13.08.2018

Prangs Roses, Straelen

Sortieren, Bündeln und Verpacken ist bei den mehrtriebigen Polyantha-Rosen reine Handarbeit, die Mutter Marianne Prangs aus dem Effeff beherrscht
Foto: Aldenhoff

Rosen nicht nur zu Muttertag

Deutsche Schnittrosengärtner bereichern den Markt mit besonderen Farben und Formen; einer von ihnen ist Michael Prangs aus Straelen. In einem über Jahrzehnte gewachsenen Betrieb produziert er gemeinsam mit seinen Eltern ein- und mehrtriebige Schnittrosen für den Absatz an drei Versteigerungen.

Die kühlen Tage Ende April kamen Michael Prangs zupass: nicht nur seine, sondern auch die Rosen der Kollegen aus Deutschland und den Niederlanden blühen dann nicht so schnell auf. Das reduziert die Ware, die in den drei Wochen vor Muttertag stark nachgefragt wird und daher an den Blumenversteigerungen gute Preise erzielt. „Neben Valentin sind die 14 Tage vor Muttertag die einzigen Tage im Jahr, an denen das Spiel von Angebot und Nachfrage auf Seiten der Gärtner steht“, freut sich der leidenschaftliche Rosenproduzent. Natürlich versucht der junge Unternehmer, seine Bestände über Klimaführung so zu steuern, dass in den drei Wochen vor Muttertag möglichst viele Rosen erntereif sind. Aber er möchte mit seiner Ware von März bis November kontinuierlich am Markt sein und setzt deshalb nicht alles auf eine Karte.

Familie mit Herz für Rosen

Der Betrieb der Familie Prangs liegt zwischen Straelen und Kerken an der Kleinen Niers. Schon der Großvater des heutigen Betriebsleiters hatte hier eine Kate mit Landwirtschaft im Nebenerwerb. 1972 übernahm Anton Prangs (gelernter Gärtner) den Betrieb und baute gemeinsam mit seiner Frau Marianne (Gartenbautechnikerin) Gemüse an. Wegen des hohen Grundwasserstandes und damit verbundenen nassen Böden wurde Anfang der 1980er-Jahre auf Schnittblumen umgestellt. Die ersten Gewächshäuser standen damals bereits, ansonsten wurde im Freiland kultiviert. Rosen zogen 1989 in den Betrieb ein und wurden in der geschützten Kultur 1999 auf Kokossubstrat umgestellt, um der Bodenmüdigkeit zu begegnen.

Im Jahr 2005 stieg Sohn Michael nach seinem Abschluss als Agrar-Betriebswirt Fachrichtung Zierpflanzenbau in den Betrieb seiner Eltern mit ein und ist seit 2010 Teilhaber der gemeinsamen GbR. Nachdem in einem Jahr bei ungewöhnlichen Frösten die Freilandrosen erfroren waren, konzentriert sich die Familie seither ausschließlich auf den Anbau von Schnittrosen unter Glas und Folie auf insgesamt 10 750 m². Im „kalten“ Folienhaus (1 500 m²) stehen Freilandsorten in Containerkultur, die auch Fröste aushalten können. Unterstützt wird das Familienteam von einer ständigen Aushilfe sowie im Sommer von zwei Saisonarbeitskräften aus Rumänien.

Rosen kennen keinen Feiertag. Während der Erntesaison von März bis November müssen sie täglich geschnitten werden, um den optimalen Zustand der Blütenöffnung nicht zu verpassen. „Wichtig ist, dass die Rosen beim Schnitt einen gewissen Reifegrad haben, damit sie sich in der Vase des Verbrauchers weiter entwickeln“, erläutert der passionierte Rosengärtner, der stolz auf seine qualitativ hochwertigen Rosen ist. Rund 1,1 Mio. Stiele verlassen jährlich den Betrieb.

Kultur mit viel Handarbeit

Im Schnittrosenanbau hat sich Kokos als Substrat (70 % Kokos, 30 % Perlite) etabliert, berichtet Michael Prangs, der Mitglied ist im Produktclub Rosen, wo sich neun Betriebe vom Niederrhein regelmäßig zu gegenseitigen Betriebsrundgängen und zum Erfahrungsaustausch treffen. Ab Ende November werden die Gewächshäuser bei kühlen 3 °C gehalten, sodass die Rosen nicht mehr blühen und über den Winter keine weitere Blüte entwickeln. Mit Hilfe von Belichtung und Heizung könnte man auch in den Wintermonaten blühende Rosen verkaufen, jedoch sind dafür im Vergleich zu den Mitbewerbern aus den Niederlanden die Stromkosten in Deutschland zu hoch. Mitte Januar werden die ersten Sätze aus ihrer Winterruhe erweckt, indem die Gewächshäuser stufenweise auf 18 °C geheizt werden. Dafür steht eine Kohleheizung zur Verfügung. Zu dieser Jahreszeit werden auch schon die ersten Blatttriebe „geknickt“, wie es der Rosengärtner nennt, also waagerecht gelegt (wobei eine leichte Knickstelle entsteht). Dadurch können sich die senkrecht aufstrebenden Blütentriebe ungehindert und starken Stängeln entwickeln. Seitentriebe und Blüten an Blatttrieben müssen ebenfalls von Hand ausgebrochen werden.

Pflanzenschutz im Rosenbau ist durch den Verzicht auf stark-wirkende, chemische Mittel und die heutige Fokussierung auf biologische Mittel anspruchsvoller geworden. Besonders beliebt sind Rosen bei Spinnmilben, Weißen Fliegen, Läusen und dem Kalifornischen Blütenthrips. Diese Schädlinge werden in erster Linie mit Nützlingen bekämpft. Letzteres gilt auch für pilzliche Krankheiten wie Echten Mehltau, dem durch Klimaführung und Pflanzenstärkungsmittel vorgebeugt wird. Gerne würde Michael Prangs seine Rosen komplett biologisch kultivieren, aber die Realität sei der Integrierte Pflanzenschutz. Beraten wird er in Fragen der Kulturführung und des Pflanzenschutzes von Experten aus den Niederlanden.

Ab März können die ersten Rosenstiele geerntet werden. Je nach Sorte und Klimaführung bieten die Bestände drei bis fünf Flore pro Saison. Für den Schnitt schützen die Arbeitskräfte ihren linken Arm mit Polstern und einem Stück Jeanshosenbein, damit sie die stacheligen Rosenstiele in ihrem Arm sammeln können, bevor sie am Ende einer Reihe das Bündel in einen Wassereimer absetzen. Von hier gelangen die Rosen in den Arbeits- und Sortierraum, wo sie einzeln in die Sortiermaschine eingehängt werden. Diese misst die Stiellänge und teilt die Rosen danach verschiedenen Fächern zu, die sie als 10er-Bunde verlassen. Von dort werden die Rosenbunde per Förderband zur nächsten Maschine transportiert, die die Bunde in die Verkaufsfolie einschweißt. Anschließend kann eine Arbeitskraft die fertigen Bunde vom Förderband nehmen und in die entsprechenden Eimer für die Versteigerung stellen. Bevor es täglich zur Versteigerung geht, können die marktfertig aufbereiteten Rosen dann noch kurz im Kühlhaus warten. Vermarktet werden die Rosen international über die Veiling Rhein-Maas in Herongen sowie die FloraHolland Versteigerungen in Naaldwijk und Rijnsburg.

Mit Sonderfarben punkten

Rosen kommen heute aus vielen verschiedenen Ländern. Afrikanische Rosen, beispielsweise aus Kenia oder Äthiopien, sind meist klein- bis mittelblumige Rosen, die der Verbraucher aus dem Supermarkt kennt. Gängige Farben wie Rot und Weiß werden insbesondere von den Kollegen aus den Niederlanden produziert und auf den Markt gebracht. Deshalb ist es für rheinische Betriebe wie den von Michael Prangs wichtig, auf besondere Farben und Formen zu setzen, um sich vom Wettbewerb abzuheben: „Unsere Hauptsorte ist `Fiesta´, eine cremerosa geflammte Rose, für die wir in Deutschland als einziger Anbauer die Lizenz haben. Wir kultivieren sie schon seit acht Jahren und haben einige Erfahrungen mit der mehltauempfindlichen Sorte gesammelt.“

Kürzlich konnte Michael Prangs mit `Fiesta´ einen hervorragenden Erfolg bei der größten Rosenschau Europas auf dem Keukenhof in Lisse bei Amsterdam feiern – den 2. Platz bei den Importrosen (alle Rosen, die nicht aus den Niederlanden kommen). Bei der Rosenschau stellen 96 Gärtner aus aller Welt ihre besten und schönsten Rosen aus – insgesamt werden 379 Sorten von einer Fachjury in verschiedenen Kategorien bewertet und prämiert.

Mit insgesamt 5 800 m² nimmt `Fiesta´ auch im heimischen Betrieb eine wichtige Rolle ein. Gut die Hälfte der gesamten Produktionsfläche ist mit dieser Sorte bepflanzt. Ebenso einstielig sind die Sorten `Magma´ in Gelb-Rot und neu seit diesem Jahr `London Eye´ in Nostalgie-Rosa mit grünem Blütenherz. „Nostalgierosen oder englische Rosen, wie sie genannt werden, sind zurzeit sehr im Trend“, weiß der Straelener Gärtner. „Außerdem sind Rosentypen mit grüner Mitte aktuell sehr gefragt, diese hätte ein Züchter vor zehn Jahren noch aussortiert.“

Ein weiterer Trend sind mehrtriebige Polyantha-Rosen, die Familie Prangs neu ins Sortiment aufgenommen hat. Die Sorte `Mariatheresa´ ist eine mehrstielige Sorte mit einer nostalgischen Mittelblüte in kräftigem Rosa mit mehreren Seitentrieben. Ebenfalls mehrstielig sind die beiden Sorten `Exclusive Sensation´ und `Super Sensation´. Während sich erstere in einem zarten Cremeweiß mit leicht rosa Blütenherz zeigt, leuchtet `Super Sensation´ in Altrosa mit einem stärker werdenden Farbverlauf von außen nach innen. Polyantha-Rosen, die auch als Tross- oder Sprayrosen bezeichnet werden, sind gerade für Dekorationen auf Hochzeiten oder Kommunionfeiern sehr beliebt. Allerdings sind sie aufwändiger in der Marktaufbereitung, denn sie können nicht durch die Sortiermaschine laufen. Sortieren, Bündeln und Verpacken sind hier reine Handarbeit.

Insgesamt sollte eine Rosenpflanze schon fünf bis sechs Jahre beerntet werden, bevor sie durch jüngere, vitalere Pflanzen ersetzt wird. Ältere Pflanzen bilden eines Tages vermehrt dünne Stiele, die den Qualitätsansprüchen nicht mehr ausreichend genügen. Manche Sorten werden aber auch schon frühzeitiger ersetzt, wenn sie nicht ertragreich genug sind oder die Farbe am Markt nicht läuft. „Die Rose hat Zukunft“, ist Michael Prangs überzeugt, „die Rose ist die Schnittblume Nummer 1 und auch junge Menschen sind dafür zu begeistern. Ich nehme immer Rosen mit, wenn ich eingeladen bin – und das nicht nur zu besonderen Feiertagen wie Muttertag.“

Sabine Aldenhoff


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