04.03.2016

Norddeutsche Obstbautage in Jork

ZIN stellte zwei Neuzüchtungen vor

Auf der größten Fachmesse für den Obstbau im Norden mit einem 10 000 m² großen Ausstellungsgelände präsentierten sich Mitte Februar in Jork rund 200 Aussteller dem interessierten Fachpublikum. Der Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V., Veranstalter der Ausstellung für die Obstbaupraxis, zeigte sich über den großen Besucherandrang auf dem Messegelände, bei der Vortragsveranstaltung und der Verbandspolitischen Tagung, hocherfreut. Die Vortragsveranstaltung des ESTEBURG-Obstbauzentrums zog rund 300 Obstbauer, Verbandspolitiker, Berater und Vertreter aus Handel, Züchtung und Technik in die Altländer Festhalle am Messegelände. Mindestlohn, zukünftige Forschungsfragen auf der ESTEBURG sowie die Ausbreitung der Kirschessigfliege und die daraus resultierenden Konsequenzen für den Obstbau im Alten Land waren die brandaktuellen Themen.

Bundesminister Schmidt zu Gast

Auf dem Messerundgang am Donnerstag, dem 11. Februar, konnte Dr. Karsten Klopp, Leiter des ESTEBURG-Obstbauzentrums, hohe Prominenz begrüßen. Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Enak Ferlemann, Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Bundestagsabgeordneter Oliver Grundmann und weitere Vertreter aus Politik und Verwaltung ließen sich die Neuheiten der Obstbauzüchtung und Technik aus erster Hand zeigen.

Abdriftminderung

Willi Lipp, der technische Geschäftsführer des Landtechnikherstellers Lipco aus Sasbach in Baden-Württemberg, präsentierte selbstfahrende Tunnelspritzgeräte mit modernster Technik zur Abdriftminderung. Die Firma setzt ihre langjährigen Erfahrungen bei der Entwicklung von Pflanzenschutzspritzen für den Weinbau nun auch für den Obstbau ein. Gerade im Alten Land kommt dem Schutz der zahlreichen Oberflächengewässer große Bedeutung zu, um der Umsetzung der Verordnung zum Pflanzenschutz gerecht zu werden. Das Unternehmen verspricht mit dem zweireihig arbeitenden Gerät eine 90 %ige Minderung der Abdrift, erhebliche Arbeitszeitersparnis und eine Einsparung von Pflanzenschutzmitteln in Höhe von bis zu 40 %. Letzteres wird durch das Auffangen, Filtern und Rückführen von abtropfender Spritzbrühe erreicht. Lipp ist sicher, dass dies zu einer Kostenreduzierung führt, die die Anschaffungskosten in Höhe von immerhin ca. 250 000 € rechtfertige.

Arbeitskosten reduzieren

Die Einführung des Mindestlohnes bedeutet für die Obstbauern nicht nur mehr Kosten für die Beschäftigung von Arbeitnehmern, sondern auch einen erheblich größeren bürokratischen Aufwand. Deshalb wird die Technik zur Einsparung von Arbeitskosten immer interessanter. Das Unternehmen Fruit Tec Maschinenbau aus Markdorf am Bodensee, bot auf der Messe den Praktikern hierzu maschinelle Lösungen für die Blütenausdünnung und den Obstbauschnitt an. Der Chef des Unternehmens, Adolf Betz, ist davon überzeugt, dass mit einer maschinellen Ausdünnung gute Qualitäten zu erzielen seien. Allerdings, so Betz, hängt der Erfolg dieser Technik von der Baumbeschaffenheit, den Sorten und dem Zeitpunkt des Schnittes ab. Der Maschineneinsatz schaffe neue Produktionssysteme mit dichter stehenden Bäumen und schmaleren Reihenabständen, erklärte der Fachmann.

Mit Rockit durchstarten

Der Geschäftsführer der Elbe-Obst Erzeugerorganisation Stefan Mojen informierte die Teilnehmer des Messerundganges über die erfolgreichen Clubsorten Rubens, Kanzi und Red Prince. Als besondere Neuheit erläuterte Mojen die Vermarktung des aus Australien stammenden Convenience-Produktes Rockit. Diese kleinen Äpfel in der Plastikröhre sollen in Zukunft als Obstsnack „To Go“ vermarktet werden.

Auf eigene Züchtungen setzen

Die Züchtungsinitiative Niederelbe e.V. (ZIN) nutzte die Gelegenheit, auf zwei neue Sorten in ihrem Programm aufmerksam zu machen. Tina Jonas, Mitarbeiterin der ZIN, verwies auf die Vorteile der Züchtung eigener Apfelsorten. Neue Sorten, die in der Region gezüchtet worden seien, kämen mit den hiesigen klimatischen Bedingungen wie Boden, Temperaturen und Niederschläge bestens klar und würden sicher den erwarteten Geschmack und die gewünschte Qualität liefern. Hinzu käme, dass mit den Vermarktungspartnern M.AL. Marktgemeinschaft Altes Land, Elbe-Obst Erzeugerorganisation und andere Händler eine Neuzüchtung auch die Chance hätte, sich am Markt durchzusetzen.

Josefine von Hollen