16.09.2019

Porree spielt die Hauptrolle - Gemüsebau Lankes-Jacobs GbR, Brüggen

„Porree jahrrund!“ – so würde der Niederrheiner beschreiben, was auf dem Betrieb Lankes in Brüggen die Hauptkultur ist. Nur Anfang Juni wird etwa zehn Tage lang nicht geliefert, stattdessen Maschinen und Geräte geputzt und gewartet, bevor die Ernte wieder beginnt. Bei der Bewirtschaftung ihres Familienbetriebes achten Heinz-Willi Lankes und Schwiegersohn Roman Jacobs besonders auf Wasserschutz, Bodenschonung und Automatisierung. Jüngste Investition war daher ein selbstfahrender Porreeroder, dank dessen eine einzige Person den Porree vom Feld auf den Hof bringen kann.

Drei Generationen Porree-Begeisterung: Heinz-Willi und Sophie Lankes sowie Tochter Anja und Schwiegersohn Roman Jacobs mit den Kindern Ben und Finn
Foto: Aldenhoff

Auf den Feldern der GbR gedeihen neben Porree auch noch Kohlarten, Hokkaidokürbis, Rhabarber und Industriesellerie. Die Aufgaben sind unter den Familienmitgliedern klar verteilt: Landwirtschaftsmeister Heinz-Willi Lankes kümmert sich um die Kulturführung inklusive Düngung und Pflanzenschutz sowie um den Verkauf, der zu 100 % in Eigenregie organisiert wird. Roman Jacobs ist als ehemaliger Vermessungstechniker und im zweiten Beruf Gemüsegärtner für die gesamte Technik im Betrieb zuständig und ist auch geistiger Vater des neuen Porreeroders. Sophie Lankes und ihre Tochter Anja sind für Büro und Aufbereitung verantwortlich. Unterstützt wird die Familie von vier Festangestellten und je nach Jahreszeit 15 bis 35 Saisonarbeitskräften.

Sämtliche Feldarbeiten werden selbst erledigt ohne Lohnunternehmer. 98 % der Flächen des Betriebes liegen im Wasserschutzgebiet. Wasserschutz ist Heinz-Willi Lankes ein großes Anliegen, daher ist er als einer von drei Modellbetrieben in Nordrhein-Westfalen sehr engagiert im Projekt „Optimierung der Stickstoffdüngung im Freilandgemüsebau“ (siehe Interview in Heft 4/2019). Der Betrieb ist QS-GAP-zertifiziert. Eine weitere Leidenschaft des Betriebsleiters ist der Dialog mit den großen und kleinen Verbrauchern, weshalb regelmäßig Kindergartengruppen und Schulklassen im Betrieb zu Gast sind oder die Bevölkerung zu Hoffesten eingeladen wird.

Porree pflanzen und säen

Der erste Satz Porree wird in der letzten Februarwoche in die Erde gebracht. Für die ersten drei Sätze werden Zapfenpflanzen aus Marokko bevorzugt. Danach werden bei den wöchentlichen Pflanzungen wurzelnackte Pflanzen aus Portugal und später aus den Niederlanden gepflanzt. Dafür kommt bereits in der dritten Saison eine fünfreihige Pflanzmaschine vom niederländischen Hersteller Basrijs zum Einsatz, mit der die Familie sehr zufrieden ist. Die Mitarbeiter sitzen komfortabel und witterungsgeschützt unter einer Vollüberdachung. Dank des Kettenantriebs wird eine sehr hohe Pflanzgenauigkeit erzielt, was zu schön homogenen Beständen führt. Ein Drittel des Porrees wird für die Haupternte im Winterhalbjahr ausgesät mit einer pneumatischen Sämaschine von Kverneland.

Boden und Personal schonen

Erntebeginn ist um den 10. Juni. Die Saison zieht sich dann bis etwa 10. Mai. Danach wird noch drei Wochen lang Kühlhausware geliefert, bevor Ende Mai alle Maschinen und Geräte geputzt und gewartet werden, um für den neuerlichen Saisonbeginn bereit zu stehen. Neben einer Porreeaufbereitungslinie vom niederländischen Hersteller Verbruggen Mechanisatie wird neuerdings auch ein moderner Porreeroder für den Saisonstart am 10. Juni gewartet.

Das selbstfahrende Raupenfahrzeug des belgischen Herstellers Bouckaert läuft seit Februar auf den Feldern der Lankes-Jacobs GbR und ist das bisher einzige seiner Art, also gewissermaßen ein Prototyp. Ersonnen hat diese Neuheit überwiegend Roman Ja-cobs, unterstützt von seinem Schwiegervater und den innovati-ven Maschinenbauingenieuren von Bouckaert. Grundideen waren ein Raupenantrieb zur Bodenschonung, Personaleinsparung bei den Rodearbeiten, große Gitterboxen und eine ergonomische Entnahme des Porrees aus diesen für die Mitarbeiter am Aufbereitungsband.

Die Maschine wiegt ohne Porree 16 t und hat keine Straßenzulassung. Daher muss sie per Tieflader von einem Feld zum anderen transportiert werden, es sei denn, die Parzellen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Dann kann sich das Raupenfahrzeug mit einer Spitzengeschwindigkeit von 12 km/h auch selbst zum nächsten Schlag bewegen. Angetrieben wird der Koloss von einem 220 PS starken 4-Zylinder-Volvodieselmotor mit vier Hydraulikpumpen. Zwei 80 cm breite Gummiketten mit einer Aufstandsfläche von 4 m Länge sorgen für Bodenschonung und Befahrbarkeit auch bei nassen Bodenverhältnissen. Angenehmer Nebeneffekt: die Raupen hinterlassen Querrillen auf dem Feld, die das Wasser an abschüssigen Stellen halten.

Ein wichtiger Beweggrund für die Investition war für die Porreeanbauer die allgemein stets schwieriger werdende Personalsituation. Deshalb sollten zum einen Arbeitskräfte eingespart werden und zum anderen die Arbeitskräfte bei der Porreeentnahme in der Aufbereitungshalle körperlich geschont werden. Dafür wurden eigene Großkisten erfunden. Die Gitterboxen mit den Maßen 3,2 x 2,3 m und Höhe 1,7 m abfallend auf 0,9 m haben ein Leergewicht von 700 kg fassen bis zu 3 t Porree. Eine Gitterbox ersetzt also drei bis vier der herkömmlichen Erntekisten. Das vereinfacht das Kisten-Handling sowohl auf dem Feld als auch in der Halle. Auf dem Feld müssen die Kisten nicht noch von einem Schlepper separat eingesammelt werden, was wieder Fahrspuren und Bodenverdichtung verursachen würde. Die großen Gitterboxen holt sich der Roder selbständig vom Anhänger und schiebt sie nach dem Erntevorgang auch wieder dahin zurück.

Am Hof angekommen, ist für das Abladen der schweren Gitterboxen vom Anhänger ein starker Gabelstapler nötig, der das entsprechende Kontergewicht mitbringt. Dafür haben die Unternehmer einen 5-t-Stapler angeschafft. In der Halle müssen die Boxen nicht so oft getauscht werden wie kleinere Kisten. Zur Entleerung wird die Gitterbox in ein eigens konstruiertes Metallgestell gesetzt, das mit Strom und Hydraulikpumpe betrieben wird. Die beiden Arbeitskräfte, die den Porree entnehmen und aufs Band legen, können per Joystick die Neigung der Gitterbox verändern, sodass der Porree auf sie zu rutscht und sie ihn in aufrechter Arbeitshaltung entnehmen können. Die ersten acht dieser Gitterboxen hat die Familie noch bei Bouckaert bestellt. Doch um Kosten zu sparen, bauen sie die Kisten inzwischen selbst. Dafür hat Roman Jacobs eine Schablone geschaffen, sodass alle Einzelteile passgenau zugeschnitten und miteinander verbunden werden können. Vor-läufiges Ziel sind um die 35 Boxen, damit auch genug Porree eingelagert werden kann. An einem Schwerlastregal, in dem sich die Boxen im Kühllager stapeln lassen, wird noch getüftelt.

Roden im Ein-Mann-Betrieb

Der Roder wurde also so konzipiert, dass eine Person allein den Porree vom Feld holen kann. Dafür fährt sie mit Traktor und Anhänger voller Leergut – zwei Gitterboxen - zum Acker und setzt sich in die klimatisierte Fahrerkabine des Raupenfahrzeugs. Normalerweise muss die Bedienperson dann die Kabine nicht mehr verlassen, bis die mit Porree befüllten Gitterboxen wieder auf dem Anhänger zum Abtransport bereitstehen. Vom Führerhaus aus kann mit für den Laien verwirrend vielen Knöpfen und Hebeln sowie einem Bordcomputer alles gesteuert werden. Für bessere Sicht ist die Fahrerkabine um 45 ° drehbar. Hinten und seitlich am Roder sind Kameras installiert, die ihre Bilder auf einen Bildschirm schicken, was bei Fahrmanövern wie dem passgenauen Heranfahren an den Anhänger für die Kistenübergabe sehr hilfreich ist.

Der eigentliche Erntevorgang wird mit einer herkömmlichen Klemmbandaufnahme bewerkstelligt. Allerdings ist diesem noch ein filigranes Gestell mit Tastsensoren vorgebaut, das die Porreereihe einrahmt und mechanisch für horizontale und vertikale Spurführung sorgt. Anders als bei bekannten Rodern sorgen drei, nicht zwei, gegenläufig arbeitende Rüttler für das Abschütteln der Erde von den Porreewurzeln. Diese Rüttler können vom Bordcomputer aus einzeln in ihrer Geschwindigkeit angepasst werden an trockene oder feuchte Erde. Apropos Geschwindigkeit: in einem normalen Bestand kann mit 5 km/h übergefahren werden.

Oben angekommen, werden die Porreestangen auf einem ersten Transportband gesammelt und von dort auf das Schiebeförderband übergeben, das für eine gleichmäßige Befüllung der Gitterbox sorgt. Dafür kann das Schiebeband vor und zurückfahren und zu-gleich kann die Gitterbox hin und her bewegt sowie in ihrer Neigung verändert werden. Damit dann auch tatsächlich in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit die Gitterbox gleichmäßig befüllt wird, haben Programmierer eigens dafür ein Programm für den Bordcomputer geschrieben. Normalerweise funktioniert das gut. Sollte die Kiste am Ende doch einmal nicht ideal befüllt sein, kann das Schiebeförderband auch manuell vom Fahrerhaus aus bedient werden, um Lücken aufzufüllen. Und falls einmal nicht genug Porree oben ankommt, weil beispielsweise eine Lücke im Bestand ist, kann das Schiebeband gestoppt werden, während der Rodevorgang weiterläuft.

Mit dem Bordcomputer lässt sich alles steuern: die Fahrgeschwindigkeit, die Rodegeschwindigkeit, die Rodetiefe, die Geschwindigkeit der Rüttler, die Bürsten für die Aufnahme, die Messer, alle Bänder unabhängig voneinander sowie der Überladevorgang. Die Wartung der Maschine unterscheidet sich nicht von der eines herkömmlichen Roders mit Öl wechseln und Lager abschmieren. Heinz-Willi Lankes und Roman Jacobs sind sehr zufrieden mit ihrem einzigartigen Porreeroder und haben viel Spaß an der Arbeit mit ihm.

Sabine Aldenhoff

 

 


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