09.07.2019

Paprikaanbau vor Herausforderungen

Die Betriebe mit Paprikaproduktion sind in Deutschland sehr unterschiedlich: die Bandbreite reicht vom kleinen Biobetrieb über den Semi-Profianbau, der für den Wochenmarkt und Gemüsehändler in der Region produziert, bis hin zum spezialisierten Großbetrieb mit Substratanbau. Über die Probleme und Herausforderungen sowie den Trends und zukünftigen Anforderungen im Paprikaanbau sprach Gartenbau-Profi mit Peter Schaich, Verkaufsleiter und Produktmanager Fruchtgemüse bei Enza Zaden.

Aufgrund unbefriedigender Befruchtung ist die Ernte von Paprika in diesem Jahr stark schwankend
Foto: Scheel

Gartenbau-Profi: Wie verläuft bisher die Paprika-Saison?

Peter Schaich: Die drei verschiedenen Sparten des Paprikaanbaus (Bioanbau, Semi-Profianbau und High-Tech-Anbau) sind ganz unterschiedlichen Anforderungen ausgesetzt. Die High-Tech-Betriebe kämpfen zurzeit mit den Folgen einer Schlechtwetterphase im Frühjahr. Diese führte zu einem unbefriedigenden Ansatz der Früchte und schließlich zu großen Schwankungen in der Ernte. Das heißt, es gibt Wochen mit einer großen Erntemenge gefolgt von Wochen mit niedrigem Erntevolumen. Dieses Problem mit den unregelmäßigen Erntemengen tritt aber nicht nur in Deutschland, sondern europaweit auf. Dies spiegelt sich auch in den Preisen für Paprika wider: Ende Mai wurde in den Niederlanden für Blockpaprika rot bis zu 6,00 €/kg bezahlt, weil mitteleuropaweit keine Ware verfügbar war. Anfang Juni lag der Preis dann bei ca. 1,30 €/kg – aber das nächste Ernteloch folgt schon bald.

Gartenbau-Profi: Welche Probleme treten auch noch im Paprikaanbau auf?

Peter Schaich: Seit ein paar Jahren treten im Paprikaanbau verstärkt Probleme mit Mehltau auf. Dies war vor einigen Jahren in dieser Kultur noch kein Thema, aber in der Zwischenzeit stellen wir dies sowohl im konventionellen als auch im Biobereich fest. Es betrifft alle Sparten: die High-Tech-Betriebe wie auch die kleineren Semi-Professionellen. Hier ist u.a. die Züchtung gefragt, um neue Sorten mit entsprechenden Resistenzen zu züchten. Enza Zaden wird für die nächste Saison eine erste Sorte mit Mehltauresistenz am Markt einführen.

Gartenbau-Profi: Mehltau ist aber nicht die einzige Krankheit, die dem Paprikaanbau Probleme bereitet?

Peter Schaich: Nein, auch diverse Viren bereiten dem Paprikaanbau Probleme und werden in Zukunft noch zunehmen. Beispielsweise das so genannte „Jordan-Virus“ (Tomato Brown Rugose Fruit Virus, ToBRFV), das man an Tomaten seit kurzem kennt (Gartenbau-Profi berichtete in der 2/19). Dieser Virus kann auch in Paprika Probleme bereiten. Hier haben wir allerdings das Glück, dass alle Sorten, die eine Resistenz gegen das Tabakmosaikvirus (TMV) haben, nach aktuellem Kenntnisstand auch gegen den „Jordan-Virus“ resistent sind. Wenn man allerdings Sorten verwendet, die über diese Resistenz nicht verfügen, wie beispielsweise bei den Sonderformen wie Peperoni, besteht das Risiko, dass diese von dem Virus befallen werden können.

Gartenbau-Profi: Gerade bei Viren könnte in Zukunft noch einiges auf die Anbauer zukommen.

Peter Schaich: Ja, im vergangenen Jahr ist in Österreich in sehr modernen Betrieben die erste Infektion mit dem Tomatenbronzefleckenvirus (Tomato spotted wilt virus, TSWV) aufgetreten. Im einfachen Anbau gibt es dort schon seit einigen Jahren Probleme mit diesem Virus - nun auch im High-Tech-Segment. In Deutschland ist dieser Virus bisher noch nicht in Paprika aufgetreten, aber Österreich ist nicht weit und das Risiko besteht, dass es bald auch hierzulande auftreten kann. Auch hier sind die Züchter gefragt. Enza hat bereits die ersten resistenten Sorten auf dem Markt.

Gartenbau-Profi: Was sind neben den Resistenzen weitere Züchtungsziele bei Paprika?

Peter Schaich: Ein Fokus liegt ganz klar bei der Produktionsleistung - mehr Früchte sowie ein größeres Gewicht sorgen für einen höheren Ertrag ist für den Anbauer entscheidend. Außerdem versuchen wir von der Züchtungsseite aus, die Pflanzentypen zu verbessern. Das heißt, sehr flexible und einfach anzubauende Pflanzentypen zu entwickeln, die mit unterschiedlichen Anbaubedingungen zurechtkommen.

Gartenbau-Profi: Krankheiten sind derzeit und bleiben auch in Zukunft die größten Probleme im Paprikaanbau. Vor welchen Herausforderungen stehen die Anbauer außerdem noch?

Peter Schaich: Eine enorme Herausforderung für die Produzenten ist die Arbeitskräftesituation. Vor allem bei den großen Betrieben ist das Thema ganz weit oben angesiedelt und mit großen Anstrengungen verbunden, entsprechendes Personal beispielsweise für Kulturarbeiten zu bekommen. Dies wird, insbesondere im Segment High-Tech-Bereich, auch Auswirkungen auf die zukünftigen Entwicklungen haben. Hier werden die Betriebe in Zukunft gerade bei Paprika verstärkt auf Automatisierung, wie z.B. Ernteroboter, setzen. Dies wird langfristig auch Auswirkungen auf die Betriebsgröße mit sich bringen. Die Betriebe werden größer werden müssen, um sich einen Roboter leisten zu können. Kleinere Betriebe werden sich solch eine Investition nicht leisten können. Deutlich wurde dieses Problem letztes Jahr z.B. in den Niederlanden, wo vereinzelt ein Teil der Paprikaflächen nicht abgeerntet werden konnte, weil das Personal fehlte.

Gartenbau-Profi: Wo geht die Reise im Sortenkarussell hin?

Peter Schaich: Ein großes Thema bei Fruchtgemüse ist die Haltbarkeit des Produkts. Nur Ware mit einem guten Shelf-life übersteht unbeschadet den Transport vom Produzenten bis hin zum Verbraucher. Außerdem versuchen wir in unserer Züchtung den Anteil an Handelsklasse-I-Früchten zu erhöhen.

Gartenbau-Profi: Bei Tomaten ist immer schnell die Rede vom Geschmack der Früchte. Welche Rolle spielt dies bei Paprika?

Peter Schaich: Bei den Spezialitäten, wie z.B. Spitzpaprika, ist der Geschmack schon lange das Top-Thema und hat in der Züchtung oberste Priorität bei der Auswahl der Sorten. Seit kurzem macht man sich auch bei Blockpaprika verstärkt seine Gedanken um den Geschmack und berücksichtigt dies bei der Züchtung.

Gartenbau-Profi: Welche weiteren Kriterien werden bei der Sortenwahl noch berücksichtigt?

Peter Schaich: Die Widerstandsfähigkeit gegen Innenbrand und Sonnenbrand sind wichtige Eigenschaften einer Sorte. Außerdem ist die Veredlungsunterlage ein wichtiges Thema. Gerade für die konventionellen Erdebetriebe und Bioproduzenten ist die Resistenz gegen Nematoden wichtig, weil sie mit Bodenmüdigkeit zu kämpfen haben. Enza Zaden wird für die nächste Saison eine erste Sorte mit Mehltauresistenz am Markt einführen. Und auch in den Substratkulturen werden Versuche mit Unterlagen durchgeführt, um die Produktion zu erhöhen.

Gartenbau-Profi: Wohin geht der Trend im Paprikaanbau?

Zwangsläufig wird die Automatisierung in den Großbetrieben zunehmen. Auch die Spezialitäten werden in den nächsten Jahren verstärkt angebaut. Einige Betriebe werden mit Long-Conicals, als Sortenbeispiel `Cooper´, `Jersey´ und `Guernsey´ bzw. Mini-Conicals, welche in unterschiedlichsten Verpackungen angeboten werden oder auch mit Peperonis und Chilis das Segment erweitern und so versuchen, sich vom klassischen Markt abzuheben.

Das Interview führte Birgit Scheel


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