint noch nicht ausgeschöpft zu sein, wie die sich gerade entwickelnden Verbrauchermärkte in Polen und den baltischen Staaten exemplarisch zeigen. Mit zunehmender wirtschaftlicher Entwicklung steigt auch die Nachfrage nach Blumen und Pflanzen. Insofern ist es folgerichtig, dass der Zentralverband Gartenbau e.V. an das Bundesministerium appelliert, sich bei der Förderung von Exportmaßnahmen nicht hauptsächlich für Drittstaaten, sondern auch innerhalb der EU stark zu machen. Gleiches lässt auch der Verband des Deutschen Blumen-Groß- und Importhandels e.V. verlauten.

Die Veiling Rhein-Maas sieht im Ausbau der partnerschaftlichen Beziehungen zu Anliefern und Kunden auch 2015 als Schlüssel zum Erfolg und setzt gezielt fremdsprachige Kundenbetreuer ein, die sich erfolgreich mit dem französischsprachigen Markt beschäftigen. Mit der Zielsetzung, mehr internationale, u.a. auch osteuropäische Kunden zu gewinnen, scheint die Veiling Rhein-Maas Potenzial im europäischen Markt zu sehen. Eine Marktpräsenz in den Zielländern des Binnenmarktes scheint für den Absatz zielführend.

Fazit

Die Stimmung im Blumen- und Zierpflanzenmarkt in Deutschland ist ungeachtet der aktuellen Krisenherde gut. Die tendenziell schlechten Erfahrungen der letzten Jahre im Blumen- und Pflanzenhandel haben dazu geführt, dass der Anspruch an die Zufriedenheit sinkt. Stagnation wird im Handel als Erfolg bewertet. Pflanzen wurden 2015 auf stabilem Niveau gekauft und werden auch 2016 bei anzunehmend hoher Konsumlaune der Verbraucher weiterhin stabil nachgefragt werden. In Anbetracht der rückläufigen Exporte der EU an den wichtigsten Abnehmer Russland wird vermehrt versucht, den Rückgang über andere Wege zu kompensieren. Dies gelingt in Teilen auch.

Welchen Einfluss politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen dabei haben, zeigen der hohe Export nach Großbritannien (Wechselkurs) oder auch die Warenströme nach Spanien (Mehrwertsteuererhöhung). Beide Bedingungen der Finanzmärkte können den Markt und Absatz kurzfristig beleben. Langfristig sind aber verlässliche Absatzwege aufzubauen, die Stabilität garantieren. Ob diese wirklich außerhalb der EU liegen müssen oder ob das Potenzial im Binnenmarkt noch auszuschöpfen ist, ist zunächst eine Frage der Perspektive. Aus beiden Bereichen können Impulse für den Gesamtmarkt hervorgehen, die sich gegenseitig beflügeln können. Manchmal liegt unvermutetes Potenzial auch vor der Tür und „Kirchturmpolitik“ führt zu mehr Erfolg als erwartet.

Dr. Marianne Altmann, CO CONCEPT