09.10.2017

Premiumäpfel aus der Pfalz

Im vergangenen Jahr wurden die ersten Bäume des Markenapfels „Jazz“ (Sorte `Scifresh´) in der Pfalz gepflanzt. In diesem Frühjahr folgten weitere. Insgesamt wachsen jetzt 100 000 Bäume rund um Weisenheim am Sand. Die Erfassung und Vermarktung läuft komplett über die BayWa Obst und T&G Global als Markeninhaber.

Zufrieden blickt Ingo Schick gemeinsam mit den Anbauberatern von T&G aus Neuseeland über die im Frühjahr neu gepflanzten jungen Apfelbäume. Schick gehört zu den wenigen Obstbauern, die in der Pfalz um Weisenheim am Sand herum Äpfel der Marke Jazz anbauen – erstmals in Deutschland. Jazz wurde in Europa bisher nur in Südfrankreich, England und Südtirol angebaut, gezüchtet wurde die Sorte `Scifresh´ in Neuseeland. „Jazz ist ein qualitativ hochwertiger Apfel mit guter Säurestruktur und viel Geschmack“, sagt Ingo Schick. „Er verlangt aber auch besondere Aufmerksamkeit im Anbau.“ Und er braucht bestimmte klimatische Bedingungen, um das richtige Säure- Zucker-Verhältnis und damit sein besonderes Aroma bilden zu können. „Das haben wir hier in der Pfalz. Jazz benötigt ein ähnliches Klima wie Wein und ausreichend Sonnenschein.“ Beides ist in der Pfalz gegeben.

Der Markenapfel „Jazz“ wird von der neuseeländischen Firma T&G Global vermarktet, die seit 2011 eine Tochtergesellschaft der BayWa ist. T&G Global ist in Neuseeland Marktführer im Vertrieb und im Export von Frischobst. Darüber hinaus hält das Unternehmen die exklusiven Markenrechte für den weltweiten Anbau und die Vermarktung der Markenäpfel „Jazz“ und „Envy“. „Die Erfassung und Vermarktung von Jazz geht komplett durch eine Hand. Es werden nicht mehr Apfelbäume gepflanzt, als Früchte vermarktet werden können. Das war uns sympathisch“, erklärt Schick, der in Freinsheim einen Obstbaubetrieb führt und Vorstandsvorsitzender der VOG Weisenheim/Sand ist, deren operatives Geschäft zum 1. April 2010 von der BayWa Sparte Obst übernommen wurde.

Besondere Qualität des Apfels wirtschaftlich umsetzen

Mit Jazz haben die Pfälzer Apfelanbauer erstmals einen Apfel im Anbau, mit dem sie sich auch qualitativ von anderen Sorten und Regionen abheben können. „Bisher war unser einziger Vorteil die Frühzeitigkeit“, stellt Schick heraus. Besondere Qualitäten oder Inhaltstoffe, die auch andere Apfelsorten, die in der Pfalz gedeihen, auszeichnen, wurden bisher vom Markt nicht entlohnt. „Die innere Qualität eines Apfels spielt in Deutschland eine untergeordnete Rolle, ein Apfel wird hauptsächlich nach äußeren Merkmalen beurteilt. Mit Jazz haben wir die Chance, die gebietstypischen Vorteile der Region auch wirtschaftlich umzusetzen“, sagt Schick. Für die Standardsorten, die den Anbau in der Pfalz prägen, sieht der Vorstandsvorsitzende der VOG Weisenheim/Sand die Marktchancen in Zukunft kritisch: „In Osteuropa werden viele Obstbäume gepflanzt, damit können wir preislich schwer konkurrieren.“ Zumal die Kosten in Deutschland durch den Mindestlohn in den nächsten Jahren noch steigen werden.

Die jungen Apfelbäume, die Ende März in Nord-Süd-Richtung im Abstand von ca. 75 cm in der Reihe gepflanzt wurden, präsentieren sich gut. Der Abstand zwischen den Reihen beträgt 3,30 m. Bei diesem Pflanzabstand dürfen 70 Äpfel pro Baum erwartet werden. Die beiden Neuseeländer Frank Alluine und Marc Leprince von T&G Global erörterten Ende Juni gemeinsam mit den Anbauern und Obstbauberater Gerhard Baab vom DLR Rheinpfalz die nötigen Pflegemaßnahmen in den jungen Obstbäumen. Einmal jährlich bereisen die Neuseeländer die Jazz-Apfelplantagen, um sich von der Qualität zu überzeugen und den Anbauern beratend zur Seite zu stehen. In den Anlagen mit den jungen Bäumen ging es vorwiegend darum, die Befruchtung durch andere Sorten, die Nährstoffversorgung sowie das Zweigmanagement zu besprechen.

Zieräpfel übernehmen die Befruchtung

Die Leitäste der jungen Jazz-Apfelbäume müssen konsequent nach unten gebunden werden, damit die Bäume schlank bleiben und nicht ins Holz wachsen. Diese Maßnahme geschieht schon im ersten Jahr. Dadurch wird auch gewährleistet, dass genügend Sonnenlicht an die Äpfel kommt und sie eine perfekte Farbausprägung bekommen.

Das Thema Befruchtung ist in Deutschland nicht ganz so einfach wie in Neuseeland. Nach den Erfahrungen von Marc Leprince befruchten Pink Lady den Jazz-Apfel perfekt – allerdings wird Pink Lady hier nicht angebaut. Auch mit `Idared´ oder `Granny Smith´ seien gute Erfolge zu erzielen. Die Empfehlung lautet, 15 % einer der genannten Sorten in den Jazz-Bestand zu bringen. Entweder in ganzen Reihen oder durch Bäume, die dazwischen gepflanzt werden. Alternativ können nach Aussage der Neuseeländer auch verschiedene Zieräpfelsorten, die zwischen die Jazz-Bäume gepflanzt werden, die Bestäubung übernehmen. Von diesen werden auch im Obsthof Schick ca. 7 bis 10 % in die Jazz-Bestände gepflanzt. Umgeben sind die Jazz-Äpfel aus 2016 mit Bäumen der Sorte `Gala´, die die Befruchtung mit übernehmen können.

Die Apfelerzeuger sammeln seit dem vergangenen Jahr Erfahrungen mit dem Markenapfel „Jazz“ und werden dabei von Obstbauberater Gerhard Baab vom DLR Rheinpfalz begleitet. „Sie braucht nicht mehr Arbeit als andere Sorten, man muss nur andere Arbeiten machen“, erklärte Marc Leprince. Der Neuseeländer ist davon überzeugt, dass der Anbau von Jazz in der Pfalz ein Erfolg wird: „Wenn die Qualitäten stimmen, ist die Sorte eine Investition in die Zukunft. Jazz ist einer der teuersten Äpfel auf dem Markt.“

Imke Brammert-Schröder


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