13.02.2018

Praxisnahe Themen auf dem Zwiebelforum

Foto: Jacobsen

Das diesjährige Zwiebelforum, veranstaltet von der AMI und dem Rheinischen Landwirtschaftsverlag, fand erstmals in Niedersachsen statt. Eine gute Entscheidung, denn statt der üblichen 70 – 80 Teilnehmer konnten die Veranstalter in Peine 120 Teilnehmer begrüßen. Der Tagungsort ist über die Autobahn gut zu erreichen und befindet sich in einem Zentrum des Zwiebelanbaus. Inhaltlich deckte die Tagung das ganze Spektrum dessen ab, was die Zwiebelanbauer interessiert: Von Fragen des Anbaus über die richtige Lagerung bis zur Vermarktung. Zum Schluss gab es noch Tipps von einem weiblichen Fußballstar, wie man Niederlagen sportlich nimmt.

Düngung und Bodenverbesserung

Doch zurück auf den Boden, denn damit beginnt der Zwiebelanbau. Chris van Laarhoven von der Firma HortiNova verdeutlichte das Zusammenspiel von Struktur, Biologie und Mineralien im Boden. Eine schlechte Struktur des Bodens entsteht etwa durch das Befahren des Bodens mit schweren Maschinen. „Der Boden atmet dann nicht mehr gut“, so van Laarhoven. Die Struktur des Bodens ist entscheidend und nicht nur das Vorhandensein von Mineralien. Ein Boden mit ausgeglichenem Mineralien-Verhältnis gibt seine Mineralien leicht an die Pflanzen ab. Wichtiger Faktor ist die Entwicklung der Feinwurzeln der Pflanzen, denn über sie nimmt die Pflanze Wasser und Nährstoffe auf. Wenn die Bodenbiologie im Ungleichgewicht ist, sagt der pH-Wert alleine nichts aus: „So kann es sein, dass wir bei einem niedrigen pH-Wert Magnesium düngen müssen oder bei einem hohen pH-Wert Kalzium.“ Beim Einsatz von (Nitrat-) Stickstoff bei Zwiebeln riet Chris van Laarhoven zur Zurückhaltung: „Zuviel Nitrat macht die Zwiebel attraktiv für Schadinsekten und anfällig für Pilzkrankheiten wie Botrytis.“ Zu empfehlen sei dagegen eine Blattdüngung nach einer vorhergehenden Pflanzensaft-Analyse.

Im Fokus stehen derzeit auch Bodenverbesserer. Ob dies nur ein „Hype“ ist oder eine Hoffnung für beanspruchte Böden, beleuchtete Gera J. van Os von der niederländischen Aereshogeschool. Sie stellte die faszinierende Vielfalt der Bodenlebewesen dar. Jede Spezies spielt eine eigene Rolle im komplexen Lebensraum, der einfach als „Boden“ bezeichnet wird. So gibt es Pathogene, die aber durch ihre Antagonisten in Schach gehalten werden. Das Problem bei Bodenverbesserern ist, dass sie unter Laborbedingungen entwickelt werden und daher nicht unbedingt in jedem Ackerboden draußen „performen“. Die Firmen werben zwar damit, dass die Produkte zu 100 Prozent natürlich sind, doch oftmals werden die Inhaltsstoffe gar nicht genau deklariert.

Bewässerung mit Tropfschläuchen

Andreas Meyer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtete auf der Tagung über ein Modellvorhaben, bei dem Demonstrationsbetriebe im Freilandgemüseanbau verschiedene Maßnahmen zur Verringerung des Energiebedarfs der Bewässerungssysteme umgesetzt haben. Dabei wurden Alternativen zur herkömmlichen, windanfälligen Beregnungstechnik mit Starkregner gesucht. So wurden zur Bewässerung von Zwiebeln Tropfschläuche eingesetzt. Die Tropfschläuche wurden in einem ökologisch und in einem konventionell wirtschaftenden Betrieb eingesetzt. Weil das Unkraut im Öko-Betrieb mechanisch reguliert wird, wurden die Tropfschläuche in einer Tiefe von 5 – 8 cm verlegt. Die Schläuche wurden bereits 10 Tage vor der Saat verlegt, sodass das in einer ersten Welle aufgelaufene Unkraut noch vor dem Auflaufen der Zwiebeln abgeflammt werden konnte. Leider verlief jedoch eine Saatreihe genau über den Tropfschläuchen, sodass es hier zu Ertragsminderungen kam. Die Tropfschläuche liefen bei der Zwiebelernte über den Roder, der deswegen etwas tiefer arbeiten musste. Da Beschädigungen der Schläuche nicht ausgeschlossen werden können, sollten bei diesem Verfahren nur einjährig nutzbare Schläuche zum Einsatz kommen. Nach Angaben von Meyer konnte die Wasserbereitstellung bei diesem Verfahren bei einem Druck von 0,5 bis 1 bar energieeffizient realisiert werden, aus wirtschaftlichen Gründen konnte sich die Tropfbewässerung gegenüber den bisherigen Verfahren aber nicht durchsetzen. In den Trockengebieten etwa der USA oder auch im Marchfeld in Österreich werden die Vorteile des Verfahrens deutlich, wie der Berater Peter Grauert schildern konnte. Denn der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vor allem gegen Blattkrankheiten konnte deutlich reduziert werden. Zudem kann nicht nur das Wasser, sondern auch das Düngerangebot bedarfsgerecht gesteuert werden.

Erfolgreiche Zwiebellagerung

Ist die Zwiebel erst einmal geerntet, gilt es, sie bis zur Vermarktung richtig zu lagern. Grundlage dafür ist die Trocknung. Worauf es dabei ankommt, zeigte Johan Nijssen von der niederländischen Firma Agrofocus auf. Einer der gefährlichsten „Spielverderber“ bei der erfolgreichen Zwiebellagerung ist die Botrytis. Der Erreger fühlt sich im Temperaturbereich von 20 bis 24° C wohl, daher sollte dieser Temperaturbereich möglichst vermieden werden. Kommen die Zwiebeln bereits mit Botrytis ins Lager, sollte die Temperatur auf 30 ° C erhöht werden. Dabei kann der Anteil der Außenluft gering gehalten werden, um Heizkosten zu sparen. Zu Beginn der Trocknung sollte dagegen mit einem höheren Luftdurchsatz gefahren werden, um eine schnelle Abtrocknung zu erreichen. Auch bei kalten Außentemperaturen von -5 bis -6° C ist die Außenluft meist trocken, sodass eine Trocknung erfolgen kann. Dennoch gilt der Grundsatz, die Ernte erst einmal gesund ins Lager zu bringen, betonte Nijssen: „Ein Lager ist kein Krankenhaus. Was beim Anbau falsch gemacht wurde, lässt sich im Lager nicht mehr heilen.“   

Eine Möglichkeit, die Ausbreitung von Fusarien und anderen Fäulniserregern im Zwiebellager zu reduzieren, ist die Anwendung des Mittels „Aqua.store“. Es tötet die im Staub enthaltenen Keime in Sekundenschnelle ab. Dazu wird der Staub, der bei der Anlieferung der Zwiebeln im Sturzbunker entsteht, mit einem Wassernebel niedergeschlagen. Das geschieht mit einfacher Düsentechnik, die auch selbst aufgebaut werden kann. Angenehmer Nebeneffekt für die Mitarbeiter: Durch die Verringerung der Staubbelastung verbessert sich die Luft am Arbeitsplatz. Die Keimbelastung im Lager wird insgesamt reduziert, wodurch auch Sekundärinfektionen verringert werden. Anbauer berichten (s. Gartenbau-Profi 12/17) von messbaren Effekten. Bei der Früherkennung eines Befalls durch Pathogene verspricht auch die Firma NSure Unterstützung. In der Entwicklung ist ein Analyseverfahren, das mithilfe des Pflanzensaftes gelagerter Zwiebeln eine Prognose über die Lagerstabilität abgibt. Gefährdete Partien könnten dann zuerst ausgelagert werden.

Vernetzung und Vermarktung

Zwiebelanbauer zu vernetzen und die Anbahnung von Geschäften zu erleichtern ist das Ziel der App „Onion Today“, die im Sommer 2017 in den Niederlanden gestartet wurde. Mit einer Nachricht können so viele Unternehmen in der Branche erreicht werden. Mit einer Nachricht lassen sich auch neue Zielgruppen zusammenstellen. Neue Erkenntnisse können schnell geteilt werden. Ob eine Registrierung in der App auch in Deutschland möglich ist, ist nach Angaben von Wim Menu noch nicht entschieden. In den Niederlanden und Belgien läuft sie bereits.

Frank Froböse, Category Manager Obst und Gemüse beim Familienunternehmen Bünting, schilderte die Zwiebelvermarktung aus Sicht eines mittelständischen Händlers. Bünting betreibt im nordwestdeutschen Raum Lebensmittelmärkte der Marken Combi, Famila und Markant. Beim Zwiebelsortiment gibt man einheimischen Herkünften den Vorzug, gab Froböse zu verstehen: „Bei Zwiebeln hat das Thema Regionalität eine hohe Bedeutung“. Allerdings sollten sich die Erzeuger bei den Verpackungen etwas einfallen lassen. Mit unterschiedlichen Verpackungsgrößen und Kalibern passt man sich derzeit schon den Verbraucherwünschen an. Eine lange Lagerung der Zwiebeln bis in den Mai hinein könnte Importe zumindest bei gelben Zwiebeln überflüssig machen, so Sonja Illert von der AMI. Allerdings gibt es auch Risiken hinsichtlich der Qualität, und die Lagerung setzt auch Preise am Ende der Saison voraus, die am freien Markt kaum am Markt zu erzielen waren.

Auch derzeit sind die Preise wieder auf niedrigem Niveau, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa. Klemens Freiherr von Eerde, Präsident des Fachverbandes Deutsche Speisezwiebel e.V. ging in seinem Überblick über die derzeitige Marktsituation auch auf die Zulassungssituation von Pflanzenschutz- und Beizmitteln ein. So werde die Liste der Wirkstoffe, die von Handelsketten als „unerwünscht“ betrachtet wird, immer länger.

Am Morgen des zweiten Konferenztages konnte die professionelle Zwiebellagerung von den Teilnehmern persönlich in Augenschein genommen werden, denn der Landhandel Albert Elligsen öffnete seine Tore. Ein ausführlicher Bericht folgt.

Thomas Gaul


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Ausgabe 12/2017

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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