12.02.2019

Neues Problem für Südtirols Bioapfelanbauer

Wie die Neue Südtiroler Tageszeitung Online (04.02.2019) berichtet ist das Problem laut Arnold Schuler  komplett neu. „Wir wurden jetzt überrascht, dass es in Bezug auf die Kontrollen wieder eine Änderung gibt“, so der Landesrat für Landwirtschaft. Es geht um sogenannte Phosphite, die als Düngemittel im Obstbau eingesetzt und vermehrt in Pflanzenschutzmitteln für eine bessere Wirksamkeit beigemischt werden. „Es handelt sich um ein synthetisches Mittel, das in der Pflanze bleibt und erst nach Jahren ausscheidet. Das wird in der nächsten Zukunft zu einem ganz großen Thema, weil der Markt eine komplett rückstandsfreie Ware will“, sagt Werner Castiglioni, Geschäftsführer der Genossenschaft Bio Südtirol.

Die Bio-Bauern haben die große Sorge, dass sie ihre Äpfel nicht mehr als Bio-Ware verkaufen können und somit finanzielle Einbußen erleiden. Gerade Südtirol, wo es auf engem Raum unterschiedliche Anbauweisen mit entsprechenden Konflikten gibt, ist besonders betroffen.

Wie Werner Castiglioni und Toni Riegler, Obmann des Verbandes Bioland Südtirol, erklären, handle es sich um kein reines Problem der Abdrift aus angrenzenden Flächen. Auch wer seine Fläche auf Bio umstellt oder umgestellt hat, ist mit Phosphit-Rückständen konfrontiert. Die Umstellungszeit von drei Jahren reiche oft nicht für den Abbau des Mittels (siehe auch Interview unten).

Arnold Schuler ist verärgert: „Der vermehrte Einsatz von Phosphit im integrierten Obstbau war eigentlich positiv, weil es kaum toxisch ist. Man wollte in Bezug auf die Wirkung etwas Gutes tun – auch weil Phosphit-Rückstände im Bio-Bereich bisher kein Problem waren. Aber jetzt ändern sich anscheinend wieder die Spielregeln.“

Bio-Vermarktungsexperte Werner Castiglioni verweist auf eine EU-Verordnung, wonach Bio-Äpfel auch mit geringen Rückständen noch als Bio-Äpfel zu deklarieren seien. „Der Markt nimmt das aber nicht hin und will eine rückstandsfreie Ware. Das ist im Anbau heute kaum möglich – außer man ist komplett isoliert und hat auf Grünwiesen angefangen“, meint Castiglioni. Werde Bio-Ware von den Händlern nicht mehr angenommen bzw. mit konventioneller Ware gleichgestellt, entstehe ein riesiger Schaden.

Landesrat Arnold Schuler kritisiert insbesondere die italienische Gesetzgebung in Bezug auf die Kontrollen: „In allen europäischen Staaten außer Italien und Belgien ist für die Bio-Zertifizierung der Bewirtschaftungs-Prozess entscheidend. Ob es minimale Rückstände gibt, ist unwesentlich, solange die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Von diesen Grenzwerten sind wir ohnehin meilenweit entfernt, aber Italien und Belgien haben die Bio-Sonderregelung, dass gar nichts nachgewiesen werden darf.“

In Südtirol habe man innerhalb der Obstproduzenten, aber auch mit der Grünlandwirtschaft bereits Maßnahmen getroffen, um zu verhindern, dass es Rückstände auf Flächen gibt, wo sie nichts zu suchen haben bzw. Bio-Betrieben Schwierigkeiten bereiten.

„Und jetzt werden wieder die Spielregeln geändert und mit Phosphit entsteht ein neues Problem“, ärgert sich Schuler. Man wolle jetzt abwarten, welche Grenzwerte festgelegt werden und werde sich intern eine entsprechende neue Strategie überlegen müssen, „damit die Bio-Betriebe keine Probleme bekommen.“ Das werde aber immer schwieriger.

Das sagt auch VOG-Obmann Georg Kössler. Dass die EU den Staaten im Bio-Anbau vielfach freie Hand lasse und unterschiedliche Höchstmengen zulässig seien, sei problematisch. „Phosphite spielen heute eine gewisse Rolle und die Frage ist, inwieweit man auf sie verzichten kann. Wir müssen versuchen, Verwehungen zwischen integriertem und Bio-Anbau durch die Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten zu vermeiden. In den letzten Jahren haben wir bewiesen, dass wir das ernsthaft angehen“, so Kössler.

Bioland und Bio Südtirol fordern auch gar kein Verbot von Phosphiten, man müsse aber den Einsatz verringern und Abdrift gänzlich vermeiden.

Zwischen Politik, Verbänden, Genossenschaften, Laimburg und Beratungsring wird derzeit intensiv über machbare Lösungen diskutiert.

„Böses Erwachen“ – Toni Riegler über die Phosphit-Problematik

Tageszeitung: Herr Riegler, Phosphite sollen bei den Bio-Bauern für Probleme sorgen, weil es für eine längere Zeit Rückstände gibt…

Toni Riegler: Das kann ich bestätigen. Vor allem im vergangenen Jahr 2018 hat es da vermehrt Probleme gegeben.

Besteht das Problem durch Abdrift oder vor allem bei Umstellungen?

Sowohl als auch. Man muss die beiden Ursachen jedoch klar unterscheiden. Die Abdrift kommt von der angrenzenden Fläche und wird von den Pflanzen aufgenommen. Dies auf der Randreihe, aber auch im Feldinneren. Wird in einer IP-Anlage (integrierte Produktion, Anm. d. Red.) Phosphit ausgebracht und der Bauer möchte diese dann auf die biologische Produktion umstellen, so muss er wissen, dass sich die Phosphite in der Pflanze nur sehr langsam abbauen und die Umstellungszeit von drei Jahren wahrscheinlich nicht ausreicht. Der Umsteller hat in diesem Fall das Mittel aber selbst ausgebracht bzw. bewusst eine konventionelle Anlage gekauft/gepachtet. Da uns die Problematik dieses Mittels aber noch nicht so lange bekannt ist, hat es schon das ein oder andere böse Erwachen gegeben.

Wie lange dauert es, bis die Rückstände abgebaut sind?

Hierzu gibt es sehr unterschiedliche Versuchsergebnisse. Uns sind bereits mehrere Anlagen von Umstellern bekannt, bei denen in den Äpfeln auch noch nach drei bis fünf Jahren Phosphit nachgewiesen wird. In den Abdriftfällen ist die Konzentration geringer. Kommt es in der Vegetationsperiode jedoch zu einer Abdrift auf die Nachbarfläche, kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Äpfel belastet und nicht mehr als Bio-Produkt vermarktbar sind. Aufgrund der großen Persistenz reicht dazu auch schon eine einmalige Abdrift.

Was kann man gegen dieses Problem tun?

Es gilt, Abdrift absolut zu vermeiden. Potentiellen Umstellern rate ich, auch schon in den Jahren vor der Umstellung auf Phosphite zu verzichten.

Quelle: Neue Südtiroler Tageszeitung Online


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